Polizeibeamtin auf Streife am Alexanderplatz in Berlin (Quelle: imago/Seeliger)
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Nachwuchswerbung mit Social Media - Berliner Polizei startet Frauen-Offensive auf YouTube

Seit Jahren sucht die Berliner Polizei verzweifelt nach Nachwuchs. Weil es zu wenige Bewerber gibt, müssen die Fristen regelmäßig verlängert werden. Nun will Polizeichefin  Slowik vor allem um Frauen werben - und dazu das Social-Media-Angebot ausbauen.

Dass man über das Internet neue und vor allem jüngere Zielgruppen erreicht, ist bei der Berliner Polizei nichts Neues. Das Social-Media-Angebot der Berliner Sicherheitskräfte ist weit über die Grenzen des Landes bekannt. Schon längst ist die Behörde nicht nur bei Twitter und Facebook aktiv, sondern auch auf Youtube, Instagram und Snapchat.  

"Ich meine, dass wir unter den Polizeibehörden bei Social Media deutschlandweit führend sind, wenn nicht gar europaweit", sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik. "Wir tun gut daran, das auszubauen und zu stabilisieren."

Kommunikation stärken und Nachwuchs werben

Zuwachs für das sechsköpfige Social-Media-Team sei Teil des Stellenpakets, mit dem sie in die Haushaltsverhandlungen gehe, sagt Slowik - unter anderem, um die Kommunikation mit den Bürgern zu stärkern und für eine "transparentere unmittelbare Berichterstattung" zu sorgen.

Doch Slowik verfolgt noch ein anderes Ziel: Über die verschiedenen Social-Media-Kanäle der Polizei sollen vermehrt auch Frauen angesprochen werden. Ziel ist die Gewinnung von Nachwuchs-Polizistinnen - denn aus Sicht von Polizeichefin Slowik ist der Anteil von Frauen noch zu gering. Hinzu kommt, dass die Polizei fast jedes Jahr ihre Bewerbungsfristen verlängern muss, weil sich zu wenige Bewerberinnen und Bewerber melden und zu viele die Eingangsprüfung nicht bestehen.

Social-Media-Aktionen sollen gezielt auch junge Frauen ansprechen

So ist seit einigen Wochen auf dem YouTube-Kanal der Berliner Polizei auch die 29-jährige Helena zu sehen. Die Beamten-Anwärterin freut sich über ihre neue Uniform: "Du guckst dich im Spiegel an und denkst, ja, du hast alles richtig gemacht. [...] Du wirst Polizistin." Zum Thema Uniform erklärt Helena zum Beispiel, dass lange Haare zum Zopf gebunden werden müssten und dass es sowohl Sommer- als auch Winterhosen gebe.

Nachholbedarf vor allem im mittleren Dienst

Das sei Teil einer "Frauenoffensive", sagt die Polizeipräsidentin. Dabei werden ganz gezielt eine gewisse Altersgruppe angesprochen: "Vor allem die Nachwuchsgewinnung richtet sich an die, die ja fast nur noch über Social Media kommunizieren und sich informieren." Insgesamt mehr als 50.000-mal seien die verschiedenen Helena-Videos bisher angesehen worden.

Nachholbedarf bei der Gewinnung von Frauen sieht Slowik vor allem im mittleren Dienst, also bei den uniformierten Polizisten, die in den Hundertschaften und auch auf den Abschnitten arbeiten. Der Frauenanteil dort liege bisher bei nur rund 20 Prozent, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Praktikumsbericht eines Influencers führt zu drei Millionen Views

Möglicherweise helfen die Social-Media-Aktivitäten ja, die Nachwuchsprobleme der Polizei  zu lösen. Allein die Inhalte bei Instagram und Snapchat seien von Jahresbeginn bis Mitte Dezember 2018 sieben Millionen mal aufgerufen worden, drei Youtube-Videos über das Praktikum eines Influencers bei der Polizei verzeichneten insgesamt mehr als drei Millionen Views, sagt Slowik.

Neben solchen Aktionen seien die Mitarbeiter aber auch gefordert, Hasskommentaren "etwas entgegenzusetzen". Andere deutsche Behörden mit Nachholbedarf bei dem Thema schauten auf Berlin: "Wir werden oft um Rat gefragt."

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Frau Slowik sollte sich einmal die Frage stellen warum die wenigsten Frauen auf einem Abschnitt oder in einer Hundertschaft ihren Dienst versehen. Kann das daran liegen, dass hier die Dienstzeiten nicht Gerade Familienfreundlich sind und der überwiegende Teil der Frauen bereits Mütter sind.

  2. 1.

    Finde ich gut,ber nicht weil sich nicht mehr genug männlicher Nachwuchs findet, sonder weil grundsätzlich Frauen und Männer die gleichen Chancen haben sollten. Gleichzeitig sollte aber auch der Polizeidienst attraktiver gemacht werden und da muss der Staat Geld in die Hand nehmen.Es ist ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft, dass der Respekt vor der Polizei als Ordnungshüter und teil unserer Gewaltenteilung immer mehr sinkt.Der öffentliche Raum von Jahr zu Jahr in Teilen krimineller,gewalttätiger wird.Es ist auch von nöten, klare Grenzen aufzuzeigen , wenn zum Beispiel Frauen egal wo und in welcher Position , als Autoritäten nicht akzeptiert werden.Das einzufordern und strickt zu ahnen bei Nichtbeachtung, ist ein gesellschaftliches Muss, nicht nur bei Spitzenpolitikerinnen.Sonst löst sich die Gesellschaft von innen her auf und der kriminelle ,politisch religiöse Mop und Extremist,frisst sich immer mehr rein in die sogenannte Zivilisation .

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