Herr Schwenninger, Mieter bei der Deutsche Wohnen, vor seiner kalten Heizung. (Quelle: rbb/D. Marschke)
Bild: rbb/D. Marschke

Immobilie der Deutsche Wohnen in Neukölln - Mieter in Neuköllner Jahnstraße bibbern bei 16 Grad

Im Internet bietet die Deutsche Wohnen ihre Wohnungen an der Neuköllner Jahnstraße als "modernisierte Schmuckstücke" an - doch die Mieter müssen sich warm anziehen. Schon seit Tagen werden viele der Wohnungen nicht mehr beheizt. Von Daniel Marschke

Mario Schwenninger steht in seiner kleinen Küche und ärgert sich. Seit 23 Jahren wohnt er in der Jahnstraße, aber so kalt war es noch nie: "Seit Mittwoch konnte ich zusehen, wie es immer kälter wird", sagt Schwenninger.

Seine Wohnung hat der 64-Jährige oben im siebten Stock: vorne und hinten Außenwände, oben das Flachdach. In der Küche seien es zum Schluss noch elf Grad gewesen. Daraufhin habe er zwei elektrische Heizlüfter aufgestellt. Doch auch am Montagmittag zeigt das Thermometer nur 16 Grad, und noch sieht Schwenninger kein Ende. Die Klempner hätten gesagt, "dass es nicht so schnell gehen wird".

Heizungen werden noch tagelang kalt bleiben

Auch Marko Rosteck, Pressesprecher der Deutsche Wohnen, kann nicht viel Hoffnung machen. Ein unterirdisch verlaufendes Heizungsrohr sei gebrochen, wobei die Bruchstelle zunächst einmal lokalisiert werden musste, sagte Rosteck am Montag rbb|24.

Um den Defekt zu finden, hätten etwa 250 Wohnungen von der Heizungsanlage getrennt werden müssen; 150 davon könnten seit Montagnachmittag wieder beheizt werden. In den mehr als 100 weiteren dagegen würden die Heizkörper noch eine Weile kalt bleiben. Wie lange genau, ist offen. "Genaueres werden wir erst in ein bis zwei Tagen wissen", so der Deutsche-Wohnen-Sprecher. Doch Rosteck hat - am sechsten Tag der Heizungshavarie - auch gute Nachrichten.

Deutsche Wohnen sagt Mietminderung zu

Bereits am Freitag habe die Deutsche Wohnen eine Lkw-Ladung mit Radiatoren in die Jahnstraße geliefert. Am Dienstagnachmittag werde außerdem ein sogenanntes Hotmobil aufgestellt, mit dem die jetzt noch kalten Wohnungen mit Wärme versorgt werden sollen. Zudem teilte der Pressesprecher mit: "Es gibt selbstverständlich eine Mietminderung." Diese werde auf den Tag genau ermittelt und mit den für Februar anstehenden Mieten verrechnet.

Wohnanlage der Deutsche Wohnen in der Jahnstraße in Berlin-Neukölln (Quelle: rbb|24/Daniel Marschke)
Wohnanlage in der Neuköllner JahnstraßeBild: rbb|24/Daniel Marschke

Aus Sicht von Mietrechtsexperten ist eine solche Ankündigung eher ungewöhnlich. Denn Unternehmen wie die Deutsche Wohnen bieten von sich aus nur äußerst selten eine Mietminderung an. Im Gegenteil: Mieter, die von sich aus die Miete reduzieren, müssen oft mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten rechnen. Dabei geht es in vielen Fällen auch um die Frage, wie hoch die Mietminderung denn eigentlich ausfallen darf.

"Bis zu 50 Prozent weniger Miete wären gerechtfertigt"

"Bei einer Raumtemperatur von 16 Grad wären bis zu 50 Prozent gerechtfertigt", sagt Daniel Halmer vom Mieterschutzportal "wenigermiete.de". Das gehe aus mehr als 500 einschlägigen Urteilen hervor, die das Portal zuletzt ausgewertet habe. Zwar würden die Amtsgerichte sehr unterschiedlich urteilen, doch die in der Jahnstraße gemessenen Temperaturen seien nicht zuletzt "gesundheitsgefährdend", vor allem für Kinder und ältere Menschen. Das sieht auch der Berliner Mieterverein so. Bereits vor einem Jahr hatte der Verein darüber informiert, wie sich Mieter in solchen Fällen am besten verhalten sollten und was bei Mietminderungen zu beachten ist.

