Berlin am 10.01.2019. Prozess um die gestohlene Goldmünze aus dem Bode Museum startet am Landgericht (Quelle: EIBNER/Uwe Koch)
Video: Tagesschau um 12 | 10.01.2019 | Ole Hilgert | Bild: EIBNER/Uwe Koch

Prozessbeginn zu spekakulärem Diebstahl in Berlin - Anwälte monieren "dürftige" Beweise im Goldmünzen-Prozess

Zum Prozessauftakt um den spektakulären Berliner Goldmünzen-Klau kritisieren die Anwälte der vier Angeklagten die Ermittlungen. Die Beweislage sei sehr "dürftig". Das Quartett soll 2017 die 100 Kilo schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum gestohlen haben.

Zum Auftakt des Prozesses um den spektakulären Goldmünzen-Diebstahl im Jahr 2017 aus dem Berliner Bode-Museum hat die Verteidigung eine Tatbeteiligung der vier Angeklagten bestritten. Vier mutmaßliche Täter im Alter von 20 bis 24 Jahren stehen seit Donnerstag vor dem Berliner Landgericht. Zwei Verteidiger betonten in längeren Erklärungen, die umfangreichen Ermittlungen der Polizei hätten keinen "einzigen durchgreifenden Beweis" für eine Tatbeteiligung ihrer Mandanten ergeben.

Die Staatsanwaltschaft legt den angeklagten Wissam R., Ahmed R., Wayci R. und Denis W. gemeinschaftlichen Diebstahl in einem besonders schweren Fall zur Last. Sie sollen die 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von gut 3,7 Millionen Euro aus dem Museum geklaut haben. Die Staatsanwaltschaft fordert  fordert die Einziehung dieser Summe von den Beschuldigten. Die vier Angeklagten haben sich zu Prozessbeginn nicht geäußert.

Spalier von Journalisten

Die Verhandlung startete unter großem Medieninteresse. Die Angeklagten, die nicht mehr in Untersuchungshaft sind, betraten den Saal durch ein Spalier von rund drei Dutzend Reportern und Fotografen.

Weil drei der Angeklagten zur Tatzeit Heranwachsende waren, wird das Verfahren vor einer Jugendkammer verhandelt. Zunächst sind zwölf Verhandlungstermine anberaumt.

Drei der Angeklagten gehören zu einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie, von deren männlichen Mitgliedern viele in der Vergangenheit immer wieder ins Visier polizeilicher Ermittlungen gerieten. Die beiden Brüder (20 und 24 Jahre) sowie ihr Cousin (20) sollen in der März-Nacht die Münze entwendet haben. Ein 20-jähriger mitangeklagter Wachmann, ein Bekannter der drei jungen Männer, soll ihnen Tipps gegeben haben.

Anwalt: einseitige Ermittlungen

Einer der Verteidiger sprach von einem riesigen Aufwand bei den Ermittlungen der Polizei mit einer Sonderkommission, 50 Telefonüberwachungen und Funkzellenabfragen, 30 Durchsuchungen und dem Einsatz von Spürhunden. Trotzdem sei die Beweislage sehr "dürftig" geblieben. Letztlich stütze sich die Anklage nur auf anonyme Hinweise und ein Gutachten zu Videoaufnahmen, das die Täter, aber nicht deren Gesichter zeige, so der Anwalt.

Ein Verteidiger von Wissam R. beklagte eine mediale Vorverurteilung der Familie R. als kriminellen Clan sowie einseitige Ermittlungen. Die Ermittler hätten sich nach Hinweisen von Vertrauenspersonen auf die Familie R. einzig auf diese konzentriert. Ein wissenschaftliches Gutachten, das Wayci R., Ahmed R. und Wassim R. auf einem Überwachungsvideo identifiziere, sei haltlos.

Ein Verteidiger des damaligen Wachmanns erklärte, die Ermittlungen seien einseitig geführt worden. "Indizien wurden als Tatsachen dargestellt." Die Polizei habe entlastende Erkenntnisse ignoriert. Sein Mandant sei als Schulfreund eines Mitangeklagten in den Fokus der Ermittler geraten. Er verwies auf einen nicht verdächtigten Wachmann, der in der Tatnacht von seiner Route abgewichen sei und so den Diebstahl der Münze erst ermöglicht habe.

 

Medienbericht: Einbruchsspuren nicht gemeldet

Als erster Zeuge beschrieb ein Kriminalpolizist die Museumsräume am Morgen nach dem Einbruch und dem Diebstahl sowie die Spurenlage. Die Befragung eines damaligen Sicherheitschefs des Museums wude auf Februar verschoben. Dabei wird es auch um die Frage gehen, warum das Aufbrechen des Fensters keinen Alarm auslöste und warum das Zerstören der Vitrine von keinem Wachmann gehört wurde.

Nach einem Bericht der "Zeit" sollen wenige Tage vor dem Diebstahl schon einmal Spuren eines Einbruchversuchs entdeckt worden sein, ohne dass aber die Polizei verständigt wurde.

100 Kilo Gold auf der Schubkarre abtransportiert

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 26.

    Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Anwendung des JGG kein Automatismus ist, sondern einer Prüfung unterliegt.

  2. 25.

