Polizist im Schießstand, Quelle: rbb
Audio: Inforadio | 08.01.2019 | Sebastian Schöbel

Schießstandaffäre - Senat entschädigt 453 erkrankte Berliner Polizisten

Nach jahrelangen Diskussionen um giftige Schießstände sollen 453 erkrankte Polizisten entschädigt werden. Beendet ist die Affäre damit aber noch nicht: Die Staatsanwaltschaft ermittelt - unter anderem gegen die heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers.

Nach jahrelangen Diskussionen um schadstoffbelastete Schießstände erhalten 453 erkrankte Berliner Polizisten eine finanzielle Entschädigung. Dafür fließen gut drei Millionen Euro, wie aus einem Bericht von Innensenator Andreas Geisel (SPD) hervorgeht, den der Senat am Dienstag beschlossen hat.

Demnach stellten insgesamt 785 Polizeibeamte Anträge auf eine finanzielle Entschädigung. 332 davon lehnte eine vom Senat eingesetzte Kommission, bestehend aus zwei Ärzten und einer früheren Sozialrichterin, ab. Die anderen - Schießtrainer und andere Polizisten - erhalten nun Zahlungen aus einem Entschädigungsfonds. Nach früheren Angaben sind dafür je nach Schwere der Erkrankung zwischen 2.000 und 80.000 Euro veranschlagt.

Ermittlungen gegen Kandt und Koppers

Die Betroffenen hatten viel Zeit in den Schießständen verbracht und immer wieder kritisiert, dass die Luft dort schädlich oder giftig sei. Das soll an Asbest in Dämmstoffen und schlechter Belüftung, die den Pulverdampf nicht absaugte, gelegen haben. Bewiesen ist ein Zusammenhang zwischen dem Zustand der Schießstände und den Erkrankungen der Polizisten bisher nicht. Dazu läuft eine Studie der Uni-Klinik Charité.

Der Senat sieht die Entschädigungszahlungen Geisel zufolge als unbürokratische finanzielle Hilfe. Im Zusammenhang mit der sogenannten Schießstand-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Ex-Polizeichef Klaus Kandt und seine frühere Stellvertreterin und heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers.

Sendung: Inforadio, 08.01.2019, 18 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Teile Mal die Summe durch die Anzahl der Geschädigten Angemessen ? für teilweise Jahrzehnte lange Vergiftung durch Nichteinhaltung der einschlägigen Arbeitsschutzregeln. Jede Firma am freien Markt wäre pleite und geschlossen. Na ja.

  2. 2.

    Mich würde einmal interessieren ob die Entschädigungszahlungen versteuert werden müssen und letztlich der Staat auch noch etwas daran "verdient".

  3. 1.

    Hab wieder was gelernt: Der Bericht wurde beschlossen (1. Absatz, letzter Satz).
    Was, wenn der Bericht abgelehnt worden wäre?
    Hilft mir jemand: Dann müsste die Entschädigung zurück gezahlt werden?
    Ich beschließe zu sterben, erstatte dann aber keinen Bericht mehr.

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