Feuerwehrleute bei der Trauerfeier für ihre auf der A2 getöteten Kameraden in Kloster Lehnin (Quelle: dpa/Settnik))
Video: rbb24 | 4.12.2018 | Torsten Uhde | Bild: dpa/Bernd Settnik

Feuerwehrleute im Einsatz getötet - Lastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Ein Lkw rast auf der A2 in eine Unfallstelle, zwei Helfer der Freiwilligen Feuerwehr sterben dabei. Der Fall sorgte im September 2017 bundesweit für Anteilnahme. Nun steht ein Fernfahrer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Von Lisa Steger

Nach dem Unfalltod zweier Brandenburger Feuerwehrleute auf der Autobahn A2 bei Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) hat am Dienstag der Strafprozess gegen einen Lkw-Fahrer begonnen. Der heute 57-Jährige ist am Amtsgericht Brandenburg an der Havel wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Hinzu kommt der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung, denn ein dritter Mensch trug bei dem Unglück schwere Verletzungen davon.

Feuerwehrauto stürzt auf die Männer

Blick zurück auf den frühen Morgen des 5. September 2017: Die Brandenburger Feuerwehrleute Philipp R. (23) und Sebastian K. (38) sind auf der A2 im Einsatz, wo es einen Unfall gegegeben hat. Zwischen den Autobahn-Anschlussstellen Brandenburg und Netzen ist ein Lieferwagen verunglückt, der Fahrer eingeklemmt.

Plötzlich rast ein Lastwagen in die Unfallstelle und rammt ein Feuerwehrauto. Dieses stürzt um und begräbt die beiden Familienväter unter sich. Sie hinterlassen Frauen und Kinder.

Kurz vor halb drei Uhr in der Nacht hatte den beiden Ehrenamtlichen das Telefon geklingelt - eine Stunde später sind sie tot, gestorben vor den Augen ihrer Kameraden. "Es ist schwer, nach einem solchen Tag wieder zum Tagesgeschäft überzugehen", sagt Landesbranddirektor Heinz Rudolph am Abend nach dem Unglück. Die Lehniner Feuerwehr erhält Beileidsbekundungen aus ganz Deutschland.

Der Anblick des Lastwagens nach dem Unfall auf der A2 lässt die Wucht des Aufpralls erahnen:  Die Front des Sattelschleppers ist weit eingedrückt. Scherben und Metallteile liegen über rund hundert Meter verstreut. Ein Gutachten ergibt später, dass der Lastwagenfahrer mit 89 Kilometern pro Stunde in die hell erleuchtete Unfallstelle gerast sei muss, laut Anklage übermüdet. Während der Bergungs- und Aufräumarbeiten ist die Fahrbahn neun Stunden lang gesperrt.

Für fahrlässige Tötung sieht das Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe vor. Der Fall wird vor einem Amtsgericht verhandelt; dieses kann bis zu vier Jahre Haft verhängen. Das Strafmaß wird unter anderem dadurch beeinflusst, wie groß das Ausmaß der Fahrlässigkeit bewertet wird. Zu bedenken ist auch: Bei dem Unglück wird der Lastwagenfahrer selbst verletzt und muss ins Krankenhaus gebracht werden.

Unfall sorgte für Änderung der Hinterbliebenenversorgung

Die Freiwillige Feuerwehr in Kloster Lehnin rückt pro Jahr zu rund hundert Einsätzen aus. Also etwa an jedem dritten Tag. Meist geht es, wie hier, um Unfälle auf der Autobahn. Denn die A2 ist eine der am meistbefahrenen Strecken Europas. Seit langem gilt sie auch als Unfallschwerpunkt.

Am Jahrestag des Unglücks erinnerten die Feuerwehrleute in Lehnin mit einem Trauerzug an ihre Kameraden. Vor der Wache stellten sie zwei Stelen auf, deren Höhen den Körpergrößen der Verstorbenen entsprechen. "Alle haben noch sehr mit der Verarbeitung zu tun, es ist unsagbar schwer", sagte damals Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner. "Es hat einen großen Riss gegeben, der bis heute anhält."

