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Video: Brandenburg aktuell | 29.11.2018 | Tatjana Jury | Bild: imago/Jianxiong

HIV-Diagnosen in Berlin - 1.600 Berliner wissen nicht, dass sie HIV-infiziert sind

Immer mehr Menschen lassen sich auf das HI-Virus testen. Nur wenige von ihnen sind aber infiziert. Es bleiben schätzungsweise 1.600 Menschen in Berlin, die nichts von ihrer Infektion wissen. Grund dafür ist auch die Angst vor dem Virus. Von Johanna Siegemund

Es fehlt ein letzter Prozentpunkt. Dann hätte die Berliner Regierung erreicht, dass 90 Prozent aller HIV-Infizierten in Berlin auch von ihrer Infektion wissen, wie in der sogenannten Fast-Track Cities Initiative [berlin.de] vereinbart. 100 Städte weltweit haben sich als Ziel gesetzt, dass bis 2020 mindestens 90 Prozent der HIV-Infizierten von ihrer Infektion wissen und erfolgreich in Behandlung sind.

Berlin ist bei dieser Initiative auf der Zielgeraden: Momentan leben laut Robert-Koch-Institut schätzungsweise 14.900 Menschen mit dem Virus in Berlin, 89 Prozent wissen auch von ihrer Infektion. Aber immer noch bleiben mehr als 1.600 Menschen übrig, die sich und andere dem HI-Virus aussetzen.*

Getestet wird mehr, aber nicht genug

Problematisch ist besonders die Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen. Die Angst vor Ausgrenzung ist auch einer der Hauptgründe, warum sich immer noch nicht genug Menschen auf den Virus testen lassen, erklärt Ute Hiller von der Berliner Aids-Hilfe.  

Allgemein ist die Zahl der Menschen, die sich in den Beratungsstellen testen lassen, in den letzten Jahren aber gestiegen. Ute Hiller erklärt sich den Anstieg mit der verstärkten  Öffentlichkeitsarbeit der Zentren für sexuelle Gesundheit und der Beratungsstellen.

Die Motivationen, sich auf HIV testen zu lassen, sind dabei unterschiedlich. Es gibt Testwillige mit wechselnden Sexualpartnern, die sich regelmäßig testen lassen. Zudem kommen auch Paare, die sichergehen wollen, dass der Partner nicht infiziert ist. In Fachkreisen wird das auch als "Verlobungstest" bezeichnet. Andere wiederum leben in der ständigen Angst, sich selbst an einem Türgriff anstecken zu können und suchen deshalb die Teststellen auf.

Die Testmöglichkeiten sind vielfältig

Die erhöhte Nachfrage führt aber auch dazu, dass Testwillige manchmal abgewiesen werden müssen. Die Berliner Aidshilfe kann an zwei Tagen in der Woche jeweils 25 Tests durchführen. Die anderen Testwilligen werden an andere Beratungsstellen oder Ärzte verwiesen. Mittlerweile gibt es auch Selbsttests, die man zuhause machen kann.

Hauptsache, man macht den Test frühzeitig. In 2017 wurde bei 120 Menschen ein bereits fortgeschrittener Immundefekt und bei 55 Menschen AIDS festgestellt - ab diesem Zeitpunkt wird der Virus lebensbedrohlich. Eine Infektion ist aber noch lange kein Todesurteil. Auch wenn viele das immernoch glaubten, sagt Ute Hiller: "Die Menschen denken teilweise immer noch, von HIV stirbt man - das stimmt aber so nicht. Die HIV-Infektion ist eine gut behandelbare Erkrankung mit der man gut alt werden kann, wenn man sie frühzeitig behandelt."

* Die Zahlen beruhen auf Angaben des Robert Koch Instituts. Das RKI schreibt dazu: "HIV-Diagnosen werden oft erst Jahre nach der Infektion gestellt. [...] Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und die Gesamtzahl der Menschen mit HIV in Deutschland können nur mit Hilfe von Modellrechnungen abgeschätzt werden. Daher werden vom Robert Koch-Institut (RKI) regelmäßig Schätzungen zum Verlauf der HIV-Epidemie erstellt, die jeweils erneut den Gesamtverlauf der Epidemie berechnen und nicht nur Veränderungen seit der letzten Schätzung."

Sendung: Radioeins, 29.11.2018, 16.00 Uhr

Beitrag von Johanna Siegemund

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Recht haben Sie bezugnehmend auf die Ächtung. Leider u.das finde ich sehr beschämend, trifft es aber vor allem Personen mit einer schon lange einhergehenden HIV Infektion. Umso wichtiger ist es, sich regelmäßig bei seinem Hausarzt untersuchen und einen Bluttest machen zu lassen. Es gibt Hausärzte so wie meiner, die sind sensibilisiert auf diese Krankheit. Je früher die HIV Infektion erkannt wird umso besser die Chancen auf eine positive Behandlung. Mittlerweile gibt es medizinische Präparate die das ausbreiten von Aids fast vollständig stoppen. Safer Sex ( gilt im übrigen auch für Heteropaare ) ist daher weiterhin eine der wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen. Sich Schützen mit Kondomen ist daher unverzichtbar geworden. Auch die Syphilis ist leider wieder auf den Vormarsch. Ist aber hier nicht das Thema.

  2. 4.

    Guten Abend,

    die Zahlen beruhen auf Schätzungen, die mithilfe von regelmäßigen Modellrechnungen erstellt werden. Das RKI schreibt dazu: "HIV-Diagnosen werden oft erst Jahre nach der Infektion gestellt. [...] Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und die Gesamtzahl der Menschen mit HIV in Deutschland können nur mit Hilfe von Modellrechnungen abgeschätzt werden. Daher werden vom Robert Koch-Institut (RKI) regelmäßig Schätzungen zum Verlauf der HIV-Epidemie erstellt, die jeweils erneut den Gesamtverlauf der Epidemie berechnen und nicht nur Veränderungen seit der letzten Schätzung."

    Hier finden Sie den gesamten Text: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/47_18.pdf?__blob=publicationFile

    Beste Grüße

  3. 3.

    Woher weiß man denn, wieviele Personen nicht wissen, dass sie HIV- positiv sind, wenn die es nicht mal selber wissen? Irgendwer muss ja eine Ferndiagnose gestellt haben, die die Betroffenen nicht bemerkt haben, oder wie hat's funktioniert?

  4. 2.

    @Lothar: naja, vielleicht keine Angst in dem Sinne, dass die Krankheit eben heute sehr gut beherrschbar geworden ist in dem meisten Fällen.
    Was soziale Ächtung angeht, sieht die Lage deutlich anders aus.

  5. 1.

    Heutzutage muß niemand in unserem Land Angst haben, wenn sie o.er sich mit den Virus infiziert hat. Allerdings ist es sehr wichtig sich schnellstmöglich im „Anfangsstadium“ behandeln zu lassen. Denn nur so kann man den Ausbruch Aids verhindern.

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