Ein kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole, einem Magazin und einer Knallpatrone (Quelle: dpa/Oliver Killig)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.12.2018 | Interview mit Andreas Schuster (GdP) | Bild: dpa/Oliver Killig

In Berlin und Brandenburg - Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen steigt deutlich

Die Zahl der kleinen Waffenscheine in Berlin und Brandenburg hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Das zeigen Zahlen der Innenministerien der Länder. Damit dürfen immer mehr Menschen Reiz-, Signal- und Schreckschusswaffen tragen.

In Berlin und Brandenburg sind doppelt so viele Waffenscheine im Nationalen Waffenregister registriert wie noch vor wenigen Jahren. Das hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland mit einer Umfrage unter den Innenministerien der 16 Bundesländer recherchiert.

Die Zahl der kleinen Waffenscheine in Berlin habe sich seit 2014 von knapp 9.000 auf fast 19.000 Ende Oktober 2018 mehr als verdoppelt.

In Brandenburg hatten 2015 noch rund 7.000 Brandenburger eine solche Lizenz, Ende Oktober dieses Jahres waren es fast 16.000 Menschen.

Bundesweiter Trend bestätigt

Der Trend zu mehr Waffenscheinen ist der Umfrage zufolge auch bundesweit zu beobachten: Ende Oktober 2018 waren insgesamt 599.940 kleine Waffenscheine registriert. 2014 waren es noch 261.332 und damit weniger als die Hälfte.

Auch im letzten Jahr ist die Zahl der Lizenzen weiter gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag hervor. Demnach waren Ende 2017 noch 557.560 Waffenscheine registriert.

Als möglicher Grund für das gestiegene Interesse an den Berechtigungen war in den vergangenen Jahren immer wieder Verunsicherung etwa durch Terroranschläge genannt worden.

Mehr Angst in der Bevölkerung

"Es ist ein Ausdruck von zunehmender subjektiver Unsicherheit in der Bevölkerung, Angst vor Kriminalität, Angst vor Übergriffen", begründet auch Andreas Schuster von der Gewerkschaft der Polizei in Brandenburg den hohen Zuwachs an kleinen Waffenscheinen. Der Grund dafür sei auch, dass in den letzten zehn Jahren Personal in der Polizei abgebaut worden sei. "Man sieht weniger Polizei vor Ort und das verstärkt natürlich auch das subjektive Unsicherheitsgefühl", meint Schuster im Interview mit dem rbb.

Warnung vor amerikanischen Verhältnissen

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, reagierte besorgt. Man müsse aufpassen, dass man in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekomme. Es bestehe die Gefahr, dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt würden und ihre Inhaber sich selbst gefährdeten, so Radek.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Irene Mihalic sagte, mehr private Waffen schafften nicht mehr Sicherheit. Sie hätten vielmehr das Potenzial Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen. Der Präsidiumssprecher der Brandenburger Polizei, Mario Heinemann, betonte in einem Beitrag der "Märkischen Allgemeinen", es müsse sich jeder fragen, ob es sinnvoll sei, sich zu bewaffnen. Ein Gegenüber könne oftmals nicht erkennen, ob es sich um eine Reizstoff- oder eine scharfe Waffe handele. Dadurch könnten Situationen eskalieren. Zudem könnten auch diese Waffen zu schweren Verletzungen etwa am Auge führen.

Keine Auflagen für den Kauf

Voraussetzung für den kleinen Waffenschein ist ein Mindestalter von 18 Jahren, Antragssteller müssen zudem als zuverlässig und geeignet gelten. Der kleine Waffenschein erlaubt das verdeckte Tragen von Schreckschuss- und Signalwaffen sowie Reizgas. Benutzen darf man die Waffen nur im Notfall. Für den Kauf gibt es dagegen keine Auflagen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.12.2018, 8:00 Uhr

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    Ja, Fakten, Tatsachen können diskriminierend sein. Da Männer in der Auffassung Gewalt hilft, viel Gewalt hilft viel nunmal die Mehrheit stellen. Und deshalb jene sind die sich dafür bewaffnen und mit allerlei Begründungen einen leichter zugänglichen Zugang zu Waffen befürworten....verletzen und töten sich eben auch mehr Männer und meist untereinander.
    Ganz schön blöd - was? Aber so ist es halt. Sie haben ja die Chance ein anderer Mann zu sein. In den USA wird dieser diskriminierende Schwachsinn ja sogar als Grundrecht angesehen. Tragen alle Waffen, traut sich keiner auf den anderen zu schiessen. Ist zwar in der Realität nicht so. Wie die Mord- Totschlag und Amok-Rate in den USA zeigt. Aber was solls. Männer sind gewöhnt den grössten Mist als Selbstverständlich zu nehmen. Das Frauen weniger Lohn bekommen, die längste Zeit und an vielen Orten der Welt weniger Rechte haben...das es das reinste Glück der Frauen ist, Männern ihre Wünsche demütig bis heissblütig von den Augen abzulesen...

