Symbolbild: Brennender Schriftzug CO2 (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)
Audio: Inforadio | 31.01.2019 | Jenny Barke | Bild: dpa

Einjähriger Test "Klimaneutral leben in Berlin" - Wie 100 Haushalte ihren CO2-Verbrauch drastisch senkten

Berlin will bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden, also nicht zur Erhöhung der CO2-Konzentration beitragen. Ob das funktioniert, haben Potsdamer Forscher mit 100 Freiwilligen getestet. Das Ziel: 40 Prozent weniger CO2-Verbrauch. Ganz klappte das nicht. Von Jenny Barke 

Eines vorweg: Viele der freiwilligen Teilnehmer des Projekts "Klimaneutral leben in Berlin" waren schon vor dem Experiment umweltbewusst. Sie aßen bereits wenig oder gar kein Fleisch und nutzten den öffentlichen Nahverkehr oder das Rad. Deshalb hatten sie bereits vor einem Jahr 25 Prozent weniger C02 verbraucht als der Bundesdurchschnitt mit 11,6 Tonnen.

Trotzdem mussten sie ihr Leben teils stark umstellen, sagt der Leiter des Projekts "Klimaneutral leben in Berlin", Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die größte CO2-Sünde war bei vielen das Fliegen. "Das hängt damit zusammen, dass die die Menschen in den jeweiligen Haushalten beruflich viel fliegen, Verwandtschaft im Ausland haben oder zum Schüleraustausch nach Neuseeland fliegen mussten", so Reusswig.

Klimaneutral heißt: Eine Tonne CO2-Verbrauch pro Kopf

Viele Teilnehmer vermieden in dem Jahr genau diese Flüge. Mit sichtbarem Ergebnis: Zehn Prozent CO2 haben sie durchschnittlich nochmal eingespart.

Für Klimaforscher Reusswig immer noch nicht genug: Um klimaneutral zu sein, also um selbst nicht mehr zur Erhöhung der CO2-Konzentration beizutragen, dürfte jeder nur eine Tonne CO2 verbrauchen. Dafür reiche es nicht, wenn Freiwillige aufs Fliegen verzichten. "Ohne die Veränderungen von Rahmenbedingungen wie Kohleaussteig, Flugverkehr oder Dieselverbote kann diese eine Tonne nicht erreicht werden", so der Klimaforscher.

Experiment für ländlichen Raum geplant

Trotzdem sieht Reusswig in dem Projekt einen wichtigen Erfolg. Mehrere Erkenntnisse habe es gebracht: Zum einen dürfte ein möglichst klimaneutrales Leben in Berlin um einiges leichter sein als auf dem Land. Denn fehlt der ÖPNV, bleibt vielen nur das Auto. Deshalb soll das Experiment auch auf den ländlichen Raum ausgeweitet werden. Das Thema Klimaschutz sei nicht nur Thema einer grünen, städtischen Elite, sagt Reusswig. Auch in Landkreisen setzten sich Leute für Klimaschutz ein.

Insbesondere Rentner und Alleinstehende hätten laut Reusswig in dem Projekt viel CO2 gespart. Doch bis die Hauptstadt im Jahr 2050 komplett klimaneutral ist, wie das Land Berlin es kürzlich beschlossen hat, sei es noch ein langer Weg.

Beitrag von Jenny Barke

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9 Kommentare

  1. 9.

    JEDER Buchung liegt eine freiwillige Entscheidung zugrunde. Ein Schneemann hat auch mal als Flocke angefangen. :))
    JEDER weiß, dass das Fliegerbenutzen die größte Umweltsauerei ist. JEDER. Später will‘s aber keiner gewesen sein/gewusst haben. Das geht den meisten Leuten in diesem Land seit ‘45 und ‘89 leicht über die Zunge.

    Greta Thunberg, 16jährige Klimaaktivistin aus Schweden, 2019-02-02: "Entweder begrenzen wir die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau oder eben nicht. Entweder erreichen wir den Kipppunkt, an dem eine Kettenreaktion von Klimaereignissen jenseits jeder menschlichen Kontrolle einsetzt, oder eben nicht. Entweder leben wir als Zivilisation fort oder eben nicht. Wenn es um das Überleben geht, gibt es kein grau mehr.“

  2. 8.

