Nebel hängt am 25.10.2016 in Berlin über dem Großen Tiergarten, aufgenommen aus der Plattform der Siegessäule. (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Video: Abendschau | 18.12.2018 | Susanne Papawassiliu | Bild: dpa/Sophia Kembowski

Waldzustandsbericht 2018 - Nur jeder vierte Waldbaum in Berlin ist gesund

Berlins Wäldern geht es gar nicht gut: Nur jeder vierte Waldbaum ist gesund, der Rest zeigt leichte oder schwere Schäden. Das bestätigt nun auch der Waldzustandsbericht. Ein Grund ist die monatelange Hitze dieses Sommers.

Rund drei Viertel aller Waldbäume in Berlin zeigen Schäden. Das geht aus dem neuen Waldzustandsbericht [pdf] hervor. Demnach sind lediglich 27 Prozent der Bäume ganz gesund - eine Verschlechterung zum Vorjahr. Zudem erwarten die Experten, dass sich die gesamten Auswirkungen des Hitzesommers voraussichtlich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Inzwischen wird über die Hälfte der Waldfläche (58 Prozent) der niedrigsten Schadstufe 1 zugeordnet. 15 Prozent zeigen deutliche Schäden (Stufe 2 bis 4).

Mehr kranke Kiefern

Bei den einzelnen Baumsorten gibt es aber durchaus unterschiedliche Entwicklungen: Während sich die Eichen (ungefähr jeder fünfte Baum) gut hielten - hier sind wie im Vorjahr rund 22 Prozent ohne Schäden - litten vor allem die Kiefern. Nur noch 23 Prozent der Kiefern wird als schadfrei eingestuft. Kiefern kommen mit 60 Prozent Anteil am häufigsten in Berliner Wäldern vor.

Wie die Senatsverwaltung für Umwelt erläuterte, reagieren Laubbäume wie Eichen im Vergleich zu Nadelbäumen eigentlich schneller auf Stressfaktoren wie Hitze und Trockenheit. Nach dem niederschlagsreichen Jahr 2017 seien die Bäume in der ersten Hälfte des Jahres 2018 aber noch ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt gewesen.

Laut Bericht hatte es Anfang der 90er Jahre noch eine Verbesserung des Waldzustands gegeben. Nach den trocken-warmen Jahren 1996, 1999 und 2003 sei der Waldflächenanteil mit deutlichen Schäden aber jeweils erheblich angestiegen.

Ungefähr ab 2006/2007 hätten sich viele Waldbäume dann wieder erholt. Die Zahl der Bäume mit deutlichen Schäden ging demnach bis 2016 zurück. Seitdem wurden wieder mehr kränkelnde Bäume erfasst.

Viele junge Bäume vertrocknet

Ein weiteres Problem: Tausende Jungbäume sind in diesem Jahr vertrocknet. Bei den 385.000 im Herbst 2017 gepflanzten Bäumen sei ein Verlust von 75 Prozent zu beklagen, sagte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow (Grüne) am Dienstag. "Weil die Bäume einfach zu klein waren und noch nicht so gut verwurzelt." 2019 sollen laut Berliner Forsten 300.000 Sämlinge nachgepflanzt werden.

Kolkrabe auf dem Ast einer Kiefer (Quelle: WILDLIFE/M.Varesvuo)
Bild: M.Varesvuo/WILDLIFE

Nabu: Borkenkäfer setzen Kiefern zu

Nach Angaben von Staatssekretär Tidow wurden in diesem Jahr immerhin kaum Schäden durch Insekten und Pilze festgestellt. Er führte das auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zurück, in der die Vielfalt eine große Ausbreitung einer Art behindere. Ziel sei es auch, bis 2050
den Anteil an Laubbäumen von aktuell 35 auf 60 Prozent zu steigern.

Stefan Adler vom Nabu Deutschland sagte im rbb allerdings, schon jetzt gebe es viele Borkenkäfer, die vor allem den Fichten zusetzen. Er erwartet zudem, dass es im nächsten Jahr mehr Borkenkäfer gibt, da diese sich bei warmen Temperaturen vermehren. Und wenn Wasser fehle, könnten Fichten auch kein Harz ansetzen, um sich gegen diese Käfer zu wehren, so Adler.

Im rbb-Inforadio sagte der Naturexperte, dass auch andere Insekten den Bäumen zu schaffen machen: "Bei den Kiefern sind es vor allem Schmetterlingsarten, aber auch bei den Eichen, die sich aufgrund der warmen Witterung sehr gut vermehren können." Zu möglichen Spätfolgen sagte Adler, wichtige Faktoren seien nun Witterung und Niederschläge im Winter und Frühjahr 2019.

Sendung: Inforadio, 18.12.2018, 8 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 9.

    Lieber RBB,
    leider lässt Du Deine journalistische Sorgfalt mal wieder schleifen.
    Hier wird behauptet, das nur jeder vierte aller Berliner Bäume gesund ist und dieses aus dem Waldzustandsbericht hervorgeht.
    Falsch!
    Der Waldzustandsbericht beschäftigt sich eben nur mit den Waldbäumen im Land Berlin, nicht aber mit den Straßen-, Park- und Gartenbäumen (sowie den Berliner Wäldern in Brandenburg).
    Das ist so als ob Du behauptest, jeder vierte Berliner ist übergewichtig und Dich auf den Rentnergesundheitsbericht beziehst.
    So entstehen Falschwahrheiten.
    Gut, kann sein das die Behauptung stimmt, aber wenn die Quelle das nicht hergibt, ist das Doof.

  2. 8.

    Ich lebe in der Einflugschneise des Flughafens Tegel (TXL). Kommen Sie während jeder Laubzeit vorbei und schauen Sie sich die Blätter der Bäume an. Da wird man schon vom Betrachten krank. P.S. Auch ich habe freiwillig täglich in den Vorgärten, im Innenhof und auf der Straße die Bäume gewässert.

  3. 6.

    Der Senat hätte ja eine Bewässerung der Straßenbäume usw.organisieren können. Wir haben in Berlin überdurchschnittlich viele "Leistungsempfänger", die hätten das vielleicht auch gerne gemacht. Die haben den ganzen Tag frei..... Ich habe unsere Bäume auf dem Hof auch gegossen,das hat mich 20 min. Zeit gekostet. Den Bäumen geht es gut. Alles eine Frage der Organisation.....

  4. 3.

    Das liegt an der zunehmenden Anzahl an militanten Veganern in dieser Stadt. Von irgendwo muss das Essen ja herkommen.

  5. 2.

    Das 8. Weltwunder: In Deutschland gesund bleiben.

  6. 1.

    Berlins verbliebenen Bäumen muss es heissen. Abholzung ohne Ersatzpflanzungen, weitere ungehemmte Versiegelung von Flächen, ergo mehr Menschen, mehr Verkehr - ja was erwartet der Herr Umweltstaatssekretär denn bitte?
    Ich muss nichts studiert zu haben um dies zu errechnen - das kann jeder, normal gebildet ist.

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