Außenaufnahme auf einem Schlachthof in Brandenburg (Quelle: Animal Rights Watch)
Video: Brandenburg Aktuell | 22.11.2018 | U. Barthel/ F. Herkt | Bild: Animal Rights Watch

Tierquälerei in Brandenburger Betrieb - Rinder trotz amtlicher Kontrolle nicht fachgerecht geschlachtet

Schläge, Tritte, fehlerhafte Betäubung: Wegen massiver Verstöße gegen den Tierschutz darf ein Schlachthof in Brandenburg keine Rinder mehr schlachten. Videoaufnahmen belegen nun: Die Schlachttiere erlitten unnötige Schmerzen, obwohl eine Tierärztin anwesend war. Von Ute Barthel

Im Fall der massiven Verstöße gegen den Tierschutz bei der Hakenberger Fleisch GmbH im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gibt es nun auch Vorwürfe gegen die zuständigen Amtstierärzte. Nach rbb-Informationen ist eine Mitarbeiterin des Veterinäramtes vor Ort gewesen, als Tiere unzureichend betäubt und somit teilweise noch bei Bewusstsein geschlachtet wurden. Das belegen Videoaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA), die dem rbb vorliegen.

Dort ist folgende Szene zu sehen: Ein Rind steht in der Betäubungsbox. Der Schlachter setzt das Bolzenschußgerät auf den Kopf des Tieres, ein Schuss ertönt. Doch das Tier ist nicht betäubt. Dann taucht die Mitarbeiterin des Veterinäramtes auf und ruft: "Nachschießen! Sofort!" Erst der nächste Schuss wirkt. Obwohl die Tierärztin vor Ort ist, kommt es an diesem Tag noch zu weiteren Fehlbetäubungen der Schlachttiere, die dadurch unnötige Schmerzen erleiden müssen.

"Das ist strafrechtlich zu würdigen"

Kai Braunmiller von der Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz vermutet, dass das eingesetzte Bolzenschussgerät für die Betäubung nicht geeignet war. "Wenn die Betäubungsgeräte nicht funktionieren, dann ist der Anwender, also der Betäuber, verantwortlich. Dann muss er aufhören und schauen, woran es liegt", sagt Braunmiller.

Aber auch den für die Überwachung zuständigen Veterinären hätte Braunmiller zufolge auffallen müssen, dass das Bolzenschussgerät fehlerhaft war. "Wenn die das sehen, müssen sie auch gleich eingreifen. Dass man das hier so laufen lässt, das ist absolut strafrechtlich zu würdigen."

Die Leiterin des Kreisveterinäramtes, Simone Heiland, verteidigt ihre Mitarbeiterin auf Nachfrage von rbb|24. "Sie hat mir glaubhaft versichert, dass sie diese Verstöße nicht mitbekommen hat", sagt Heiland. Die Veterinärin müsse an einem Schlachttag viele Arbeitsprozesse in dem Betrieb überwachen. "Und sie ist nicht immer im Schlachtraum anwesend und nicht jedes Mal dabei, wenn ein Tier getötet wird." So habe die Mitarbeiterin an diesem Tag auch keine Tierschutzverletzungen dokumentiert.

Verstöße gegen Tierschutz führten zu Entlassung

Nach Angaben der Amtsleiterin Simone Heiland sind in der Vergangenheit bereits Verstöße gegen den Tierschutz bei dem Betrieb bekannt geworden. Es gab ein Verfahren gegen einen Mitarbeiter, der einen Elektrotreiber unzulässig eingesetzt haben soll. Der damals beschuldigte Fleischermeister André Wildt bestreitet jedoch, gegen Tierschutzregeln verstoßen zu haben.

Das Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von 200 Euro eingestellt. Wildt war von 2014 bis 2016 als Fleischer in der Hakenberger Fleisch AG tätig. Dem rbb sagte er, dass es damals eine gewisse Nähe zwischen dem Amtstierarzt und der Geschäftsleitung gegeben haben soll. So soll ein Tierarzt vom Betrieb Gutscheine und einen Kredit erhalten haben.

"Dies ist mir aufgefallen, weil ich Einblick in die Buchhaltung hatte. Jeden Monat ist ein Betrag vom Tierarzt auf das Konto der Hakenberger Fleisch GmbH gegangen. Im Buchungsauftrag stand Darlehensvertrag", berichtet der ehemalige Fleischermeister.

