Jugendliche brennen Feuerwerk ab © imago/Eibner
Audio: Inforadio | 28.12.2018 | Oliver Rehlinger | Bild: imago/Eibner

7 Tipps zum sicheren Umgang mit Feuerwerk - Wie Sie es richtig knallen lassen

Böller und Raketen: Seit Freitag stehen sie in den Regalen der Supermärkte - und verletzen wohl auch dieses Jahr wieder viele Menschen. In Brandenburg starben an Silvester 2017 sogar zwei Männer. Was Sie wissen müssen, um es sicher knallen zu lassen.

137 Millionen Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Pyrotechnik ausgegeben - und auch 2018 erwartet der Handel einen dreistelligen Millionenumsatz.

Seit Freitag gehen Böller, Raketen und Co wieder über den Ladentisch. Im vergangenen Jahr haben sie schlimme Verletzungen verursacht: Beim Jahreswechsel 2017/18 starben in Brandenburg zwei Männer, nachdem sie Pyrotechnik gezündet hatten. In der Charité mussten im Januar 19 Kinder mit Augenverletzungen durch Feuerwerk behandelt werden.

Damit Sie unfallfrei ins neue Jahr kommen, haben wir sieben Tipps von Pyrotechnik-Experten und Feuerwehr gesammelt.

Tipp 1: Nur geprüftes Feuerwerk kaufen

Christian Lohrer arbeitet im Fachbereich "Explosivstoffe" bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Er rät dringend dazu, nur geprüftes Feuerwerk zu kaufen. Man erkennt es an dem CE-Zeichen in Verbindung mit der vierstelligen Kennnummer der Prüfstelle. Europaweit dürfen 14 Prüfstellen Pyrotechnik - davon 13 Feuerwerk - prüfen. In Deutschland wird Feuerwerk von der BAM geprüft. Die BAM hat die Kennnummer 0589.

Tipp 2: Getrennt von Streichhölzern aufbewahren

Die Berliner Feuerwehr rät, schon vor Silvester brennbare Gegenstände vom Balkon zu entfernen. Feuerwerkskörper sollten getrennt von Streichhölzern und Feuerzeugen und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Auch auf Heizungen sollten Böller und Co nicht stehen. Wenn es dann ans Knallen geht, nie den gesamten Vorrat an Feuerwerk in einem Behältnis bereithalten.

Tipp 3: Verwendungshinweise und Altersgrenze beachten

Auf der Verpackung von Feuerwerk stehen Verwendungshinweise. Diese sollte man vor dem Silvesterabend in nüchternem Zustand gründlich lesen. Aufstellanleitungen, Sicherheitsabstände und Mindestaltersgrenzen sind zu beachten. So darf Feuerwerk der Klasse II oder Kategorie F2 nur von Erwachsenen ab einem Alter von 18 Jahren gezündet werden. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es spezielles  Kinderfeuerwerk. Für sie ist der Gebrauch von anderen Feuerwerkskörpern verboten.

Tipp 4: Nur draußen knallen und ohne Luftschlangen

Das Abbrennen von Feuerwerk der Klasse II oder Kategorie F2 ist nur im Freien zwischen Silvester 18 Uhr und Neujahr 7 Uhr erlaubt. Das Böllern in der Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern oder Tankstellen ist grundsätzlich verboten. Tischfeuerwerk nur auf feuerfesten Unterlagen abbrennen – nicht in der Nähe von leicht entzündlichen Materialien wie Luftschlangen. Die Feuerwehr rät, auf brennbares Deko-Material zu verzichten.

Tipp 5: Hände weg und acht Meter Abstand

Beim Abbrennen des Feuerwerks sollte ein Schutzabstand von acht Metern eingehalten werden. Das gilt nicht nur für die Person, die anzündet, sondern auch für alle Zuschauer. Beim Anzünden sollte man alle Körperteile von der Mündung des Feuerwerkskörpers fernhalten. Auf keinen Fall sollte man einen Böller entzünden, den man ihn noch in der Hand hält.

Tipp 6: Raketen aus dem Getränkekasten schießen

Raketen sollte man nur aus Flaschen mit sicherem Stand - zum Beispiel in einem Getränkekasten - zünden, damit sie nicht umfallen können und zur Seite losgehen. Dabei auch genügend Sicherheitsabstand zu Gebäuden, Bäumen und anderen Hindernissen halten. Nie mit Feuerwerkskörpern auf Menschen, Tiere oder Häuser zielen. Da man sich nie sicher sein kann, ob sich andere an diese Regel halten, sollten Fenster und Balkontüren in der Silvesternacht geschlossen bleiben.

Tipp 7: Blindgänger liegen lassen

Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, sollte man nicht wieder anfassen, sondern liegen lassen. Sie können noch viel später explodieren, warnt die Feuerwehr. Sollte es zu kleineren Brandveletzungen kommen, sollte man sie sofort kühlen - mit etwa 20 Grad warmem Wasser 20 Minuten lang.

Und dann noch: Finger weg von "Polenböllern"

Von Feuerwerkskörpern ohne Zulassung, sogenannten "Polenböllern", sollte man die Finger lassen. Denn sie sind häufig Blitzknallkörper mit einer "sehr brisanten pyrotechnischen Mischung", sagt Christian Lohrer von der BAM. "Da kann es passieren, dass der Gegenstand schon beim Anzünden explodiert oder die Verzögerungszeit von der Anzündschnur nicht die entsprechenden Anforderungen erfüllt." Es könne auch gefährlich werden, wenn die Anzündschnur zu lang ist. "Dann ist man verleitet nachzugucken: Brennt das denn noch? Und genau in dem Moment explodiert es dann", erklärt der Experte.

Je nachdem wie nah man dem explodierenden Feuerwerkskörper sei, könne es zu einem Knalltrauma kommen oder zu schlimmeren Verletzungen. Durchschnittlich mehr als 8.000 Menschen sind jährlich nach Silvester von Verletzungen des Innenohrs durch Böller und Raketen betroffen. Bei etwa einem Drittel von ihnen bleibt ein Hörschaden.

Übrigens: Da mittlerweile EU-weit die gleichen Sicherheitsrichtlinien für Feuerwerk gelten, sind sogenannte "Polenböller" in Polen genauso illegal wie in Deutschland.

Sendung: Inforadio, 28.12.2018

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