Wolf im Wildpark Schorfheide (Quelle: imago/Andreas Gora)
Bild: imago/Andreas Gora

Neue Zahlen des Landesumweltamtes - Brandenburger Wölfe reißen immer mehr Tiere

Viele Nutztierhalter fürchten sie: die in Brandenburg lebenden Wölfe. Vor allem im Südwesten und Südosten sind die Tiere mittlerweile heimisch und greifen nicht nur Schafe, Ziegen und Kälber, sondern auch Fohlen an. Auch 2018 sind die Risszahlen wieder gestiegen.

Seit Jahren steigt die Zahl der in Brandenburg lebenden Wölfe und mit ihr auch die Zahl der vom Wolf verursachten Nutztierschäden. Wurden 2016 noch 90 solcher Fälle registriert, waren es 2018 bereits 153 Vorfälle - ein Anstieg um 70 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Insgesamt sind dabei 401 Tiere gerissen worden. Das geht aus Angaben des Landesumweltamtes hervor, das alle drei Monate die aktuellen Zahlen erhebt.

Landesumweltamt zählt 768 Wolfrisse seit 2007

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2007 sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen. Inzwischen ist die Behörde bei 768 Rissfällen mit insgesamt 1.615 getöteten Tieren angekommen, bei denen der Wolf als Verursacher "nicht auszuschließen" ist oder als "wahrscheinlich" gelten kann. Als Belege für einen Wolfsriss können Rissspuren, Berichte von Augenzeugen, Losungs- oder Pfotenspuren herangezogen werden.

Dass es sich mit 100-prozentiger Sicherheit um einen Wolf gehandelt hat, lässt sich nur durch Gentests nachweisen, die laut Umweltamt wegen hoher Kosten allerdings nur wenig angewendet werden.

Rissstatistik des Landes Brandenburg mit den betroffenen Nutztierarten (Bild: rbb24/Dave Rossel)

Verbände fordern Obergrenze für Wölfe

Bei den 2018 gerissenen Tieren handelte es sich nach Angaben des Landesumweltamtes vorwiegend um Schafe (235) und Kälber (65), aber auch Ziegen (27) und Damwild (73) gehörten zu den bevorzugten Opfern der Raubtiere. Vereinzelt werden auch Fälle gemeldet, in denen Fohlen angegriffen werden. Zum ersten Mal sei ein solcher Fall 2015 bekannt geworden; zwei weitere Fohlen wurden im März 2017 und im April 2018 gerissen.

Nutztierhalter, die einen Schaden erlitten haben, können Beihilfen des Landes Brandenburg in Anspruch nehmen. Nach Angaben des Landesumweltamtes summierten sich diese seit 2007 auf knapp 293.000 Euro.

Wegen der steigenden Nutztierschäden haben der Deutsche Bauernverband und das Aktionsbündnis Forum Natur am Mittwoch eine Obergrenze für Wölfe gefordert. Der Bestand an Wölfen in Deutschland wachse jährlich um etwa 30 Prozent, erklärten die Verbände. Anlässlich der in Berlin stattfindenden Agrarministerkonferenz fordern sie ein aktives Eingreifen in die Wolfsbestände.

Vor allem südliche Landkreise betroffen

Wie aus der behördlichen Statistik weiter hervorgeht, sind vor allem der Südwesten und der Südosten Brandenburgs betroffen. Insbesondere in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Dahme-Spreewald und Oder-Spree sind Nutztierschäden zu beklagen, wobei es die Wölfe im Westen eher auf Kälber und im Osten eher auf Schafe abgesehen haben.

So wurden Anfang Februar 2018 bei Byhlegure (Dahme-Spreewald) acht gerissene Schafe gemeldet; in einem anderen Fall in Brieskow-Finkenheerd Anfang Oktober waren es gleich elf. Wenn Kälber angegriffen werden, sind dagegen meist nur einzelne Tiere betroffen. Anfang April fielen bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) in einem Fall aber auch vier Tiere auf einmal den Wölfen zum Opfer.

Mindestens 230 Tiere in fast 40 Rudeln

Die gestiegenen Risszahlen korrespondieren mit einer weiter wachsenden Wolfspopulation. Seitdem 2006/07 der erste Wolf in Brandenburg gesichtet wurde, hat sich die Zahl der Vorkommen bis Ende 2018 stark erhöht. Unterschieden wird dabei zwischen Rudeln, also Elterntieren, die zusammen mit ihren ein- oder zweijährigen Jungtieren sowie mit ihren Welpen leben, einzelnen Wolfspaaren, die noch keinen Nachwuchs haben und wenigen allein lebenden Tieren.

