Tausende Menschen besuchen an Heiligabend den Berliner Dom (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 24.12.2018 | Susanne Papawassiliu / Interview mit Bischof Dröge | Bild: rbb

Weihnachtsbotschaften - Kirchen rufen zu Frieden, Mitgefühl und Zuversicht auf

Zu Weihnachten hat Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge die wachsende Bedeutung von Heimat hervorgehoben, die nicht gegen Andere abgeschottet werden dürfe. Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief die Menschen zu mehr Zuversicht auf.

Die Landesbischöfe der katholischen und der evangelischen Kirche haben sich mit Weihnachtsbotschaften an die Gläubigen in Berlin und Brandenburg gewandt und zum Fest auf den Wert der Menschlichkeit und des Miteinanders hingewiesen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, rückte in seiner Weihnachtsbotschaft in diesem Jahr den Wert und die Sehnsucht nach Heimat in den Mittelpunkt. Die biblische Geschichte von Weihnachten sei auch eine Heimatgeschichte, sagte Dröge: "Jesus wird geboren, er liegt in einem Stall in der Krippe, hilf- und schutzlos, nur in Windeln gewickelt. Maria und Josef versuchen ihm - unter schwierigsten Bedingungen - ein Stück Heimat auf Erden zu schenken, durch Geborgenheit, Wärme und Schutz."

Auch heute bedeute Heimat Verlässlichkeit. "Die Heimat wird wichtig, wenn wir spüren, dass viele Probleme globale Probleme sind", sagte Dröge an Heiligabend im Interview mit der rbb-Abendschau. "Heimat darf aber nie etwas sein, was ich gegen Andere verteidige oder abschotte", so Dröge.

Der Bischof wünscht allen Menschen, dass sie Geborgenheit und Wärme an Weihnachten spüren können. Zugleich ruft er dazu auf, auch an diejenigen zu denken, "denen es nicht so geht, die sich nach Geborgenheit sehnen, weil in ihrer Heimat kein menschenwürdiges Leben mehr möglich ist, und dass wir überlegen, wie wir ihnen helfen können".

Bischof Markus Dröge hält bei der Christvesper im Berliner Dom die Predigt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)Berlins evangelischer Landesbischof Dröge rückt die Sehnsucht nach Heimat in den Mittelpunkt seiner Weihnachtsbotschaft.

Dröge fordert mehr sozialen Wohnungsbau

Angesichts der ganz offensichtlichen Diskrepanz zwischen den oft nur wenigen Kirchenbesuchern während des Jahres und den vielen Gästen in den Gottesdiensten in der Weihnachtszeit sei dies kein Problem für ihn und die Kirche. "Es ist so wie Gäste, über die man sich freut, auch wenn sie selten kommen", hat Dröge dem rbb am Sonntag gesagt. "Heiligabend soll eine festliche Stimmung sein, wo ich jeden annehme und anspreche und mit hineinnehme, der kommt."

In der Berliner Morgenpost sprach er sich für eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus in der Hauptstadt aus. "Wenn Sie sich in einer Stadt sicher fühlen wollen, dann müssen Sie wissen, dass Sie eine Wohnung bekommen können, die Sie sich auch leisten können." Dröge wünsche sich deshalb, dass der Senat die Wohnungsnot stringent angehe. "Wir brauchen in Berlin wieder verstärkt einen sozialen Wohnungsbau. Wohnen ist ein Menschenrecht." Es sei sehr schwierig geworden, in Berlin eine bezahlbare Wohnung zu finden, so Dröge weiter: "Nicht nur für Flüchtlinge, für alle Berliner und Zuziehende." Auch die Diakonie habe Probleme, für Projekte wie Beratung oder betreutes Wohnen eine bezahlbare Wohnung zu finden.

 

Koch ruft zu mehr Zuversicht auf: Angst ist eine "Volkskrankheit"

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief die Menschen in Deutschland zu mehr Zuversicht auf. Angst sei inzwischen eine "Volkskrankheit", immer mehr Menschen litten unter Angstzuständen, beklagte der katholische Bischof in seiner Predigt zur Christmette in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin laut vorab verbreitetem Redetext. Er wünsche den Menschen Mut zum Glauben und zur Zuversicht - wie es in dem Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht" zum Ausdruck komme. 

"Angst bestimmt oft unser Wertebewusstsein, Populisten verbreiten Angst in der gesellschaftlichen Diskussion, Angst wird in immer mehr Lebensbereichen zu einer Grundstimmung einer Gesellschaft auf schwankendem Boden", so Koch. Viele Menschen fühlten sich in ihrer Sicherheit und ihrem Wohlstand gefährdet und befürchteten, an den Rand gedrängt zu werden.

Video: Brandenburg aktuell | 24.12.2018 

Steinmeier wirbt für mehr Kommunikation

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wirbt in seiner Weihnachtsansprache für eine respektvolle Kommunikation und wendet sich gegen Sprachlosigkeit. "Wir müssen wieder lernen zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten. Wer Streit hat, kann sich auch wieder zusammenraufen", sagte das Staatsoberhaupt in seiner Ansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt werden soll. Wer gar nicht spreche und erst recht nicht zuhöre, komme Lösungen "kein Stück" näher: "Sprachlosigkeit heißt Stillstand".

Steinmeier sagte, er wünsche sich mehr Kommunikation unter den Menschen. "Ich habe den Eindruck, wir Deutsche sprechen immer seltener miteinander. Und noch seltener hören wir einander zu. Wo immer man hinschaut, erst recht in den Sozialen Medien: Da wird gegiftet, da ist Lärm und tägliche Empörung." Mehr noch als über den Lärm mancher Menschen sei er besorgt über das Schweigen von vielen anderen, so der Bundespräsident.