  2. 22.

    Haben Sie das wirklich gemeint: "Männer sind ..................... bei all dem auch noch so dumm zahlenmässig die grösste Opfergruppe zu stellen. ................ Es könnte der Mehrheit der Frauen egal sein - sollen die Kerle das doch unter sich ausmachen.".... Tolle Diskriminierung

  3. 21.

    Es sind Tatsachen. Völlig unabhängig davon wie Sie zu welchem Zweck noch einmal völkisch-ethnisch-kulturell-sozial unterteilen: Männer sind die häufigsten Gewalttäter, sie sind die Meisten mit den Waffen und natürlich sind sie bei all dem auch noch so dumm zahlenmässig die grösste Opfergruppe zu stellen. Nur eben nicht im Verhältnis. Es könnte der Mehrheit der Frauen egal sein - sollen die Kerle das doch unter sich ausmachen. Aber Frauen sind im Verhältnis zu ihrer geringeren Teilnahme an körperverletzender Gewalt, ihrer geringeren Bewaffnung, die tatsächlich grössere Opfergruppe: Ohne in Wahrheit gleichzeitig auch Täter zu sein. "Das Feinbild" sollte diese Tatsache sein. Nicht "Die Männer" Darüber macht sich der Text Gedanken. Und tut es im übrigen -um es in Ihrem Raster auszudrücken- sowohl bei "linken" wie bei "rechten" Begründungsgebäuden männlicher Gewalt. Natürlich gibt es Gesellschaften /Kulturen in denen Männergewalt und -bewaffnung selbstverständlich ist. Finden Sie das gut?

  4. 20.

    Männer werden aber auch häufiger Opfer von Gewalt. Beispiel: http://m.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Maenner-haeufiger-Gewaltopfer-als-Frauen
    Da ist es ganz klar, dass sie auch Vorsorgemaßnahmen ergreifen, um sich verteidigen zu können.
    Was wollen Sie uns mit Ihrer Verlinkung zu einem Antifa-Pressearchiv mitteilen? Geht es bei Ihnen nicht ohne Feindbild? Auf solchen Seiten wird immer betont, Bevölkerungsgruppen nicht nach ihrer Ethnie zu beurteilen, aber Geschlecht ist wohl ganz ok. Sehr bedenklich.

  5. 19.

    Hm - leider klärt uns die Recherche über eine nicht ganz unwichtige Frage nicht auf: Wieviele Männer, wieviele Frauen haben den sogenannten "kleinen Waffenschein" beantragt und erhalten? Statistisch sind vor allem Männer Straftäter. Sie sind es auch, die Straftaten und Kriminalität jeweils für ihre Propaganda mit höchst selektivem Blick betrachten und funktionalisieren. Mich überraschte es also nicht, wären es in der Mehrzahl Männer die sich zunehmend bewaffnen. Während die Kriminalitätsraten in allen Bereichen seit 25 Jahren gesunken sind.
    https://www.apabiz.de/2018/toxische-maennlichkeit-von-kandel-bis-chemnitz/

  6. 18.

    Was Sie da behaupten ist Falsch. Was ist Ihre Quelle? "Identitäre Bewegung"?Hören Sie endlich auf Kommentarfunktionen dazu zu benutzen Propaganda zu machen.
    "Zufallsbekanntschaften" gehen keineswegs auf diese Art in die Statistik ein. Es ist eine Tatsache das die meisten Vergewaltigungen im engsten sozialen Umfeld geschehen. Darüberhinaus werden die taten überwiegend von Menschen begangen, die (auch) in der rechten, der militanten Rechten und von Nazis als "Deutsche" bezeichnet werden.
    In den nächsten Jahren kein Gefahr das der weisse deutsche Vergewaltiger umgevolkt wird.

  7. 17.

    Also mir ist eine halbe Milliarde Steuerhinterziehung lieber als eine vergewaltigte Frau. Aber pflegen Sie gerne weiter Ihre verschobenen Maßstäbe.

  8. 16.

    So ist das und die Polize muss sich selbst immer mehr schützen - Berlin Kotti, Warschauer Straße, Cottbus, da laufen die mindestens zu acht herum. Am Kotti stehen sogar ganze acht Polizeiwagen.

  9. 14.

