Das Gleis der seit 1980 stillgelegten Siemensbahn (Bild: rbb/Sebastian Schöbel)
Video: Abendschau | 27.11.2018 | Georg Berger | Bild: rbb/Sebastian Schöbel

Bahn präsentiert Strecke - Wird die Siemensbahn wiederbelebt?

Seit 38 Jahren fahren auf der Siemensbahn keine Züge mehr. Doch das könnte sich ändern: Siemens will in Spandau für 600 Millionen einen Technologie-Campus bauen und braucht eine bessere Anbindung. Jetzt hat die Bahn einen Streckenabschnitt präsentiert.

Bäume wachsen aus den Gleisen, die Bahnsteige sind löchrig, die Gleise krumm. Und doch: Bis Ende kommenden Jahres will die Deutsche Bahn im Auftrag des Senats prüfen, ob, wann und wie der fünf Kilometer lange Abschnitt der Siemensbahn in Berlin-Spandau wieder in Betrieb genommen werden kann. Bei einem positiven Bescheid könnten die viele Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten innerhalb der nächsten zehn Jahre abgeschlossen werden - pünktlich zur geplanten Eröffnung des Siemens-Campus. 

Übergebliebene Teile der seit 1980 stillgelegten Siemensbahn (Bild: rbb/Sebastian Schöbel)
Marodes Gebäude an der Strecke der Siemensbahn | Bild: rbb/Sebastian Schöbel

Neue Anbindung für den Siemens-Campus

Die Debatte um die Reaktivierung der Bahnstrecke hatte zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Der Siemens-Konzern will in der Siemensstadt für 600 Millionen Euro einen Innovationscampus errichten. Um den Standort attraktiver zu machen, soll die Anbindung an den Nahverkehr besser werden. Bisher fahren lediglich Busse und die U-Bahn-Linie 7 in die Siemensstadt.

Die S-Bahntrasse wurde in den Jahren 1927 bis 1929 gebaut und fuhr zu Spitzenzeiten im Fünf-Minuten-Takt zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Gartenfeld. Ende 1980, nach dem S-Bahn-Boykott durch die West-Berliner, wurde die kaum noch genutzte Strecke stillgelegt. Der Berliner Bahnbevollmächtigte Alexander Kaczmarek hat am Dienstag eine Gruppe Journalisten durch den früheren Bahnhof Wernerwerk zwischen den Haltestellen Jungfernheide und Siemensstadt geführt. 

In dem vom Zerfall gekennzeichneten Gebäude herrscht alte Eisenbahnatmosphäre, doch auch Spuren von Vandalismus sind erkennbar. Das Zugführerhäuschen hatte noch bis vor ein paar Jahren ein Dach, dann wurde darin gekokelt. Übrig blieben nur die Mauern, "ein Glück, dass nicht noch mehr passiert ist", sagt Kaczmarek. 

Verlauf der Siemensbahn

Verluaf der Siemensbahn als Karte (Quelle: Bing-Maps/rbb|24)
| Bild: Bing-Maps/rbb|24

Bahnstrecke bislang nicht entwidmet

Planungstechnisch wäre eine Reaktivierung der Siemensbahn relativ schnell möglich. Die Trasse wurde nie als Bahnstrecke entwidmet, auf zeitaufwändige Planfeststellungsverfahren könnte deshalb verzichtet werden.

Interessant ist eine Wiederbelebung der Strecke auch, weil am Ende der Trasse, in Gartenfeld, derzeit Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen entstehen, die dringend eine Anbindung an die Berliner Innenstadt brauchen. Möglich wäre auch eine Verlängerung der Strecke über die Havel nach Spandau oder eine Anbindung des Flughafengeländes in Tegel, wo nach Ende des Flugbetriebs ebenfalls Wohnungen und ein Innovationscampus entstehen sollen.

Das Gleis der seit 1980 stillgelegten Siemensbahn (Bild: rbb/Sebastian Schöbel)
So sieht es heute auf der Strecke der Siemensbahn aus | Bild: rbb/Sebastian Schöbel

Die Deutsche Bahn und der Berliner Fahrgastverband IGEB haben bereits ihre Zustimmung für die Reaktivierung der Strecke signalisiert. Nun warten die Deutsche Bahn und der Senat auf das für für Ende 2019 angekündigte Gutachten, das Aufschluss über mögliche Kosten und die Bauzeit liefern soll. Erste Untersuchungen haben bereits ergeben, dass der Viadukt tragfähig ist.

Geisterbahnhöfe und überwucherte Bahntrassen

Sendung: Inforadio, 27.11.2018, 18 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Was bitte ist ein "Zugfahrerhäuschen"?
    Davon abgesehen - was wurde in den letzten Jahrzehnten - besonders nach der Wende und den Lückenschlüssen - von den Politikern auf Eröffnungsreden nicht alles versprochen. Eingleisig nach Potsdam, Teltow Stadt (Abschnitt Südende - Lichterfelde Ost), Schönholz - Hennigsdorf - alles erstmal nur provisorisch. Das wird alles später zweigleisig ausgebaut. Jaja ...
    Verbindung Hennigsdorf - Velten, S-Bahn nach Falkensee ... Diese Themen werden immer mal wieder hervorgekramt. Deshalb: Siemensbahn? Abwarten!

  2. 7.

    Info in ihre Echokammer: In eineinhalb Jahren RRG wurde mehr für die Wirtschaft (und vor allem für die Bevölkerung) getan als in den Jahren davor von schwarz/rot.

    Danke für ihre Aufmerksamkeit.

  3. 6.

    Das wäre schön, wenn die s-bahn wieder fährt. hoffentlich erlebe ich das noch :-)

  4. 5.

    Da muss erst ein grosser Konzern kommen, damit Berlin über intelligente Lösungen für den Verkehr von heute und morgen nachdenkt!
    Sinnvoll wäre gleich der Beginn des Ausbaus der U-Bahn von Spandau in die Wasserstadt Spandau (bevor die ganzen neuen Wohnungen fertig werden) sowie nach Gatow/Kladow.

  5. 4.

    Gegen den Wiederbetrieb spricht die fast parallel fahrende U7 mit besten Anschlüssen. Auf der bisherigen Bahntrasse sollte besser in einen Fahrradschnellweg investiert werden.

  6. 3.

    Sinnvoll ! Sofort umsetzen ! Aber wuerde mich fast wundern, wenn das unter r2g angegangen wird - denn zuviel Wirtschaft darf nicht sein ....

  7. 2.

    Schön, wenn ich das noch erleben darf - mal wieder auf der Strecke zu fahren. Danke auch für die Einstellung (0:46) mit der Nachricht an den wahrscheinlich autofahrenden Vater ;)

  8. 1.

    Werter Herr Kaczmarek,

    dann reden Sie doch mal mit Frau Nikutta, eventuell könnten ja mal BVG und S-Bahn an einem Strang ziehen?

    Da kenne ich noch ein weiteres Beispiel; S25 Abschnitt Schönholz bis Hennigsdorf... Auch hier muss saniert werden. Die BVG will die U6 sanieren, ja leider fehlt es an Schienen... Doch die Deutsch Bahn könnte helfen, würde sie doch besagte fehlende Schienen beschaffen, könnte die BVG mit ihren Elektrikern und Fachleuten für System-Elektronik die Signale bei der Bahn heile machen.

    Soll heißen: Nicht hätte würde wäre, sondern Fragen, es Machen, und Angebot annehmen. Dann haben beide was von BVG heile U6, S-Bahn (DB) heile Siemensbahn und S25. Wer zahlt? Siemens und der Senat.

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