Symbolbild: Drei Moglichkeiten für die Geschlechter (Quelle: dpa/Peter Steffen)
Bild: dpa/Peter Steffen

Seit dem 1. Januar 2019 - Das "dritte Geschlecht" ist da – aber nur für wenige

Seit dem 1. Januar gibt es neben männlich und weiblich "divers" als offizielles drittes Geschlecht. Aber viele Menschen, die es wollen, können es gar nicht erst bekommen. Von Klaas-Wilhelm Brandenburg

"Es war fast wie von Stunde null", erzählt Lynn. Wie von Stunde null sei Lynn klar gewesen, dass irgendetwas anders ist. Nur was, war lange unklar. Mit 20 Jahren erfährt Lynn es dann endlich: Lynn wurde zwar als Mädchen aufgezogen, ist aber keins. Lynn ist allerdings auch kein Junge. Lynn ist intergeschlechtlich: "Ich hatte Hoden und Eierstöcke, eine Gebärmutter und eine Prostata, einen Penis und eine Vagina." Bis Lynn zwei Jahre alt war, gab es sieben Operationen, die Lynn zum Mädchen machen sollten: "Man hat mir meinen Penis abgeschnitten, aber ich sag Dir eins: Einen Penis kann man abschneiden und es Klitoris nennen, aber der Penis bleibt."

Heute ist Lynn 34, lebt in Berlin und redet ganz offen darüber, wie es ist, intergeschlechtlich zu sein. Aber darüber reden ist das eine – es auch schwarz auf weiß zu haben, das andere. Seit Jahresbeginn ist das endlich möglich. Denn seitdem gibt es in Deutschland neben männlich und weiblich ein drittes staatlich anerkanntes Geschlecht: divers. "Ich liebäugele sehr stark damit, das eintragen zu lassen", erzählt Lynn, "einfach weil ich damit auch in der Gesellschaft gesehen werden möchte." Trotzdem: Wirklich glücklich ist Lynn mit dem neuen dritten Geschlecht nicht.

Lynn (Quelle: rbb/Klaas-Wilhelm Brandenburg)
Lynn redet ganz offen darüber, wie es ist, intergeschlechtlich zu sein.Bild: rbb/Klaas-Wilhelm Brandenburg

Das Bundesverfassungsgericht sagt: Das Geschlecht ist mehr als nur Biologie

Das fängt schon beim Namen an: "Das Wort 'divers' finde ich problematisch, weil es für mich kein Geschlecht darstellt." Es sei eher ein Sammelbegriff, findet Lynn: "Ich hätte 'inter' oder 'zwittrig' besser gefunden."

Das macht durchaus Sinn – vor allem, wenn man sich anschaut, wer den Geschlechtseintrag 'divers' überhaupt bekommen kann: ausschließlich intergeschlechtliche Menschen. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil, das erst zur Einführung des dritten Geschlechts führte, festgestellt: Das Geschlecht wird "von sozialen und psychischen Faktoren mitbestimmt" [bundesverfassungsgericht.de]. Anders ausgedrückt: das Geschlecht ist mehr als die reine Biologie. Warum wird also von rein biologischen Faktoren abhängig gemacht, wer das dritte Geschlecht bekommen kann?

Können Mediziner das Geschlecht eines Menschen besser beurteilen als der Mensch selbst?

"Jeder, der sein Geschlecht wechseln will, wird natürlich immer eine Begründung geben und einen Nachweis führen müssen", sagt Marc Henrichmann, Berichterstatter für das Personenstands- und Meldewesen der CDU-Bundestagsfraktion. Als Begründung reiche eine eigene Einschätzung des Geschlechts nicht aus, weil ansonsten – so meint Henrichmann – das Geschlecht ständig angezweifelt werden könnte.

Aber warum sollen beispielsweise Mediziner besser beurteilen können, welches Geschlecht ein Mensch hat, als der Mensch selbst? Oft raten Mediziner Eltern intergeschlechtlicher Kinder immer noch zu Operationen, welche deren Kind zum "richtigen" Jungen oder Mädchen machen sollen. Damit machen sie ihre Einschätzung des Geschlechts allein an der Biologie fest, obwohl das Bundesverfassungsgericht sagt: auch soziale und psychische Faktoren sind wichtig.