Hinweis in einem Hausflur in der Jahnstraße in Berlin-Neukölln: "Seit Tagen" ist die Heizung dort ausgefallen. (Quelle: rbb|24/Daniel Marschke)
Störungsmeldung in der Jahnstraße 77 | Bild: rbb|24/Daniel Marschke

Müller will GSW-Verkauf am liebsten rückgängig machen

Schon damals hatte die Deutsche Wohnen mit massiven Heizproblemen zu kämpfen - bei Häusern in Kreuzberg und Reinickendorf. In diesem Zusammenhang hatte der börsennotierte Konzern eingeräumt, dass er rund 300 seiner 3.000 Heizungslagen als "besonders kritisch" betrachtete. Inzwischen seien die meisten dieser Anlagen aber wieder in Schuss, sagte Rosteck am Montag.

Zugleich betonte er gegenüber rbb|24, dass der Ausfall in Neukölln nichts mit der Heizung selbst zu tun habe, sondern durch ein gebrochenes Rohr verursacht worden sei.

Die Wohnanlage, die zwischen Britzer Damm, Jahn- und Rungiusstraße liegt, umfasst etwa 25 einzelne Häuser und schätzungsweise 450 Wohnungen. Gebaut wurden sie in den 1960er Jahren und gehörten ursprünglich zum Bestand der landeseigenen GSW. Ende 2013 wurde der gesamte Bestand (mit rund 60.000 Wohneinheiten) dann an die Deutsche Wohnen verkauft - eine Entscheidung, die der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nun wieder rückgängig machen will - und die bei vielen Mietern noch immer zu Verärgerung führt.

Mieter beklagt mangelnde Instandhaltung

Seit dem Verkauf habe sich "alles nur verschlechtert", sagt auch Mario Schwenninger. Den neuen Eigentümern gehe nur um ihren Profit, schimpft der 64-Jährige. An der Instandhaltung dagegen werde gespart. Als Beispiel nennt der langjährige Mieter die beiden Hausmeister. Kurz nach der Übernahme durch die Deutsche Wohnen seien beide gekündigt worden. Erst später sei wieder ein Hausmeister eingestellt worden, doch der sei mit der riesigen Wohnanlage schlichtweg "überfordert".

Großes Augenmerk würde die Deutsche Wohnen dagegen auf die Sanierung frei werdender Wohnungen legen, berichtet Schwenninger, der für seine 63 Quadratmeter rund 560 Euro bezahlt - nicht viel mehr, als inzwischen auch für weitaus kleinere Wohnungen verlangt wird. Auf der Website des Konzerns werden diese dann als "Modernisiertes Schmuckstück" angeboten: 35 Quadratmeter für 502 Euro - warm oder kalt.

Beitrag von Daniel Marschke

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Und dann kann man Ihren konstruktiven Kommentar mal aufnehmen und weiter spinnen. Wie soll ein Land Berlin mit knapp 60 Milliarden Schulden, GSW-Bestände im großen Stil zurückkaufen und dann wirtschaftlich instandhalten und bewirtschaften? Da fehlt es an Geld, an Manpower etc. Das geht alles nur zu Lasten der Steuerzahler, also auch wieder zum Großteil der Mieter. Das schlimmste dabei ist, ich wiederhole mich inhaltlich, es wird nicht eine einzige Wohnung dadurch geschaffen. Und nicht nur deshalb muss man in der Debatte mal sauber trennen. Rumhacken auf jedem noch so kleinen aber auch großen Reparaturfall und daraus medienwirksam einen Katastrophenfall machen und der Lösung dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Rekommunalisierung und Enteignung löst aus meiner persönlichen Sicht all diese Probleme nicht. Ich möchte gar behaupten, dass dadurch alles noch schlimmer wird - Instandhaltung, Mietenanstieg und Wohnungsmangel. Denkanstoß an alle.