 

Sendung: Inforadio, 24.12.2018, 14 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Unwahr, weil es beispielsweise weltweit glaubenstreue Christen gibt, die für ihren menschlichen Einsatz in Krisengebieten sogar verfolgt, gefoltert und ermordet werden (können). "An ihren Taten sollt ihr ..."

  2. 9.

    "Zu den in der christlichen Theologie zählenden vier (seit 1997 im Katechismus der Katholischen Kirche fünf) himmelschreienden Sünden gehört u. a. die Unterdrückung der Armen, Witwen und Waisen."
    Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Waise Die unzumutbare Belastung (zumindest psych. Druck) von Armen, Witwen und Waisen beginnt auf alle Fälle dort, wo durch das Vorenthalten notwendiger Leistungen das individuelle Leid unvermindert fortbesteht oder sogar vergrößert wird.

  3. 8.

    Christlichkeit idt ein Anstrich, mit dem man sich von anderen abheben will.
    Der bessere Mensch. Ekelhaft!

  4. 7.

    Gehe schon seit Jahren nicht mehr in die Kirche.
    Dann kamen die Missbrauchsfälle zu Tage. Und die Geschichte der "Aufkärung" dieser.
    Kirche hat moralischen Anspruch verwirkt!

  5. 6.

    Nimmt der Politiker den Pfaffen beim Arm und sagt: "halt du sie dumm, ich halt' sie arm"
    Das Prinzip seit Jahrhunderten wird nicht durchbrochen und funktioniert immer noch hervorragend.

  6. 5.

    "Wer Menschen helfen will, lockt sie nicht aus ihrer Heimat fort, sondern hilft ihnen, sich selbst zu helfen."

    Wer lockt denn wo Menschen fort? Die Menschen fliehen, vor Krieg, vor Armut, vor Perspektivlosigkeit.

    Den Menschen vor Ort helfen? Eine gute Idee, sie haben bestimmt schon eine Petition gegen deutsche Waffenexporte unterschrieben oder ihren Abgeordneten das Versprechen abgenommen sich gegen Knebelverträge der EU einzusetzen damit nicht auch Geflügel"abfälle" auch aus deutschen Fabriken dort den einheimischen Markt ruinieren?

    Oder sie setzen sich dafür ein dass keine riesigen Fischfabriken die für in der EU ansässige Firmen arbeiten dort die Meere leerfischen oder zumindest Obergrenzen einhalten?

    "Denn genau das kann ich alles nicht mehr hören."

    Nicht? Das ist aber schade... und unchristlich.

  7. 4.

    Wer sich beispielsweise Christlichkeit auf seine Fahnen schreibt, sollte sich dem Glauben entsprechend verhalten, weil ansonsten Unglaubwürdigkeit eintritt. Normalbürger können nicht wissen, wie sie mit der Kognitiven Dissonanz umgehen können, die unangenehme Gefühle auslöst. Würde von Priestern und Bischöfen zuviel verlangt, wenn sie die PolitikerInnen christlicher Ausrichtung z. B. bei Verstößen gegen das Gebot christlicher Nächstenliebe in gebührender Weise anmahnen? Ich finde, religiöse Mahnwachen im Zuschauerbereich des Dt. Bundestags, könnten christlicher Bewusstseinsbildung zuträglich sein.

  8. 3.

    " Mehr noch als über den Lärm mancher Menschen sei er besorgt über das Schweigen von vielen anderen...." so der Bundespräsident.
    Viele andere schweigen, Herr Bundespräsident, weil sie schon aufgegeben haben und resigniert haben. Leider sehen es die vielen Verantwortlichen unseres Staates nicht.
    Vieles, wird doch von den Medien berichten, wo der Schuh drückt und wie viele Menschen verzweifelt sind und keinen Ausweg mehr wissen. Man könnte hier tausendfache Ursachen nennen.
    Die Politik, scheint nicht zuzuhören, ansonsten kann ich die Unzufriedenheit sehr viele Menschen nicht erklären.... Haben Unzufriedene Menschen nur den Glauben und die " Satten " die Zufriedenheit ?

  9. 2.

    "Heimat darf aber nie etwas sein, was ich gegen Andere verteidige oder abschotte", so Dröge.
    So, Heimat nicht verteidigen gegen Eindringlinge ? Kein Problem, dann wird es die Heimat der Anderen.
    So funktioniert das schon seit tausenden von Jahren.
    " ...Schaum vorm Mund" (Steinmeier) habe ich noch nicht, aber die Galle kommt mir schon hoch.
    Es war seit langem der erste Heiligabend, wo ich nicht in die Kirche ging. Denn genau das kann ich alles nicht mehr hören. Die Kirchen machen sich flächendeckend zum Handlanger dieser verkehrten Politik. Wer Menschen helfen will, lockt sie nicht aus ihrer Heimat fort, sondern hilft ihnen, sich selbst zu helfen. In ihrer Heimat. Die sie dann auch verteidigen sollten gegen z.Bsp. globale Finanzinteressen.

  10. 1.

    Zitat: "Geborgenheit und Wärme an Weihnachten ..." - ... für HartzIV-EmpfängerInnen, Obdachlose, Diskriminierte (Behinderte, Ausländer, betagte Menschen u.a.), Billiglöhner, Opfer von Straftaten, Waisen, u.a.? Zu wissen, wo die Ursachen zu finden sind, das enttäuscht und macht sprachlos!
    Gelobt sei Jesus Christus.

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