Model und Ex-Sänger der Band Squeezer, Jim Reeves, bei der Fashion Week in Berlin 2015 (Quelle: imago/Ralf Mueller)
Bild: imago stock&people

Besonders schwerer Fall von Totschlag - Haftstrafen nach tödlichem Angriff auf Ex-Squeezer-Sänger

Im Prozess um den Foltertod des früheren Sqeezer-Sängers Jim Reeves in einem Berliner Hostel sind die beiden Angeklagten am Dienstag zu langen Haftstrafen wegen Totschlags verurteilt worden.

Das Landgericht Berlin verurteilte einen 24-jährigen Mann zu 14 Jahren und einen 31-jährigen Mann zu 13 Jahren Haft. Die als Bauarbeiter tätigen Männer hätten sich des Totschlags in einem besonders schweren Fall sowie des besonders schweren Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person schuldig gemacht, begründete das Landgericht. Beide seien erheblich alkoholisiert gewesen.

Trunkenheit als strafmildernder Faktor

Die Verurteilten müssen zusammengenommen mehr als 3.500 Euro Schmerzensgeld an die Familie des Getöteten zahlen. Für den alkoholkranken 31-Jährigen ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Mit der seltenen Feststellung eines besonders schweren Totschlags hätte das Gericht auch eine lebenslange Freiheitsstrafe wie bei einem Mord verhängen können, erkannte aber unter anderem die schwere Trunkenheit der Angeklagten strafmildernd an.

Die Männer hatten den 47 Jahre alten Sänger, der in den 1990er Jahren mit seiner Band Sqeezer erfolgreich war, im Februar 2016 in einem Sechs-Bett-Zimmer brutal getötet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: rbb UM6, 06.11.2018, 18 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Mein Beileid den Hinterbliebenen.

    Eine Strafe kann immer nur symbolisch sein. Wie sollte ein Menschenleben denn bemessen werden? 100, 200 Jahre Gefängnis? Auch die wortwörtlich lebenslange Haft ist nicht vereinbar mit Menschenrechten, weil letztere auch für Täter*innen schwerster Verbrechen gelten.

    Entscheidend für das Strafmaß ist auch, dass ein*e mutmaßliche Täter*in über volle Selbstbestimmungsfähigkeit verfügen muss, um eine entsprechende Strafe zu erhalten. Das ist völlig unabhängig von der Schwere einer Tat. Wer alkoholisiert eine Tat verübt, ist eingeschränkt selbstbestimmt. Ob die Person sich bewusst in diese juristisch verzwickte, weil strafmildernde, Lage gebracht hat, ist ohne Beweise leider unerheblich.

    Wenn es aber darum geht, Straftaten gegen Menschen verhältnismäßiger und angemessener zu bestrafen im Vergleich zu Straftaten bzgl. Objekten, Besitz etc., bin ich ganz bei Ihnen. Nur härtere Strafen per se helfen niemandem und schrecken auch nicht ab.

  2. 3.

    14 und 13 Jahre für die Vernichtung eines Menschenlebens. Das sind ja Discountpreise. Glaubt der Rechtsstaat damit jemanden abschrecken zu können? 14 Jahre ins kostenlose Staatshotel mit Vollpension. Und das gilt hierzulande schon als harte Strafe.

  3. 2.

    @RoT: es ist die Frage, ob "vorsätzlich" gesoffen wurde - gerade, wenn jemand Alkoholiker.
    Aber ich stimme Ihnen so oder so zu. Für mich ein völliges Unding in der Rechtsprechung, dass Alkoholisiertheit strafmindernd sich auswirken kann. Wie Sie, so sagt mir mein Rechtsempfinden, dass das Gegenteil der Fall sein sollte. Wer sich, bzw. sein Suchtverhalten nicht in den Griff bekommt und alles tut, etwas dagegen zu unternehmen, handelt fahrlässig.

  4. 1.

    Unglaublich, dass vorsätzlicher Suff strafmildernd ist. Für mich wäre es strafverschärfend! Ich nenne das Wattebausch-Justiz.

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