Ein Polizeibeamter bewacht während Ermittlungsarbeiten zum Fall der vermissten Georgine Krüger eine Haustür in Berlin-Moabit (Bild: rbb24)
Video: Abendschau | 04.12.2018 | Max Kell | Studiogespräch mit Andreas Jöhrens | Bild: rbb24

Seit zwölf Jahren vermisstes Mädchen - Haftbefehl wegen Mordes im Fall Georgine

Seit zwölf Jahren ist Georgine Krüger aus Berlin vermisst - nun wurde in Moabit ein Mann festgenommen. Er ist dringend verdächtig, die damals 14-Jährige in seinen Keller gelockt und getötet zu haben. Auch eine frühere Verurteilung führt auf seine Spur.

Zwölf Jahre nach dem Verschwinden der Berliner Schülerin Georgine Krüger hat die Polizei am Dienstag einen Tatverdächtigen gefasst. Der 43-Jährige wurde am Dienstag in Berlin-Moabit festgenommen, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung berichtet. 

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, der Mann sei dringend verdächtig, die damals 14-jährige Georgine im September 2006 aus sexuellen Motiven in seinen Keller in Moabit gelockt und getötet zu haben. Die Berliner Polizei hatte am Nachmittag in einem Facebook-Eintrag mitgeteilt, dem Beschuldigten werde gerade der Haftbefehl wegen Mordes verkündet.

Schon mal als Zeuge vernommen

Der Mann sei seinerzeit schon einmal als Zeuge vernommen worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, "aber ohne weiteres Ergebnis". Es habe damals keine entsprechenden Erkenntnisse gegeben und der Mann habe gesagt, er kenne das Mädchen nicht.

Vergangenes Jahr hätten sich dann Verdachtsmomente gegen ihn ergeben, aufgrund derer ein verdeckter Ermittler hinzugezogen worden sei. "Insbesondere durch den Einsatz des verdeckten Ermittlers ist es dann gelungen, dem Verdächtigen die Tat nachzuweisen, im Sinne eines dringenden Tatverdachts", so Steltner weiter. "Es gibt entsprechende Angaben, die auch elektronisch dokumentiert sind. Die haben sozusagen das Bild abgerundet und den Verdacht zum dringenden gemacht."

Beschuldigter schon einschlägig vorbestraft

Ermittler der Mordkommission hätten den Mann am Dienstagmorgen zusammen mit Spezialkräften der Polizei verhaftet, teilten Staatsanwaltschaft und Berliner Polizei in einer gemeinsamen Pressemeldung mit. Die Leiche des Mädchens sei noch nicht gefunden worden, hieß es. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Die Festnahme des Mannes sei "unspektakulär verlaufen", so Staatsanwaltschaftssprecher Steltner. "Er hat Familie", so Steltner. Nähres könne er jedoch nicht sagen.

Der Beschuldigte sei bereits 2012 wegen sexueller Nötigung einer Jugendlichen verurteilt worden, nachdem er ein Mädchen in den Keller seiner Wohnung gelockt hatte. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen handle es sich um denselben Keller wie im Fall Georgine Krüger, sagte Steltner.

Wohl am Entführungstag getötet

Erkenntnisse aus dieser Verurteilung hätten entscheidend dazu beigetragen, dass der Mann als dringend tatverdächtig eingestuft worden sei, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Hinzu kämen Ermittlungserkenntnisse, "dass er in auffälligem Maße an minderjährigen Mädchen interessiert ist".

Beigetragen habe auch eine Funkzellenabfrage, bei der sich mit dem Handy des Mannes und Georgine Krügers Handy "eine räumliche Situation ergeben" habe, "die den Verdacht begründet hat". Der vierte Ermittlungsbereich, der den Verdacht gestützt habe, sei die Telekommunikationsüberwachung gewesen. Auch hier hätten Erkenntnisse auf den 43-Jährigen als Tatverdächtigen hingedeutet. "So wie es aussieht, ist Georgine Krüger noch am Tag ihrer Entführung getötet worden", erklärte Steltner.

Anonymer Anrufer hatte von vergrabener Leiche berichtet

Georgine Krüger war am 25. September 2006 aus einem Bus in Berlin-Moabit ausgestiegen und seitdem nicht mehr gesehen worden. Eine aufwendige Suche der Polizei und zahlreiche weitere Fahndungsmaßnahmen blieben erfolglos. Insgesamt sei fast 300 Hinweisen nachgegangen worden, so Polizei und Staatsanwaltschaft.

Der Fall des vermissten Mädchens war im Oktober 2018 neu thematisiert worden, nachdem die ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ungelöst - Spezial - Wo ist mein Kind?" ihn wieder aufgegriffen hatte. In der Sendung wurde der Mitschnitt eines anonymen Anrufers bei der Polizei eingespielt, der im März 2018 am Telefon anonym berichtete, die Leiche der Jugendlichen liege in Brieselang (Havelland) begraben. Trotz des Einsatzes von Spürhunden und einer Drohne wurde dort nichts gefunden.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

5 Kommentare

  1. 5.

    Welche Zeit verstrich, bis Spürhunde in Moabit zum Einsatz kamen?

  2. 4.

    Es gab heute mehrere Meldungen zu einer früheren Bewährung wegen der Tat bei der Jugendlichen.
    Ihre Frage kann ich nicht beantworten. Die Polizei hat jedenfalls sehr viel unternommen. Gruselig, wenn solche Täter frei herumlaufen, wenn schon eine Jugendliche für Sex in den Keller verschleppt wurde.

  3. 3.

    GM - nein. Zitat BZ "Das Urteil fiel am 28. August 2012: ein Jahr und sechs Monate Haft ohne Bewährung, wegen sexueller Nötigung, sexuellem Missbrauch einer Jugendlichen und Körperverletzung."
    Ich frage mich, warum keinem diese Verbindung (Moabit, Nachbarschaft, dieser Typ)hergestellt hat. Täterschutz? Datenschutz? Lässt mich grübelnd zurück.

  4. 1.

    "Der Beschuldigte sei bereits 2012 wegen sexueller Nötigung einer Jugendlichen verurteilt worden, nachdem er ein Mädchen in den Keller seiner Wohnung gelockt hatte." - Nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das könnte Sie auch interessieren