Illustration: Eine junge Frau sitzt in einer Wohnung in Hamburg auf einer Couch und schnaubt sich die Nase (gestellte Szene). (Quelle: Christin Klose / dpa)
Video: zibb | 18.01.2019 | Carsten Krippahl | Bild: dpa Themendienst

Steigende Influenza-Fälle - Grippewelle rollt auf Berlin und Brandenburg zu

Forscher des Robert-Koch-Instituts warnen vor einer anstehenden Grippewelle in Berlin und Brandenburg: Während immer mehr Patienten am Influenza-Virus erkranken, ist in einigen Teilen der Region der Impfstoff knapp. Manche Ärzte raten zu ungewöhnlichen Lösungen. 

Forscher des Robert-Koch-Instituts (RKI) warnen vor einem baldigen Beginn der Grippewelle in Berlin und Brandenburg. Wie Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI rbb|24 am Freitag sagte, ist die Zahl der gemeldeten Grippefälle in der Region nun bereits zwei Wochen in Folge stark gestiegen. 

Ärzte meldeten dem Institut in der zweiten Januarwoche 125 neue Influenza-Fälle in Berlin und Brandenburg. Allein bis zur Mitte der dritten Woche seien etwa 150 neue Fälle hinzugekommen. "Da ist jetzt schon richtig Musik drin", sagte Glasmacher. Unter den Patienten, die unter Grippesymptomen leiden, steige derzeit der Anteil echter Influenza-Fälle. Ab einem Anteil von 20 Prozent spricht die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI von einer Grippewelle - zuletzt habe der Anteil in der Region schon bei 18 Prozent gelegen. 

Apotheken haben oft keine Impfstoffe mehr

"Seit Montag geht es richtig los", sagt Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbands Brandenburg. Immer mehr Patienten kämen seit Wochenbeginn mit Erkältungen und Grippe in ihre Praxis in Neuruppin. Und auch die Nachfrage nach Impfungen steige wieder. Das Problem: Harre selbst hat keinen Impfstoff mehr in der Praxis und auch von vielen ihrer Kollegen wisse sie, dass die Vorräte aufgebraucht seien. Bei Apotheken ließe sich derzeit kein Nachschub ordern, da auch die Apotheker kurzfristig nicht an neue Chargen herankommen.

"Den Apothekern sind die Hände gebunden", sagte Mathias Braband-Trabandt, Sprecher des Brandenburger Apothekerverbands rbb|24 auf Anfrage. "Die Hersteller brauchen für die Produktion des Grippe-Impfstoffs sechs bis sieben Monate Zeit." Deshalb würden nun zu Jahresanfang bereits die Bestellungen für die nächste Grippesaison 2019/20 aufgenommen. 

Für die Impfung zum Gynäkologen

Eine Knappheit hatte sich bereits im vorigen Herbst abgezeichnet, als der Impfstoff in Frankfurt (Oder) zur Neige gegangen war. Ärzte hatten ihre Patienten damals mit ihren Rezepten zu Apotheken außerhalb der Stadt geschickt. Welche Praxen und Apotheken derzeit noch Impfstoff vorrätig haben, wissen weder Ärzte- noch Apothekervertreter. 

"Mitunter muss man sich per Telefon umhören", sagt Karin Harre. Sie empfiehlt ihren Patientinnen, Gynäkologen aufzusuchen, diese hätten den Impfstoff noch eher vorrätig. Männern rate sie, sich bei anderen Arztpraxen nach Impfmöglichkeiten zu erkundigen. 

Regelmäßig Händewaschen und ausreichend Abstand

Aufgrund der Erfahrungen aus den vorigen Jahren geht Mathias Braband-Trabandt vom Apothekerverband allerdings davon aus, dass sich ein Großteil der Impfpatienten schon im Spätherbst geschützt hat. Den Engpass bei Impfstoffen erklärt der Sprecher vor allem mit der hohen Nachfrage nach der besonders schweren Grippewelle im vergangenen Jahr. 

Insgesamt hatte das RKI in der Saison 2017/18 bundesweit rund 334.000 im Labor bestätigte Grippeerkrankungen registriert. Weil nicht jede Grippe beim Arzt abgeklärt werde, vermuten die RKI-Experten jedoch eine deutlich höhere Dunkelziffer. Zudem wurden 1.665 Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza-Infektionen bestätigt.

In diesem Winter wird bei der Grippeschutz-Impfung ein Vierfach-Impfstoff eingesetzt. Der Schutz sei auch jetzt noch sinnvoll, vor allem für Ältere oder chronisch kranke Menschen. Zumindest ein bisschen könne man sich aber auch ohne Impfung schützen, wie RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher erklärt - durch regelmäßiges Händewaschen und ausreichend Abstand zu bereits Erkrankten.

Zu Grippe und grippalen Infekten hat das Robert Koch Institut ein FAQ online gestellt, das Sie hier finden.

Sendung: Abendschau, 17.01.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Grippewelle? - Rollen lassen und beobachten...

  2. 7.

    Da haben wir unsauber formuliert, Entschuldigung. Unterschieden werden muss zwischen grippalen Infekten (die von unterschiedlichen Erregern hervorgerufen werden) und der echten Grippe, die nur von Influenza-Viren hervorgerufen wird. Das Robert-Koch-Institut betont das Verwechslungspotential zwischen beiden: "Es ist oft nicht möglich, eine echte Grippe und eine Erkältung nur anhand der Symptome zu unterscheiden". Quelle: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html#FAQId6941656

  3. 6.

    "zumal auch der Anteil der Influenza-Fälle unter den Grippepatienten steige".

    Also in einfacher Sprache: Viele Leute haben Grippe. Und dabei sind viele Leute, die Grippe haben.
    Grippe = Influenza.

  4. 5.

    Trolle bitte ignorieren !

  5. 4.

    Meine Lebensgefährtin schwebte damals durch die Schweinegrippe in Lebensgefahr. Sie lag tagelang auf der Intensiv. Ich selber hatte zweimal in meinem Leben die Grippe und war beide Male wochenlang außer Gefecht gesetzt. Meine Schwiegermutter verstarb an den Folgen einer Grippe. Seitdem gehen wir jeden Oktober zur Impfung. Ich kann nichts Lustiges oder Überflüssiges daran finden, dass auf die Grippewelle und die Möglichkeit sich dagegen jetzt noch impfen zu lassen, aufmerksam gemacht wird. Oft sind es aber die, die am Lautestesten jammern, wenn es sie selber erwischt.

  6. 2.

    Glückwunsch zu Ihrer Männlichkeit.

    Wie im Text steht, empfiehlt die Vorsitzende des Hausärzteverbands Brandenburg neben dem Gynäkologen für die Männer "sich bei anderen Arztpraxen nach Impfmöglichkeiten zu erkundigen".

  7. 1.

    Hilfe, die alljährliche Grippe-Medien-Hysterie geht wieder los! Ich - männlich - eile gerade zu meinem Gynäkologen. Danke für den Tipp @rbb. Ohne euch würde ich keinen Tag überleben. ;-)

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