    Wir benötigen kein Obst und Gemüse aus Südspanien, die mit LKW's durch halb Europa gefahren werden und sogar aus anderen Kontinenten, möglichst per Flugzeug befördert. Am besten dies bei uns in den Regalen liegen lassen. Irgendwann merken es dann die Einkäufer der Supermärkte auch.

  3. 7.

    Dafür reiche es nicht, wenn Freiwillige aufs Fliegen verzichten. "

    der Linienflieger hebt trotzdem ab . Es müssten schon sehr viele Menschen aufs Fliegen verzichten damit manche Verbindungen eingestellt werden . Bei allein ca 1500 Flugzeugen am Himmel, allein über Europa täglich , unwahrscheinlich. Die Flugangebote folgen eben der Nachfrage

  4. 6.

    Für eine CO2-freie Gesellschaft! Sofort das Ausatmen einstellen!

  5. 5.

    Ein Ausschnitt aus dem Artikel zu Eis- und Warmzeit von PlanetSchule
    "Auf dem Höhepunkt der letzten großen Eiszeit war es bitterkalt. Und zwar so kalt, dass ein Drittel der Landfläche unter dicken Eispanzern verschwand. All das liegt etwa 20.000 Jahre zurück. Im Lauf der Jahrtausende stiegen die Temperaturen wieder an. Heute leben wir in einer Warmzeit und nur noch zehn Prozent der Landfläche sind vereist. Doch es war bei weitem nicht die erste Klimaveränderung auf unserem Planeten. Seit die Erde vor 4,6 Milliarden Jahren entstand, wurde es mal wärmer und mal kälter – ganz ohne Beteiligung des Menschen. Aber warum?" Was die natürlichen Klimaveränderungen auslöst, versuchen Klimaforscher seit langem herauszufinden. Eine Erklärung dafür ist, dass die Erde beim Umkreisen der Sonne etwas „eiert“. Die Erklärung geht noch weiter hat hier aber keinen Platz und sollte jeder selbst nachlesen. Der Mensch beschleunigt jetzt die Warmzeit mit seinem Verhalten.

  6. 3.

    Wir sollten uns kollektiv, Lemminge gleich,von den Kühltürmen der stillgelegten Kraftwerken in den Abrund stürzen. Dann klappt es auch mit dem CO2. Dann wird Deutschland Vorreiter und die Insel der Glückselig. Auch dient es als Vorbild für Europa, gar der ganzen Welt. Und wir schaffen die selbstgesteckten Klimaziele, die wir sonst immer nach oben korregieren.
    Wer gestern Dieter Nuhrs in der ARD gesehen hat, kann meine Gesdanken nur als Vorschlag und Handlungsanweisungen sehen.
    Gehen wir es an! Für eine klimaneutrale Welt!

  7. 2.

    es ist korrekt, dass ein Verzicht auf das Auto in Städten mit guter Infrastruktur leichter ist und auf dem Land kaum möglich. Es sind ja nicht nur die Wege zur Arbeit zu bestreiten sonder auch die Wege zum einkaufen, Arzt, Apotheke usw. All dies muss ein Dorfbewohner mit dem Auto erledigen oder mit dem zwei mal am Tag fahrenden Schulbus. Ein Verzicht auf das Fliegen wäre aber meiner Meinung nach noch wichtiger. Ich wohne in einer Einflugschneise und dort fliegt alle 90 Sekunden ein Flieger über uns hinweg...muss das sein? Müssen in solch riesigen Mengen Lebensmittel in den Läden liegen, die ebenfalls von Süd nach Nord und umgekehrt transportiert werden. Diesel und Kohle sind das Eine aber ein einschränken unserer eigenen Luxusdenke ist das Andere. Würden alle Produkte aus der Region in der Region verkauft, wäre schon viel CO2 weniger erzeugt. Die Studie befasst sich mit einem viel zu kleinen Gebiet und zu wenig Probanten.

  8. 1.

    CO2 wird von Menschen eben dummerweise nicht verbraucht, sondern erzeugt. Verbrauchen koennen es nur Pflanzen, wenn die Sonne scheint.

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