Hausfassade im Bezirk Marzahn-Hellersdorf in Berlin (Quelle: dpa/DUMONT/Sabine Lubenow)
Audio: Inforadio | 02.01.2019 | Sylvia Tiegs | Bild: dpa/DUMONT/Sabine Lubenow

40 Jahre Marzahn - Hochburg der Alleinerziehenden am Rande Berlins

2019 wird Marzahn 40 Jahre alt. Rund 270.000 Einwohner leben an Berlins östlichem Rand, wo die Mieten vergleichsweise günstig sind - unter ihnen viele Alleinerziehende und Hartz-IV-Empfänger. Von Sylvia Tiegs

40 Jahre liegen die Anfänge von Marzahn-Hellersdorf inzwischen zurück. Der Name des Bezirks kommt von den beiden alten Dörfern Marzahn und Hellersdorf. Ursprünglich gehörten diese zum Niederbarnim, 1920 wurden sie nach Berlin eingemeindet. Genau wie die Nachbardörfer Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf, die heute Ortsteile von Marzahn-Hellersdorf sind.

Am 5. Januar 1979 beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Berlin Ost offiziell den neuen Bezirk Marzahn. 2001 kam dann das zwischenzeitlich eigenständige Hellersdorf hinzu. Man vereinte sich zum Doppelbezirk Marzahn-Hellersdorf.

Aktuell leben im Bezirk rund 270.000 Menschen – die meisten von ihnen, rund 80 Prozent, in Plattenbauten. Mit diesen aus Betonfertigteilen errichteten Gebäuden fing auch alles an. Wo vorher Rieselfelder und Ackerflächen waren, stellte die DDR in den 1970er-Jahren ihr größtes Wohnungsbauprogramm auf die Beine - rund um Marzahn.

Der Doppelbezirk wird heute geprägt von Kontrasten. Einerseits sind die Mieten in den Hochhauswohnungen stadtweit mit am günstigsten. Andererseits leben dadurch viele Menschen mit geringem Einkommen in Marzahn-Hellersdorf.

Einerseits liegt die Arbeitslosenquote hier mit rund 6 Prozent unter dem Berliner Durchschnitt. Andererseits leben dort besonders viele arme Familien: 40 Prozent aller Kinder in Marzahn-Hellersdorf sind abhängig von Hartz IV. Der Grund: Geringe Löhne - und die Tatsache, dass Marzahn-Hellersdorf berlinweit die meisten Alleinerziehenden hat. In diesen Familien fehlt einfach das zweite Einkommen.

Der vielleicht bekannteste Kontrast von Marzahn-Hellersdorf: einerseits Plattenbauten, andererseits auch viele Einfamilienhaussiedlungen. Und Grün! Die vielen Gärten, Parks und Wanderwege ziehen Besucher an – wie zuletzt die Internationale Gartenausstellung 2017. 

Sendung: Inforadio, 03.01.2019, 7.00 Uhr

Beitrag von Sylvia Tiegs

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

6 Kommentare

  1. 6.

    Wegen der niedrigen Löhne, die die Kosten für ein Kind und das Familienleben nicht abdecken, allenfalls ein Single kann davon leben. Ausserdem muss jemand für das Kind da sein. Man kann nicht ein Kind auf die Welt bringen und sich dann nicht kümmern.

  2. 5.

    Wie vormals "Ost" und "West" sich doch zu Zeiten des herausgekramten Systemunterschieds einander glichen: Die Wertschätzung gegenüber den Altstadtquartieren war gleich null, sie galten als potenzielle Abrisskandidaten, wobei der Osten lautstärker vorging und der Westen effizienter.

    Das war dann die anbrechende Zeit der recht uniformen Neubausiedlungen auf der grünen Wiese, im Westen erschlagend knalleballerot, blau und kanarienvogelgelb, im Osten unendlich grau-, braun- und mit schwarzgefärbten Platten. Die sind inzwischen sichtbar zu Farbe gekommen.

    Die Altstadtquartiere haben gewonnen, weil sie in ihren Ausmaßen her menschlich sind, doch das hat zugleich wiederum die Spekulanten auf den Plan gerufen. Die Plattenbauten - gleich wo - bleiben spartanisch, auch wenn sie billiger sind.

  3. 4.

    Wieso bedeutet bei uns Alleinerziehend fast immer Hartz 4? Weil es so bequem ist von Sozialunterstützung zu leben, wenn Kinder da sind. Das ist eine Tatsache, aber der falsche Weg. Es gibt (fast) genug Kindergartenplätze und die Jobcenter sollten endlich mal an der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen gemessen werden. Ist das so schwer Leute???

  4. 3.

    Baut 2/3/viele Marzahns/Hellersdorfs/Gropiusstadts, Gelände ist vor den Stadttoren vorhanden, viel Freiraum zwischen preiswerten
    Wohnanlagen wird entstehen, die Wohnungsproblematik Berlins wäre abgewendet.

  5. 2.

    Alg2 Empfänger haben nur noch in Randbezirken die Chance eine Wohnung zu bekommen. Spandau, Mahrzahn, Reinickendorf. Für alle anderen Bezirke reichen die Mietsätze vom Jobcenter nicht.

    Deshalb wird Berlin bald wie Paris sein . Gettos am Stadtrand , Juppieland in der Innenstadt.

  6. 1.

    Erfolgreiche Gentrifizierung. Glückwunsch an Regierung und Investoren, wir sind Euch dankbar, dass Ihr dem Prekariat zeigt, wo es hingehört.
    M-H am besten aus der Gemeinde Berlins rauskoppeln und schon ist die Statistik eine bessere, damit auch noch mehr Investoren es sich hier Wohlergehen lassen.
    M-H ist trotz aller Probleme ein Bezirk, in dem es sich gut leben lässt, ätsch.......

Das könnte Sie auch interessieren