Sperrung der Salvador-Allende-Brücke (Quelle: rbb/Bettina Rehmann)
Bild: rbb/Bettina Rehmann

Salvador-Allende-Brücke gesperrt - Köpenick sucht nach neuen Wegen übers Wasser

Für Autos und Busse wurde die Allende-Brücke in Köpenick vergangene Woche überraschend gesperrt - wegen Rissen im Beton. Nun tüfteln die Verkehrsplaner an Umleitungen. Fest steht bereits: Köpenick bekommt eine Busspur. Von Stefan Ruwoldt

Die Sperrung der Salvador-Allende-Brücke in der vergangenen Woche wirft die Altstadt von Köpenick zurück auf ihr Inseldasein. Und die fehlende Querung der Müggelspree verstärkt vor allem die Misere derer, die täglich wegen des Jobs übers Wasser müssen.

Wie genau künftig Köpenick nun am besten anzufahren und zu verlassen ist, darüber brüten derzeit noch Berlins Verkehrsplaner, wie Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) rbb|24 sagte: "Die Verkehrslösung muss vom Senat erarbeitet werden." Der Bezirk habe aber "die klare Zusage bekommen, dabei auch beteiligt und auch weiter gefragt zu werden".

Ernsthafte Alltagseinschränkungen durch die Brückenpleite

Wann dieses Verkehrskonzept für den fast brückenlosen Bezirk kommt, sei aber bislang unklar: "Es gibt dafür vom Senat keine Zeitangaben, aber klar ist natürlich, dass es drängt." Igel appellierte zum einen an die Geduld der Köpenicker und betonte, dass der Ausfall der Allende-Brücke, über die alltäglich im intakten Zustand rund 28.000 Menschen die Ufer wechselten, sehr plötzlich gekommen sei. "Es ist Donnerstag passiert. Da kann man nachvollziehen, dass da nicht sofort etwas vorliegt." Ebenso klar sei aber auch, dass für viele und vieles hier nicht so leicht ein anderer Weg zu finden sei und dass die neuen Wege mit erheblichen Kosten, mit Zeitverlust und mit ernsthaften Alltagseinschränkungen verbunden seien.

Oliver Igel (SPD), Stadtbezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel | Bild: dpa/Jens Kalaene

Bezirksbürgermeister Igel mit klaren Ideen

Igel hat schon recht genaue Vorstellungen über die kommenden Umleitungen, er spricht von "Erwartungen". "In wenigen Stunden, vielleicht Tagen erwarten wir das Konzept", sagt der Berzirksbürgermeister und stellt fest: "Klar muss sein: Mit einer Straße für die Umfahrung braucht uns der Senat nicht zu kommen, also etwa mit einer Umleitung durch die Altstadt. Da sagen wir: 'Nein!'" Denn die Hindernisse dort- und das seien nicht nur Poller - seien nicht einfach so zu beseitigen.

Den Umleitungsverkehr zu schultern sei eine Aufgabe für ganz Köpenick, aber auch für die angrenzenden Gemeinden in Brandenburg, etwa Gosen-Neu Zittau und Erkner. Igel fordert daher, das Brückenproblem nicht nur akut zu lösen, sondern auch gleich in größeren Dimensionen zu denken: Bislang habe Köpenick keinerlei separierte Busspuren, wodurch bei Stau auch die Busse im Verkehr stecken. Busspuren sieht Igel in der aktuellen Verkehrsnot als Zukunftsinvestition: "Wenn die Leute mit dem Auto nicht mehr weg kommen, aber mit dem Bus, wird der Bus auch angenommen."

Skepsis bei der BVG über eine mögliche Busspur

Die BVG erwartet in Sachen Busspuren allerdings zunächst eine weniger detaillierte Planung, so Unternehmenssprecherin Petra Nelken: "Also erst das Grobe und später dann vielleicht die Feinheiten: Etwa ob man irgendwo stehen kann, wenden kann, abbiegen oder halten kann. Und erst am Schluss geht es dann um Anschlüsse, um Takte und um mögliche Informationen für die Fahrgäste."

Nelken ist überzeugt, dass die Senatsverkehrsplaner an dem Konzept intensiv arbeiten, dieses aber dann erst in die Abstimmung unter anderem eben mit der BVG gehe: "Jetzt sitzt ein Verkehrsplaner und macht einen Vorschlag, dann sagen wir als BVG: 'Das funktioniert!' Oder:  'Das funktioniert nicht!'"

Bereits die Taktplanung sei sehr diffizil: "Natürlich könnte man sich da ruhig 'mal einen Bus mehr wünschen", so Nelken. Aber wenn die Busse in einer engen viel befahrenen Straße zusätzlich für Verstopfungen sorgten, sei jeder Bus mehr nur noch ein zusätzliches Hindernis in dem die Leute im Stau säßen und sich die Fahrzeit verlängere.

Senat kündigt eine Spur an

Solch eine Busspur kündigte Verkehrssenatssprecher Jan Thomsen allerdings bereits zumindest für die Seite nördlich der Müggelspree an: "Am Knotenpunkt Salvador-Allende-Straße/Friedrichshagener Straße wird in der nördlichen Zufahrt Salvador-Allende-Straße eine Busspur eingerichtet sowie in der Bellevuestr vor der Friedrichshagener Straße eine provisorische Endhaltestelle geschaffen", teilte er rbb|24 mit.

