Ein Mann im Weihnachtsmann-Kostüm klingelt an einer Wohnungstür (Quelle: dpa/Christin Klose)
Audio: Inforadio | 06.12.2018 | Marcus Latton | Bild: dpa/Christin Klose

Weihnachtsmann-Mangel in Berlin - Santa Claus kommt nicht in jedes Haus

Der Weihnachtsmann ist an Heiligabend ein gefragter Gast. Allerdings herrscht in der Region eine akute Knappheit an Leuten, die mit Rute und Sack Kinder bescheren wollen. Warum das so ist und welche Alternativen es gibt, hat Marcus Latton herausgefunden.

Der Alltag sieht für Frederik Tholey wenig festlich aus: Er liest Gerichtsurteile, lernt Definitionen auswendig und gräbt sich durch die Tiefen des Strafrechts. Tholey studiert Jura. Doch wenn er sich zur Adventszeit den Rauschebart anlegt und den roten Mantel überzieht, sind andere Qualitäten gefragt.

"Man sollte zumindest ein paar Weihnachtslieder auswendig können und ein Gedicht", sagt Tholey. "Oft kommen auch Nachfragen: 'Wo ist der Schlitten des Weihnachtsmannes?' Und: 'Wie ist der hierhergekommen? Es liegt ja gar kein Schnee.' Da sollte man schon eine kreative Antwort für die Kinder parat haben."

Hohe Nachfrage, zu wenige Santas

Mit seinem Studienfreund Tobias Groß hat Frederik Tholey die Online-Plattform "Weihnachtsmann2Go" gegründet. Wer das passende Kostüm mitbringt, kann sich anmelden und von Familien buchen lassen, die zu den Festtagen einen Weihnachtsmann in der Stube brauchen.

Das Prinzip der Website ist für die Nutzer simpel: Man gibt seine Adresse ein, bekommt alle Weihnachtsmänner in der Nähe mit Beschreibung und Profilfotos angezeigt und stellt eine Buchungsanfrage.

Die Nachfrage ist enorm: 500 Familien haben bereits reserviert. Ob man am Ende einen der bislang weniger als 100 Weihnachtsmänner abbekommt, bleibt daher ungewiss. Frederik Tholey hat früher im Auftrag des Studierendenwerks Berlin die Geschenke ausgetragen. Ein lukrativer Nebenverdienst: Im Schnitt 500 Euro ließen sich bei mehreren Terminen an einem Tag verdienen, zuzüglich Trinkgeld.

Doch in diesem Jahr musste das Werk den Service einstellen. "Die Nachfrage hat das Angebot an verfügbaren Weihnachtsmännern weit überschritten", sagt Pressesprecherin Jana Judisch. "Wir haben uns dann schweren Herzens entschlossen die Aktion aufzugeben." Die Logistik der Vermittlung, Aufträge annehmen und abwickeln: ein zu hoher Aufwand, der sich für das Studentenwerk schlicht nicht mehr gerechnet habe.

Der Weihnachtsmann belohnt Frühbucher

Auch Birgit Nickel vom "Weihnachts-Service Berlin" hat seit vielen Jahren Probleme, Mitarbeiter für den Einsatz zur Feiertagszeit zu finden. Ihre Erklärung: "Viele Menschen sind beruflich sehr eingebunden. Zeit ist in unserer Gesellschaft etwas sehr kostbares geworden." Die Leute würden Heiligabend lieber mit ihren Familien verbringen, als zu arbeiten. Nickel sucht deshalb noch Männer und Frauen, die als Christkind oder Santa Claus an den Festtagen in Berlin und im Umland professionell Geschenke verteilen.  

Berliner, die sich an Heiligabend vom Weihnachtsmann bescheren lassen wollen, gehen also besser vor wie bei Handwerkersuche und bei der Fernreise: Früh buchen, lautet die Devise.

Beitrag von Marcus Latton

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6 Kommentare

  1. 6.

    Santa Claus kommt nicht in HartzIV-Häuser, weil nicht im Regelbedarf.

  2. 5.

    Ihre Kindheit in Westfalen ist wahrscheinlich auch schon eine Weile her. Die Zeiten haben sich geändert. Für die Kinder ist Weihnachtmann derjenige der die Geschenke bringt. Was aber das Schlimme ist, ist, das es eine Plattform geben muss,die Weihnachtsmänner to-go vermittelt. Wie CD es schon richtig erkannt hat, der freundliche Nachbar oder ein Onkel aus der -Familie macht es auch. Alles andere ist Irrsinn und reiner Kommerz und hat nichts mehr mit Weihnachten zu tun.

  3. 4.

    "Weihnachtsmann" für die Kleinen spielen ist ja auch Familiensache ggf Nachbarschaftssache, und nicht Jobsache!

  4. 3.

    "Berliner, die sich an Heiligabend vom Weihnachtsmann bescheren lassen wollen"

    Früher hat ein Familienmitglied sich verkleidet, zumal man mindestens zu zehnt war, viel das den Kindern kaum auf, wer fehlte. Aber heute alles gegen ca$h... furchtbar.

  5. 2.

    Der Weihnachsmann ist auch nur eine Erfindung. Bei den streng Katholischen ist es das Christkind das Geschenke am 1.Weihnachtstag unter den Tannenbaum legt. Jetzt hier auch noch vom Mann mit der „ Rute“ zu schreiben ist noch irreführender. Der Heilige Skt. Nikolaus hatte einen Helfer an seiner Seite und dieser hieß Knecht Ruprecht. Der war äußerlich genau das Gegenteil vom Nikolaus. Sah dreckig aus und hatte die berühmte Rute in der Hand und drohte damit den Kindern, blieb aber im Hintergrund wenn der Nikolaus aus seinem goldenen Buch den Kindern etwas vorlas. Dann kam der Standartspruch: wart ihr auch immer schön brav? Jedes einzelne Kind mußte dann vortreten um sein Geschenk entgegen zu nehmen. So habe ich es in meiner Kindheit im Kindergarten in Westfalen erlebt.

  6. 1.

    Früher hat man sich da in der Nachbarschaft gegenseitig ausgeholfen, dass da die Männer mal rasch nebenan den Weihnachtsmann gespielt haben... da brauchte es keine professionelle Vermittlung.

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