Archivbild: Konzertbesucher bei einem Live-Konzert im Bi Nuu am Schlesischen Tor. (Quelle: klang-bild.net/Menzel)
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Feldbett statt Party - Berliner Clubs bieten Schlafplätze für Obdachlose

Erstmals wollen zwei Berliner Clubs Obdachlosen ihre Räume als Nachtcafé mit Übernachtungsmöglichkeit anbieten. "Wir haben dieses Angebot für Januar und Februar bekommen. Für montags und dienstags, jeweils an den Schließtagen der Clubs", sagte Robert Veltmann, Geschäftsführer des sozialen Trägers Gebewo, der unter anderem Wohnungsnotfallhilfe bietet. Er bestätigte Berichte von "BZ" und "Tagesspiegel".

Abendessen, heißer Tee und Frühstück

"Wir freuen uns. Das ist nicht selbstverständlich", sagte Veltmann. Denn mittlerweile sei es in Berlin extrem schwierig, Immobilien für Notübernachtungen im Winter zu finden. "Früher haben Clubs manchmal Geld für uns gesammelt. Solch aktive Hilfe ist neu." Zur Zeit gebe es in der Hauptstadt rund 920 Notschlafplätze pro Nacht. Das Angebot soll in den kalten Wintermonaten auf über 1.000 ansteigen.

Ihre Türen wollen der Club Astra Kulturhaus in Friedrichshain für 25 Männer öffnen, das Bi Nuu in Kreuzberg bietet Plätze für 15 Frauen. Voraussetzung für solche Angebote seien eine ausreichende Anzahl an Toiletten, Strom, Wärme und Licht, sagte Veltmann. "Ein leerstehender Supermarkt nutzt uns nichts." In den beiden Clubs soll es im Januar und Februar an einem Abend in der Woche ein Abendessen, heißen Tee und Frühstück geben. Schlafen sollen die Gäste von der Straße auf aufgestellten Feldbetten.

Kältehilfe-Plätze der Stadt reichen nicht aus

Geschätzt leben in Berlin 6.000 bis 8.000 Menschen auf der Straße. Schlafmöglichkeiten in Wohnheimen und Notunterkünften sind meist überbelegt, auch wenn Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) angekündigt hat, die Kältehilfe-Plätze für Obdachlose bei Bedarf noch weiter auszubauen. Abgesehen davon sieht der Senat auch die BVG in der Pflicht. Die hält in diesem Winter aber nur noch die U-Bahnhöfe Lichtenberg und Moritzplatz nachts geöffnet. Dieser Entscheidung ging ein längerer Streit voraus, da die BVG zunächst aus Sicherheitsgründen gar keine Bahnhöfe mehr für Obdachlose öffnen wollte.

Sendung: Fritz, 5.12.2018, 11:10 Uhr

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