Menschen demonstrieren in der Friedrichstraße (imago/Peter Meissner)
Video: Abendschau | 15.12.2018 | Bild: imago/Peter Meissner

Autofreier Nachmittag - Friedrichstraße ist zwei Stunden lang Fußgängerzone

Die trubelige Friedrichstraße lädt nicht gerade zum Flanieren ein. Eine Initiative hat nun gezeigt, wie es anders geht: Am Samstag sperrte sie den Autoverkehr zwei Stunden lang aus. Auch der Bezirksbürgermeister will ein neues Konzept für die Einkaufsmeile.

Die Initiative "Stadt für Menschen" hat einen Teil der Friedrichstraße in Berlin-Mitte am Samstagnachmittag vorübergehend in eine Fußgängerzone verwandelt. Von 13 Uhr bis 15 Uhr war die Einkaufsstraße zwischen Leipziger Straße und Taubenstraße für den Autoverkehr gesperrt.  

"Mehrere Tausend Menschen waren unterwegs", sagte Stefan Lehmkühler von der Initiative, die Ideen für eine fußgängerfreundlichere Umgestaltung der Einkaufsmeile sammelte. Die Initiative hatte in dieser Zeit eine Demonstration angemeldet.

Kein Grün, keine Sitzbänke

Die Aktivisten legten eine Rolle Endlospapier aus, auf der Passanten ihre Wünsche aufschreiben konnten. "Es wurde oft bemängelt, dass es kein Grün und keine Sitzbänke in der Straße gibt", sagte ein Sprecher. Die Ideen sollen ausgewertet und an den Bezirk Mitte sowie den Senat weitergeleitet werden.

Neben ökologischen Initiatoren kamen auch Verkehrsplaner, Geschäftsleute sowie der Bürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne). Von Dassel sagte vorab, mit der aktuellen Situation an der Friedrichstraße sei niemand zufrieden.

Von Dassel schlägt vor, regelmäßig Autos auszusperren

Das Ziel der Initiative unterstützt von Dassel im Grundsatz: "Ich frage mich, warum kann man nicht im kommenden Jahr vor dem nächsten Weihnachtfest an den Samstagen und den verkaufsoffenen Sonntagen die Straße für Autos sperren?" Dann hätten die Menschen bei ihren Einkäufen die Möglichkeit, eine ruhigere Atmosphäre zu erleben.

Von Dassel schränkte allerdings ein: "So kann man sich schrittweise dem Thema annähern. Wir müssen ja nicht gleich sagen: Hier darf nie wieder ein Auto entlangfahren und wir müssen alles umbauen." Insgesamt sei ein neues Verkehrskonzept für die Friedrichstraße nötig.

Immobilienberater spricht von "aktiver Kundenvertreibung"

Unter dem starken Verkehr leiden auch die Geschäfte. Der international agierende Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) hatte ermittelt, dass fast jedes vierte Geschäft an der Friedrichstraße leer steht oder demnächst neu vermietet werden soll.

Geschäftsführer Dirk Wichner empfahl kürzlich im Interview mit dem rbb deshalb ebenfalls eine Verkehrsberuhigung, um die Attraktivität der Friedrichstraße zu erhöhen und den hohen Leerstand zu reduzieren.

Bei der Gestaltung der Friedrichstraße sei vieles falsch gemacht worden, so Wichner. Es gebe zu viele abweisende Glasfronten und zu schmale Gehwege. Wichner sprach von "aktiver Kundenvertreibung". Es fehlten Bäume, Bänke, Straßencafés, Freiflächen. "Wenn man alles im Netz kaufen kann, muss Shoppen mehr Spaß machen". Nur die Autos auszusperren - damit ist es an der Friedrichstaße also offenkundig nicht getan.

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27 Kommentare

  1. 27.

    ..... kaum eine große oder mittlere Stadt hat eine "Einkaufsmeile-Fußgängerzone" - die meisten haben bloß eine autofreie Zone. Rühmliche Ausnahme (die ich kenne) Kassel. Eine Fußgängerzone ist es nämlich nur dann, wenn sich Fußgänger auch dort bewegen können - und zwar ohne Lebensgefahr - das heißt auch keine Radfahrer! Frankfurt/Main ist dafür ein unrühmliches Beispiel, die ganze Innenstadt ist Fahrradzone, für Fußgänger überhaupt kein Platz. Nur notgedrungen geht man noch in die Innenstadt - und dann normalerweise so: mit dem Auto in ein Parkhaus, das einen Eingang direkt in ein Kaufhaus hat. Ansonsten viel zu gefährlich ! Toll, wenn es wirklich Fußgängerzonen wären, wo man das ausschildert.

