Sicherheitsmitarbeiter schlägt Mann im U-Bahnhof Boddinstraße (Bild: rbb)
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Szenen einer U-Bahnnacht - BVG-Sicherheitsmitarbeiter schlägt Mann am U-Bahnhof

Ein Neuköllner U-Bahnhof in der Nacht zum Mittwoch: Ein Streit eskaliert, Gewalt passiert, Handys filmen. Ein BVG-Sicherheitsmitarbeiter schlägt an der Boddinstraße einen Mann. Zu dem Video der Tat im Netz gibt es aber noch mehr zu sagen. Von Bettina Rehmann

Neukölln. U-Bahnhof Boddinstraße. Mitternacht. Ein Mann wird von zwei Sicherheitsmitarbeitern in Richtung Ausgang begleitet. Es wird geschimpft, die Stimmung ist gereizt, eine Gruppe junger Menschen läuft mit gezückten Smartphones im Videomodus nebenher. Offensichtlich will der Mann, den die Sicherheitsmitarbeiter gerne draußen hätten, nicht gehen. Er lässt sich ein paar Treppenstufen in Richtung Ausgang drängen, dann überlegt er es sich anders und kommt zurück.  

Auf einem Video dieser Szene, das seit Mittwochmorgen auf Facebook die Runde macht und heftige Reaktionen hervorruft, ist zu sehen, wie der Mann dann drei Stufen wieder zurück in den U-Bahnhof läuft, und, unten angekommen, von einem der Sicherheitsmitarbeiter ins Gesicht geschlagen wird. In einer längeren Version des Videos, das rbb|24 vorliegt, entwickelt sich die Szene weiter. Die Zuschauenden sind aufgebracht, stellen sich nach dem brutalen Vorgehen zwischen den Sicherheitsmitarbeiter und den Mann – aber auch der ist aufgebracht und lässt sich kaum beruhigen. Er beleidigt die Sicherheitsmitarbeiter und bittet die Umstehenden um Hilfe – "Bitte helft mir, er hat mich geschlagen. Bitte ruft die Polizei."

Sicherheitsmitarbeiter will Messer gesehen haben

Auf Nachfrage erklärt BVG-Pressesprecherin Petra Reetz, der Vorfall sei intern bereits Thema gewesen. Die betreffenden Mitarbeiter, in diesem Fall Angestellte einer für die BVG tätigen Sicherheitsfirma, hätten sich dazu geäußert. Ihrem Bericht nach sei eine Gruppe aufgefordert worden, den Bahnhof zu verlassen, der Mann sei der Aufforderung nicht nachgekommen, sondern, nachdem er zunächst in Richtung Ausgang unterwegs war, zügig die Treppe herunter und zurück auf den Sicherheitsmitarbeiter zugegangen. Laut dem Sicherheitsmitarbeiter hatte der Mann plötzlich ein Messer - und das sei der Grund gewesen, warum er den Mann geschlagen habe.

Der Zeuge, der die Szene gefilmt hat, will anonym bleiben. Aber angesichts des brutalen Vorgehens des Sicherheitsmitarbeiters fühlt er sich verpflichtet, den Mann zu verteidigen. Der Mann sei nicht Teil einer Gruppe, sondern alleine unterwegs gewesen. Er sei "verpeilt" gewesen, aber nicht gewalttätig, und er habe ganz sicher kein Messer dabei gehabt, dafür hätte es viele Zeugen gegeben. Auch in dem Video ist kein Messer zu erkennen.

Es hagelte Anzeigen in der Nacht

Der Polizei, die er selbst herbeigerufen hatte, sagte der Sicherheitsmitarbeiter lediglich, der Mann habe gedroht, sie [die Sicherheitsmitarbeiter] abzustechen, von einem Messer in der Hand des Mannes keine Rede. Es hagelte dennoch in der Nacht Anzeigen, wie eine Pressesprecherin der Polizei auf Anfrage mitteilte: Der Mann stellte Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Sicherheitsmitarbeiter. Die Sicherheitsmitarbeiter zeigten den Mann ihrerseits wegen Bedrohung, Beleidigung und Hausfriedensbruch – dem eigentlichen Anlass für den Einsatz – an. Auf den U-Bahnsteigen ist die BVG Hausherr. In den öffentlich zugänglichen Bereichen wie Vorräumen oder Bahnsteigen ist es etwa laut der Hausordnung verboten, ohne die Absicht, die Fahrt anzutreten, dort zu verweilen.

