Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel
Audio: Brandenburg aktuell | 07.12.2018 | Ismahan Alboga | Bild: dpa-Zentralbild

Landgericht überlastet - Wegen Mordes verurteilter Stahnsdorfer aus Haft entlassen

Wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt und trotzdem auf freiem Fuß: Ein 64-Jähriger profitierte von einer Überlastung des Landgerichts Potsdam. Das Prozessprotokoll wurde erst Monate nach dem Urteil unterschrieben.

Wenige Monate nach seiner Verurteilung wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 64-jähriger Mann aus Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) wieder aus der Haft entlassen worden. Das Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel habe den Haftbefehl am Donnerstag aufgehoben, weil die Urteilsbegründung des Landgerichts Potsdam erst nach Monaten zugestellt werden konnte.

Laut Landgericht sei die Urteilsbegründung pünktlich erstellt worden. Es dauerte jedoch fünfeinhalb Monate, bis das ebenfalls erforderliche Protokoll des Prozesses durchgesehen und unterschrieben werden konnte. Das Gericht begründet die Verzögerung damit, dass die zuständige Strafkammer in der Zwischenzeit vierzehn weitere Haftfälle verhandeln musste.

Die lange Wartezeit sei für den Verurteilten nicht zumutbar, heißt es in der Begründung des Oberlandesgerichts für die Aufhebung der Untersuchungshaft.

Revision am Bundesgerichtshof

Bis zum Revisions-Prozess in einigen Monaten am Bundesgerichtshof in Karlsruhe bleibe der Mann auf freiem Fuß. Erst wenn das oberste deutsche Gericht eine Verurteilung wegen Mordes bestätigt, könne der Verurteilte wieder in Haft kommen, sagte Ulrich Zwick, Richter am Brandenburgischen Oberlandesgericht.

Verurteilter soll Ehefrau mit Saunabesuch gelockt haben

Nach Überzeugung der Richter war der Verurteilte am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 absichtlich mit seiner Frau im Auto auf einer Landstraße gegen einen Baum gefahren. Während der frühere Psychiater und spätere Krankenpfleger schwer verletzt überlebte, starb die 57-Jährige an den Folgen ihrer Verletzungen.

Der damals 63-Jährige habe laut dem Richter mehrfach die Absicht geäußert, gemeinsam mit seiner Frau aus dem Leben zu scheiden. Im Jahr 2015 lebte das Ehepaar bereits getrennt, nachdem es in den Jahren zuvor viel gestritten hatte. Mit der Aussicht auf einen Saunabesuch habe er seine Ehefrau dann am ersten Weihnachtstag 2015 ins Auto gelockt, so der Richter.

Der Mann hatte vor Gericht angegeben, dass er nach dem Saunabesuch Kreislaufprobleme gehabt und kurz vor dem Unfall das Bewusstsein verloren habe. Außerdem berief er sich darauf, dass er bei dem Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten habe.

Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert

Beides hielt das Gericht für nicht glaubhaft. Es sei davon auszugehen, dass der 63-Jährige das Auto schon auf dem Weg zur Sauna gegen den Baum gesteuert habe. "Sie haben ihren lang gehegten Plan umsetzen wollen, gemeinsam mit ihrer Frau aus dem Leben zu scheiden", betonte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft wegen Mordes gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ist ja prima. Da läuft also ein verurteilter Mörder wieder frei rum.

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