Tiefe Risse im Schlamm zeigen sich in einem ausgetrockneten Lakomaer Teich nahe dem brandenburgischen Cottbus (Quelle: dpa)
Audio: rbb|24 | 27.11.2018 | Bild: dpa

Interview | Meteorologe Dennis Dalter - "Die Trockenheit könnte noch den Winter über andauern"

Seit April hat es in Berlin und Brandenburg kaum geregnet. Das liegt an einer speziellen Wetterkonstellation: Ein Hochdruckgebiet, das sich immer wieder neu formiert, blockiert Tiefdruckgebiete, die Niederschläge bringen könnten. Ende - nicht absehbar.

Der November in der Region Berlin und Brandenburg bleibt - wie schon die Monate zuvor - zu trocken und voraussichtlich auch zu warm. Niederschläge könnte es laut Meteogroup-Meteorologe Dennis Dalter möglicherweise am Freitag geben - aber auch da falle maximal ein Liter.

Normalerweise gibt es im Monat November im Schnitt etwa 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Dieser Wert ist an keinem Ort in Berlin und Brandenburg erreicht worden. In Potsdam waren es nur 14, in Berlin-Dahlem 12 Liter. Negativrekorde halten Guteborn in der Lausitz und Perleberg in der Prignitz mit jeweils 3,8 Litern. Somit ist nur etwa ein Drittel des durchschnittlichen Niederschlags gefallen.

Möglich wird dies durch eine spezielle Wetterlage. Und die hat Ausdauer, wie Dennis Dalter erklärt.

rbb|24: Seit dem Frühjahr hat es in der Region Berlin und Brandenburg kaum geregnet. Gibt es dafür eine Erklärung, etwa eine bestimmte Wettersituation?

Dennis Dalter: Die Wettersituation hat sich in diesem Jahr sehr festgefahren. Diese großräumige Wetterlage, mit der wir es immer noch zu tun haben, besteht eigentlich schon seit dem Frühjahr. Das heißt, dass Berlin und Brandenburg sehr stark im Einflussbereich von hohem Luftdruck liegen. Und dieser hat dazu geführt, dass Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik her Deutschland erreichen hätten können und dann später in Richtung Berlin und Brandenburg vorstoßen könnten, komplett blockiert wurden. Und deswegen kam sowohl in Deutschland als auch in der Region Berlin und Brandenburg meist nur sehr wenig Regen - oder auch über weite Strecken gar kein Regen - an. Und es herrscht große Trockenheit.

Dadurch, dass das Hoch meistens mit seinem Schwerpunkt zwischen Skandinavien, West-Russland und Osteuropa lag, herrschte im Frühjahr und Sommer häufig eine östliche Windrichtung bei uns. Und dieser Wind bringt trockene Luft vom Kontinent her. Aus diesem Grund sind dann die Wege der Tiefdruckgebiete, die normalerweise vom Atlantik her Regen bringen, abgeschnitten. Und das ist jetzt auch immer noch der Fall. Im Sommer hatten wir es natürlich dadurch mit viel Sonnenschein und sehr hohen Temperaturen zu tun - obwohl die ganz große Hitze ausblieb in diesem Sommer. Nichtsdestotrotz waren dennoch die Tage meist überdurchschnittlich warm und vor allem sehr sonnenscheinreich und eben auch trocken.

Jetzt, zu dieser Jahreszeit, ist es so, dass es durch diesen Hochdruck-Einfluss dann eher grau oder trüb ist.  Aber nach wie vor fehlen Regengebiete. Auch der große Herbststurm ist ausgeblieben. Den hätten wir gehabt, wenn es Sturmtiefs geschafft hätten, in unsere Region vorzudringen. Das war nicht der Fall. Denn dieses Hochdruckgebiet hält - noch immer - komplett dagegen.

Hat dieses phänomenale Hochdruckgebiet denn einen Namen?

Das hatte über die Monate viele Namen, denn es hat sich ja immer wieder neu gebildet. Momentan heißt das Hoch Dominik.

Wie lange kann das theoretisch noch so weitergehen?

Das könnte auch noch über den Winter so andauern. Es ist momentan wirklich schwierig vorherzusagen. Insgesamt sieht es so aus, als würde sich das Wetter in den nächsten Tagen bis zum Wochenende hin umstellen. So, als würden doch mal Tiefdruckgebiete aufziehen und den dringend benötigten Regen bringen. Das könnte ab dem ersten Adventswochenende klappen. In der ersten Dezemberwoche wird es dann eher mild und wechselhaft. Mit einigen Regenfällen. Aber das kann auch nur von kurzer Dauer sein. Es kann sein, dass das Hochdruckgebiet wieder an Stärke gewinnt und es dann wieder trocken ist.

Gab es eine solche Wetterlage zuvor schon einmal in der Ausprägung?

Es gab schon häufiger solche Wetterphänomene. Aber dass sie wirklich so lange andauerten und sich an der großräumigen Konstellation eigentlich seit dem Frühjahr nicht viel geändert hat, das ist schon wirklich beeindruckend und ungewöhnlich. Nicht umsonst ist dieses Jahr nun auch, was Rekorde angeht, außergewöhnlich: sowohl von der Trockenheit als auch von der Sonnenscheindauer.

