Bushaltestelle 222, Fahrgäste beim Einsteigen, Berlin (Quelle: imago/Jürgen Ritter)
Audio: radioBerlin 88,8 | 24.12.2018 | Andreas Marschner | Bild: imago/Jürgen Ritter

Durchfahren bei "100 Prozent" - Frust kommt auf, denn der Bus k̶̶̶̶̶o̶̶̶̶̶m̶̶̶̶̶m̶̶̶̶̶t̶̶̶̶̶ ̶̶̶̶̶n̶̶̶̶̶i̶̶̶̶̶c̶̶̶̶̶h̶̶̶̶̶t̶̶̶ ist voll

Erst kommt ewig kein Bus, dann drei auf einmal - viele BVG-Kunden kennen das. Für Fahrgäste wird es in den Bussen immer enger, auch die Fahrer haben es im Berliner Verkehr deutlich schwerer. Können nur noch Straßenbahnen und Abschleppunternehmen helfen?

Für Fahrgäste wird es in Berlins Stadtbussen immer enger. Im Schnitt meldet eine Fahrerin oder ein Fahrer mehr als 300 Mal am Tag, dass der Bus komplett voll ist und niemand mehr hinein passt.

Im Jahr 2018 erhielt die Leitstelle bis heute schon rund 110.000 sogenannte 100-Prozent-Meldungen - und damit so viele wie im gesamten Jahr 2017, dem bisherigen Rekordjahr.

Das geht aus Zahlen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hervor. Hat ein Busfahrer "100 Prozent" gemeldet, darf er an der Haltestelle durchfahren, sofern niemand aussteigen will.

"Die Busfahrer werden beschimpft"

"Der wichtigste Grund ist, dass die Busse schwer durch die Stadt kommen", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. "Deshalb stauen sich die Busse." Fahrzeuge gebe es genug, aber Staus, Parker auf Busspuren und Baustellen nähmen zu. "Die Busfahrer werden beschimpft, aber sie können nichts dafür." Reetz forderte deswegen mehr Busspuren.

Fahrgastvertreter dringen derweil auf mehr Straßenbahn-Linien auch im Westteil der Stadt. Der Vizechef des Fahrgastverbands Igeb, Jens Wiesecke, sagte: "Die BVG steckt in einer großen Krise." Das gelte nicht nur für die U-Bahn. Er gestand aber auch zu: "Der Bus wird voller, weil die Stadt voller wird."

"Mein Bus ist voll"

2015 meldeten Fahrer noch 86.000 Mal "Mein Bus ist voll". Ein Jahr später waren es rund 95.000 Meldungen. Dabei ist der Augenschein der Fahrer maßgebend, automatisierte Zählungen gibt es nicht. Berüchtigt sind der Flughafenbus TXL, der bei Touristen beliebte 100er-Bus (Zoo-Alex)  sowie die Linien M29 (Neukölln-Grunewald), M41 (Neukölln-Hauptbahnhof) und M45 (Zoo-Spandau).

Viele Fahrgäste kennen das: Lange kommt an der Haltestelle kein Bus, dann kommen zwei oder drei nacheinander, weil sie sich aufstauen. Der erste ist voll, die dahinter fast leer. Dann lässt die BVG auch mal einen der nachfolgenden Busse wenden, damit die Linie wenigstens in der Gegenrichtung wieder pünktlich ist.

So werden immerhin noch stabile Pünktlichkeitswerte erreicht. 2016 und 2017 waren etwas mehr als 87 Prozent der Busse pünktlich, in diesem Jahr bislang knapp unter 87 Prozent.

Die BVG fordert vor allem mehr Busspuren. Außerdem sollen zeitlich befristete Busspuren durchgängig für andere Fahrzeuge gesperrt werden - damit niemand aus Versehen dort parkt. Den Fahrgastvertretern von der Interessengemeinschaft Eisenbahn, Nahverkehr und Fahrgastbelange Berlin (Igeb) reicht das nicht. Das Land stehe vor der Systementscheidung: Auch im Westen der Stadt seien auf wichtigen Linien dringend Straßenbahnen nötig, sagte Wiesecke. "Die ist immer leistungsfähiger als der Bus."

Sendung: radioBerlin, 24.12.2018, 9 Uhr

Kommentar

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34 Kommentare

  1. 34.

    1.Strategie: die Stadt "entdichten" (Gegenteil von verdichten meine ich, ausdünnen). Keine neuen Wohnungen mehr in die Innenstadt hineinpressen, sondern am Stadtrand viel bessere Verkehrsangebote machen. Kritker werden sagen, dass man nur durch Wohnen in der Innenstadt Verkehrswege sparen kann. Dann werden aber noch mehr Menschen auch aus der Stadt herausfahren, und in der Stadt herumfahren, die sonst überwiegend am Stadtrand herumfahren würden- oder gar nicht mehr, weil ihnen das Plus an Natur gefällt.

    2.Strategie: die bestehenden Schienennetze + die Buslinien auf relativ stauffreien Straßen viel mehr nutzen. Eine mindest doppelt so häufige Taktung der S-Bahnen würde schon ganz viel bringen, ebenso eine viel häufigere Taktung der U-Bahnen, da diese inzwischen auch schon wegen Überfüllung ganz gemieden werden. Bei der S-Bahn hat wirklich niemand Lust, ganz oft über 10min. zu warten, zudem wenn es eiskalt ist, und nimmt viel lieber die U-Bahn.

  2. 33.

    Warum werden zunehmend die kleinen Eindeckerbusse eingesetzt, die guten Doppeldeckerbusse verschwinden zunehmend aus dem Stadtverkehr und fahren als Stadtrundfahrtenbusse bei Privatunternehmen. Eine Zumutung sind die neuen kurzen Doppeldeckerbusse, kein Platz für Fahrgäste über 1,70 m Körpergröße !

  3. 32.

    Danke für die ehrlichen Worte. Auf den drei Linien, die mein Kind und ich täglich mehrfach nutzen, fallen jeden Tag mehrfach Busse aus. Jeder aus unserer Ecke kennt und weiß das, das wird seit Jahren auch immer schlimmer. Inzwischen kennt man auch die Uhrzeiten, an denen es besonders gravierend ist und versucht sie zu umgehen. Zum Busfahrer etwas zu sagen bringt nichts, sie reagieren entweder aggressiv oder gar nicht. Sich bei der BVG zu beschweren ist auch sinnlos. Irgendwie schaffen wir es trotzdem pünktlich und organisiert zu sein, unerfreulich und ärgerlich ist das alles trotzdem.

  4. 31.

    Es wird nur und nur gelogen, ich bin ein Busfahrer bei der BVG, und ich kann Frau Reetz nur widersprechen. Sie viele Kollegen stehen im Betriebshof ohne Arbeit, weil keine Busse zu Verfügung stehen, ich habe selber 2 Kollegen getroffen, die den ganzen Tag nix gemacht haben, weil sie keine Busse bekamen.Ausserdem fallen täglich aufgrund des hohen Krankheitsstands jede Menge Linien aus, Die Busse werden zum Hof gebraucht , weil keine Ablöser kommen.

  5. 30.

    Nach allem, was ich hier lese und was auf den Straßen los ist, würde ich Ihnen darin zustimmen, dass die gleichberechtigte Zuteilung des Verkehrsraumes auf Auto- bzw. Busstraße, Zweirad-Wege und Fußwege viel verändern würde.

    Im Moment haben meist Autos den größten Raum und Nutzungsanspruch. Die Gestalter der Neuzuteilung sollten dabei für die Präsenz von ausreichend (präsenten!) und dauerhaften Kontroll- und Bestrafungskapazitäten sorgen, die vor allem das Verstehen der und den Respekt vor den anderen Straßenraumbenutzern fördern. Das ist mir wichtig, weil der langjährige Rückgang der Kontrolldichte bei Jüngeren sichtbar dazu zu führen scheint, dass sie offenbar nicht glauben können, dass Verkehrsvorschriften positiv (auch mit ihren Vorteilen) für und gegen alle wirken.

  6. 29.

    Hallo Reimann! Welcher Art Plan meinen Sie, was wären die erfolgversprechendsten Vorgaben und wer sollte sich danach richten?

  7. 28.

    Räumschild vor die Großen Gelben und die Behinderungen auf eine andere Fahrspur bugsieren?

  8. 27.

