Entwurf: Der Müggelturm soll einen identischen Zwillingsturm bekommen (Bild: powerplay medienholding)
Audio: Inforadio | 30.01.2019 | Annette Miersch | Bild: powerplay medienholding

Investor plant behindertengerechten Neubau - Ein Doppelgänger für den Müggelturm

Auf den Müggelturm zu kommen, ist gar nicht so leicht: 126 Stufen wollen überwunden werden. Für Menschen mit Einschränkungen oft unmöglich. Der Inhaber des Müggelturms will das nun ändern - mit einem zweiten Turm.

Aus eins mach zwei - der Müggelturm in Berlin-Köpenick könnte bald einen Zwilling bekommen. Neben dem aktuellen Aussichtsturm, der erst 2018 wiedereröffnet wurde, soll ein zweiter Ausflugsturm entstehen. Der derzeitige Turm-Inhaber Matthias Große stellte die Pläne am Montag vor. Zuerst hatte der "Berliner Kurier" darüber berichtet.

Entwurf: Der Müggelturm soll einen identischen Zwillingsturm bekommen (Bild: powerplay medienholding)
| Bild: powerplay medienholding

Das sanierte Original ist knapp 30 Meter hoch und hat 126 Stufen. Besucher mit körperlichen Einschränkungen oder Familien mit kleinen Kindern seien daher häufig nicht in der Lage, auf den Turm zu gelangen, sagte Große dem rbb. Dies seien etwa 40 Prozent der Besucher.  Ein Fahrstuhl in einem zweiten baugleichen Turm soll dies nun ändern. Der zweite Turm soll dabei genauso aussehen und genau so hoch sein wie der bereits bestehende.

Investor: Bautechnisch und finanziell alles machbar

Als voraussichtliche Baukosten nannte Große rbb|24 am Montag eine höhere sechsstellige Summe. Die Finanzierung sei gesichert und man würde ohne Fördergelder auskommen, sagte Große weiter. Bautechnisch sei so ein Bau eher unproblematisch und relativ schnell umsetzbar. Die größte Herausforderung bestünde in den Vorschriften und der Verwaltung.

Ursprünglich wollte der Besitzer bei der Sanierung direkt an den Müggelturm einen Fahrstuhl anbringen. Das sei ihm aber vom Bezirk nicht genehmigt worden, weil der Turm unter Denkmalschutz steht. Inwieweit die Verwaltung nun mitmache, müsse abgewartet werden. Der Zuspruch von den Besuchern für die Idee sei aber enorm gewesen, und auch Behindertenverbände hätten die Idee in Gesprächen für gut befunden, sagte Große weiter.

Reaktion der Behörden noch unklar

 Wenn der neue Turm errichtet ist, soll ein gläserner Übergang – ein sogenannter Skywalk - beide Türme miteinander verbinden. Dies sei sehr wichtig für das Projekt, so Große.

Wie die Behörden auf die Pläne reagieren, ist derzeit noch unklar. Große hofft, hier auf offene Ohren zu stoßen. Er wünsche sich eine Zusammenarbeit bei diesem Thema, um vielen Menschen die Möglichkeit eines Turmbesuches und des Blickes zu ermöglichen. Es wäre eine neue Attraktion im Bezirk. Ihm sei aber klar, dass man hier am Anfang eines Prozesses stehe.

Die Berliner FDP äußerte sich in einer ersten Reaktion skeptisch. Der Vorschlag dürfte "weder städtebaulich, denkmalrechtlich noch naturschutzfachlich genehmigungsreif sein", teilte der baupolitische Sprecher Stefan Förster mit. "Wenn Herr Große Hochhäuser bauen möchte, sollte er seine Aktivitäten in die Berliner Innenstadt verlagern." Förster ist zudem Vorsitzender des Bezirksdenkmalrats Treptow-Köpenick.

Der Alte, der neue Alte und der Zwilling

Sendung:  Inforadio, 28.01.2019, 11.00 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Auch bei zwei Türmen wird die Turmkapazität weitaus geringer sein als die Kapazität der Terrassen. Von daher wird immer nur ein Teil derer, die die Terrassen besuchen, den Turm besteigen. Dass künftig alle ohne Einschränkung auf einen der beiden Türme können, bedeutet nicht unbedingt mehr Zuspruch insgesamt oder wenn ja, in eher gerinfügigen Ausmaßen. So gewaltig in ihren Abmessungen sind die Türme nun auch wieder nicht.

    Mich erinnert das an die Protest-Kampagne gegen Kongsnaes in Potsdam. Menschen die ihr "bescheidenes Häuschen" an der Schwanenallee zu 90 % gewiss nicht fern des Kommerzes errichtet haben, plakatierten "Kein Kommerz auf Kongsnaes". Für mich der Höhepunkt der Scheinheiligkeit. Was die Umrechnung von Vermögen in Geldscheine angeht, ganz direkt.

  2. 11.