Wenn wir ähnliche Wetterlagen hatten, haben sich irgendwann doch die Tiefs vom Atlantik her durchsetzen und einen Wetterumschwung einleiten können. Wir erinnern uns: In den letzten Jahren war häufiger das Frühjahr trocken und der Sommer dann etwas durchwachsen und es gab häufiger mal Regen. Das war in diesem Sommer gar nicht der Fall. Im Frühjahr hatte man noch gedacht, dass irgendwann das Wetter umschlägt und der Sommer dann vielleicht eher verhaltener wird.

Könnte sich das im nächsten Jahr, im nächsten Sommer wiederholen?

Auf den nächsten Sommer kann man jetzt noch gar keine Rückschlüsse ziehen. In der Meteorologie kann man wirklich nur halbwegs gültige Prognosen für die nächsten ein bis zwei Wochen geben. Alles darüber hinaus geht dann doch sehr stark in die Statistik. Und die sagt, dass der Sommer, wie wir ihn dieses Jahr hatten, nicht normal ist. Normalerweise sind unsere Sommer feuchter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Priess, rbb|24

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.11.2018, 14:30 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Mal was zum Nachdenken ...
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen#textpart-1

    Ansonsten ist mir Ihr Kommentar zu „engstirnig“ um darauf noch näher einzugehen. Nur noch wenige politische Kräfte leugnen den Klimawandel.

  2. 11.

    Allein die Annahme, das jeder ein Auto hat, spricht Bände. Und natürlich gehören Kraftwerke, Flugverkehr und Schifffahrt, insbesondere Container-Schifffahrt sowie die Landwirtschaft ebenso zu den CO2-Verursachern, die es abzuschaffen gilt. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Mit weniger Automobilverkehr werden wenigstens auch gleich die Straßen sicherer und ruhiger. Aber keine Angst, ihren Fernseher nimmt Ihnen erst einmal niemand weg, obwohl auch das dem Gemeinwohl dienlich wäre.

  3. 10.

    @Dirk: Was habe Sie gegen Klimaretter? Ich bin angesichts des katastrophalen Dürrejahres 2018 eindeutig pro Klimaschutz! Dieses Jahr zeigt beispielhaft, was uns ohne Klimaschutz droht. Rekorde in jeder Kategorie: Temperatur, Sonnenschein, Dürre. So einen Dreifachrekord gab es noch nie! Wir erleben hier historische Ausmaße. Und ob ich mein Auto stehenlasse? Diese Frage stellt sich mir nicht, denn ich besitze kein Auto - auch aus ökologischen Gründen!

  4. 9.

    Lasst Ihr als selbsternannte Klimaretter eigentlich Eure Autos stehen seitdem Ihr vom Klimawandel wisst?
    Der Autoverkehr erzeugt weltweit ca. 1/3 des CO2-Ausstosses.
    Oder wollt Ihr nur die Braunkohlekraftwerke abschalten, in der Annahme dass die regenerativen Energiequellen die Energieversorgungslücke schon irgendwie füllen werden?

  5. 8.

    Solche Menschen kenne ich auch. Jede Diskussion ist da sinnlos.... sobald es kalt wird, kommt ein "wo ist denn die Klimaerwärmung?"... Ich lasse dann dieses Thema.

  6. 7.

    Das entnimmt man dem gesunden Verstand und Fakten. Aber polieren Sie ihre Kugel ruhig weiter. Dass Fake-News-Schreier wie Sie überhaupt Nachrichten auf rbb24 lesen wundert mich oder kann man das als Recherche bezeichnen?

    Dass der Mensch einen unwiderruflich negativen, desaströsen Einfluss auf diesen Planeten genommen hat und dies auch nicht ändert sind nun mal Fakten. Es wurde nicht umsonst der Begriff Anthropozän geprägt (ja, schlagen Sie ruhig nach).

  7. 6.

    In meinem Umfeld gibt es Personen, die das alles nicht wahrnehmen. Sie sehen nicht die Trockenheit und die daraus resultierenden Schäden, sondern nur, wie wunderbar sonnig und warm es ist bzw im Sommer war. Sogar jetzt, nach fast beendetem Herbst, hat es zu wenig geregnet und gemault wird trotzdem, weil es nun deutschlandtypisch kalt ist und an manchen Tagen nur grau.
    Deswegen nerven mich auch die wettervorhersagenden Radiomoderatoren, die meinen "[...] leider bewölkt, aber immerhin kein Regen.". Vorbei an der Realität!

  8. 5.

    Und am schlimmsten sind Politiker wie Woidke, Kretschmer und Haseloff die den letzten Schuss nicht gehört haben und Kohle im Interesse einer kleinen Gruppe bis mindestens 2045 verfeuern wollen.

  9. 2.

    Normalerweise, normalerweise, normalerweise. Willkommen im menschenverschuldeten Klimawandel. Diese Entwicklung ist sehr Schade. Erschreckend ist, mit welcher Hartnäckigkeit sich viele Menschen der Realität immer noch verweigern.

  10. 1.

    Ein echt sinnvoller Artikel!

    In der Titelzeile "...könnte noch den Winter über andauern", wobei der Winter doch erst am 21/22.12. beginnt?!?!
    Und dann im letzten Absatz der Verweis, daß man bis höchstens 2 Wochen halbwegs vernünftig eine Voraussage treffen kann... Da hat der Winter noch nichteinmal begonnen.

    Aber immerhin hat der Meteorologe in seiner Aussage recht "...Normalerweise sind unsere Sommer feuchter".

    Die Wetterfrösche sollten mal wieder Wettervorhersagen OHNE Computer machen! Dann hätten wir wohlmöglich vergangenden Sommer sehr viel weniger schwere Gewitter gehabt...

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