27.06.2017: Mitarbeiter von SOS Méditerranée bringen Migranten im Mittelmeer zur "Aquarius" (Quelle: dpa/Lena Klimkeit)
Audio: Inforadio | 07.12.2018 | Jan-Christoph Kitzler | Bild: dpa/Lena Klimkeit

Hilfsorganisationen klagen über Behinderungen - Rettungsschiff "Aquarius" beendet den Einsatz

Der Einsatz des Rettungsschiffs "Aquarius" im Mittelmeer wird beendet: Nach monatelangen Auseinandersetzungen sehen sich "Ärzte ohne Grenzen" und SOS Méditerranée gezwungen, das Schiff außer Betrieb zu nehmen, teilten die beiden Hilfsorganisationen am Freitag mit. Bereits seit zwei Monaten habe es den Hafen von Marseille nicht verlassen können.

SOS Méditeranée will weitermachen

Die Organisation SOS Méditeranée, die auch in Berlin sitzt, kündigte an, seine Hilfseinsätze im Mittelmeer künftig mit einem anderen Schiff fortsetzen zu wollen. Dafür würden nun Reedereien gesucht, die bereit sind, "ein Zeichen der Solidarität mit den zivilen Seenotrettern zu setzen". "Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht", betonte die Geschäftsführerin von SOS Méditeranée in Deutschland, Verena Papke.

"Ärzte ohne Grenzen" teilte mit, die Organisation überlege, wie sie weiter vorgehen werde. Bislang gebe es keine Pläne für eine Zusammenarbeit mit einer weiteren Organisation. Nothilfekoordinatorin Karline Kleijer erklärte aber, solange Menschen im Mittelmeer und in Libyen litten, werde "Ärzte ohne Grenzen" nach Möglichkeiten suchen, sie medizinisch zu versorgen.

Italien verweigerte das Anlanden

Italien hatte der "Aquarius" im Juni verweigert, in einem Hafen anzulegen. Mit über 600 Flüchtlingen an Bord musste die Besatzung eine Woche lang im Mittelmeer ausharren, bis das Schiff schließlich in Spanien anlegen durfte. Auch für andere Rettungsschiffe blieben die italienischen Häfen daraufhin geschlossen.

Laut SOS Méditeranée wurde der "Aquarius" nach Rettungseinsätzen auf politischen Druck hin zweimal die Flagge entzogen. Zudem ordneten kürzlich die italienischen Behörden die Beschlagnahmung des Schiffes wegen des Verdachts auf illegale Abfallentsorgung an.

Den beiden Organisationen zufolge wurden bei den Einsätzen der "Aquarius" seit Februar 2016 fast 30.000 Kinder, Frauen und Männer vor dem Ertrinken gerettet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen in diesem Jahr bislang 2.160 Menschen bei der Überquerung des Mittelmeers ums Leben.

Ärzte ohne Grenzen kritisierte die Politik in Deutschland und der EU scharf. "Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, war eine gezielte Kampagne gegen die Rettung von verzweifelten Menschen auf dem Mittelmeer", sagte der Geschäftsführer in Deutschland, Florian Westphal. "Auch die deutsche Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung dafür, dass das Sterben auf See weitergeht."

Sendung: Radioeins, 07.12.2018, 05.00 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Eine umfassende Ursachenforschung der Flüchtlingswelle in Richtung Europa würde beweisen, dass die beteiligten Seenotretter echte Überlebenshilfe im Dienste der Menschlichkeit leisten. Niemals kommt ehrlich und aufrichtig zur Sprache, wer oder was die betroffenen Menschen aus ihrer Heimat vertreibt. Das Handeln der beteiligten EU-Staaten zeigt ihre wahre Haltung zu den Grundwerten der Europäischen Union, wie man beispielsweise an der mangelhaften Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention als elementaren Bestandteil des Europa-Rechts auch in Deutschland erkennen kann. Wer sich als christlich bezeichnet, soll zu seiner Glaubwürdigkeit wie Christus helfen.

  2. 1.

    "Ärzte ohne Grenzen" kenne ich gut durch meine Tochter, die lange Mitglied war und inzwischen ihre Mitgliedschaft auch aufgrund dieser Seenotrettungspolitik von "Ärzte ohne Grenzen" aufgegeben hat.
    Ärzte, die in Afrika oder in arabischen Ländern arbeiten wollen, können dies tun, alles O.K. und zwar in dortigen Krankenhäusern.
    Aber mit dieser Art von Seenotrettung unterstützt "Ärzte ohne Grenzen" nur die Schlepper, die inzwischen bereits Milliarden in meinen Augen total zu Unrecht verdient haben und natürlich noch weiter verdienen wollen. Dem muß endlich ein Riegel vorgeschoben werden und zwar sofort.

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