16.09.2018, Berlin: Zwei junge Familien mit Kindern begegenen sich, als sie über eine Straße gehen. Bei der einen Familie schiebt die Mutter den Kinderwagen, bei der anderen der Vater, Foto: Wolfram Steinberg/dpa
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Audio: Inforadio | 10.12.2018 | Sylvia Tiegs | Bild: dpa/Steinberg Download (mp3, 1 MB)

Hintergrund: Was beim Mikrozensus erhoben wird - Alleinerziehend ist nicht gleich Alleinerziehend

Das Gesetz sagt: Alleinerziehend ist, wer ohne fremde Hilfe ein Kind erzieht. Die Statistik hat da eine andere Definition. Im Mikrozensus gilt man bereits als alleinerziehend, wenn man allein mit den Kindern in einem Haushalt wohnt. Die jährlichen Zahlen zu Familienstrukturen sind deswegen mit Vorsicht zu betrachten.  

Was ist der Mikrozensus?

Der Mikrozensus ist eine jährliche Befragung, die von den jeweiligen Statistikämtern der Bundesländer stichprobenartig durchgeführt wird. Dabei wird ein Prozent der Haushalte zu den Themen Familie, Lebenssituation und Erwerbstätigkeit mit einem Musterbogen befragt. In Brandenburg betrifft das  11.000, in Berlin 18.000 Haushalte.

Wieso ist der Mikrozensus wichtig?

Durch die statistische Erhebung können Aussagen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage sowie der Bevölkerungsstruktur in Deutschland getroffen werden. Verantwortliche aus Verwaltungen, Parlamenten und Wissenschaft beziehen sich auf die Statistik.  

Was ist daran zu kritisieren?

Der Mikrozensus will unter anderem Familienstrukturen abbilden. Er erfasst aber nur oberflächlich die vielfältigen Lebensformen in Deutschland. So kann die Statistik lediglich abfragen, wer in einem Haushalt lebt. Mütter und Väter, die allein mit einem oder mehreren Kindern in einem Haushalt leben, sind automatisch "alleinerziehend". Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter kritisiert das: "Nur weil das Kind bei einem Elternteil gemeldet ist, heißt das nicht, dass es nicht auch von dem anderen Elternteil betreut wird oder beim anderen Elternteil ein zweites zu Hause hat."

"Getrennt erziehende" Eltern gibt es aber in der Statistik nicht. Dadurch entsteht eine Verzerrung des Begriffes "Alleinerziehend", die nur unzureichend bei der Veröffentlichung der Statistik erklärt wird.

Eine zuverlässige Zahl zu den tatsächlich Alleinerziehenden in Deutschland bietet der Mikrozensus nicht. Die Statistik kann lediglich darstellen, wie viele Haushalte es gibt in denen ein Elternteil und Kinder gemeldet sind, unabhängig davon, ob Kinder mit beiden Elternteilen in getrennten Haushalten leben.

Sendung: Inforadio, 10.12.2018, 06.00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zitat: "Das Gesetz sagt: Alleinerziehend ist, wer ohne fremde Hilfe ein Kind erzieht. "

    Nach dem Steuerrecht ist man nur dann Alleinerziehender, wenn im Haushalt kein Kind 25 Jahre alt ist. Befinden sich z.B. zwei Kinder im Haushalt, ein Kind 16 Jahre alt und ein Kind 25 Jahre alt und in Ausbildung, letzteres kann sich von seiner Ausbildungsvergütung keine eigene Wohnung leisten, heißt es für den Alleinerziehenden:
    "Der Entlastungsbetrag, der Ihnen in der Lohnsteuerklasse II zugute kommt, wird in § 24 EStG geregelt. In dessen Absatz 3 heißt es im 2. Satz:
    Ist die andere Person mit Haupt- und Nebenwohnsitz in der Wohnung des Steuerpflichtigen gemeldet, wird vermutet, dass sie mit dem Steuerpflichtigen gemeinsam wirtschaftet (Haushaltsgemeinschaft)...

    Ergo, der Alleinerziehende ist wieder Single in Steuerklasse I und trägt weiterhin die Vollast für die beiden Kinder.

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