  2. 13.

    Und genau das meine ich mit willkürlich interpretiert oder in Ihrem Fall einfach nicht richtig gelesen oder lesen wollen. Die Ursache für diese mittlerweile irrsinnig raumgreifende Berichterstattung und Diskussion ist, dass die Mieten auf breiter Front steigen. So sehr, dass mittlerweile sich selbst Normalverdiener in einigen Quartieren die Miete nicht mehr leisten können. Und dieser Fakt liegt nicht an mangelnder Instandhaltung von Beständen, das sind schlichtweg Marktmechanismen. Die Nachfrage kann nicht ausreichend durch Angebot bedient werden. Die folgende sind höhere Preise. Lösung: mehr Angebot schaffen. Und um das in einem Wohnungsmarkt mit dem Ziel sozialer Durchmischung der Quartiere zu erhalten, muss mehr gebaut werden. Ich hoffe, das meine Ausführungen nachvollziehbar und verständlich sind. Ansonsten kann ich Ihnen das gern nochmal an anderer Stelle erklären.

  3. 12.

    Ich bin selbst Mieter in dem Komplex, seit 06/2017. Innerhalb dieser Mietzeit hatte ich schon etliche Schäden und Handwerkereinsätze. Teilweise flott von B&O behoben teilweise auch heute nach 1,5 Jahren immer noch nicht beseitigt. Das ich noch hier wohne, liegt daran das ich hier fast nur nette Nachbarn habe und auch einige € in die Wohnung gesteckt habe.
    Natürlich ist die DeuWo eine profitorientierte AG. Kapitalismus bedeutet nun mal möglichst viel Kohle mit möglichst wenig Einsatz zu machen. Aber die meisten Mängel in unserer Wohnanlage sind auf mangelnde Wartung in den Jahren vorher zurückzuführen. Berlin hat sich auch hier kaputtgespart. Daher sehe ich die Schuld nur bedingt bei der DeuWo Viele Schäden wären vermeidbar gewesen hätte sich der ursprüngliche Eigentümer Senats-GSW auch schon an den Grundsatz gehalten: "Eigentum verpflichtet"

    Hotmobil: steht seit Mittwoch unten und läuft
    Heizlüfter: wurde von der DeuWo schlecht kommuniziert. Kann man beim Hausmeister B. abholen.

  4. 11.

    Ich bin selbst Mieter in dem Komplex, seit 06/2017. Innerhalb dieser Mietzeit hatte ich schon etliche Schäden und Handwerkereinsätze. Teilweise flott von B&O behoben teilweise auch heute nach 1,5 Jahren immer noch nicht beseitigt. Das ich noch hier wohne, liegt daran das ich hier fast nur nette Nachbarn habe und auch einige € in die Wohnung gesteckt habe.
    Natürlich ist die DeuWo eine profitorientierte AG. Kapitalismus bedeutet nun mal möglichst viel Kohle mit möglichst wenig Einsatz zu machen. Aber die meisten Mängel in unserer Wohnanlage sind auf mangelnde Wartung in den Jahren vorher zurückzuführen. Berlin hat sich auch hier kaputtgespart. Daher sehe ich die Schuld nur bedingt bei der DeuWo Viele Schäden wären vermeidbar gewesen hätte sich der ursprüngliche Eigentümer Senats-GSW auch schon an den Grundsatz gehalten: "Eigentum verpflichtet"

    Hotmobil: steht seit Mittwoch unten und läuft
    Heizlüfter: wurde von der DeuWo schlecht kommuniziert. Kann man beim Hausmeister B. abholen.

  5. 10.

    Sie müssen es wieder mit persönlichen Angriffen machen ... Furchtbar. Und wenn Sie den Artikel mal lesen würden, dann wüssten Sie, dass es sich um einen Bruch handelt, der ein unterirdisches Rohr betrifft. Das ist auch mit normaler Wartung nicht zu vermeiden.

  6. 9.