    Ein bisschen Gefängnis, kann das so genannt werden?- nehmen sie gern in Kauf. Nach Verbüßung, nein so etwas gibt es nicht in Berlin. Nach Beendigung ihrer Zeit im betreuten Wohnen unter Anleitung vieler Sozialarbeiter u. Spaßmacher sind sie gemachte Leute u. lachen sich über unseren Staat schlapp. Verbrechen lohnt sich für diese Clans!!

  3. 24.

    Das ist doch nur theoretisch so, dass Erwachsenenstrafrecht angewandt werden könnte. Praktisch passiert das kaum. Damit spielen die Clans bekanntermaßen gewohnheitsmäßig, indem sie regelmäßig ihre jungen Männer vorschicken, weil die milde bestraft werden.
    Außerdem kommen selbst bei Erwachsenenstrafrecht z. T. völlig milde Maßnahmen zur Anwendung, wie z. B. aktuell in der Presse steht, sogar Freigang bei (natürlich) nichtkooperativen Clanmitgliedern noch vor Ablauf der Hälfte der theoretisch achtjährigen Haftzeit (bei millionenschwerem Bankkraub).
    Wie die Polizei sagt: Oft ist nicht die Polizeiarbeit ist das Problem, sondern die Justizanwendung.

  4. 22.

    Ob die "Clanvorstände" über uns lachen? Wir werden sehen, was aus den beschlagnahmten Immobilien wird, wenn die Journalisten darüber berichten wollen. Eine Enteignung, nach dem kassieren der Grunderwerbssteuer, ist sehr schwer, aber nicht unmöglich, wie die Roten im Potsdamer Rathaus wissen (Uferwegstreit).

  5. 21.

    Dem widerspricht ja mein Kommentar nicht. Die Jugendkammer ist entsprechend dem Alter des jüngsten Angeklagten zuständig. Trotzdem kann ab 18 Jahren das allgemeine Strafrecht angewandt werden. Zwischen 18 und 21 Jahren wird nur geprüft, welches Gesetz zur Anwendung kommen soll, das JGG oder das allgemeine Strafrecht. Bitteschön. Gern geschehen.

  6. 19.

    Ich würde eine Art Sympathie hegen, wenn ein alleinerziehender Vater, ein hartarbeitender, aber nie zu Geld kommender Mann und ein steter Verlierer dieses Tat begangen hätten. Hier aber ist eine größere Kraft dahinter, die Verbrechen als Beruf ansehen und durchführen, Deutsche mit den Hintern ansehen und über deren Gesetze lachen. Verständnis und Verteidigungsmodus für diese Clans aufbringen? Wie blind kann man nur sein?

  7. 18.

    Zitat aus dem Artikel: "Weil drei der Angeklagten zur Tatzeit Heranwachsende waren, wird das Verfahren vor einer Jugendkammer verhandelt. " Bitte, gern geschehen, keine Ursache.

  8. 16.

    Jugendstrafrecht bei so einem ausgeklügelten Raubzug? Wow. War nicht vorgesehen, dass mit den „Clan“-Leuten härter und eindeutiger umgegangen wird? Und wenn schon nach Jugendstrafrecht, hat doch dann hoffentlich ab jetzt das Jugendamt vermehrt ein Auge drauf? Diebstahl ist Diebstahl und Luxusneid bringt einen auch nicht weiter. Es handelt sich um ein wertvolles Kunstobjekt, das jetzt zerstört ist. Bin gespannt, denke aber, da kommt nicht viel bei rum.

  9. 15.

    Es war kein schönes Teil und eigentlich nur Protz.
    Problem ist hier nicht "Kunst"raub sondern Schwerkriminalität.

  10. 14.

    Wer sagt denn, dass das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt? Zwischen 18 und 21 Jahren muss die Anwendung geprüft werden, und ab 21 Jahren wird automatisch das allgemeine Strafrecht angewandt.

  11. 13.

    Was bitte soll daran spannend sein um daraus einen Film herzustellen. Es sei denn, man baut eindeutig die Clanverhältnisse in Berlin mit ein. Dürfte aber schwer werden.

  12. 12.

    "Diese ekelhafte Zurschaustellung von Reichtum widert mich einfach nur an." Ja genau. Das geht mir bei den Luxusautos mancher Clans genau so.

  13. 11.

    Kunst geben reiche Familien nur in ein Museum, weil man sie danach vererben darf ohne Erbschaftssteuer zu zahlen. Sprich 6 oder 10 Jahre ausstellen und die Kinder bekommen den 100%igen Wert vererbt

  14. 10.

    Ha! Den Gerichtssaal kenne ich. Kriminalgericht Moabit. Dort wurden auch etliche bedeutende Fälle verhandelt und Kriminalgeschichte geschrieben. Am kleinen Tisch vorne saß ich zwei mal und mußte meine Zeugtenaussage ins Mikro sprechen. Eine internationale Diebes- und Betrügerbande hatte mich durch Unterschlagung geschädigt. Komisch - diese Leute stammten genausowenig von hier wie der Clan im vorliegenden Fall. Na wenigstens gingen sie in den Bau.

  15. 9.

    @7: Allerdings! Vollkommen richtig!
    Ich freue mich jedenfalls schon auf die Verfilmung der ganzen Sache in ein paar Jahren. Ist doch spektakulär. Da wird die Filmbranche doch bestimmt zuschlagen!

  16. 8.

    Zu 2.: Liegt immer im Auge des Betrachters. Zu 3. und 5. : Sie heißen eine Straftat gut?

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