Verdacht der Vorteilsnahme

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsnahme, bestätigt der leitende Oberstaatsanwalt, Wilfried Lehmann, rbb|24. Die Ermittlungen stehen demnach kurz vor dem Abschluss. "Wir sind derzeit dabei, Verbindungen zu dem aktuell noch laufenden Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz auszuwerten", so Lehmann.

Amtsleiterin Simone Heiland wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern. Der betreffende Kollege werde aber nicht mehr für die Überwachung von Schlachtbetrieben eingesetzt. Der Geschäftsführer der Hakenberger Fleisch GmbH, Jens Winter, beantwortete die Fragen zu dem Vorwurf der Vorteilsnahme auf rbb-Anfrage nur schriftlich: "Die Relevanz dieser Behauptungen werden gerade durch die Staatsanwaltschaft geprüft. Sie sind so nicht korrekt."

Eine plausible Erklärung, wie es trotz amtlicher Überwachung zu den massiven Tierschutzverletzungen in dem Betrieb kommen konnte, kann jedoch weder der Geschäftsführer noch die Amtsleiterin geben.

Sendung: Brandenburg aktuell, 21.11.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Ute Barthel

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18 Kommentare

  1. 18.

    Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.

  2. 17.

    Bei mir spritzt nix in der Pfanne, denn ich esse kein Fleisch.
    Ansonsten: träumen hilft nicht:
    "Romantische Vorstellungen zu „glücklichen“ Rindern und freilaufenden Hühnern auf kleinen bäuerlichen Familienbetrieben entsprechen jedoch nicht immer der Realität in Bio-Betrieben. Auch EU-Bio-Fleisch wird inzwischen in Massenbetrieben erzeugt und einige Anbauverbände zertifizieren auch Großbetriebe, zum Beispiel in der Hühner- und Eierproduktion. Dennoch liegen die Standards hier weit über den gesetzlichen Vorgaben zur Tierhaltung. "
    Quelle: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bio-fair-regional/labels/15604.html

  3. 16.

    so viele Bioprodukte wie massenhaft angebeoten, kann es gar nicht geben. Dazu eine reportage der ARD :

    https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/vorsicht-verbraucherfalle/sendung/schwindel-mit-dem-eu-bio-siegel-100.html

  4. 15.

    " Schön aufpassen wenn das Billigfleisch in der Pfanne nur so um sich her spritzt. "
    was da spritzt ist der Wasseranteil im Fleisch

  5. 13.

    Wie kommen Sie darauf? In der herkömmlichen Massentierhaltung werden diese bedauernswerten Tiere durch die Lande gekarrt, bevor es zum Schlachthof geht. Sogar außer Landes gefahren. Streß pur für die Tiere. Bei Biohöfen wird genau darauf geachtet, das der Schlachtweg möglichst gering bleibt um eben jeden Streß bei den Tieren zu verhindern. Daran erkennt man schon den Qualitätsunterschied. Obendrein werden die Tiere nicht in Zwingern gehalten, sondern haben genügend Auslauf. Die Streßhormone zeigen sich später auch im Fleisch wieder. Schön aufpassen wenn das Billigfleisch in der Pfanne nur so um sich her spritzt. Guten Appetit.

  6. 12.

    Das ist eine illusorische Vorstellung, dass Bio-Betriebe nichts mit Massentierhaltung zu tun hätten. Bio-Ware, ob Fleisch, Gemüse, Obst oder Getreide, wird schon lange massenhaft hergestellt, unter genau den gleichen Bedingungen wie Nicht-Bio-Produkte, nur ohne etliche schädliche Zusätze.

  7. 11.

    Mir stößt vielmehr auf, dass diese Schlachterei ja nach Bio-Standart gearbeitet haben sollte. So haben hier auch Bio-Betriebe schlachten lassen, keine Massentierhaltungsbetriebe.

    Antwort zu Rene: Die Schlachtung erfolgt, soviel ich weiß, generell durch einen Schnitt durch die Halsschlagader und Luftröhre - nachdem das Tier betäubt wurde und nichts mehr spürt. Das setzt allerdings eine fachgerechte Betäubung voraus.

