Illustration: Am 27. März 2017 wird die hundert Kilogramm schwere kanadische Goldmünze "Big Maple Leaf" mit dem Bildnis von Königin Elizabeth II. aus dem Bode-Museum gestohlen. (Quelle: rbb|24/Caroline Winkler)
rbb|24/Caroline Winkler
Video: rbb|24 | 09.01.2019 | Neele Westphal und Caroline Winkler | Bild: rbb|24/Caroline Winkler

Aus dem Berliner Bode-Museum entwendet - So verlief der spektakuläre Goldmünzen-Diebstahl

100 Kilo Gold mit einer Schubkarre aus dem Bode-Museum gestohlen: Der Goldmünzen-Diebstahl zählt zu den kuriosesten Fällen der Kriminalgeschichte Berlins. Wir haben den spektakulären Tathergang und die schwierige Suche nach den Tätern zusammengefasst.

Eine Szene wie aus einem Gangsterfilm: In der Nacht zum 27. März 2017, gegen 3:30 Uhr, dringen mindestens drei schwarz angezogene, vermummte Täter in das Gebäude des weltberühmten Museums in Berlin-Mitte ein. Die Diebe steigen über die direkt am Berliner Bode-Museum vorbeiführende S-Bahntrasse durch ein Fenster ein. Ihr Ziel: die 100 Kilogramm schwere kanadische Goldmünze "Big Maple Leaf" mit dem Bildnis von Königin Elizabeth II., die schon einige Jahre als Ausstellungsstück im Bode-Museum zu sehen ist.

Das Prachtexemplar hat einen Durchmesser von 53 Zentimetern und eine Dicke von drei Zentimetern, nur fünf Stück wurden weltweit geprägt. Laut Guinness-Buch gilt sie als größte Goldmünze überhaupt. Eine Münze mit diesem Gewicht und aus reinem Gold ist zu diesem Zeitpunkt etwa 3,74 Millionen Euro wert.

So groß wie ein Autoreifen

Die Täter sollen mit einer Leiter über ein Fenster in das Museum gelangt sein und die Münze dann mithilfe einer Axt aus einer Vitrine aus Panzerglas entwendet haben. Mit einem Rollbrett und einer Schubkarre sei das wertvolle Stück anschließend weggeschafft worden, so die Polizei damals.

Von der höherliegenden S-Bahn-Trasse aus wird die Münze, die immerhin in etwa die Größe eines Autoreifens besitzt, offenbar geworfen – die Ermittler finden später eine Aufschlagstelle am Bahndamm. Dann verschwinden die Männer in der Nacht. Die Leiter, ein Seil und die Schubkarre samt Axtstiel lassen sie in der Nähe zurück. Das Rollbrett finden Ermittler in einem Umkleideraum im Museum.

Der Tathergang

Karte: Diebstahl der Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Bode-Museum am frühen Morgen des 27. März 2017. (Quelle: rbb|24/Winkler/OpenStreetMap)1 = Die Täter gelangen entlang der Gleise zum Bode-Museum. 2 = Sie steigen mit einer Leiter über einen Vorbau ins Museum ein. 3 = Sie entwenden die Goldmünze "Big Maple Leaf". 4 = Anschließend werfen sie die Münze auf den Bahndamm und klettern hinab. 5 = Die Diebe transportieren die Münze mit einer Schubkarre über die Spreebrücke. 6 = Sie werfen die Goldmünze in den Monbijoupark, seilen sich ab und fahren mit einem Auto davon.

Monatelang sucht die Polizei vergeblich nach den Tätern. Erst im Sommer 2017 - nachdem die Ermittler Videoaufnahmen vom S-Bahnhof Hackescher Markt aus der Tatnacht veröffentlichen - geht es voran. Auf dem Film sind drei Vermummte zu sehen, die sich auf die Bahngleise Richtung Bode-Museum bewegen. Kurz darauf können die Beamten erste Tatverdächtige verhaften. Sie leiten Ermittlungen gegen den arabischstämmigen Clan ein, zu dem die jungen Männer gehören. Im Oktober 2018 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die vier Männer, die sich jetzt vor Gericht verantworten müssen.

Gefunden wurde von der Münze nur: Goldstaub

Die filmreifen Szenen setzen sich auch nach dem Einbruch fort: Während der Ermittlungen versuchen Unbekannte im Juli 2017, Spuren in einem von der Polizei beschlagnahmten Wagen zu vernichten. Sie verschaffen sich Zugang zu dem Polizeigelände, auf dem das Auto abgestellt ist und sprühen Feuerlöschschaum ins Innere. Laut Staatsanwaltschaft misslingt der Versuch jedoch: Spuren von "Goldanhaftungen" werden sichergestellt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Auto um den Fluchtwagen handelt. Das Fahrzeug war nach einem illegalen Autorennen konfisziert worden.

Die Beute selbst ist jedoch bis heute nicht aufgetaucht. Die Münze, die die Leihgabe eines Privatmannes war, dürfte unwiederbringlich verloren sein. Ermittler gingen schon kurz nach dem Diebstahl davon aus, dass sie in Stücke zerteilt und verkauft wurde. Laut Staatsanwaltschaft wurde nur eines sichergestellt: Goldstaub.

Sendung: Radioeins, 10.01.2019, 07:10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren