Archivbild: Polizeibeamte suchen in einem Waldgebiet bei Brieselang nach Spuren der vermissten Georgine Krüger. Die damals 14-Jährige war 2006 in Berlin-Moabit spurlos verschwunden. Vor wenigen Wochen erhielt die Polizei einen neuen Hinweis per Notruf 110. «Der anonyme Anrufer machte so konkrete Angaben für dieses Waldgebiet, dass wir dem jetzt nachgehen», sagte der Berliner Polizeisprecher. (Quelle: dpa/Settnik)
Video: Täter - Opfer - Polizei | 06.12.2018 | Bild: dpa/Settnik

43-Jähriger soll Mädchen ermordet haben - Tatverdächtiger im Fall Georgine schweigt

Vor zwölf Jahren verschwand die 14-jährige Georgine Krüger aus Berlin-Moabit spurlos. Am Dienstag nahm die Polizei einen Familienvater aus ihrer Nachbarschaft fest. Er soll sie getötet haben. Zu den Vorwürfen will er sich nach rbb-Informationen nicht einlassen.

Im Fall der seit zwölf Jahren verschwundenen Berlinerin Georgine Krüger hat sich der Tatverdächtige bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Staatsanwaltschaft sagte am Mittwoch dem rbb, es gebe keine neuen Erkenntnisse. Der 43-jährige Familienvater war am Dienstagmorgen in seiner Wohnung in Berlin-Moabit verhaftet worden - unweit des Hauses, in dem das Mädchen damals gelebt hatte. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Tat einem verdeckten Ermittler gestanden

Polizei und Staatsanwaltschaft werfen dem Mann vor, die damals 14-Jährige aus sexuellen Motiven im September 2006 in einen Keller gelockt und ermordet zu haben. Die Ermittler glauben, der Verdächtige habe das Mädchen auf dem Schulweg abgepasst. Die zuständige Mordkommission hatte festgestellt, dass es am Tag des Verschwindens Überschneidungen bei den Handydaten des Mannes mit denen von Georgine gab. Später soll er einem verdeckten Ermittler die Tat gestanden haben. Eine Leiche wurde bislang nicht gefunden.

Der Verhaftete war 2012, sechs Jahre nach dem Verschwinden von Georgine, zu einer Bewährungsstrafe wegen sexueller Nötigung verurteilt worden, nachdem er eine 17-Jährige in den Keller seines Wohnhauses gelockt hatte.

Ermittler hielten jahrelang Kontakt zur Familie

Mehr als 300 Hinweise seien seit dem Tag des Verschwindens bei der Polizei eingegangen, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag dem rbb. "Zu sagen ist, dass der Fall nie aufgegeben wurde von den Ermittlern", so Steltner. "Dass teilweise eine ganze Mordkommission damit befasst war. Dass immer ein Beamter dran war an dem Fall, auch dann als er sich zu einem sogenannten 'Cold Case' zu entwickeln schien. Auch der Kontakt zu der Familie ist nie abgerissen." Aber die Ermittlungen seien noch längst nicht abgeschlossen, sagte er.

Kurz nach Verschwinden war Verdächtiger befragt worden

Nach dem Verschwinden des Mädchens wurden rund um die Stendaler Straße im Berliner Ortsteil Moabit 272 Gebäude mitsamt der dazugehörigen Keller und Dachgeschosse durchkämmt. Auch der Festgenommene 43-Jährige war befragt worden, leugnete jedoch, Georgine Krüger zu kennen. Konkrete Spuren konnten damals offenbar nicht gefunden werden. Die Polizei ging damals jedoch schon davon aus, dass das Mädchen Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.

Drei Jahre später setzte die Polizei spezielle Suchhunde, sogenannte Mantrailer-Hunde, nördlich von Berlin ein. Ein Ergebnis blieb aus.

Bereits im Frühjahr schienen die Ermittlungsarbeiten kurzzeitig vor dem Durchbruch zu stehen: Am 31. März behauptete ein anonymer Anrufer bei der Polizei, er wisse wo der Leichnam von Georgine vergraben sei und lieferte exakte Koordinaten, die zu einem Waldstück bei Brieselang (Havelland) westlich von Berlin. Obwohl die Polizei Spürhunden und Drohnen einsetzte, führte die Suche auf einem etwa 5.000 Quadratmeter großen Areal zu keinem Ergebnis. Die Berliner Staatsanwaltschaft schließt aus, dass es sich bei dem Anrufer um den Tatverdächtigen handelt. Unklar ist, ob sich möglicherweise jemand einen schlechten Scherz erlaubt hatte.

Die Festnahme des 43-jährigen Tatverdächtigen erfolgte nur zwei Monate nachdem im Oktober der Vermisstenfall Thema der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" war.

Sendung: Täter - Opfer - Polizei, 05.12.2018, 21 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schweigen kostet Kraft.

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