    Überall wo ein Hr. Wisser im Aufsichtsrat sitzt gibt es gravierende Probleme und alles was irgendwie gut für Mieter oder Arbeiter ist wird abgelehnt, nicht umgesetzt oder einfach ignoriert. Senior Wisser bei der Deutsche Wohnen und Junior Wisser beim Bodenpersonal Flughafen Tegel und Schönefeld. Enteignen solle man diese Familie.

  7. 8.

    Mit kommen die Tränen.

    Wenn man die Instandhaltung vernachlässigt passiert sowas nat. häufiger, da ist es eine dumme Ausrede dass andere nicht besser wären. Für die "heruntergewirtschaften" Bestände hat man deshalb (und nicht nur deshalb) ein Appel und ein Ei gezahlt.

    "... bauen bauen bauen!" hilft den betroffenen Mietern herzlich wenig und ist auch nicht die Lösung für diese Probleme.

    Beherzigen sie doch erst einmal selbt ihre Forderung "sachlich und seriös" zu bleiben!

  8. 6.

    Nichts zu sehen von diesem sogenannten Hotmobil.
    Auch Eine Heizung ist bei mir nicht angekommen.
    Ich sitze hier bei 15° in meinem Wohnzimmer und hoffe dass die Heizung bald wieder funktioniert. Drückt mir die Daumen

  9. 5.

    Ich kann es nicht mehr lesen und erst recht nicht verstehen. Wann fangen Leute wie Sie, einschließlich dem rbb und der Berliner Koalition, endlich einmal an Ihre halbherzig recherchierten, willkürlich interpretierten und einseitigen Kommentare und Beiträge auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Unternehmen, welches massiv in seine alten, von den Voreigentümern runtergwirtschafteten Bestände investiert, von selbst und ohne Dazutun des Mieters Mietminderungen direkt geltend werden lässt, gehört nicht länger an den Pranger gestellt. Man kann endlose Listen aufmachen, in den Fälle dokumentiert werden, wie Dinge, wie z.B. Reparaturbedarfe, Heizungsausfälle etc. bei anderen privaten und auch den städtischen Gesellschaften verzögert und gar nicht erst bearbeitet werden. Bleiben Sie sachlich und seriös! Dem Senat bleibt nur zu wünschen, sich endlich besinnen zu können um das zu tun was wirklich die Ursache der anhaltend, mittlerweile schon gesellschaftlichen Diskussion, angeht - bauen bauen bauen!

  10. 4.

    GEWOBAG PB Wohnhaus am Rathaus Neukölln. Seit Beginn der Heizperiode 2017 Heizugsstrang für Küche und Bad abgestellt, die GEWOBAG PB findet die Ursache eines Wasserschadens nicht.

    Schon ein dutzend mal beim Reparaturservice angerufen.

  11. 3.

    Nun lassen Sie mal die Kirche im Dorf! Ein gebrochenes unterirdisch verlaufendes Rohr ist nicht so einfach zu reparieren! Dafür kann man der Wohnungsbaugesellschaft keinen Vorwurf machen. Diese Reparatur dauert auch bei landeseigenen Gesellschaften länger! Es werden immer Heizgeräte verteilt und die Stromkosten werden anteilig übernommen. Wenn ein Rohr in der Wohnung oder im Haus bricht, ist es immer mit Unannehmlichkeiten verbunden.

  12. 2.

    Ich bin GEWOBAG Mieter im Frobenkiez und hier ist genau das gleiche Bild. Weihnachten mit Tanne und Bauheizer. Trotz 63 Beschwerden und einem Rechtsanwalt passiert seit Mitte OKT 2017 nichts. Die Gerichte werden es irgendwann richten. Solange Provit im Vordergrund steht wird sich nichts ändern -- anstatt Mietpreis Kontrolle sollte man eine Wohnsubstanz Kontrolle Einführen, den nicht jeder Mieter hat die Kraft gegen Goliath zu kämpfen.

  13. 1.

    Wie lange darf dieses Unternehmen (Unternehmen kommt von etwas tun)noch am Wohnungsmarkt agieren?

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