    @ Frank
    >Der weit überwiedgende Anteil von Vergewaltigungen und sexueller Übergriffen geschieht im eigenen vertrauten Umfeld (Freund, Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen etc).<

    Ist Ihnen bewusst, dass Zufallsbekanntschaften in Lokalen z. Bsp. auch zum Bekanntenkreis gezählt werden?
    Ein Drink, 5 min. smalltalk und die Täterin, oder der Täter hat den selben sozialen Stellenwert statistisch betrachtet wie eine Partnerin, oder ein Partner mit dem jemand seit 10 Jahren zusammen lebt.

  10. 13.

    @ Peter
    >D. Kriminalitätszahlen sind seit Jahren rückläufig, wer etwas anderes behauptet, betreibt Panikmache.<

    Straftaten insgesamt
    PKS Berlin 2012 (PDF Datei Seite 13) - 495.297 erfasste Delikte
    PKS Berlin 2017 (PDF Datei Seite 13) - 520.437 erfasste Delikte

    Körperverletzung
    '12 - 42.483
    '17 - 42.742



  11. 12.

    So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein. Also ich halte Täter, die durch körperliche Gewalt Leben und Gesundheit von Menschen bedrohen, für deutlich gefährlicher, als solche, die sich ohne solche Gewaltanwendung finanziell bereichern. In dünner besiedelten Regionen gibt es kein großes Angebot an Selbstverteidigungskursen und da man dort auf die Polizei im Ernstfall oft ewig wartet, greifen die Menschen zu legalen Waffen. Trotz ständig steigender Abgaben wurde von staatlicher Seite bei der Sicherheit gespart, weshalb rational denkende Menschen nicht mehr bereit sind, hohe Steuern zu zahlen.

  12. 10.

    Nachtrag: Als trauriges Beispiel ist der Beitrag über dir Schwerverletzte Prostitutierte zu werten. Der Einsatz dieser "pseudo" Verteidigungswaffe hat u. U genau zu der Eskalation von Gewalt geführt, die abgewehrt werden sollte.

  13. 9.

    Der weit überwiedgende Anteil von Vergewaltigungen und sexueller Übergriffen geschieht im eigenen vertrauten Umfeld (Freund, Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen etc). Was Raubüberfälle und sonstige Gewalt angeht, ist man besser beraten sich nicht zu bewaffnen, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass man sich selbst verletzt oder der Angreifer sich die Waffe aneignet. Wer einen Kampfsport erlernen will, soll das bitte tun. Es lohnt sich aber einfach nicht wegen ein paar Euros sein Leben aufs Spiel zu setzen.

    PS: Die gefährlichsten Täter sind sowieso jene, die man nicht sieht. So wurde und wird der deutsche Staat um Milliarden betrogen im Rahmen von etwa Cum-ex-Deals, Steuer- und Subventionsbetrug, Steuerhinterziehung über Steueroasen, Steuerliche Begünstigung von Veräußerungsgewinnen, etc. Vor allem DEINE Miete und DEINE Grundstückspreise steigen und steigen. Mietwucher ist das perfekte Verbrechen.

  14. 8.

    Was gemeint ist, ist die Tatsache, dass eine breite Bewaffnung der Bevölkerung in keinster Weise zum Rückgang der Kriminalität führt.Die Reaktion der Rechtsbrecher ist Aufrüstung und extreme Gewaltanwendung, um etwaigen Widerstand sofort zu brechen. Wenn Zweifel bestehen ,die Zahl der im Umlauf befindlichen Schusswaffen mit Straftaten ins Verhältnis setzen. Und wir reden hier bei den Schusswaffen in den USA nicht vom Mickey Maus Arsenal, und trotzdem haben sie nicht die gewünschte / suggerierte abschreckende Wirkung.

  15. 6.

    Komisch, die Leute fühlen sich (angeblich)immer sicherer, aber es gibt immer mehr, die einen (kleinen) Waffensohaben. Wo ist der Fehler?

  16. 5.

    Ich fühle mich in Berlin sicher und bin auch nicht der Meinung, dass es mehr Waffenscheine oder Kameras braucht. Die Kriminalitätszahlen sind seit Jahren rückläufig, wer etwas anderes behauptet, betreibt Panikmache.

  17. 4.

    Ich mich schon auf eine weitere Statistik im neuen Jahr, die uns wieder versichert, es sei viel sicherer geworden, obwohl Gewaltstraftaten 2017 zugenommen hatten. Der Verkauf von stichsicheren Westen ist auch gestiegen, alles nur irrationale Einbildung. In Schützenvereine kommt man kaum, noch rein, Wartelisten.

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