Die Polizei selbst zeigte später noch den Mann wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte an, da er sich weigerte, die Beamten zur Blutentnahme zu begleiten. Auch fanden die Polizisten ein Taschenmesser bei dem Mann. Einen Haftgrund habe es, so die Sprecherin, allerdings offensichtlich nicht gegeben.

Bei der BVG würden nach einem solchen Vorfall die Mitarbeiter selbstverständlich angehört, versicherte BVG-Pressesprecherin Petra Reetz. Man wolle nun auch die Ermittlungen abwarten.

Die Polizei teilte am Mittwochabend in einer Pressemitteilung mit, der 33-jährige Mann, der geschlagen wurde, habe auf dem Weg zum Polizeifahrzeug Widerstand geleistet, "indem er versuchte, nach den Polizisten zu treten und sich fallen zu lassen." Auch im Fahrzeug habe er heftig um sich getreten. "Im Fahrzeug sitzend begann der Alkoholisierte dann, mit seinem Kopf gegen die Seitenscheibe zu schlagen, was von einem Polizeibeamten unterbunden wurde." Die Atemalkoholmessung habe einen Wert von rund 1,9 Promille ergeben.

Beitrag von Bettina Rehmann

Kommentar

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45 Kommentare

  1. 45.

    Man ist nicht nur "angeekelt" wenn man Ihre undifferenzieren dummen Beiträge liest.
    Sie waren dabei, Sie kennen die Vorgeschichte?
    Lesen Sie doch einmal den Polizeibericht.

  2. 44.

    Notwehr setzt einen Angriff voraus, hier gab es keinen. WISAG wird sich von dem Mann trennen müssen.

    Die BVG wäre gut beraten sich nach einen neuen Konzept, mindestens aber nach einer neuen "Sicherheits"-Firma umzusehen. Das ist ja nicht der erste Fall wo Mitarbeiter dieser Firma negativ auffallen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wisag#Kritik

  3. 42.

    Putativnotwehr

  4. 41.

    Und was sagt die örtliche IHK dazu? IHK in dem Fall wohl wer die Sachkunderprüfung nach § 34a GewO durchgeführt hat... und einer der Inhalte dieser Prüfung: "Umgang mit Menschen, insbesondere Verhalten in Gefahrensituationen und Deeskalationstechniken in Konfliktsituationen".

  5. 40.

    "BVG-Sicherheitsmitarbeiter schlägt Mann am U-Bahnhof"

    richtig wäre: WISAG-Sicherheitsmitarbeiter macht seine Arbeit und sollte belobigt werden.

  6. 39.

    Es muß natürlich 00:07 heißen, genauer zwischen 00:05 und 00:07.

    Spätestens bei 00:06 wäre der MA zurückgewichen hätte der andere ein Messer gehabt, er steht aber seelenruhig da und nimmt nicht einmal eine Abwehrhaltung ein wie es geübt wird. Und geübt ist er wie man an der Ausführung seines Schlags sieht.

  7. 38.

    In Bezug auf die Situation und die Sichtbarkeit des Messers im U-Bahnhof gab es verschiedene Aussagen bezüglich des Messers. Darauf bezog sich die Antwort. Wie im Artikel auch zu lesen ist, hat die Polizei später bei dem Mann auch ein Messer gefunden.

  8. 37.

    im Bericht steht, die Polizei fand ein Taschenmesser bei dem Mann. Das ist keine "Aussage" sondern eine Feststellung einer Tatsache. Oder wollen Sie nun damit sagen, die Polizei hätte gelogen?

  9. 36.

    Sie sehen nur was sie sehen WOLLEN!

    Die Statur spielt eine wesentliche Rolle! Schauen sie sich den bulligen Security MA an und dann den Hänfling, der noch dazu betrunken und was-weiß-noch ist.
    Dann schauen sie sich die Körperhaltung von beiden an, der Hänfling kann sich kaum auf den Beinen halten, der Security MA baut sich zweimal bullug vor ihm auf? Reagiert man so wenn der andere ein Messer in der Hand hat?

    00:17 sieht man genau dass der Angreifer KEIN Messer o.ä. in der Hand hat.

    Nochmal zur Körperhaltung des Security MA, geht er zurück? Nein und so wie er den Schlag ausführt ist da a) kein Messer im Spiel und b) macht er das nicht zum ersten Mal.

    Und ja, ich bin schon angegriffen worden, auch mit einem Messer. Deshalb kann ich ihnen sagen dass die Aktion des Security MA äußerst dumm war. So oder so.

  10. 35.