"In Anbetracht der Zeit war nur die Minimallösung möglich"

Ein weiterer Kritikpunkt an der neuen Regelung: Warum dürfen die Menschen, die das dritte Geschlecht haben wollen, nicht selbst darüber entscheiden, wie es am Ende heißt? Schließlich wissen sie das doch selbst am besten, argumentieren Kritiker. Stattdessen müssen sich all diese Menschen zwangsweise als 'divers' bezeichnen. Nachdem vielen von ihnen im Laufe ihres Lebens erst Mann oder, wie bei Lynn, Frau als Name für ihr Geschlecht aufgezwungen wurde, passiert nun das gleiche in einer eigentlich extra für sie geschaffenen Kategorie.

Marc Henrichmann von der CDU gibt dann auch zu: "In Anbetracht der Zeit, das muss man ganz offen sagen, war nur die Minimallösung möglich." Das Bundesverfassungsgericht hatte im Oktober 2017 entschieden, dass es spätestens ab 1. Januar 2019 ein drittes Geschlecht geben muss oder der Staat ganz auf die Erhebung des Geschlechts verzichten soll. Gesetzesentwürfe, die mehr Menschen den Zugang zu einem anderen offiziellen Geschlecht als männlich oder weiblich ermöglicht hätten, gab es schon damals, zum Beispiel vom Deutschen Institut für Menschenrechte.

Juno* Göppel (Bild: privat)Juno* Göppel nennt sich selbst 'nicht-binär', also weder Mann noch Frau.

"Ich muss meine Identität einklagen, und das ist ziemlich scheiße"

Auf diese hat die Bundesregierung jedoch nicht zurückgegriffen, sondern ihr eigenes Süppchen gekocht – weshalb Menschen wie Juno* Göppel – das Sternchen ist gewollt und Teil des Vornamens – jetzt nur noch der Gang vors Gericht bleibt. Göppel ist 19, transgeschlechtlich, wohnt in Berlin-Schöneberg und erzählt: "Schon mit zehn Jahren war mir klar, dass ich in dieses binäre System, dass es also angeblich nur Mann und Frau gibt, nicht reinpasse." Bei der Geburt wurde Göppel aber das männliche Geschlecht zugewiesen, und auch rein biologisch würden Mediziner Göppel als Mann bezeichnen. "Dabei kann ich damit überhaupt nichts anfangen."

Göppel nennt sich selbst 'nicht-binär', also weder Mann noch Frau. Weil es aber ausschließlich 'divers' als drittes Geschlecht gibt, klagt Göppel jetzt: "Ich möchte meinen Geschlechtseintrag streichen lassen." Es gebe zurzeit einfach keine Kategorie, in die sich Göppel einordnen kann oder möchte. "Ich muss also meine Identität einklagen, und das ist ziemlich scheiße."

Gerade liegt Göppels Antrag auf Streichung des Geschlechtseintrags beim Amtsgericht – "und ich hoffe, dass es schnell klappt". Wenn das dritte Geschlecht nicht immer divers heißen müsste und auch nicht nur für intergeschlechtliche Menschen offen wäre – Juno* Göppel hätte viel Zeit und Nerven gespart.

Sendung: Radioeins, 02.01.2019, 17:10 Uhr

Der lange Weg zum dritten Geschlecht

Am 10. Oktober 2017 entschied das Bundesverfassungsgericht: Der Gesetzgeber muss bis spätestens 1. Januar 2019 neben männlich und weiblich einen weiteren, positiven Geschlechtseintrag schaffen. Bis Ende 2018 konnten intergeschlechtliche Menschen ihren Geschlechtseintrag lediglich ganz streichen lassen – das reichte dem Bundesverfassungsgericht aber nicht.

Die Bundesregierung ließ sich mit einem Entwurf für das neue Personenstandsgesetz, das die vom Staat offiziell anerkannten Geschlechter regelt, Zeit – weshalb der Bundestag die Gesetzesänderung erst in seiner letzten Sitzung des letzten Jahres beschließen konnte.

In einem früheren Entwurf des neuen Personenstandsgesetzes, das vom Bundesinnenministerium kam, hieß das dritte Geschlecht übrigens noch "anderes". Nach großer Kritik von trans- und intergeschlechtlichen Menschen und den SPD-Ministerinnen für Justiz und Familie, der Begriff sei abgrenzend und ausgrenzend, einigte man sich schließlich auf "divers", obwohl vorher auch "inter" in der Diskussion war.