Nach dem Zusammenstoß mit einem Auto liegt ein toter Wolf am Straßenrand. (Quelle: Archivbild dpa vom 11.04.2017/TNN)a
Toter Wolf am Straßenrand | Bild: dpa/TNN

Da derzeit fast alle Wolfspaare Nachwuchs haben, kann man davon ausgehen, dass die 38 bekannten bekannten Territorien derzeit fast ausschließlich auch mit Rudeln besetzt sind. Hinzu kommt ein noch allein lebendes Paar. Wieviele einzelne Tiere der Bestand umfasst, ist dennoch schwer zu sagen. Geht man von sechs bis sieben Tieren pro Rudel aus, käme man nach Schätzung von Brandenburger Wolfsexperten auf mindestens 230 Wölfe - gegenüber knapp 170 im Wolfsjahr 2016/17.

Die steigende Zahl der Tiere sorgt übrigens nicht nur für mehr Nutztierschäden, sondern auch für deutlich mehr Verkehrsunfälle. So wurden nach Angaben des Landesumweltamtes im Jahr 2018 insgesamt 30 Wölfe tot aufgefunden, davon waren 26 Verkehrsopfer. 2016 waren dagegen nur 15 Wölfe im Straßenverkehr getötet worden.

Sendung: Radioeins, 16.01.2019, 15.30 Uhr

Kommentar

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83 Kommentare

  1. 83.

    "Aber wenn der Wolf seine Scheu verliert und am helllichten Tag durch Ortschaften spaziert, ist ein Abschuss sinnvoll, damit andere Tiere nicht seinem Beispiel folgen und den Respekt beibehalten."
    Dieser Vorgang ist sogar in der EU-Schutzdirektive enthalten, die auch die Bundesrepublik unterzeichnet hat."
    Luigi Boitani In "Spektrum" 12.10.2017

  2. 82.

    Russland
    Zweitens beschreibt er eine Serie von Wolfsangriffen auf Kinder, geschehen in den Jahren 1944 bis
    1953 in der Region Kirov 500 km nordöstlich von Moskau.
    Auch die Tatsache, dass sie nach dem Krieg geschahen, als die Wolfsjagd aufgrund mangelnder
    Schusswaffen und möglicher Teilnehmer fast zum Erliegen gekommen war (die erwachsenen Männer
    waren zum Teil noch im Krieg und Waffen nicht einfach verfügbar) muss mit in Betracht gezogen
    werden.
    Als Folge davon hat sich die Zahl der Wölfe stark vergrößert, und
    die durch Jagd immer wieder hervorgerufene Scheu der Wölfe
    wurde bei Generationen von Wölfen nicht wieder bestärkt.
    Ein weiterer Faktor, der in allen diesen Regionen auftaucht, ist die schlechte Bewaffnung der armen Bevölkerung, so dass nur eingeschränkte Möglichkeiten bestehen, die Tiere gerade jene, die wenig Scheu zeigen zu erlegen.

  3. 81.

    "Wie Studien des Franzosen Jean-Marc Moriceau zeigen, griffen Wölfe immer dann vermehrt Menschen an, wenn durch Kriege eine große Zahl an menschlichen Überresten für die Aasfresser zur Verfügung stand."
    Quelle Spektrum.de

  4. 79.

    Gerade wer zu Wölfen in Kulturlandschaften berät, diese umfassendste und entscheidende französische Studie (#70) aber unterschlägt (unter Vorwand "Panik/Akzeptanzproblem"), disqualifiziert sich in dem Thema eindeutig als interessengeleitet und verantwortungslos. Denn Ideologen stehen die belastbaren Erkenntnisse der Studie J.M. Moriceau, Univ. Caen von 2017 im Weg. Medien hätten das immer vorher prüfen sollen.

  5. 78.

    Zu 76.: Die Faktenlage ist viel schlimmer (Kommentar 70,71, gibt Realität wieder): Frankreich kommt auf Grundlage dieser belastbaren 12 Jährigen öffentlichen Arbeit zur Erkenntnis, dass alle 2,4 Tage ein franz. Bürger umgekommen ist, als ein natürliches Gleichgewicht zw. Wolf u Beute bestand. Da hilft alle Rhetorik nichts. Sie dürfen davon gerne die 43% Tollwut-Fälle o.ä. abziehen, da wir z.B. Tollwut gerade nicht haben).
    Sie können ja ihre eigenen Kinder durch ein Wolfsrudel-Territorium zur Schule pendeln lassen, aber haben kein Recht mit ihrer Ideologie allen anderen Bürgern einen hier nutzlosen Prädator aufzuzwingen/aufzuschwatzen, der in Mitteleuropa LÄNGST an der hier einmaligen Vermischung durch Nähe GESCHEITERT ist. ALLES spricht gegen uneingeschränkte Wölfe in D, außer vlt. dass der Genpool der Beute etwas profitieren könnte. Das ist es aber nicht wert, dafür z.B. viele bedrohte Arten zu verlieren. Die anderen Länder haben das alle längst begriffen und handeln.