    Die Busspuren frei zu halten kann ja nicht so schwer sein. Dann müssen eben mal mehr Komtrolleure auf die Straße. Die BVG darf doch jetzt aich selber abschleppen lassen. Und will eigene Abschlepper kaufen. Dann können Sie auch ihre Billgkräfte die Busspuren kontrollieren lassen. Und die Radfahrer müssen auch weg von der Busspur. Individualverkehr darf den Öffi nicht aufhalten. Erst dann machen mehr Busspuren Sinn. Und wenn an einigen Stellen der Platz für eine Bisspur fehlt, dann müssen eben mal Parkplätze weg. Oder eben zeitliche Einschränkungen. Aber einfach mehr Konrollen. Im Grunde muss ein Falschparker einfach schneller verscheucht werden. Ach ja, die Polizei darf ruhig auch mal anhalten und sich um so etwas kümmern. Streife fahren sollte auch solche Einsätze beinhalten. Das Risko als Falschparker erwischt zu werden muss größer sein. Und dann nicht nur eine mündliche Verwarnung, sondern immer Verwarnungsgeld.

  9. 26.

    Da das Rad für die meisten Nutzer nur ein Schön-Wetterverkehrsmittel ist, kann man das Geld sinnvoller als für innovativ grüne Farbe verwenden. Im Tagesspiegel gab es vor ein paar Tagen einen lesenswerten Artikel zur Temperaturfühligkeit von 2/3 der Pedalisten. In einem Leserkommentar wurde ergänzend erläutert, dass die plötzlich atypisch für einen kurzen Zeitraum gestiegenen Radfahrer an einer Zählstelle am SEV bei der S-Bahn lag. Vergleicht man dazu noch die Länge eines durchschnittlichen Weges, die ein ÖPNV-Nutzers regelmässig zurücklegt mit der eine Radfahrers vergleicht,(über 10 zu gut 3 km), erkent man die nächste Grenze in den Köpfen vieler Zweiradnutzer jenseits derer Lobbygruppen.

  10. 25.

    Äh, falls sie es noch nicht mitbekommen haben, die DDR ist seit 1989 Geschichte. Dort mußte man einen Antrag stellen wenn man umziehen wollte. Stichwort Zuzugsgenehmigung.

  11. 24.

    Zum Thema Radfahrer gäbes es eine erschreckend einfache Lösung. Würde man Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer mit entsprechender Radinfrastruktur ansehen, würde die Akzeptanz der StVO erheblich steigen.

    Solange man Verkehrsteilnehmer der dritten Klasse ist und sich als "Underdog" fühlt lässt die Disziplin einiger Radfahrer zu wünschen übrig. Im allgemeinen lässt die Disziplin nach. Gestern standen 2 Polizisten geschlagene 25 Minuten an einer Ampel, Fahrzeug an der Bushaltestelle mit Warnblinkanlage und fuchtelten an ihren Geräten wegen einem Auto herum (Halterabfrage, was weiß ich), in der Zeit liefen 8 Leute über eine rote Drückerampel. Das hat keinen der Polizisten interessiert.

  12. 23.

    Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Weniger Autos, weniger Stau und Baustellen. Und schon werden die Busse und Straßenbahnen pünktlicher und mehr Busse können in Stoßzeiten eingesetzt werden.

    Der Ausbau der Radinfrastruktur würde die Öffis nochmals entlasten, "echte" Radfahrer fahren bis es Glatteis gibt und die BSR nicht hinterherkommt.

  13. 22.

    So ist das ebenfalls ,wenn immer mehr Menschen in die Stadt gelassen werden ohne
    Plan.

  14. 21.

    Ihr kompetenter Kommentar lässt logischer Weise die Frage entstehen, weshalb zwar die Problematiken bekannt ist, aber niemand die Busfahrer_innen nach sämtlichen Ursachen von Unpünktlichkeit und Überfüllung bzw. deren Lösungsvorschläge befragt und diese umsetzt? Nur in einem barrierefreien Berlin können die Menschen gut voran kommen und die Wirtschaft rund laufen.

  15. 20.

    Ich bin Busfahrer in Berlin und hätte da einen Vorschlag, der aber von Autofahrern nicht gerne gesehen würde und von den Regierenden wegen ihren Regierungskarossen nicht umgesetzt werden würde, da sie ja dann selbst nicht mehr richtig fahren könnten.
    z.B. Unter den Linden:
    Rechte Spur Radspur
    Die zweite Spur Busspur, mit einer deutlichen Kante, damit Radfahrer nicht in die Busspur wechseln. An Haltestellen wird die Radspur rechts an einer mit Gitter umgeben Haltestelleninsel vorbei geführt.
    Die weiteren Spuren !!!! dann für den individuellen Verkehr.
    Und wenn wir ehrlich sind, gibt es noch viele Radfahrer die sich an die STVO halten?
    Was tut unsere Polizei / Regierung um auch Radfahrer abzustrafen?
    Und zum Schluss noch das Verkehrszeichen: lautet Busspur mit Zusatzschildern und nicht Radspur mit zusatzschildern.
    Vielleicht wäre das ein erster Schritt zur Pünktlichkeit der Busse.