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33 Kommentare

  1. 33.

    Wenn ich zwischen den Beinen einen Penis habe, bin ich ein Mann, wenn ich eine Vagina habe, bin ich eine Frau , so hat es die Natur vorgesehen. Alles andere ist eine Kopf Sache und in meinen Augen vollkommen nebensächlich und eine Lüge an die Natur.

  2. 32.

    SPD und Grüne sollten jetzt Konsequenzen ziehen und bei der Aufstellung der Kandidaten auch das dritte Geschlecht berücksichtigen. Bislang haben die das ignoriert oder schlicht und einfach verdrängt.

  3. 31.

    Und ja, natürlich ändern sich Dinge - manches ist ganz normaler kultureller Wandel (es gibt ja durchaus Kulturen, in denen z.B. Röcke oder Kleider bei Männern nicht unüblich sind - waren sie zumindest bei männlichen Kindern hier ja noch anfangs des 20. Jahrhunderts auch nicht; sehen Sie sich mal manche Kinderfotos aus der Zeit an - da tragen einige männliche Kleinkinder "Kleidchen"), manches mag tatsächlich zunehmende Toleranz sein. Allerdings frage ich mich, was größere Offenheit in Kleider- oder Berufswahlfragen mit Transsexualität zutun hat? Ich schrieb es ja schon, an solchen Dingen macht man sein Geschlecht wohl eher nicht fest.

  4. 30.

    ...Abgesehen davon, dass es auch immer mehr nicht-transsexuelle Männer gibt, die trotzdem Röcke tragen. Einfach, weil sie es wollen. Und damit meine ich jetzt nicht nur Schotten.

    Gegen die Entfernung des Geschlechtseintrags im Personalausweis hätte ich auch nichts. Ich halte Quoten nicht für notwendig, wieso man MINT-Fächer einem bestimmten Geschlecht stärker näherbringen sollte, als anderen, ist mir auch nicht verständlich. Ich sehe das banal: Entweder, Interesse ist da, oder eben nicht. Meine Studienfächer wählte ich Anhand meiner persönlichen Interessen, nicht anhand meiner Genitalien oder anhand dummer Klischees, dass sie "(un)männlich" oder "(un)weiblich" seien.

  5. 29.

    Sie schrieben:
    "Der Hauptpunkt ist aber auch, dass man die Geschlechterrollen nie überwinden wird indem man sagt: Die Person sieht aus wie eine klassische Frau, lange Haare, trägt Röcke etc, also muss in ihrem Personalausweis auch Frau drin stehen."
    Darum geht es doch gar nicht. Wer sagt denn, dass eine Transfrau Röcke tragen muss? Oder ein Transmann keine Röcke mehr? Jeder kann tragen, was er oder sie möchte, was selbstverständlich auch für Transmenschen gilt. Diese Menschen denken doch nicht "Ach, ich bin als Mann geboren und mag Röcke, also bin ich sicher transsexuell und eigentlich eine Frau!" - das Identitätsempfinden ist nicht von Kleidung, Hobbies oder Talenten abhängig. Da können Sie höchstens manchen Ärzten einen Vorwurf machen, die Transsexualität anhand solcher Banalitäten festmachen wollen. Bei den Betroffenen ist das nicht der Fall. Und nach welchem Klischee sollen sich dann eigentlich Menschen richten, die sich weder als Mann noch als Frau empfinden?

  6. 28.

    Das DNS-Beispiel ist aber eigentlich auch nicht ganz passend, denn Menschen werden bei ihrer Geburt ja nach dem Aussehen bzw nach den äußeren Geschlechtsorganen einem Geschlecht zugeordnet, da wird kein DNS-Test gemacht. Allein das kann schon eine Fehlbeurteilung geben, denn tatsächlich gibt es Fälle, in denen die DNS männlich ist, der Körper sich aber dennoch weiblich entwickelt. Es gibt sogar seltene Fälle, in denen eine Person in unterschiedlichen Abschnitten sowohl weibliche als auch männliche DNS besitzt. Und was machen Sie beim Chromosomensatz XXY, den es ja auch gibt?
    Was Statistiken betrifft, wo liegt das Problem, da auch Transsexuelle oder Intersexuelle mit hinein zu nehmen? Wäre doch gar nicht mal unspannend, zu sehen, ob z.B. auch intersexuelle Menschen ein anderes Einkommen haben, als Männer oder Frauen, oder wie sich der Stand einer Transfrau vor und nach der Geschlechtsanpassung verändert.