Die Witwen und Kinder der Opfer erhielten zunächst kein Sterbegeld, obwohl ihre Männer im Einsatz gestorben waren. Ein halbes Jahr nach dem Unglück beschloss das Kabinett in Potsdam eine Änderung. Seither sind Familien von ehrenamtlichen Helfern bei der Hinterbliebenenversorgung mit Familien von Berufsfeuerwehrleuten gleichgestellt. Sie können bis zu 60.000 Euro erhalten. Die Verordnung gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2017. Somit können auch die Familien in Lehnin die Unterstützung bekommen. Am Jahrestag des Unfalls kündigte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) an, das Land werde die Feuerwehren "weiterhin massiv mit Technik unterstützen". Zudem werde überlegt, "welche dieser Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichen Kräften verstärkt werden kann".

Jubiläumsprämien für die Helfer

In Brandenburg sind 98 Prozent der Feuerwehrleute freiwillige Helfer. Zuletzt haben die verheerenden Waldbrände des Sommers gezeigt, wie viel sie leisten. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat deshalb Prämien angekündigt, die dieses Ehrenamt attraktiver machen sollen.

Freiwillige Feuerwehrleute in Brandenburg sollen künftig alle zehn Jahre eine einmalige Jubiläumsprämie für ihren Einsatz erhalten. Nach den ersten zehn Jahren sind bislang 500 Euro geplant, nach jeweils weiteren zehn Jahren erhöht sich der Betrag um 250 Euro. Für 50 Jahre im aktiven Freiwilligendienst gäbe es dann eine Zahlung von 1.500 Euro. Der Landesfeuerwehrverband begrüßt die Maßnahmen. Angesichts des demografischen Wandels müsse aber mehr passieren, hieß es im August.

Sieben Nebenkläger haben sich dem Prozess angeschlossen, vorwiegend Hinterbliebene der beiden Toten. Ob auch der schwer verletzte Überlebende dabei ist, dazu gibt es noch keine Angaben.

Sendung: Brandenburg aktuell, 04.12.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Lisa Steger

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Die Anklage geht davon aus, warum Sie nun noch weitere Dinge ohne Kenntnis der Ermittlungen hineinbringen weiß ich nicht. Sie sagen ja auch nicht, was Sie vermuten. Müdigkeit alleine reicht Ihnen ja nicht. Was nehmen Sie an? Woher die Müdigkeit stammt, ist nachrangig. Alkohol und Drogen wurden ja offenbar nicht festgestellt. Verstöße gegen das Fahrpersonalgesetz werden mit Bußgeld geahndet. Hier geht es um fahrlässige Tötung....und Körperverletzung. Das ist ja wohl entscheidender. Hier ist jemand gestorben...

  2. 15.

    Wenn Übermüdung als Ursache angemommen wird(Lt. Gutachten)dann müssten ja Verstösse gegen das Fahrpersonalgesetz ermittelt worden sein.Also zulange gefahren, keine ausreichende Nachtruhe oder Pause.
    Aber wie ich schon schrieb, Verhandlung und Urteil abwarten, dann können wir gerne weiterdiskutieren.

  3. 14.

    #Gast
    Fahren sie mal ,wenn sie die Möglichkeit haben, eine Nacht im LKW mit und schauen dann mal in überholte und
    überholende LKW-Fahrerhäuser und sehen selbst was es an menschlichen Fehlern und menschlichen Versagen so gibt.
    Natürlich ist der Mann dort nicht absichtlich reingefahren, aber nur auf Übermüdung zu setzen sehe ich als etwas zu einfach. Wenn ein LKW in ein Stauende rast hat der Fahrer das normale LKW-Heck (in der Nacht die Rückleuchten )vor sich ,was dem normalen Blick (Routine)entspricht, dort war es aber Taghell erleuchtet und mit viel Tüdelütt drumherum.
    Mfg

  4. 13.

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-lastwagenfahrer-fahrlaessige-toetung-gericht-a2-brandenburg-havel.html

    Die Anklage redet davon, meinen Sie ich weiß mehr?

  5. 12.

    Ein Unfall ist ein Unfall. Er geschieht durch menschliche Fehler und durch menschliches Versagen. Wenn alle immer richtig handeln würden, dann würden weniger Unfälle passieren. Meinen Sie, der Fahrer ist bewusst da reingefahren? Was wollen Sie eigentlich sagen? Das fällt unter "kann passieren, darf aber nicht".

  6. 11.

    weil es im Text steht: "Ein Gutachten ergibt später, dass der Lastwagenfahrer mit 89 Kilometern pro Stunde in die hell erleuchtete Unfallstelle gerast sei muss, laut Anklage übermüdet. "

  7. 10.