    Beim von Ihnen angeführten Schächten von Tieren erfolgt der Schnitt ohne Betäubung.

  8. 10.

    Sie beschreiben es mit einigen Sätzen vollkommen richtig. Ein ganz wesentlicher Grund weshalb ich auf Billigfleisch verzichte.

  9. 9.

    Dieses ist eindeutig eine Schutzbehauptung seitens der Leiterin des Kreisveterinäramtes Heiland, solche Aussage hört man ständig um den eignen Kopf aus der Schlinge zu retten.
    Es ist gang und gebe, dass Mitarbeiter des Veterinäramtes mit geschlossenen Augen durch die Schlachthöfe laufen.
    Die Veterinärin hat im Schlachtraum anwesend zu sein, und nicht in Betrieb andere Arbeitsprozesse zu überwachen.

    Die Leiterin des Kreisveterinäramtes, Simone Heiland, verteidigt ihre Mitarbeiterin auf Nachfrage von rbb|24. "Sie hat mir glaubhaft versichert, dass sie diese Verstöße nicht mitbekommen hat", sagt Heiland. Die Veterinärin müsse an einem Schlachttag viele Arbeitsprozesse in dem Betrieb überwachen. "Und sie ist nicht immer im Schlachtraum anwesend und nicht jedes Mal dabei, wenn ein Tier getötet wird." So habe die Mitarbeiterin an diesem Tag auch keine Tierschutzverletzungen dokumentiert.

  10. 8.

    Das Schächten ist Verboten!!
    Alle die an der Tierquälerei auf dem Schlachthof beteiligt waren, sollte man in hinter Gitter bringen, auf solche Verbrecher wird dort bereits gewartet. Egal ob es der Schlachthof Betreiber sowie Mitarbeiter bis zu den zuständigen Behörden alle haben weg gesehen. In diesem Falle bin ich auch der Meinung, dass die Approbation der Tierärztin und Tierärzte entzogen werden. Nach meiner Kenntnisse ist die Tierärztekammer für die vergrabe der Approbation nicht zuständig, sondern die Approbation Behörde in Frankfurt (Oder).

  11. 7.

    Stress für das Tier beim Schlachten bedeutet auch, dass die Qualität des Fleisches abnimmt. Das ist dann auch Betrug am Konsumenten. Da sollte ein Schlachtbetrieb schon sorgfältiger arbeiten.

  12. 6.

    Dieses ganze System der massenproduzierenden Fleischverarbeitung und -verwertung ist krank, weil es auf Tierquälerei praktisch angelegt ist, die beginnt ja nicht mit dem Prozedere der Schlachtung, sondern fängt schon bei Aufzucht, Transporten und Haltung an. Diese widerwärtigen Zustände lassen sich nur ändern, wenn wir auf Fleischverzehr verzichten und wenn sich kein Tierarzt mehr findet, der diese pathologischen Machenschaften stützt, sondern sie stattdessen anprangert!!

  13. 5.

    @ Schukar: "Meister" ist der, der vor Ort ist und in der Hierarchie zwischen dem Schlachter und dem Geschäftsführer steht. Wir können ihn auch Betriebsleiter, Chef oder direkter Vorgesetzter nennen...

  14. 3.

    Im Beitrag steht das auch gegen den Geschäftsführer ermittelt wird. Also stimmt so die Aussage nicht.
    Zusätzlich bin ich auch als Mitarbeiter für mein Handeln verantwortlich. Als Schlachter bin ich befähigt zu erkennen, in diesem Fall sogar als einfacher Laie, dass etwas nicht stimmt und ich gerade ein Tier quäle.

  15. 2.

    In diesem Falle sollte sich die Tierärztekammer einschalten und ein Berufsgerichtsverfahren mit dem Ziel der Aberkennung der Approbation der Tierärztin anstreben.

  16. 1.

    Wer ist denn in der Verantwortung für die Abläufe im Betrieb? Oder wusste der Meister auch von nichts? Kein Meister und kein Tierarzt sind bei den Schlachtvorgängen anwesend? Na klar. Wie immer, der Schwächste soll die Dresche abkriegen und die eigentlichen Verantwortlichen sind fein raus oder wie?

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