Und er ergänzte, dass über die Veränderung von Straßenbahnstrecken, Fähren oder der S-Bahn derzeit beraten und dann entschieden werde, bislang aber noch nichts fest stehe.

Hintergrund des aktuellen Köpenicker Verkehrschaos ist die Sperrung der maroden Allendebrücke. Sie wird seit Jahren geflickt und war bereits mehrfach in Teilen gesperrt und wird nun komplett abgerissen und bis zum Ende des Jahres zunächst durch einen Übergangsbau ersetzt.

Wegen Rissen im Beton kann sie seit dem vergangenen Donnerstagabend nur noch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden. Gerüchte, auch diese dürften die Brücke bald nicht mehr nutzen, stimmen nach Auskunft der Verkehrsverwaltung jedoch nicht: Die Brücke bleibe weiter für den Fuß- und Radverkehr offen, teilte die Verkehrsverwaltung am Mittwoch rbb|24 mit.

Die Brücke über die Müggelspree, eine Konstruktion aus dem Jahr 1981, ist eine der meistbefahrenen im Südosten Berlins und ein Nadelöhr für den Autoverkehr. Sie war unter anderem gebaut worden, um die Köpenicker Altstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Der Neubau soll dann bis 2021 stehen.  

Umleitungen der betroffenen BVG-Buslinien

Umfahrungen der BVG-Busse (Quelle: Grafik/rbb)

Sendung: Inforadio Verkehrsnachrichten, 30.01.2019, 08.00 Uhr

Beitrag von Stefan Ruwoldt

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Ich sehe den ÖPNV nicht als ultimative Alternative. Sorry aber die BVG schafft es ja noch nicht einmal am Samstagmorgen um 5 Uhr den Tram Linienverkehr ohne Ausfälle aufrecht zu erhalten. Heute morgen selbst erlebt! Und der Servicetechniker oder andere Gewerke mit ihren Transportern werden bestimmt BUS und TRAM benutzen. Der Individualverkehr kann nicht ausgesperrt werden. Und in Bezug auf diese geplante Busspur, mit welcher Berechtigung hat ÖPNV "die" Vorfahrt?!? Leisten die Benutzer des Individualverkehrs nicht auch ihren Beitrag zur Infrastruktur, mit Mineralöl- und KFZ Steuer? Oder werden die Straßen in Zukunft ausschließlich durch die BVG finanziert? Auch das gehört alles zur Wahrheit.

  2. 9.

    Was haben Sie bloß mit ihrer 21? Die kommt nicht mal ansatzweise in die Nähe der Brücke! Die 21 verkehrt zwischen S Schöneweide und Bahnhof Lichtenberg. Bevor sie sich Verkehrskonzepte für Köpenick ausdenken, sollten sie mit der entsprechenden Örtlichkeit vertraut sein!

  3. 8.

    Mir schwebt dabei eine Art 21 E vor, es kann aber auch eine ganz andere Linienbezeichnung für Kurse sein, die zwischen Krankenhaus Köpenick und Bahnhof fahren. Es wäre zu prüfen, ob auf weniger frequentierten Abschnitten - und sei es in Köpenick in der Wendenschloßstraße - Fahrzeuge abgezogen werden könnten, um sie gezielt hier einzusetzen.

  4. 7.

    Wo ist eigentlich das Problem. Die Brücke ist nicht sehr hoch und die Spannweite sehr gering.
    Das Flußbett ist nicht sehr tief. Also Stützen runter und gut ist. Das aber bedeutet Verantwortung zu übernehmen.
    Dann doch lieber Verkehrsberuhigung auf die harte Tour. Typisch Berlin.

  5. 6.

    Na, da würde ich doch sagen, setzt mehr Busse als Shuttle zwischen Müggelschlösschenweg und Pablo-Neruda-Straße ein, mit der Straßenbahn 21 könnte es dann verstärkt über die Insel zum Bahnhof gehen. Gegebenenfalls können - falls "Ollis" abkömmlich sind - , zusätzlich auch selbstfahrende Busse Hilfe leisten bei so einer recht kurzen Strecke.

  6. 5.

    So geht eben Verkehrsberuhigung auf die extreme Art.... ;-)

  7. 2.

    Liebes rbb24-Team,

    könnt ihr bitte mal bei der BVG nachfragen, warum die aktuellen Routen der Busse noch nicht in der Fahrplanauskunft berücksichtigt sind? Wenn ich z.B. eine Verbindung vom Müggelschlößchenweg zum S-Bahnhof Köpenick suche, dann schlägt mir das Programm u.a. den X69 vor, der ja leider nicht fährt.

    Danke.

    Übrigens rächt es sich jetzt, dass die Straßenbahn nie zum Müggelschlößchenweg verlängert worden ist. Danke an die Verkehrsplaner.

  8. 1.

    "Wenn die Leute mit dem Auto nicht mehr weg kommen, aber mit dem Bus, wird der Bus auch angenommen." Genau so ist es. Es dann aber auch genug Busse und S-Bahnen geben. Entsprechend dem Fahrgastaufkommen.

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