Fassade des Kriminalgerichts des Landgerichts Berlin in Moabit (Quelle: dpa / Thomas Robbin)
Bild: dpa / Thomas Robbin

Urteil gegen 75-Jährigen - Vier Jahre Gefängnis nach Messerangriff auf eigene Tochter

Aus "verletzter Ehre" hat ein Berliner Rentner seine Tochter niedergestochen und schwer verletzt. Jetzt hat das Landgericht den Mann wegen versuchten Totschlags zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte das doppelte Strafmaß gefordert. 

Nach einem lebensgefährlichen Messerangriff auf seine Tochter ist ein 75-jähriger Rentner zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den Vater am Mittwoch des versuchten Totschlags schuldig.

Er hatte seine 47-jährige Tochter im April 2018 auf ihrer Arbeitsstelle in einem Einkaufszentrum im Stadtteil Neukölln schwer verletzt. Es habe sich um eine Spontantat aus "verletzter Ehre" gehandelt, bei der der Vater vermindert schuldfähig gewesen sei, begründeten die Richter am Mittwoch das Urteil, das im Strafmaß hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurückblieb. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt.

Gutachter stellt wahnhafte Störung bei Vater fest

In den Wochen vor der Tat habe der Angeklagte seine Tochter mehrmals vor der Schule ihres Kindes im Gespräch mit anderen Männern beobachtet und sich in den Gedanken hineingesteigert, sie benehme sich unsittlich, hieß es weiter im Urteil. Er habe "Dinge gesehen, die objektiv nicht da waren" und sich in der Ehre gekränkt gefühlt. Ein Gutachter habe eine wahnhafte Störung festgestellt. Diese habe das Wertesystem des nicht vorbestraften Angeklagten beeinträchtigt.

Der Vater hatte gestanden und erklärt, er habe damals die Kontrolle über sich verloren und seiner Tochter ein Messer in den Bauch gestochen. Er habe sie eigentlich zur Rede stellen wollen. Der Mann war nicht vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert, die Verteidigung eine Strafe von maximal drei Jahren wegen versuchten Totschlags. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: Abendschau, 05.12.2018, 19.30 Uhr

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