Der Mauerpark wird zwischen Oderberger und Gleimstraße untertunnelt. In einem halben Kilometer Tiefe entsteht Berlins größtes Regenwasserauffangsystem. (Quelle: rbb|24/Mark Allhoff)
Video: Abendschau | 10.11.2018 | Sabrina Wendling | Bild: rbb|24/Mark Allhoff

Abwasserspeicher unter dem Mauerpark - Nur noch Tunnelblick

Es ist das bisher größte Staubecken Berlins: der Abwasserspeicher unter dem Mauerpark im Prenzlauer Berg. Jahrelang hinter Bauzäunen versteckt, dürfen Normalbürger am Wochenende einmalig unter Tage - mit Helm, Weste und Kreide. Von Mark Allhoff 

Es geht bergab. 13 Meter führen die knarzenden Eisenstufen des Baustellengerüsts in die Tiefe. Dahin, wo Bohrmaschine Kerstin bis vor kurzem noch einen riesigen Tunnel unter den Mauerpark gegraben hat. Und wenn Stefan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, von den Dimensionen des künftigen Abwasserspeichers spricht, liegt eine große Portion Stolz in seiner Stimme: "654 Meter Länge, viereinhalb Meter Durchmesser und ein Fassungsvermögen von 7.600 Kubikmetern."

Bisher hüteten die Wasserbetriebe ihr 20-Millionen-Euro-Bauprojekt wie ein großes Geheimnis. An zwei Tagen sind die Bauzäune an der Bernauer Straße im Süden und der Gleimstraße im Norden jetzt aber ausnahmsweise für Besucher geöffnet - zum ersten und einzigen Mal.

"Sieht aus wie ein Drogentrip"

Diese Chance nutzen viele. Um die Menschenmassen möglichst kontrolliert durch die gewaltige Betonröhre zu schleusen, ist die Besucherzahl am Wochenende auf insgesamt rund 3.500 beschränkt. 99 Personen dürfen gleichzeitig in den Tunnel. Ein Spaziergang dauert 20 Minuten.

"Das sieht aus wie ein Drogentrip", flüstert eine junge Frau am Eingang. Und das ist gar nicht so weit hergeholt: Neonröhren werfen violettes und hellgrünes Licht auf die Innenwände, dumpfe Echos und Gemurmel hallen durch das Rund, Kritzeleien bedecken den grauen Beton.

Helm, Weste und Kreide

Die Wände zu bemalen, ist explizit erwünscht: Vor dem Gang in die Tiefe wird neben Bauhelmen und Leuchtwesten nämlich Kreide verteilt. "Die Zeichnungen werden zwar bald wieder weggespült", sagt Natz. "Das Foto kann einem aber keiner mehr nehmen."

Dorthin, wo sich gerade knapp 100 Menschen durch den Untergrund des Mauerparks schlängeln, soll schon bald Abwasser gepumpt werden. Bei Starkregen soll der mächtige Stauraumkanal dazu dienen, dass Schmutzwasser nicht aus der übervollen Kanalisation in die nahegelegene Panke und somit auch in die Spree fließt. "Für dieses Jahr wäre das aber eine Fehlinvestition gewesen", sagt ein Besucher zu Stefan Natz. "Das stimmt", antwortet er. "Aber unter normalen Umständen wird sich der Stauraumkanal etwa 50 Mal im Jahr füllen - natürlich mit unterschiedlich hoher Wassermenge."

Tunnelspaziergang im Zeitraffer

Der Mauerpark wird zwischen Oderberger und Gleimstraße untertunnelt. In einem halben Kilometer Tiefe entsteht Berlins größtes Regenwasserauffangsystem. (Quelle: rbb|24/Mark Allhoff)
rbb|24/Mark Allhoff

    

Unerwünschte Mitbewohner

Ein Sommergewitter würde schon ausreichen, damit der Kanal zum Einsatz kommt. Denn der Tunnel hat ein 175 Hektar großes Einzugsgebiet. "Beeindruckend", findet das eine Besucherin, für die der Ausflug unter Tage ein Geburtstagsgeschenk war.

Der Mauerpark wird zwischen Oderberger und Gleimstraße untertunnelt. In einem halben Kilometer Tiefe entsteht Berlins größtes Regenwasserauffangsystem. (Quelle: rbb|24/Mark Allhoff)
"Ich war hier" - Besucher schreiben mit Kreide auf die Tunnelwand.Bild: rbb|24/Mark Allhoff

Doch nicht alle Gäste sind nur wegen der Tunnelwanderung hier. Kurz bevor das Licht am Ende des Tunnels erreicht ist, erzählen zwei Anwohner aus der Gleimstraße von ungebetenen Gästen: "Seitdem die Baustelle da ist, machen es sich Mäuse bei uns gemütlich. Ob es da wirklich einen Zusammenhang gibt, wollen wir gerne hier klären." Oder noch rund ein Jahr mit den tierischen Mitbewohnern leben – dann sollen die letzten Baumaschinen den Mauerpark planmäßig verlassen.

Sendung: Abendschau, 10.11.2018, 19:30 Uhr

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