  7. 27.

    Ich hoffe Sie haben jetzt kein negatives Bild von mir oder das ich etwas gegen bestimmte Menschengruppen habe. Mir ist bewusst, dass es in der aktuellen Kultur schwierig ist für Menschen, die nicht im klassischen Sinne männlich oder weiblich sind. Ich kann mir aber vorstellen, dass es nicht ewig so sein wird. Wenn man sich anschaut, wie sich der Kleidungsstil von Frauen entwickelt hat, sieht man das Veränderungen möglich sind.

  8. 26.

    Es ist einfach ein schwieriges Thema, da jeder eine andere Vorstellungen davon hat, was es bedeutet eine Frau oder ein Mann oder etwas anderes zu sein. Sie haben ja selbst die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder ihre Sicht teilt, dass nicht der Meinung sind es gibt eine Verbindung Geschlecht - Interessen oder Geschlecht - Charakter.
    Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind meiner Meinung nach problematisch für den Personalausweis oder eben das Geburtsregister, da die anderen Angaben eben nicht so strittig sind. Unter Adresse oder Größe versteht der Großteil der Menschen das gleiche. Von mir aus kann man das Geschlecht auch ganz entfernen, aber muss dann natürlich auch mit den Konsequenzen leben. Frauenquoten, Forderung von Frauen in MINT Fächern oder alle Vergleiche zwischen Männern und Frauen (Gehalt, Teilzeit etc) sind dann nicht mehr möglich. Deshalb denke ich wird es, wenn dann so sein das die Angabe des Geschlechts optional wird.

  9. 25.

    Aber was mir jetzt noch eingefallen sind, wären Statistiken, welche aktuell auch viel diskutiert werden, z.B. Frauenquote im Bundestag, Einkommensunterschiede zw. Geschlechtern, wenig Frauen in MINT Berufen etc.

    Der Hauptpunkt ist aber auch, dass man die Geschlechterrollen nie überwinden wird indem man sagt: Die Person sieht aus wie eine klassische Frau, lange Haare, trägt Röcke etc, also muss in ihrem Personalausweis auch Frau drin stehen. Ich finde ein gutes Beispiel ist die Kleiderwahl von Frauen. Es ist noch gar nicht so lange her, da war es skandalös, wenn eine Frau eine Hose getragen hat. Heutzutage bekommt man nur noch selten dämlich Kommentare als Frau, wenn man eine Hose trägt. Wenn Sie hingegen als man mit einem Rock durch die Straßen gehen, sieht das ganz anders aus. Durch das Bestreben Frauen als gleichberechtigt Arbeitskraft zu sehen, wurde es auch normal, wenn sich eine Frau entsprechend kleidet.

  10. 24.

    Ich dachte, ich hätte das in einem früheren Beitrag bereits geschrieben, aber ich bin auch dafür, dass das Geschlecht im Personalausweis geändert werden sollte nach einer Geschlechtsumwandlung. Im Geburtsregister könnte man ja beides vermerken, das aktuelle Geschlecht und das Geschlecht bei der Geburt.
    Im Bezug auf die Identifizierung habe ich mich leider missverständlich ausgedrückt, da mir nur dämliche Beispiele eingefallen sind, z.B. es wird nach einer Person (per DNS) gesucht die einen anderen Menschen umgebracht hat. Dann ist es natürlich sinnvoll, wenn die Polizei von vornherein ein paar Leute ausschließen kann, weil es eben offensichtlich nicht deren DNS sein kann, da sie das falsche Geschlecht haben. Ich finde das Beispiel jetzt auch nicht gut, da die Einschränkung alleine auf das Geschlecht nicht viel bringt. Deswegen habe ich es in meinem ursprünglichen Beitrag nicht erwähnt.

  11. 23.