  2. 26.

    Wer flanieren möchte, weil die Straße nach dem Umbau dazu einläd fängt vorn an der Straße an und hört hinten nach 1-2 km auf, ggf mit geefüllten Taschen, oder mit leeren Taschen auf und zieht dann ggf weiter zu den Hackischen Höfen. Wie viel bequemer ist es dann dort in die S-Bahn S oder Straßenban zu steigen, als 25-40 Min zurück zum Auto laufen zu müssen?

  3. 25.

    Park and ride in die Peripherie verlegen, sehr gute Idee, denn die Randbezirke, die immer mehr bebaut werden, brauchen auch mehr Parkplätze für die Pendler, von denen es immer mehr gibt, weil sie die Stadt verließen, eben wegen der Parkplatz- und Wohnsituation. Ab dem S-Bahnring absolutes Verbot für Fahrzeuge aller Art. Die Fahrzeuge können alle am Stadtrand geparkt werden. Da ist noch Platz.

  4. 24.

    Ja. Das wäre eine gute Sache. Mehr Ruhe, alles entspannter und jeder überlebt es, z.b. Park and Ride zu machen. Und die paar Mal im Leben, wenn man größere Dinge wie Möbel oder Tiefkühltruhen kauft, tut man das ohnehin nicht in der Friedrichstraße oder am Ku'damm und läßt sich die Dinge anliefern. Es wäre ein viel schöneres Shopping-Erlebnis ohne den Strassenverkehr. Wer das in anderen Städten schon erlebt hat, weiß wie angenehm das ist. Man mag dann auch länger verweilen, die Gastronomie würde sicherlich auch davon profitieren.

  5. 23.

    "... zum Shoppen gehört auch Parken ..."

    Denken Sie da in den Geschäftsräumen, direkt unter den Geschäftsräumen mit schmaler Hühnerleiter nach oben in den Verkaufsraum oder bei mindestens fünfmaligen Stellplatz-Suchverkehr, den Sie ab dem sechsten Mal erfolglos abbrechen?

    Parken vor oder in der Nähe der Ladentür war schon immer Illusion. Ud selbst in den Einkaufszentren laufen Sie mehrere hundert Meter vom Stellplatz bis dahin, wo Sie hinwollen.

  6. 22.

    Unter den Linden ist das Herz Berlins. Es gibt einen Haufen Museen, historische Gebäude, die Uni, Staatsbib, die Oper, der Dom, Brandenburger Tor, Botschaften: sozusagen der Grund warum intelligente und (teils wohlhabende) Touris überhaupt nach Berlin kommen!!!!!!! Dank denen wird auch ordentich Geld umgesetzt.

    Die Abgase greifen übrigens die historische Bausubstanz an. Und es ist sehr teuer die zu restaurieren.

    Unter den Linden war ursprünglich (19. Jahrhundert) auch als Fußgängerzone gedacht, ab und zu kam mal eine Kutsche vorbei, aber die stören ja nicht, beanspruchen nicht permanent den ganzen Platz und verpesten nicht die Luft und die zerstören nicht das kulturelle und historische Flair. Im Gegensatz zu den Autolawinen die jetzt UdL kaputt machen.

    Unter den Linden gibt es auch Cafes, Souvenirläden und anscheinend "Bugatti und Ferrari und Microsoft" auch wenn ich die noch nicht gesehen habe, aber jedenfalls machen die bestimmt auch ordentlich Umsatz.

  7. 21.

    Selbst ohne BWL-Kenntnisse könnte man darauf kommen, dass leerstehende Immobilien auch was mit zu hohen Preisforderungen zu tun haben könnten. Mit demselben Wissenhintergrund ist mangelnde Attaktivität einer Einkaufsgegend im Vergleich zu Alternativen eine erschreckend plausible Erklärung für ausbleibende Kunden.

    Aus beiden Symptomen machen Immobilienverdiener aus einem Problem der persönlichen Gier ein Problem der Allgemeinheit, unterstützt von Menschen, die Städte durch Autoverbannung in was-auch-immer für Zonen verwandeln wollen. Klappt nicht: Siehe Maaßen- und Bergmannstraße.

    Lösungsansatz: Wenn man durch gesenkte Gier auch wieder interessante Geschäfte mit angemessenen Preisen im Portfolio hat, dann kommen auch wieder mehr Menschen - und zwar auf Wegen, die sie richtig finden.

    Dasselbe hat der Ku-Damm hinter sich als Mieten von einem Tag auf den anderen nach dem Mauerfall um teils dreistellige Prozentzahlen angehoben wurden.

  8. 20.

