Der Ort Bischofsgrün im Kreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. (Bild: rbb24)
Video: rbb24 | 01.12.2018 | Frank Drescher | Bild: rbb24

Landkreis Wunsiedel wirbt um Berliner - Von Kreuzberg ins Fichtelgebirge?

Super Arbeitsmarkt, tolle Wohnsituation - außerhalb des S-Bahnrings ist die Welt noch in Ordnung. Weit außerhalb. Genauer gesagt im Fichtelgebirge. Damit wirbt jedenfalls der Landkreis Wunsiedel in Kreuzberg um großstadtmüde Berliner. Von Frank Drescher

Auch wenn es zunächst nicht so aussieht: Im Fichtelgebirge soll manches noch so sein wie im Berlin der Neunziger Jahre: der Leerstand etwa. Im beschaulichen Ort Bischofsgrün warten einige Häuser nur auf Leute mit Ideen.

Und obendrein gibt es in der Gegend auch noch jede Menge offener Stellen. Aber einheimische Bewerber sind Mangelware. Deswegen sucht Wunsiedels Landrat Karl Döhler jetzt in Berlin nach Großstadtmüden. "Bezahlbaren Wohnraum haben wir bei uns", lockt Döhler. Wer sich im Ballungsraume eine Dreizimmerwohnung leisten könne, könne "bei uns schon ein kleines Haus mit Garten fürs gleiche Geld haben".

Und das Freizeitangebot?

Damit den Berlinern auf den ersten Blick klar werde, was Wunsiedel zu bieten hat, installierte er einen Reklamestand in Kreuzberg. Eine Option für die Berliner? Ein Passant schließt das nicht aus: "Irgendwann wird das auch nicht mehr ausbleiben." Denn der Wohnraum in der Stadt werde irgendwann unbezahlbar sein, so dass den Menschen gar nichts anderes mehr übrig bleibe, als nach außen zu schauen, sagt er.

Doch günstiger Wohnraum und Arbeitsplätze allein überzeugen noch nicht jeden. Das vielfältige Freizeitangebot Berlins werde es im Fichtelgebirge nicht unbedingt geben, gibt an dem Reklamestand ein junger Mann zu bedenken.

Einen Hipster-Bio-Burgerladen gibt es schon

Der Landrat von Wunsiedel sieht das positiver: "Wir möchten gerne Menschen haben, die gerne bei uns leben wollen, die sagen: Wir sind pfiffig, wir wollen gerne in einer Region leben, wo man sein Leben gestalten kann im Prinzip so wie man's möchte."

Einen Hipster-Bio-Burgerladen gibt es immerhin schon im Kreis Wunsiedel. Das Betreiber-Paar zog  aus München her. Und das sei nach wie vor die richtige Entscheidung, sie fühlen sich wohl, sagen sie. Das Geschäft laufe gut und sie seien sehr zufrieden.

Beitrag von Frank Drescher

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Weitere Argumente könnten sein: geringere Grunderwerbssteuer, keine Flächenargentur, keine Straßenausbaugebühr, eine Bauverwaltung, die sagt „schön das Sie da sind, was können wir für Sie tun?“

  2. 4.

    "Das vielfältige Freizeitangebot Berlins werde es im Fichtelgebirge nicht unbedingt geben"

    Lernen etwas mit sich selber anzufangen und nicht laufend von irgendwelchen Medien animiert werden zu müssen ist scheinbar nicht die Stärke aller Berliner. Andererseits braucht in Wunsiedel sicher auch keiner Leute, die den Weg nach Hause nicht ohne GPS finden oder einen Techniker anrufen, wenn eine Lampe durchgebrannt ist.

    Mit den Kindern am Berg Schlitten fahren geht auch ohne schriftliche Einladung oder tausenden Bildern von irgendwelchen selbsternannten Internetstars.

  3. 3.

    Dann doch lieber richtig weg auf eine Insel oder zumindest Strandnähe im Süden ;)

  4. 2.

    Wenn ich sehe, was heutzutage in Berlin abgeht, wie stressig und dreckig...

    Da bin ich froh, noch vor meiner Pubertät in Oberfranken gelandet zu sein. Damals gab es sogar noch die DDR.

    Langweilig? Auch hier geht kulturell einiges ab und vieles wird spontan auf die Beine gestellt. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist eben wesentlich besser ausgeprägt. Und diese Natur, diese Ruhe...

    Außerdem muss es nicht nur Hof oder Wunsiedel sein, obwohl das nahe Böhmen auch einiges zu bieten hat.
    Kulmbach, Bayreuth, Bamberg, Erlangen, Nürnberg - und deren Landkreise....

    Nach Berlin kann ich ja trotzdem mal fahren.


  5. 1.

    Großstädte werden für etliche unbezahlbar werden. Warum nicht wegziehen. Berlin ist nicht der Nabel der Welt.

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