Silvesterhimmel über der Oberbaumbrücke (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Feinstaubbelastung - Friedrichshain hatte bundesweit die dreckigste Silvesterluft

Feuerwerk ist nicht nur laut und hell, sondern verursacht auch jede Menge Dreck. In der Silvesternacht war die Feinstaubbelastung nirgendwo in Deutschland so hoch wie in Berlins Partyhochburg.

Bei den Feiern zum Jahreswechsel haben vor allem die Berliner viel Feinstaub in der Luft verkraften müssen.

Eine Stunde nach Mitternacht wurden an einer Station in Friedrichshain 853 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, wie Ute Dauert vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau am Mittwoch sagte. Nach den vorläufigen Zahlen der Behörde gab es nirgends in Deutschland höhere Werte als in der Frankfurter Allee.

Als eine besondere Feinstaubbelastung gilt ein Wert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Diese Menge Feinstaub in der Luft gilt als Tagesgrenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit.  

Ab 50 Mikrogramm Feinstaub sprechen die Experten von Belastung

In Berlin erfolgen an elf Stationen stündlich Messungen, das ganze Jahr über. Grenzwerte der Europäischen Union schreiben vor, dass die Feinstaubbelastung im Tagesdurchschnitt 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten.

Die Messungen erfolgen an besonders belasteten Stellen. Wenn dort die Belastungen regelmäßig über den Grenzwerten liegen, ist die Kommune - das Land Berlin - verpflichtet, dort Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen zu veranlassen, also etwa Fahrverbote oder Zufahrtsbeschränkungen für bestimmte Autotypen.

Experte: Es kratzt vielleicht, aber macht nicht krank

Allerdings weist das Umweltbundesamt auch darauf hin, dass nahezu überall in Deutschland am Silvestertag und am Neujahrsmorgen sehr starke Winde herrschten. Sie sorgten vermutlich dafür, die Höchstwerte vergangener Jahre in diesem Jahr nicht erreicht wurden.  Beim Jahreswechsel von 2017 zu 2018 war die höchste Belastung noch in Fürth gemessen worden. Sie hatte mit 1.330 Mikrogramm pro Kubikmeter deutlich über den jetzigen Spitzenwerten gelegen. Auch Ingolstadt und Nürnberg hatten damals die 1.000er-Marke überschritten. "Das ist schon eine extreme Spitze, wenn man von 20 als Normalwert spricht", so die UBA-Expertin.

Obwohl die Feinstaubbelastung zum Jahreswechsel enorm ist, macht sie gesunde Menschen nicht krank. "Es kratzt vielleicht im Hals oder brennt in den Augen", sagte Dauert. Problematisch sei eher das Leben mit dauerhaft erhöhten Konzentrationen.

SPD-Fraktionschef für böllerfreie Zonen

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus Jörg Stroedter will die Böller-Regelungen für Berlin verschärfen. Denn die Feinstaubbelastung durch Silvesterknaller sei unter Umweltschutzgesichtspunkten nicht akzeptabel, sagte er am Mittwoch dem rbb. Stroedter will sich im Parlament für mehr böllerfreie Zonen wie am Brandenburger Tor einsetzen. "Ich möchte deutlich mehr solche Zonen haben, in Großsiedlungen, in stark bewohnten Straßen."

Auch angesichts der vielen Verletzten in der Silvesternacht regte Stroedter an, sich an Paris zu orientieren, wo es zentrale Feuerwerke gebe. So könne man alles genießen, ohne dass der Einzelne gefährdet werde.

Auch Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sprach sich für eine Beschränkung aus. Sie schlug vor, das Böllern innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings zu verbieten. Schon jetzt gebe es einen parlamentarischen Antrag der rot-rot-grünen Koalition, "die Knallerei einzuschränken", sagte Kapek dem "Tagesspiegel". 

Hintergrund

  • Wie entsteht Feinstaub?

  • Wie groß ist Feinstaub?

  • Was tut Berlin gegen die Feinstaub-Belastung?

  • Wo kann ich aktuell die Feinstaub-Belastung einsehen?

Der Messpunkt in der Frankfurter Allee

Sendung: Inforadio, 02.01.2019, 14 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Zu Silvester war ich dieses Jahr in London. Dort knallen Privatpersonen überhaupt nicht. Feuerwerke werden von den Sehenswürdigkeiten wie z. Bsp. das London Eye veranstaltet. Tausende von Menschen versammeln sich auf den Brücken um das Spektakel zu bewundern. Es war fantastisch.

  2. 17.

    Das wäre die perfekte Lösung. Hier bei uns schmiert und schleimt sich inzwischen der Böllermüll über die Gehwege. Rad fahren ist an manchen Stellen noch nicht möglich. Wo soll da die Akzeptanz herkommen, dass es für die Feuerwerker ja so wichtig ist, seinen Spaß haben zu dürfen? Dann bitte auch den Dreck wegräumen. Ist auch meine Welt, die verdreckt wird. Ärgerlich!