    Wenn die Person dann nicht aussieht, wie das im Ausweis eingetragene Geburtsgeschlecht, sorgt das heute schon oft für Verwirrung. Abgesehen davon wird die Person damit (also, wenn im Ausweis das "alte" Geschlecht steht, die Person optisch aber längst dem anderen entspricht) automatisch als transsexuell geoutet - dabei wünschen sich viele, möglichst unauffällig eben als das Geschlecht zu leben, als das sie sich empfinden, ohne immer wieder darauf gestoßen zu werden, dass sie gebürtig das andere Geschlecht hatten. Dasselbe passiert auch bei Amtsbriefen, wenn in den Dokumenten das Geburtsgeschlecht verwendet wird.

  12. 22.

    Sie schreiben, die Angabe im Personalausweis soll sich nach dem physischen Geschlecht (den Geschlechtsorganen) richten, da sie der objektiven Identifizierung dient. Inwiefern hilft es der Identifizierung, wenn im Ausweis "Frau" steht, und die Person allerdings längst operativ und hormonell eine "Geschlechtsangleichung" zum Mann gemacht hat? Die Person sieht dann, dazu müssen nicht mal die Genitalien operiert worden sein, in normaler Bekleidung, aus wie ein Mann. Welchen Mehrwert bringt es, dass im Ausweis dennoch "Frau" steht, bloß, weil die Person mal so geboren wurde? Bei kompletter OP sehen Sie nichtmal nackt mehr einen Unterschied. Wenn Sie den "Ursprungszustand" im Geburtenregister notieren wollen - das ist eine Sache. Aber den Personalausweis braucht die Person im Alltag, muss ihn vorlegen, usw.

  13. 21.

    Nein, es gibt keine festen Definitionen dafür, wie einzelne transsexuelle oder intersexuelle Menschen sich fühlen - das ist komplett individuell. Sie können auch Cis-Sexuelle fragen, also Leute, die sich ihrem physischen Geschlecht eindeutig zuordnen, wie sie Männlichkeit oder Weiblichkeit definieren bzw wieso wie sich männlich bzw. weiblich fühlen. Selbst da gehen die Meinungen garantiert auseinander - bei Leuten, die nicht eindeutig in das Schema passen, in der nicht in festen Kategorien gedacht wird, wird es noch komplizierter.

  14. 20.

    Es liegt vielleicht daran, dass ich Mathematiker bin und eine Diskussion für mich sinnfrei ist, wenn man nicht definiert über was man diskutiert. Es ist eben blöd, wenn man über Migranten diskutiert und nach 30 Minuten zu dem Schluss kommt, dass der eine Flüchtlinge aus Syrien meint und der andere ausgebildete Arbeitskräfte. Ich habe bewusst dieses Beispiel gewählt, da bei den meisten "Diskussionen" in Foren dies nie der Fall ist. Da wird sich immer das 1% der Migranten rausgepickt, was man für seine Argumentation braucht. Das dies nicht zielführend ist, sieht man glaube ich unter jedem Artikel zu dem Thema. Dieses Phänomen kann man auch ansatzweise in den Kommentaren hier erkennen. Es wäre schön, wenn Leute miteinander diskutieren anstatt gegeneinander. Der letzte Teil war jetzt ein am Thema vorbei, aber es hat irgendwie gepasst und ich wollte es nur mal loswerden.

  15. 19.

    Was ich mit Definition meine: In Kommentaren liest man entweder das die Menschen sich als Mann, Frau oder sonstwas fühlen oder eben von den Gegnern, dass sich die Leute nur wichtig machen wollen etc. Meiner Ansicht nach dienen die Angaben im Gebrutenregister oder Personalausweis einzig der objektiven Identifizierung. Also Größe, Augenfarbe und eben das Geschlecht. Da sich diese Dinge nicht ändern bzw. nicht im großen Maße. Klar man schrumpft im Alter ein bisschen oder wächst als Kind, aber für die deutliche Mehrheit werden die Angaben im Personalausweis zutreffen. Deswegen macht es aus meiner Sicht nur Sinn das physische Geschlecht einzutragen. Das es eben eine objektive Identifikation sein soll. Ich habe nur nach einer Definition gefragt, da ich nicht weiß, ob es vielleicht eine vom Großteil (der bzgl. Inter- und Transsexuellen akzeptierenden Menschen) akzeptierte Definition gibt, was es heißt ich fühle mich als Mann, Frau etc.

  16. 18.