    Eine verständliche Idee nur nicht zuende gedacht. Zur Zeit muß das Auto unten stehen bleiben und der Weg ist relativ lang und beschwerlich für Menschen die nicht gut zu Fuß sind. Also was kommt dann noch ein riesiger Parkplatz? Gar ein Parkhaus oh oder vielleicht noch ein Hotel? Ich ahne das es nicht dabei bleibt einen zweiten Turm erstellen zu wollen. Ist schließlich Touristen Gebiet auch Rübezahl das ja Gegenüber liegt. Zu mal wenns um Bus und Bahn geht hinkt die Barrierefreiheit hinterher wo es wirklich wichtig wäre. Aber noch n Turm basteln,klar ganz fix und natürlich für Menschen mit Beinträchtigungen. Wer das glaubt ist leichtgläubig.

  3. 10.

    Eine super Idee. Ich hoffe das der zweite Turm gebaut werden kann. Für den Tourismus wäre es auch gut und das Behinderte endlich diese Aussicht geniessen können.

  4. 8.

    Wie nett, die Behinderten können ja die Aussicht von den Terrassen aus genießen. Wie großzügig von Ihnen!
    So etwas Arrogantes kann tatsächlich nur der Feder eines Menschen entspringen, der nicht tagtäglich mit Hürden und Isolation zu kämpfen hat... Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir jedes Wochenende aufs Neue lange recherchieren müssen, was wir mit unserer schwerbehinderten Tochter unternehmen können, das Spaß macht und barriefrei ist. Und das kann man leider an einer Hand abzählen... In Deutschland wird hinsichtlich Inklusion/Teilhabe immer noch viel zu kleingeistig und engstirnig gedacht. Und jeder der jetzt denkt, dass das ihn doch nichts angehte: Das kann sich täglich durch Krankheit oder Unfall ändern - und plötzlich gehören auch Sie zu denen in der Gesellschaft, die ausgeschlossen werden und ständig auf Hilfe angewiesen sind.

  5. 7.

    Ja wie kann man nur den Vorschlag in der Presse vorstellen, könnte ja sein, dass die Bürger eine Meinung dazu haben, geht gar nicht. Zu allererst die Bürokratie walten lassen. Mannomann...

  6. 6.

    Ich hoffe mal, dass die Müggelturm-Architekten als Urheber des Turms sich genauso an der Verdoppelung ihrer Idee freuen wie derjenige, der das jetzt vorschlägt.

    Gewiss müssen Mobilitätseingeschränkte nicht immer und überall dahin kommen können, was bspw. "die Natur" geschaffen hat. Vieles bleibt immer für irgendjemanden unerreichbar. Dies aber ist Menschenwerk und ließe sich mit so einer Idee zur Behebung eines tatsächlichen Ausschlusses realisieren.

    Ich bin gespannt, ob die Schöpfer des Müggelturms "eitel" ihr EINmaliges Werk verteidigen oder ob sie an der Verbreitung gleich nebenan Gefallen finden. Vor 30 Jahren wäre das gar kein Diskussionsgegenstand gewesen, bei allem, was sonst über die DDR gesagt werden konnte, hier sogar zu recht.

  7. 5.

    Ich hoffe, das die bürokratischen Hürden hoch genug sind. Wie kann man einen gewünschten Bau in der Presse vorstellen, statt im Rahmen einer Bauvoranfrage im zuständigen Bezirksamt? Behinderte können den Blick von der Terrasse des Müggelturmareals genießen. Im Übrigen gibt es zum Müggelturm ein Urheberrecht. Hoffentlich erfahren die noch lebenden Müggelturmarchitekten auch bald von der geforderten Verdoppelung ihres Entwurfs. Der Müggelturm steht im Landschaftsschutzgebiet, auch das ist zu Bedenken. Ich frage mich auch, was Rollstuhlfahrer und Rollatorbesitzer auf der Aussichtsplattform des historischen Turms sollen. Der - eckige - Rundweg ist so schmal, da sind schon 20 Menschen auf der Plattform ziemlich viel.

  8. 4.

    Auch ich empfinde das als wunderbare Idee und gehe mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Denkmalschutz den zweiten Turm genehmigt. Denn der beeinträchtigt den ersten Turm ja nicht in seiner "baulichen Aussage", weil er sie wiederholt. Wo das Goethesche Gartenhaus in Weimar eine sehr gelungene Kopie erhalten hat, dürfte einer der heutigen Zeit geschuldeten Zweitausgabe des Müggelturms im Prinzip nichts im Wege stehen.

    Dann empfinde ich es so, dass der Müggelturm im Bewusstsein doch eine hohe Bedeutung hat. Von daher wird es keine der Parteien leisten, einfach zuzuschauen, wie so ein Projekt wegen "falscher Schraubengröße" oder wegen der erhöhten Gefahr, dass ein Kranich dagegen fliegen könnte, schlussendlich scheiterte.

    Ich drücke die Daumen!

  9. 3.

    Wenn schon ein zusätzlicher Turm, dann bitte 1.000 m hoch.

  10. 2.

    Eine wunderbare Idee....aaaaaaaaaber,die bürokratischen Hürden sind sicher höher als der Turm selbst........eben BERLIN

  11. 1.

    Eine wunderbare Idee....aaaaaaaaaber,die bürokratischen Hürden sind sicher höher als der Turm selbst........eben BERLIN

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