  6. 77.

    Ich stimme Ihnen voll zu. An anderer Stelle zum Artikel hatte ich eine ähnliche aussichtslose Diskussion darüber. Und jetzt kommt dieser User mit den gleichen sogenannten Fakten ( Kommentar 70) einher um die Angst vor Wölfen nur noch mehr zu schüren. Fehlt nur noch die Faktenlage über Indien.

  7. 76.

    "1810/11 wurden im Raum Viersen/Roermond 12 Kinder von Wölfen getötet."

    Sie wissen dann bestimmt auch, ob dieser Wolf Tollwut gehabt hatte oder nicht. Wurde der Wahrheitsgehalt auch per DNA Probe bestätigt? Wahrscheinlich war es aber ein Marketingaktion für das "Märchen" Rotkäppchen.

    Im Dezember hatte doch ein Friedhofsmitarbeiter behauptet, er wäre von einem Wolf angegriffen worden. Die DNA Probe ergab, "Hund, Katze und Reh".

  8. 75.

    Weil der Wolf bejagt wird, werden Menschen durch ihn nicht getötet. Ihrer Meinung nach müsste man ja dann auch den Hund bejagen, weil er ja Menschen tatsächlich tötet.

    Was ich mit den Zahlen Ausdrücken will ist, dass der Wolf weltweit keinen einzigen Menschen getötet hat. In den USA allein hat der Hund aber bereits 36 Menschen getötet. Für eine Statistik weltweit gibt es leider nichts über den Hund. Die Zahl wird aber um ein vielfaches größer sein.

    Bei dem Wolf wird also Panik gemacht. Gehen sie eigentlich in den Zoo oder ab und zu in der Natur spazieren?

  9. 74.

    Ich empfehle Ihnen noch die vom rbb zusammengestellten 10 wichtigsten Fakten über Wölfe in Brandenburg. ;-]

  10. 73.

    Können sie mir sagen, wieviel freilaufende Katzen für den Tot der Vögel zuständig sind, dass steht nämlich in der Studie? Ich frage nur, weill sie ja schon die Prozentrechnung durcheinander gebracht hatten.

    Dass alle Tötungen nur in Siedlungsgebieten stattfinden, ist ja nur die Annahme von Herr Lachmann. Katzen können in einem Radius von bis zu 10km aktiv sein. Und die Wahrscheinlichkeit einen Ort zu finden, der nicht in der Nähe eine Siedlung hat, ist in Deutschland äußerst gering. Vielleicht in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. D.h. der Katzenfreiebereich in Deutschland ist sehr gering.

  11. 72.

    @ Eugen Franz. Das ist nicht Ihr Ernst oder? Ich fühle mich jedenfalls veräppelt. Aber bitte, wenn Sie aus entlegenen Ecken der Welt schon Daten anführen, dann passt natürlich auch Ihre Exkursion in die weite Vergangenheit. :-) Nicht mein Thema. Wünsche Ihnen eine schönes Wochenende. Zumindest habe ich es mit gesundem Lachen starten können, Dank Ihnen,

  12. 71.

    Teil 2

    Ich kann es Ihnen sagen: Nichts. Unterschiede gibt es in der unnatürlich hohen Wilddichte an Rehen und im noch realtiv niedrigen Wolfsbestand.

    Bei einer konservativen Vermehrungsrate von 1,36 (Bibikow) wird sich der Bestand allerdings alle 2,5 Jahre verdoppeln. Wir haben in wenigen Jahren also mehrere tausend Wölfe. Parallel wird sich der Rehwildbestand verringern. Spätestens dann ist der Wolf GEZWUNGEN, sich Alternativen zu suchen. (Der Terminus "der Wolf" ist übrigens irreführend, denn Wölfe jagen IM RUDEL).

    Bei unserer Besiedlungsdichte wird eine Gewöhnung an den Menschen überhaupt nicht zu vermeiden sein. Gleichzeitig lernt der Wolf, daß vom Menschen keine Gefahr ausgeht. Dieses Experiment ist mit diesen Eckdaten weltweit einzigartig.

    Zudem besteht in Kulturlandschaften immer die Gefahr der Hybridisierung. Man schädigt also sehenden Auges unwiderruflich den Genpool des Wolfes. Auch so kann man eine Population schädigen und auslöschen.

