Blick in den Innenraum der St.-Hedwigs-Kathedraleam 28.10.2013 (Bild: imago/Sabine Gudath)
Video: Abendschau | 09.01.2018 | Norbert Siegmund | Bild: imago-Archivbild/Sabine Gudath

Fehlende Klagebefugnis - Gericht weist Klage gegen Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale ab

Die Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale ist bereits für den geplanten Umbau geschlossen - allerdings sind gegen diesen Umbau noch Klagen anhängig. Eine davon wurde am Mittwoch vom Verwaltungsgericht Berlin abgewiesen.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat eine Klage gegen die denkmalrechtliche Genehmigung für den gepanten Umbau der St. Hedwig-Kathedrale abgewiesen. Der Richter begründete das mit der fehlenden Klagebefugnis der Kläger. 

Gegen die Pläne des Erzbistums und die entsprechende Baugenehmigung des Bezirks Mitte hatten ein Künstler, der am Wiederaufbau beteiligt war, sowie vier Rechtsnachfolger anderer beteiligter Künstler geklagt.Der Kuppelbau war im Zweiten Weltkrieg zerstört und ab 1952 wieder aufgebaut worden.

Der Richter erklärte, das Denkmalschutzgesetz schütze die Interessen des Staates, nicht aber die von beteiligten Künstlern. Die Kläger könnten aber Unterlassungsklage bei einem Zivilgericht einreichen, um dort mögliche Urheberrechtsverletzungen geltend zu machen. Eine solche liege bereits beim Berliner Landgericht vor.

Einer der Klägeranwälte kündigte an, gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts in Berufung zu gehen.

Umbaugegner wollen Bodenöffnung erhalten

Die Kritik der Kläger richtet sich vor allem dagegen, dass beim Umbau die zentrale Bodenöffnung mit der Treppe zur Unterkirche geschlossen und der Altar ins Zentrum der Kirche gerückt werden soll. Dadurch werde das Urheberrecht des Architekten für den Wiederaufbau, Hans Schwippert (1899-1973), und mehrerer Künstler verletzt, so die Kläger.

Schwippert hatte die Öffnung im Boden geschaffen, um die enge Verbindung der Gottesdienstgemeinde mit ihren verstorbenen Bischöfen zu symbolisieren, deren Gräber sich in der Krypta im Untergeschoss befinden.

Umbau gegen Denkmalschutzbedenken

Zum Inhalt der Klagen gegen das Land, vertreten durch das Bezirksamt Berlin-Mitte, hieß es im September 2018, die Untere Denkmalschutzbehörde habe auf Weisung von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) die Umbaupläne gegen Bedenken des Landesdenkmalamtes genehmigt. Lederer hatte argumentiert, die Kirche führe liturgische Gründe für die Veränderungen an, bei denen sich der Staat zurückhalten müsse. Der Kultursenator selbst hatte sich wiederholt für den Erhalt des von Hans Schwippert gestalteten Innenraums ausgesprochen.

Die Auseinandersetzung um den Umbau der Hedwigs-Kathedrale wird seit Jahren geführt. Die Idee, die Kathedrale nicht nur zu sanieren, sondern grundlegend umzugestalten, geht auf den Vorgänger des aktuellen Berlinerr Erzbischofs Heiner Koch, Rainer Maria Kardinal Woelki zurück. Er hatte einen Architektenentwurf ausgerufen, dessen Sieger 2014 der Entwurf des Büros Sichau und Walter Architekten aus Fulda wurde. Er rückt den Altar ins Zentrum der Kirche.

Denkmalschützer: Umbau "tragisch"

Umbau-Befürworter kritisieren die Öffnung zur Unterkirche als Zweiteilung der Gottesdienstgemeinde, die zudem von den Priestern auf Abstand gehalten werde. Die aktuelle Gestaltung entspreche außerdem nicht den liturgischen Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, begründet Erzbischof Koch seine Entscheidung für einen Umbau. Danach müsse man zum Beispiel den Altar umschreiten können.

Die Gegner des Umbaus, die sich in der Initiative "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale" organisiert hatten, argumentierten, die Nachkriegsfassung des Innenraums sei ein einzigartiges Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte in der Epoche der Spaltung und des Kalten Krieges. Zahlreiche Katholiken, die die Kathedrale noch aus DDR-Zeiten kennen, sehen den Umbau kritisch.

Die Denkmalschützer argumentierten, die geplante massive Veränderung des Innenraums der Kathedrale sei "tragisch", weil dabei eine "vollständige Zeitschicht" verloren gehen werde. Die Verfassung sehe jedoch vor, dass die Bestimmung der gottesdienstlichen Belange allein durch die Kirche erfolge. 

Kathedrale ist seit September geschlossen

Bei dem geplanten Umbau von Berlins katholischer Hauptkirche sollen neben einem veränderten Altar auch Fenster ersetzt und Dekorationen verändert werden. Die Kosten für die Renovierung der Kirche und des benachbarten Lichtenberg-Hauses werden auf rund 60 Millionen Euro beziffert. Seit September 2018 ist die Kathedrale wegen Renovierung und Umbau für voraussichtlich fünf Jahre geschlossen. Die Gottesdienste finden währenddessen in der Kirche St. Joseph in Berlin-Wedding statt.

Sendung: Inforadio, 09.01.2018, 14:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

2 Kommentare

  1. 2.

    Vernünftige Entscheidung. Wo führt das hin, wenn an der Innengestaltung von Gebäuden beteiligte Architekten, Innenarchitekten, Künstler und gar deren "Rechtsnachfolger" mit Verweis auf das Urheberrecht noch Jahrzehnte später bauliche Veränderungen verhindern können? Hoffentlich sieht es das Zivilgericht auch so.

  2. 1.

    § 1 Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin (Denkmalschutzgesetz Berlin - DSchG Bln): "Es ist Aufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege, Denkmale nach Maßgabe dieses Gesetzes zu schützen, zu erhalten, zu pflegen, wissenschaftlich zu erforschen und den Denkmalgedanken und das Wissen über Denkmale zu verbreiten." http://gesetze.berlin.de/jportal/?quelle=jlink&query=DSchG+BE&psml=bsbeprod.psml&max=true&aiz=true

Das könnte Sie auch interessieren