  3. 16.

    Danke!!!
    Genau auf den Punkt gebracht. Bin eine der Eingeborenen (und zwar wirklich Berlinerin), die das aushalten mussten. Wohne in der Nähe der Warschauer Brücke.

  4. 15.

    Wieso verbietet man nicht einfach den Verkauf von Feuerwerk an Privatpersonen und überlässt das Feuerwerk den Profis sprich den Pyrotechnikern u. Feuerwerkern ? Erstens wär das dann viel schöner, die Leute sprengen sich nicht die Gliedmassen weg und der Feinstaub sowie Müll bleiben gering !

  5. 14.

    Ich würde mich mal schlau machen über die Verwendung von das bzw. dass, erst dann einen Kommentar verfassen.
    Wer das schon nicht "peilt" sollte sich mit solchen Allerweltskommentaren bzgl. Diesel zurückhalten!!!!

  6. 13.

    Bei mir in Friedrichshain war so wenig los, wie eigentlich noch nie. Klar wurde auch geböllert, aber es hielt sich schon in Grenzen. Vor allem fast alle angrenzenden Straßen sind bemerkenswert sauber im Gegensatz zu den Vorjahren.

  7. 12.

    also..... Ich wohne direkt an der Frankfurter Allee und habe am Neujahrsmorgen folgendes festgestellt:
    In unmittelbarer Nähe der Messstation war ein Laden, der Feuerwerk verkauft hat. Die haben in der Nacht kistenweise ihre Bestände verknallt. Vor diesem laden sah es aus, als wenn der koplette Laden in die Luft geflogen wäre. Die BSR musste mit dem Bagger anrücken und den ganzen Mist wegräumen. Da sind durch diesen Knallexzess die Werte doch wohl deutlich verfälscht worden. Außedem frage ich mich, ob man dem temporären Ladenbetreiber eigentlich die Kosten für die Reinigung aufdrückt oder bleibt das beim Steuerzahler hängen ?

  8. 11.

    Egal wo in Berlin, mir tun alle Leute leid, die unter dem Krach und der vergifteten Luft leiden mussten, die damit möglichst gar nichts zu tun haben wollten. Ich habe am Stadtrand gefeiert, eigentlich eine ruhige, gepflegte Gegend. Dort trafen sich Suff- und Böllertrupps, um wahrscheinlich ungestört ihren Egotrip ausleben zu können. In Friedrichshain wird es sich auch um viele Silvestertouris gehandelt haben, dort wohnen viele Familien mit Kindern, die werden wohl eher weniger nestbeschmutzend dort umtriebig gewesen sein. Man kann nur auf eine baldige Gesetzesänderung hoffen. Zwar ein anderes Thema, aber der Diesel muss natürlich auch weg ;-)

  9. 10.

    Schade dass nicht gleich dabei ermittelt wurde, wer da geballert hat. Denn, so wie ich, haben vermutlich viele Friedrichshainer die Flucht ergriffen und ihr Viertel den Partytouris überlassen, die in Scharen zum Jahreswechsel nach Berlin gereist sind.

  10. 8.

    Und das sind bestimmt die Menschen die am lautesten schreien das alle Diesel weg müssen.

  11. 7.

    Ja, genau darauf kann man stolz sein. Ein Schicki-Micki-Ökö-Bezirk ist trauriger Spitzenreiter über die dreckigste Silvesterluft. Oh, ich komm grad aus dem Lachen nicht mehr raus... Widersprüchlicher und an Ironie kaum zu überbieten.. So macht der Jahresanfang gleich wieder Spaß :-))

  12. 6.

    Das ist ja etwas, worauf man richtig stolz sein kann! Wir schaffen es mit allen Mitteln und Möglichkeiten unseren Planeten zu zerstören. Je dünner die Aktion, um so besser! Vielleicht sollten wir am nächsten Sylvester zusätzlich zum Knallen noch alle Fahrzeuge hochtourig laufen lassen. Macht auch Krach und stinckt noch besser.

  13. 5.

    Ist ja schön das man dies festgestellt hat, man kann auf jeden Fall nicht behaupten das es Dieselfahrer gewesen sind.

  14. 4.

    Unsere Nachfahren werden sich fragen wie wir nur so bekloppt sein konnten.

  15. 3.

    Ach, du dicke Neune, und das im Grün regierten Stadtbezirk.

  16. 2.

    Die Belastungen direkt nach Mitternacht sind nicht so wichtig; wichtig ist, wie es am Tag (und den Tagen) danach in der Luft aussieht. Hier sind Zahlen, die zeigen, dass sich der Feinstaub nicht so schnell verzogen hat: https://utopia.de/silvester-neujahr-luftverschmutzung-feinstaub-raketen-74271/

  17. 1.

    In Friedrichshain waren die Feinstaubwerte am höchsten ? Im grünen Milieu wurde also am heftigsten geböllert ? Kannste dir nicht ausdenken..... ;-)

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