Ein Mann fotografiert den AEG-Versuchstunnel in Berlin (Quelle: imago/Future Image)
Audio: Inforadio | 02.01.2019 | Interview mit Holger Happel vom Verein Berliner Unterwelten | Bild: imago/Future Image

Interview | Berliner Unterwelten - Unterwegs im ältesten U-Bahn-Tunnel von Berlin

Als die BVG 1929 gegründet wurde, fuhr die Berliner U-Bahn bereits seit über 20 Jahren. Begonnen hatte alles aber schon 1897 - mit dem Betrieb im AEG-Versuchstunnel im Humboldthain. Den kann man heutzutage besichtigen - mit den Berliner Unterwelten.

rbb: Sie bieten Touren durch den AEG-Tunnel an, der über 120 Jahre alt ist. Wie lang sind denn inzwischen die Tropfsteine?

Holger Happel: Das hält sich noch in Grenzen – auch weil wir in den vergangenen Jahren einiges dafür getan haben, dass dieser Tunnel etwas trockener geworden ist. Aber hier und da kann man tatsächlich kleine Tropfsteine sehen, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen sind.

Der AEG-Versuchstunnel im Humboldthain gilt als Startschuss für die Berliner U-Bahn. Hatte man damals schon die Zukunftsvision, Massentransporte im Untergrund zu machen?

Diese Pläne hatte man und zwar schon bereits in den 1880er-Jahren. Zunächst hatte Siemens Pläne - allerdings für eine Hochbahn, die im kaiserlichen Berlin keine Zustimmung fand. Anfang der 1890er-kamen wiederum neue Pläne für Verkehrsmittel in Form von Schnellbahnen auf, und es enstand ein kleiner Wettlauf zwischen der AEG und der Firma Siemens, die beide unterirdische Bahnen planten. Die AEG wollte nach Londoner Vorbild eine Röhrenbahn in relativ großer Tiefe bauen und Siemens eine sogenannte Unter-Pflaster-Bahn dicht unter der Straßen-Oberfläche.

Letzteres scheint sich durchgesetzt zu haben. AEG machte zwar den Anfang, aber Siemens baute dann die erste richtige Strecke, die 1902 in Betrieb ging - zunächst als Hochbahn und dann kam die Unter-Pflaster-Bahn. Warum fiel aber die Wahl auf Siemens und nicht auf die AEG, die eigentlich den Startschuss gegeben hat?

Zum einen hat sich dieses Hochbahn-Konzept durchgesetzt, weil es einfacher zu realisieren war. Es war auch preiswerter zu bauen und es ging vor allen Dingen schneller.

Und so wurden diese ersten Streckenabschnitte - das was wir heute als Teile der U-Bahnlinie 1 durch Kreuzberg fahren sehen und vor allen Dingen hören - als Hochbahn gebaut. Erst als man sich Schöneberg näherte, das damals noch eine eigenständige Stadt war, forderten die Schöneberger, das Ganze doch lieber im Untergrund zu bauen. Das Straßenbild sollte nicht durch eine Hochbahn-Trasse verschandelt werden.

Und deswegen versinkt heute die U-Bahn am Nollendorfplatz in der Tiefe. Das ist auch ein historisches Erbe. Der AEG-Tunnel im Humboldthain in Wedding ist ja nicht der einzige verborgene U-Bahn-Tunnel in der Stadt. Was liegt denn sonst noch so brach und wäre vielleicht sogar wieder nutzbar?

Da gibt es im Berliner Untergrund eine ganze Reihe von ungenutzten Verkehrsbauwerken. Das sind zusammenfasst ungefähr 70 Stück -  vom kleinsten Tunnel bis zu fast kathedralenartigen Großbahnhöfen - ,die sich ungenutzt im Berliner Untergrund befinden.

Würde man die alle aneinanderreihen, wäre das eine Strecke ungefähr vom Alexanderplatz bis zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Darunter sind Dinge aus ganz unterschiedlichen Epochen. Nur mal als Beispiel der U-Bahnhof Moritzplatz, der in den 1920er Jahren fertiggestellt wurde, hat eine zweite Etage unter dem heutigen U8-Bahnsteig. Diese liegt um 90 Grad versetzt und sollte mal eine Linie aufnehmen, die von Moabit zum Görlitzer Bahnhof führen sollte. Auch aus neuerer Zeit gibt es solche Dinge beispielsweise am Innsbrucker Platz. Da liegt ein kompletter Bahnhof als Rohbau im Untergrund, der für eine Linie der sogenannten U10, mal von Lichterfelde - Steglitz nach Weißensee führen sollte.

Wer geht denn mit Ihnen eigentlich in den Untergrund: U-Bahn-Enthusiasten oder Abenteuerlustige?

Das ist ganz querbeet. Es sind natürlich schon technikinteressierte Besucher dabei, denn das Thema ist ja sehr speziell. Aber wir beschäftigen uns dort nicht nur alleine mit dem Tunnel, sondern generell mit dem Zeitalter der Industrialisierung und dem Aufstieg der AEG als Unternehmen von Weltgeltung, und insofern ist auch das Thema Industrialisierung durchaus präsent - deshalb ist der Querschnitt durch die Besucher recht breit gefächert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hintergrund

Der AEG-Versuchstunnel gilt als erster U-Bahn-Tunnel in Deutschland. Gründer Emil Rathenau ließ ab 1895 unter dem Firmengelände in Berlin-Gesundbrunnen eine unterirdische Versuchsstrecke anlegen. Die war 3,15 Meter hoch, 2,60 Meter breit und zunächst 295 Meter lang. Am 31. Mai 1897 wurde der Testbetrieb aufgenommen. Als Vorbild galt die Röhrenbahn in London.

Das Gespräch mit Holger Happel führte Klemens Schulze für Inforadio. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Player hören.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Gibt es einen Grund, zweimal GENETIV statt GENITIV zu schreiben? Wenn Sie schon so "gebüldet" sind und die Bücher DES Wolf Schneider erwähnen, sollten Sie die Orthographie (oder Ortografie?) ebenfalls beherrschen...

  2. 2.

    @RBB: Gibt es einen Grund, wieso Ihr den angenehmen Genetiv in der Überschrift gegen den hölzernen Akkusativ wechselt?

    Bitte die Journalistenschule von Wolf Schneider beachten und ordentliches Deutsch benutzen. Es muss "Unterwegs im ältesten U-Bahntunnel Berlins" heißen.

    Bitte ändert die Überschrift.

    Danke.

  3. 1.

    @RBB: Gibt es einen Grund, wieso Ihr den angenehmen Genetiv in der Überschrift gegen den hölzernen Akkusativ wechselt?

    Bitte die Journalistenschule von Wolf Schneider beachten und ordentliches Deutsch benutzen. Es muss "Unterwegs im ältesten U-Bahntunnel Berlins" heißen.

    Bitte ändert die Überschrift.

    Danke

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