    So jemand darf nie wieder hinter einem Steuer eines Kraftfahrzeugs sitzen.

  8. 9.

    Ob hier wirklich Übermüdung im Spiel war? Leider nehmen solche und ähnliche Vorfälle (Auffahrunfälle) gefühlt zu. Man kann es fast täglich lesen. Wundern tut mich es nicht. Ich bin sehr oft lange Strecken auf unseren Autobahnen unterwegs. Was ich da an LKW-Fahrern mit dem Handy in der Hand beobachten kann, ist in der Anzahl erschreckend.

  9. 8.

    Woher wissen Sie, dass der LKW Fahrer übermüdet war? Haben Sie schon die Untersuchungsergebnisse von diesem Unfall???

  10. 7.

    Eine Übermüdung kündigt sich immer an. Der Sekundenschlaf tritt nur dann plötzlich ein, wenn man vorher, die immer auftretenden Alarmzeichen ignoriert hat.
    Das im roten Brg. das zahlen von Mindestlohn /Mindestvergütung als Erfolg gefeiert wird, ist eine andere „Baustelle“ und kann sicher durch teure Rückkehrerwerbung ausgeglichen werden.

  11. 6.

    Was ist denn an meinen Kommentaren auszusetzen?
    Oder war es ein Technikproblem meinerseits?

  12. 5.

    Der Typ bekommt sicher "nur" eine sogenannte saftige Geldstrafe........macht weiter und irgendwann wieder........ :-(
    Mein Beileid an die Hinterbliebenen, Familie, Freunde und Kameraden - alle verdienen großen Respekt nicht aufzugeben. Die Regierung sollte isch was schämen erst dann in Sachen Entschädigungen und finanzielle Unterstützung der FFw tätig geworden zu sein - warum muss immer erst etwas passieren?

  13. 4.

    Ich war ja eigentlich noch nicht fertig, aber ich muss neu anfangen.
    Ich wollte noch sagen das der Fahrer auch kein Jungspund war.
    Aber warten wir mal ab was die Auswertung des Tachographen und der Fahrerkarte ergibt und das das Gericht die Ergebnisse auch veröffentlicht. Dann können wir ja weiter Diskutieren. mfg.

  14. 3.

    Hallo werter Gast
    Da ich schon sehr sehr lange LKW fahre ,in früheren Zeiten auch nicht ganz Gesetzeskonform, weiß ich was ein Sekundenschlaf ist.
    Wie ich schon schrieb konnte man die Unfallstelle über einen Kilometer entfernt sehen.
    Bei 89 kmh braucht ein LKW ca.40 Sekunden für einen Km.Fallen die Augen zu liegen sie spätestens nach 10 Sek.
    entweder rechts im Graben oder links auf der Mittelleitplanke. Sie können das gerne mal auf einem Waldweg ausprobieren
    mit geschlossenen Augen 40 Sek geradeaus zu gehen.Viel Spaß.
    Zur Übermüdung kann ich sagen, das kann auch schon zum Anfang einer Schicht vorhanden sein .Das kenne ich nämlich selbt ,da ich auch nur im Nachteinsatz arbeite. Mal schläft man gut ,dann ist die Nacht kein Problem, mal schlecht, (wegen Helligkeit oder Tageslärm )dann muss ich auch schon mal nach 2 Std. eine Pause mit einem Nickerchin machen.Mann muss nur rechtzeitig auf die Anzeichen von Müdigkeit achten was man schon in der Fahrschule eingetrichtert bekommt.

  15. 2.

    Der LKW Fahrer war übermüdet. Das ist das Schreckliche an Unfällen. Meist ist es menschliches Versagen. Und eine Übermüdung stellt man selbst nicht immer fest. Der berühmte Sekundenschlaf ist ein Beispiel dafür. Das ist einfach furchtbar.

  16. 1.

    Ich kann es nicht verstehen wie man das übersehen konnte.
    Ich habe die bestens abgesicherte Unfallstelle kurz zuvor selbst passiert, sie war schon ca.1 -1,5 km vorher zu sehen.
    Durch die Ausleuchtung und die vielen blauen Rundumleuchten der Einsatzfahrzeuge hätte der Fahrer das auch bei Übermüdung erkennen müssen.
    Auch wetter bedingt, denn es herschte klare Sicht.

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