    Super Idee! Sollte man weiter verfolgen und auch an anderen Straßen umsetzen!

  9. 19.

    Es wird Zeit den Fussgängern, Rollis, Kinderwagen usw. mehr Raum zu geben. Schließlich betrifft der Fussgängerverkehr wirklich jeden, vom Kleinkind bis ins hohe Alter. Auch der Autofahrer ist letztlich auch mal Fussgänger. Obwohl der Verkehrsanteil des Autos nur bei 30 % liegt hat dieser immer noch 70 % der Verkehrsflüge. Fussgängerzonen bringen Menschliches Leben in die "Straße". Es geht nicht nur darum mehr Kaufkraft zu generieren sondern mehr Lebensqualität.

  10. 18.

    Ihr Großeltern oder vielleicht auch ihre Eltern sind auch mal ohne Auto ausgekommen. Das muss ja fürchterlich damals gewesen sein.

  11. 17.

    Wenn ich nur ein Goldkettchen kaufen, könnte man vielleicht noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, sobald ich etwas mehr haben brauche ich etwas zum transportieren, das Auto.
    Wenn man den Verkehr in Einkaufsmeilen verbieten will, ist das Sterben dieser Gegend vorgezeichnet. Onlinehandel und andere Zentren freuen sich. Wir brauchen endlich wieder Politiker die die Stadt vorwärts bringen. Leider haben davon grüne und Linke Politiker keine Ahnung!

  12. 16.

    Vielleicht ist das ja gerade der Grund warum sich keine normalen Läden dort ansiedeln, weil sie dort mit ihrem Auto vorbei fahren und viele andere das auch tun. Fahren sie dort lang, weil die Pendler sind?

  13. 15.

    Wo will man bitte unter den Linden Geld ausgeben? In drei Ampelmänchen-Shops? Also außer Bugatti und Ferrari und Microsoft ist da nix zu finden. Gähnende Leere, wenn man ca. 21 Uhr da lang fährt.

  14. 14.

    Ich finde den Quark gut. Es geht ja auch nicht darum etwas gegen die Autofahrer zu machen, sondern etwas für die Anwohner und Geschäftsinhaber.

  15. 13.

    ne halbe Stunde noch dann ist der Quark vorbei.
    Das Beste ist, dass den meisten Betroffenen das vollkommen egal ist. Hier kläffen eh nur die militanten Autogegner zum Thema, das kann man eindeutig herauslesen.

  16. 12.

    Richtig so und die ganzen Leute suchen ihre Parkplätze dann eben in den Seitenstraßen der Randbezirke. Geile Idee. Hier in Pankow, wo eh schon der Pendlerterror herrscht, wird dank S- und U-Bahnnähe noch mehr Chaos herrschen.
    Macht doch aus Berlin eine große Fußgängerzone, ab der Stadtgrenze nur noch Geh- Radwege, Skater- und Pedeleczonen. Nur noch Lastenräder bitte.
    Dazu ein ÖPNV, der selbstverständlich komplett gratis ist.
    Und die Abschaffung aller Parkplätze, damit die Flächen für die Menschen nutzbar werden und auch Flächen für den Bau von ETW frei werden, ach wäre das schön.
    Bitte bitte, wann fangt ihr an?

  17. 11.

    Und was soll das bringen? Die Menschen die da rumlatschen verbringen meistens nur ihre Mittagspause, sind Geschäftsmänner und -Frauen die dann wieder mit dem Pkw nach der Arbeit nach Hause fahren, da shoppt doch keiner wirklich. Die Läden werden auch bei einer Fußgängerzone leer bleiben, weil die Gegend keine Kaufkraft für Luxusläden hat.

  18. 10.

    Die Friedrichsstraße kann man vergessen, zum Shoppen gehört auch Parken. Fahr ich halt woanders schoppen.
    Dieser Pseudogrund Fußgängerzone wird diese Gegend auch nicht retten.

  19. 9.

    Ja, die vielen attraktiven Geschäfte Unter den Linden werden sicher endlich gut frequentiert und wir alle unermesslich reich werden, wenn die Straße eine Fußgängerzone ist. Bisher sind die Bürgersteige dort einfach viel zu schmal, die vielen, vielen Lokale können kaum Stühle rausstellen. Außerdem gibt es bekanntlich keinen Mittelstreifen, auf dem man "flanieren" könnte. Und abends ist das schon jetzt eine aufregende, attraktive Gegend. Wird sicher noch schöner als Fußgängerzone (siehe Alexanderplatz und Rathausstraße).

  20. 8.

    "Friedrichstraße wird zur Fußgängerzone" - Für HartzIV-EmpfängerInnen bedeutungslos!

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