    Laut der Polizei wurde bei dem Mann ein Tschenmesser gefunden. Hat sich die Polizei das jetzt ausgedacht, in ihrer Meldung.
    Der Mann soll dem Sicherheitsdienst gedroht haben sie abzustechen und sich dabei an die hintere Gesäßtasche gegriffen haben. Polizeimeldung Nr. 2391

  11. 34.

    Es gab keinen Angriff des Betrunkenen PUNKT

    Es ist keiner zu erkennen, wie will man jemanden angreifen wenn ich beide Hände nah am eigenen Körper habe?
    Es liegt auch keine Angriffshaltung oder eine irgendwie geartete Bedrohung vor. Und sehr wohl spielt auch die Statur eine Rolle, schauen sie sich den Hänfling und den bulligen Security MA an!

    Und meinen sie wirklich der Security MA hätte vorher und nachher so seelenruhig da gestanden wenn ein Messer im Spiel war/ist?

    Sie sehen nur was sie sehen wollen!

  12. 32.

    leider hab ich besser hingeschaut als sie, denn offenbar schauen sie erst ab dem schlag richtig hin. die körperlichen unterschiede sind nachrangig. ich vermute mal, auf sie ist noch niemand losgegangen. denn dann wüssten sie, dass es nur auf die hemmschwelle ankommt. die übrigens durch alkohol nochmal gesenkt wird. aber sie haben ihr urteil ja schon gefällt.

  13. 31.

    Doch gab es und zwar auf das Rechtsgut Hausrecht. Er wurde verwiesen und ist dann gegen den Willen des Hausrechtsinhabers widerrechtlich eingedrungen. Damit durfte der Sicherheitsmitarbeiter in Notwehr handeln. Über die Verhältnismäßigkeit könnte man diskutieren. Da der Täter aber ein Messer bei sich hatte, hat der Sicherheitsmitarbeiter in meinen Augen richtig gehandelt.

  14. 30.

    Ach, wie plump und einfältig... Haben sie das Video überhaupt gesehen? Es gab keinen Angriff und ob man sich gegen einen Betrunkenen so "wehren" muß stelle ich in Abrede. Gucken sie sich mal beide Statuen an.

    Es gab keinen Angriff, es sei denn man bezeichnet den heimtückischen Faustschlag als Angriff.

  15. 29.

    Das hat hier auch niemand behauptet, was Sie mal wieder mit größtmöglicher Wut und Polemik unterstellen.

    Die Leute fordern lediglich eine differenzierte Betrachtungsweise.

    Aber Hauptsache mal wieder beleidigen ohne irgendwelche Handhabe. Schade, es geht auch anders. Man kann auch konstruktiv miteinander kommunizieren. Dazu sind Sie mit Ihren leider oftmals polemischen und gehässigen Kommentaren nicht in der Lage.

    Mehr Contenance bitte, in ALLE Richtungen! Sie können nicht einfach nur eine gewisse Debatten-Kultur fordern, selbige aber in keinster Weise einhalten.

  16. 28.

    Der BVG-Mitarbeiter tut mir Leid!

    Schon wieder eine mediale Hexenjagd in dieser Art.

    Ich benutze die öffentlichen Verkehrsmittel jeden Tag, und was man dort an Niveau und Aggression geboten bekommt, ist einfach nur noch Angst und wütend machend.

    Gewalt kann und sollte man natürlich niemals gutheißen. Und genauso wenig sollte man hier vorschnell den Mitarbeiter verurteilen. Was die BVGer in dieser Stadt miterleben müssen, und wie diese behandelt werden, da sind solche Gegenwehr-Reaktion kein Wunder.

    Ich muss meinem vorherigen Kommentar #25 nur beipflichten: wenn ein BVG-Mitarbeiter oder dergleichen angegangen wird, sind alle ganz still in der Bahn. Wehrt dieser sich, zücken alle gleich ihre Handyfilmchen. Widerlich.

  17. 27.

    nö, ichmeinjanur geht dann aus seiner eigenen wohnung und lässt den eindringling dort alleine. macht man das nicht so? der stärkere gewinnt

  18. 26.

    welche Selbstjustiz im speziellen meinen sie ? der geschlagene ist alkoholisiert und aggressiv auf den mitarbeiter der bvg zugelaufen. dieser hat reagiert. ein schlag ins gesicht ist nicht die beste abwehr, aber eine abwehr war notwendig. und weglaufen wäre auch keine alternative, da die bvg eben für die Sicherheit auf dem Bahnhof sorgen muss.

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