Eine Markierung der Polizei steht an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis, wo eine Frau niedergestochen wurde. (Quelle: dpa/Daniel Karmann)
Video: Abendschau | 16.12.2018 | Bild: dpa/Daniel Karmann

38-Jähriger zuletzt in Berlin gemeldet - Mutmaßlicher Messerstecher von Nürnberg 18 Mal vorbestraft

Nach den Messerangriffen auf drei Frauen in Nürnberg hatte die Polizei schnell einen Verdächtigen gefasst. Offenbar hielt er sich erst kurz in Mittelfranken auf, zuletzt war der wohnungslose Mann in Berlin gemeldet. Den Justizbehörden ist er schon lange bekannt.

Der Tatverdächtige der Messerangriffe in Nürnberg ist ein mehrfach vorbestrafter Mann ohne festen Wohnsitz. Zuletzt war der Mann in Berlin gemeldet, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Nürnberg mitteilten. Der 38-Jährige ist demnach gebürtiger Thüringer, der sich längere Zeit in Berlin aufgehalten haben soll. Auch in Nürnberg sei er schon mehrfach gewesen, vor der Tat hielt er sich laut eigenen Angaben seit etwa einer Woche in der Stadt auf.

Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, drei Frauen am vergangenen Donnerstagabend im Stadtteil St. Johannis niedergestochen [br.de] und schwer verletzt zu haben. Alle drei Frauen sind inzwischen außer Lebensgefahr, werden aber weiter im Krankenhaus behandelt. Der Mann war am Freitagmorgen in der Nähe der Tatorte festgenommen worden [br.de], er hatte laut Polizei ein Messer bei sich. Die Polizei habe Opfer-DNA an der Kleidung des Tatverdächtigen und an der Waffe gefunden, sagte der Leitende Kriminaldirektor Thilo Bachmann. 

Das Motiv für die Angriffe ist unklar. Bislang habe der Mann zu den Vorwürfen geschwiegen, hieß es. Der 38-Jährige kannte die Frauen nicht und sprach sie vor den Angriffen auch nicht an. Ob der Mann eine psychische Erkrankung hat, sei bisher völlig unklar.

Ein "Spaziergang quer durch das Strafgesetzbuch"

Die Frage sei auch, ob der Mann für ähnliche weitere Taten bundesweit verantwortlich sei, sagte Bachmann. Das Puzzle, das sich den Ermittlern bislang zeige, habe "eine Kontur, aber noch lange kein klares Bild".

Der 38-Jährige ist wegen verschiedener Delikte insgesamt 18 Mal vorbestraft, Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke sprach von einen "Spaziergang quer durch das Strafgesetzbuch". Vorwiegend gehe es um Diebstahl, aber auch um Betäubungsmitteldelikte, Brandstiftung, Betrug und Beleidigung. Zudem hatte der Mann eine Jugendstrafe wegen Vergewaltigung abgesessen. Überwiegend seien die Verurteilungen im Osten Deutschlands erfolgt, so Gabriels-Gorsolke. Aktuell habe er nicht unter Bewährung oder Führungsaufsichten gestanden.

Vor der Tat habe der Mann versucht, ein Messer zu stehlen. Dabei habe es sich aber nicht um das Tatmesser gehandelt, so die Ermittler. Die Polizei hatte mit einer 40-köpfigen Sonderkommission "Johannis" nach dem Täter gefahndet. Die Ermittler waren rasch davon ausgegangen, dass es sich in allen Fällen um denselben Täter handelt. Die Staatsanwaltschaft will wegen Mordversuchs in drei Fällen gegen den Mann einen Haftbefehl erwirken. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft - bislang allerdings nur wegen des versuchten Diebstahls. 

Sendung: Inforadio, 16.12.2018, 13:40 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Bei diesem vielfach auffälligen Täter hier wurden trotz wiederholter Rückfälle weder die Bewährungsstrafen noch die Therapieauflage realisiert, bis zum bitteren Ende (auch für ihn selbst).
    Es gibt Richter, die auf alle Signale, dass es jemand in Freiheit allein einfach nicht schafft, nicht reagieren.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/brandenburg-zwei-polizisten-und-grossmutter-getoetet-24-jaehriger-womoeglich-im-drogenrausch-a-1136748.html

  2. 7.

    Sie wollen doch wohl nicht etwa diesen Einzellfall politisch instrumentalisieren?

  3. 6.

    Weil er eventuell alle Vorstrafen bezahlt/abgesessen hat?

  4. 5.

    Weil es wohl dem deutschen Rechtssystem entspricht.....Leider!

  5. 4.

    Wie kommen Sie darauf das der gebürtige Thüringer noch frei herumläuft? Artikel nicht gelesen?

  6. 3.

    Komisch, daß es noch keine Demo besorgter Bürger zu diesem Fall gab. (Vorsicht: IRONIE)

    Ansonsten finde ich es auch beschämend, daß die Justiz selbst bei Intensivtätern nicht härter und nachhaltiger durchgreift. Das Prinzip der Resozialisierung greift hier ganz offensichtlich nicht.

  7. 2.

    18 mal vorbestraft. Was ist blos mit den Richtern los ? Wie kann dass sein , dass der Täter noch frei herumläuft ?

  8. 1.

    Gruselig.
    Und bei so einem Register zieht keine Sicherheitsverwahrung?
    Das ist doch nun wirklich ein Paradefall, vor dem die übrige Gesellschaft geschützt werden muss.
    Das nächste, was dann kommt, ist Mord/Totschlag. War wahrscheinlich purer Zufall, dass es der nicht in diesen Fällen schon war.

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