Frau tippt Nachricht auf Smartphone
Bild: Colourbox/Diego Cervo

Anfragewelle besorgter Eltern in Berlin - Polizei warnt vor Verbreitung von Gerüchten im Internet

Meistens über WhatsApp machen sie gerade berlinweit die Runde: Gerüchte über vermeintliche Vorfälle an Schulen. Zahlreiche Anrufe besorgter Eltern haben die Polizei nun dazu veranlasst, öffentlich vor einer ungeprüften Weitergabe der Nachrichten zu warnen.

Lockversuche mit Hundewelpen, falsche Polizisten oder als Frauen verkleidete Männer, die Schülerinnen auflauern. Polizeisprecherin Kerstin Ziesmer und ihre Kollegen müssen sich momentan täglich mit einer Flut von Anrufen verunsicherter Eltern auseinandersetzen. Grund sind über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder bei Facebook geteilte Gerüchte von angeblichen Vorfällen an Schulen in Berlin.

Ausgangspunkt ist ein bei der Polizei gemeldeter Vorfall am Georg-Herwegh-Gymnasium in Reinickendorf Anfang Januar: Eine Schülerin berichtete demnach davon, dass ein Unbekannter versucht habe, sie zu küssen. Es wurde Strafanzeige gestellt, der Mann konnte ermittelt werden. Der Fall werde noch untersucht, erläutert Ziesmer im Gespräch mit rbb|24. "Wir verstehen, wenn Eltern dadurch verunsichert werden. Wir sind jedoch davon ausgegangen, dass sich diese Verunsicherung wieder legt."

Gerüchte streuen sich über weitere Bezirke

Doch das Gegenteil ist der Fall: Bis heute verbreiten sich über WhatsApp und soziale Netzwerke zahlreiche Gerüchte von mutmaßlichen Straftaten. Auch weil mehrere Schulen in Reinickendorf vorsorglich Warnhinweise an die Eltern verschickt haben. Diese wurden zum Teil mit falschen Informationen angereichert im Internet geteilt und erreichten damit schnell auch andere Bezirke.

"Wir kriegen schon Anfragen aus Pankow oder Friedrichshain-Kreuzberg", sagt Ziesmer. "Bis jetzt gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, dass es zu diesen Fällen gekommen ist." Auch nicht der Hinweis, dass der genannte Mann eine Bierdose in Richtung von Schülerinnen der Reinickendorfer Carl-Bosch-Oberschule gezeigt habe, konnte bestätigt werden.

Aus diesem Grund reagierte die Polizei am Mittwoch und warnte in einem Facebook-Beitrag [externer Link] davor, ungefiltert Nachrichten zu verbreiten. "Es ist nicht zielführend, sondern trägt oft eher zu einer unbegründeten Verunsicherung aller bei", heißt es dort.

Appell an die Eltern

Kerstin Ziesmer betont, dass die Polizei jeden Hinweis ernst nehme. "Wir wollen aber auch an die Menschen appellieren, Nachrichten nicht einfach so zu verbreiten." Stattdessen sollten sie mit ihren Kindern reden, sich direkt mit der Schule in Verbindung setzen oder sich erkundigen, woher diese Nachrichten stammen.

Mehr alls dieser Appell bleibt der Polizei auch nicht: Technischen Einfluss auf die Weiterleitung von WhatsApp-Nachrichten kann sie nicht nehmen. Dabei ist es in der jüngeren Vergangenheit bereits häufiger vorgekommen, dass sich falsche Nachrichten dort rasant verbreiteten: Im vergangenen Jahr verschickte eine Mutter in Berlin eine Sprachnachricht, in der sie von einer versuchten Entführung ihrer Tochter durch zwei syrische Frauen in einem Schwimmbad sprach. Diese Falschmeldung verteilte sich ebenfalls rasant - auch damals warnte die Polizei.

Und kurz nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz ermittelte die Polizei den Urheber einer erfundenen Nachricht bei WhatsApp, nach der weitere Anschläge in Einkaufszentren geplant seien.

WhatsApp schränkt Weiterleitung ein

Erst vor einigen Monaten reagierte WhatsApp auf die zunehmende Weiterleitung von Falschnachrichten und zwar nach einem besonders krassen Fall von Lynchjustiz in Indien: Nachdem sich mehrere manipulierte Videos von angeblichen Kindesentführungen über den Messenger verteilt hatten, wurden unbescholtene Männer und Frauen von aufgebrachten Menschenmengen brutal zusammengeschlagen, weil sie für Kindesentführer gehalten wurden.

Künftig soll es deshalb nur noch möglich sein [Link zu tagesschau.de], Nachrichten an insgesamt fünf Empfänger weiterzuleiten. Bislang konnten diese an 20 einzelne Personen oder Gruppen weitergeleitet werden.

Sendung: rbbUM6, 30.01.2019, 18 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Wohl dem, der weder Facebook noch WhatsApp benötigt. Da darf man sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, denn man sollte der Einfältigkeit nicht so ein leichtes Spiel zu bescheren.

  2. 4.

    In meinem Umfeld wurde in diesem Zusammenhang ein Artikel aus dem Tagesspiegel vom 14.01. weitergeleitet:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/grundschule-in-friedrichshain-rektor-warnt-eltern-vor-kinderfaenger/23865284.html

  3. 3.

    Zitat: "Man muss nicht immer alles sagen, was wahr ist. Aber das, was man sagt, muss wahr sein." - aus https://www.erzdioezese-wien.at/10-gebote/8-gebot

  4. 2.

    Da hat jemand tatsächlich eine Bierdose in Richtung von Schülerinnen gezeigt? Shocking! Selig sind die, die sonst keine Probleme haben.

  5. 1.

    Erst vor kurzem gab es einen Beitrag in dem die Eltern ihren Kindern den verantwortlichen Umgang mit sozialen Netzwerken beibringen sollten. Dabei sind die Eltern keinen Deut besser. Peinlich, peinlich. Die meisten sexuellen Straftaten ereignen sich übrigens innerhalb des Familien- und Bekanntenkreises. Innerhalb. Die Situation ist vergleichbar mit dem rauchenden Elternpaar, die panisch wirklich alles tun um ihre Kinder abzuschirmen und zu beschützen, ausser das Rauchen aufzugeben. Traurig aber wahr.

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