  16. 19.

    Mir ist unter der Dusche gerade noch eingefallen:

    Im "Kleinen": Wie wäre es, wenn die BVG, vor allem in ihrer App,, die ich viel zu meiner Mobilitätsplanung einsetze, die Pünktlichkeitsquote der einzelnen Verkehrslinie angibt? Dann könnte ich besser für meine Pünktlichkeit sorgen.

    Im "Großen", "erstmal in die hohle Hand gesprochen": Wie wäre es, wenn Politik und BVG im Genehmigungsprozess von Preisen und Tarifveränderungen vereinbaren würden, dass sie in Abhängigkeit vom Erreichen zuvor vereinbarter Ziele in der Zuverlässigkeit/Pünktlichkeit veränderbar werden. Und dass auf Linien, auf denen die Pünktlichkeitsquote chronisch geringer ist, von vornherein ein verminderter Tarifpreis zu gelten hat und der volle erst nach erfolgreicher Saison (Denn die beiden, Politik und BVG, sind handlungsfähig, ich bin nur Zuschauer). So ungefähr in diese Richtung. Wie wäre das?

  17. 18.

    Anders als die Busspurparker und die im Stau stehenden PKWs bewegen sich Radfahrer ungefähr genau so schnell wie ein Bus. Im Berliner Berufsverkehr ist die Durchschnittsgeschwindigkeit unter 10km/h [1]. Auf dem Fahrrad schafft man ohne große Mühe 15km/h Schnitt; sportliche Menschen oder Besitzer eines Elektrofahrrads gern auch mal 20. Statt auf die Radwege zu schimpfen sollten Sie sich also vielleicht Gedanken über die Parkspuren machen, die wir auf fast jeder Straße haben. Überlegen Sie sich mal wie schön flüssig alles liefe wenn jede Straße eine Spur mehr pro Richtung hätte und Falschparken mit saftigen Strafen geahndet würde.

    [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/stau-statistik-in-berlin-ist-der-nahverkehr-schneller-als-das-auto/19429882.html

  18. 17.

    Artikeltext: "Die Busfahrer werden beschimpft, aber sie können nichts dafür." Als frustrierter Benutzer möchte ich gern gehört werden, denn ich habe "einen Plan" und der geht auf, wenn alle (die BVG, die Umstände) mitspielen. Und ich/mensch möchte gern "wirksam" agieren, wenn ich aktiv werde; so bin ich. Und liebe Politik: Ich wünsche mir mehr Wirksamkeit! Könnte dies ein Weg sein: Busspuren freihalten/räumen und weniger "darüber reden" (Öfter sehe ich aus dem Bus heraus die Busspur zugeparkt und geduldige Busfahrer stellen sich darauf ein)? Warum stehen da Autos, wo sie abgeschleppt gehören??

  19. 16.

    Wieso wird überhaupt diese Nichtsnutze U-Bahnstation zwischen Französische Str. und Friedrichstr. gebaut? Kostet bestimmt Millionen, die woanders viel sinnvoller wären. Wieso gibt es keine saftigen Strafen für Falschparker auf Busspuren und Fahrradwegen?

  20. 15.

    "Mein Bus ist voll..." Zu Berufsverkehrszeiten fallen 1. oft Busse aus (bei uns immer öfter) und der nachkommende Bus ist dann logischerweise überfüllt und 2. sind viele Busse auch häufig nur vorne voll. Da sind die Fahrgäste oft zu faul oder ignorant, einfach bis hinten durchzugehen, damit vorne neue Fahrgäste einsteigen können. Viele (resignierte?) Busfahrer blenden das aus und öffnen dann die Türen nicht mehr. Der Bus gilt als "voll". Das passiert fast täglich. Einige Mißstände sind auch von Fahrgästen hausgemacht, mit mehr Rück- und Umsicht könnte sich vieles verbessern.

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