  13. 70.

    Bitte informieren sie sich über den Unterschied zwischen persönlichen Angriffen und Argumenten.

    1810/11 wurden im Raum Viersen/Roermond 12 Kinder von Wölfen getötet. 1812 - also ein Jahr später - wurde der erste Band von Grimms Hausmärchen mit dem Märchen Rotkäppchen erstveröffentlicht. 1814/15 wurden im Kreis Wongrowitz (Provinz Posen) 28 Kinder von Wölfen getötet. Im Jahre 1920 fielen dort 16 Kinder und 3 Erwachsene den Wölfen zum Opfer.

    Das Märchen stammt aus Frankreich. Dort wurde der Wolf wesentlich später ausgerottet als in Deutschland. Ein Team um den französischen Historiker Prof. Jean-Marc Moriceau hat historische Dokumente von über 10.000 Wolfsangriffen auf Menschen zusammengetragen und katalogisiert (Stand April 2016).

    Und jetzt erklären Sie uns bitte, was den Wolf des Mittelalters und der frühen Neuzeit vom Wolf der Gegenwart unterscheidet.

    Teil 2

  14. 69.

    Kann man in die Grafik noch einfügen, wo in Brandenburg Fleischfabriken stehen und wieviele Nutztiere dort jedes Jahr vom Menschen getötet werden?

  15. 68.

    Sinnlos. Eugen hat Angst vor Wölfen und damit ist die Vernunft ausgeblendet. Es liegt liegt in unserer Erziehung. Uns wurde eingetrichtert, dass der Wolf böse ist und damit suchen wir Gründe, um ihn zu töten.

  16. 67.

    Vergessen Sie es. Wir sind meilenweit von einander entfernt. Ich mag diese Panikmache nicht. Bauschen Sie mal alles auf und werden Sie damit glücklich. Angst vor dem bösen Wolf ist antrainiert und ich bin nicht derjenige, der Ihnen diese nehmen will. Ich bleib da lieber bei Logik und Wissenschaft. Der Wolf hat mehr Angst vor dem Menschen und geht ihm aus dem Weg. Sie sehen das anders und damit sind alle Argumente ausgetauscht.

  17. 66.

    Aha. Ist Ihnen also der Nonsens Ihrer Frage klargeworden, so daß Sie neu formulieren müssen? Aber auch die neue Fragestellung ist nicht sinnvoller. Sie haben offensichtlich nicht verstanden, daß wir mit 230 Tieren erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Das ändert allerdings NICHTS daran, daß der Mensch durchaus ins Beuteschema des Wolfes paßt, wie Sie der Auflistung bei Wikipedia entnehmen könnten, wenn Ihnen dies gelänge. Oder wollen Sie lieber Unwahrheiten verbreiten?

  18. 65.

    Ihre Vogeltötungsphantasien sind einfach nur absurd. Jeder 2. Vogel in Siedlungsgebieten von Katzen getötet? Das ist einfach nur gaga und hat nichts mit der Realität zu tun.

    Die Siedlungsfläche einschließlich Verkehrsfläche beträgt in Deutschland etwa 48.000 km². Die Gesamtfläche beträgt 357.000 km². Die Siedlungsfläche macht also gerade mal 13% aus. Laut Ihrer dubiosen "Studie" müßte sich die Hälfte des Vogelbestandes auf den 13% tummeln und komplett von Katzen aufgefressen werde. Das ist einfach nur gaga.

    "Nur im menschlichen Siedlungsbereich sind Katzen ein ernstzunehmender Faktor, der partiell zu einem Rückgang von Vogelpopulationen führen kann. Tatsächlich steigen die Vogelbestände dort aber eher an, während sie vor allem in der Agrarlandschaft, aber auch im Wald eher abnehmen. Diese Rückgänge den Katzen anlasten zu wollen, wäre daher viel zu einfach."

    https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/katzen/15537.html

  19. 64.

    Sie haben es offensichtlich nicht verstanden. Also noch mal ganz langsam zum Mitmeißeln. In den USA leben die Menschen mit 20-30 Millionen Hunden ZUSAMMEN in ihren Haushalten. Wölfe hingegen gibt es dort nur wenige Tausend - und die leben in extrem DÜNN BESIEDELTEN Regionen. Das ist ein Verhältnis von etwa 1 zu 5000 bzw. 0,02 Prozent. Obendrein wird der Wolf dort bejagt, lernt also, daß vom Menschen Gefahr ausgeht.

    Sie vergleichen also sowohl qualitativ als auch quantitativ Äpfel mit Birnen.

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