    Meiner Meinung nach hat das Geschlecht keinen Einfluss auf die Interessen. Es ist viel mehr so, dass die Umgebung eine Vorstellung davon hat bzw. hatte (ich denke, dass es schon besser geworden ist und die Frau eben nicht nur Putzen, Kochen, Kinder betreuen etc kann und der Mann nur das Geld ranschafft und sich sonst nur für Autos, Technik und Sport interessiert)womit sich Mädchen und Jungen beschäftigen sollen. Wenn die Eltern oder andere Bezugspersonen eine Begeisterung für Sport, Technik oder sonstwas haben, springt das meist auf die Kinder über. Wenn man als Kind mit den Eltern ein paar Mal im Fußballstadion war, ist die Chance bestimmt höher das man auch Fußball zumindest für eine Weile mag. Ich persönlich sehe immer nur laute und meist betrunkene Menschen auf der Straße und bereue es nicht, dass ich noch ein Fußballspiel im Stadion gesehen habe.

  17. 17.

    An eine Verbindung Geschlecht - Interessen oder Geschlecht - Charakter glaube ich persönlich auch nicht (und bin damit durchaus schon oft angeeckt). Gerade interessen sind kulturell unterschiedlich konnotiert, also nicht einem Geschlecht von Natur aus angeboren. Aber was meinen Sie mit "Definitionen"?

  18. 16.

    Ganz im Ernst? Ich glaube nicht, dass ich für den Normalfall ein gutes Beispiel bin. Ich habe kein distinktives Geschlechtsempfinden. Ich weiß, was für ein Geschlecht ich physisch habe (na gut, die phänotypische Ausbildung; meinen Chromosomensatz und mein Hormonsystem habe ich nie testen lassen - da gibt es durchaus Sonderfälle, wo Phänotyp und Hormone bzw Chromosomen nicht zusammenpassen), und die Leute können mich ruhig danach einordnen. Weil es mir schlicht egal ist. Anderen Leuten ist es aber nicht egal, die fühlen sich, anhand welcher Gesichtspunkte auch immer - wie gesagt, ich begreife es nicht, da ich ein derartiges Empfinden nichtmal habe - , männlich, weiblich, beides (Wenn es körperliche Intersexualität gibt, wieso nicht psychische?) oder nichts davon. Dass Körper und Geschlechtsempfinden voneinander abweichen können, sehen Sie an der Existenz von Transsexualität. Ich nehme das einfach hin.

  19. 15.

    Was bedeutet denn für Sie männlich bzw. weiblich? Oder was vermittelt Ihnen das Gefühl das Sie männlich oder weiblich sind? Für mich ist es wirklich was ich zwischen den Beinen habe, weil woran wollen Sie es sonst festmachen? Am Äußeren, Charaktereigenschaften, Interessen, Begabungen etc. hoffentlich nicht. Für mich bleibt dann nichts anderes übrig als eben Körperteile. Das es für Menschen die nicht eindeutig zuzuordnen sind, schwierig ist, kann ich mir vorstellen. Deswegen finde ich es auch gut das es eben eine dritte Option hinzu kommt.

    Vielleicht können Sie ja ein paar Definitionen verlinken. Ich werde sie auf jeden Fall lesen. Vielen Dank.

  20. 14.

    Natürlich ist Geschlecht auch von psych. Faktoren bedingt. Was Sie zwischen den Beinen haben, sorgt jedenfalls nicht automatisch dafür, dass das Gehirn das überzeugte Gefühl entwickelt, dem entsprechenden Geschlecht anzugehören (und ist damit auch nicht zwangsläufig Teil der Identität - identifizieren Sie sich über Ihr Empfinden oder über Ihre Körperteile?). Sonst gäbe es keine Transsexualität. Sonst gäbe es auch keine Intersexuellen (also biologisch zweigeschlechtliche Personen), die sich einem bestimmten Geschlecht zugehörig fühlen - sie müssten sich dann ja auf jeden Fall als Beides empfinden. Ist aber auch nicht immer so. Was an der Aussage sexistisch sein soll, verstehe ich nicht. Nebenbei, man sucht sich ein Geschlecht nicht aus, auch Transsexuelle nicht, sondern das Geschlechtsempfinden ist eine innere Überzeugung, die der Menschen eben besitzt oder nicht. Auch Juno* Göppel hat eine solche Überzeugung und möchte sie gern eintragen lassen - wo ist das Problem?

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