Dagmar Pohle (Linke), Bürgermeisterin des Bezirks Marzahn-Hellersdorf in Berlin (Quelle: imago/Christian Thiel)
Audio: Inforadio | 02.01.2019 | Sylvia Tiegs | Bild: imago/Christian Thiel

Regieren im Osten Berlins - Für Marzahn-Hellersdorf macht Dagmar Pohle bis 2021 weiter

40 Jahre wird Marzahn jetzt alt und hat eine ganze Reihe von Problemen: Viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen, es gibt zu wenige Fachkräfte. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle will weiter gegenhalten. Dafür geht sie sogar später in Rente. Von Sylvia Tiegs

Dagmar Pohle sitzt frisch operiert im Krankenhausbett, mit neuem Kniegelenk. Warum ruht sie sich nicht aus? "Ich bin ja nicht am Kopf operiert", lacht sie. Außerdem: "Der Bezirk liegt mir sehr am Herzen. Ich lebe jetzt seit 1978 hier, habe viele Höhen und Tiefen der Entwicklung miterlebt."

"Ein sehr dynamischer Bezirk"

Pohle hat den Bezirk mitgestaltet - erst als Stadträtin und jetzt, schon zum zweiten Mal, als Bezirksbürgermeisterin. "Marzahn-Hellersdorf ist ein sehr dynamischer Bezirk", sagt die Linken-Politikerin und erinnert sich an die Ursprünge. Als die DDR-Behörden in den 70er-Jahren entschieden, auf ehemaligen Rieselfeldern und landschaftlichen Flächen Plattenbauten zu errichten, ging die alte Dorfstruktur in einem Neubaugebiet auf.

Aktuell leben rund 270.000 Einwohner im jüngsten aller Berliner Bezirke, der neben Marzahn und Hellersdorf noch die Ortsteile Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf umfasst. Während die Gegend dort von Einfamilienhäusern bestimmt wird, beherrschen in Hellersdorf und Marzahn riesige Plattenbau-Siedlungen die Szenerie.

Viele alte Menschen gibt es inzwischen - und viele Bedürftige. 80 Prozent der Menschen lebten in der Großsiedlung, sagt Pohle - mit relativ geringen Durchschnittsmieten. Das führe dazu, dass es viele Menschen gebe, die zwar erwerbstätig sind, aber Wohngeld oder Leistungen vom Jobcenter beziehen. Auch viele Kinder würden in relativer Armut leben, ergänzt die Linken-Politikerin. 

Marzahn fehlen die Fachkräfte

Das führe für den Bezirk auch zu Kosten - etwa in der Familienhilfe. Aber die sozialen Probleme sind nicht die größte Sorge von Dagmar Pohle. Auch die starke AfD oder die Rechten sind es nicht - vielmehr bedrückt sie der Fachkräftemangel. "Wir müssen uns ganz viel einfallen lassen - etwa für die Baubereiche Fachleute zu gewinnen, Ärztinnen und Ärzte für das Gesundheitsamt. Wenn uns das nicht gelingt, wäre es ein großer Flop."

Noch vier Millionen Euro Schulden

Denn gerade Marzahn-Hellersdorf brauche eine gut funktionierende Verwaltung - für seine Bürger, und die Infrastruktur. Auch Straßen und Gebäude sind in die Jahre gekommen. Außerdem müsse der Bezirk Schulden abbauen - noch vier Millionen Euro. Das will Pohle schaffen. Dafür verzichtet sie auf die Rente im April - und macht weiter bis 2021.

Trotz aller Herausforderungen macht ihr das Regieren am östlichen Berliner Stadtrand noch immer Spaß: "Das ist eben auch das Spannende an dem Bezirk. Es ist heute nicht so, wie es gestern war und morgen nicht so, wie es heute ist."

Sendung: 03.01.2018, Inforadio, 7.00 Uhr

Beitrag von Sylvia Tiegs

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