Symbolbild - Blick durch ein Geschwindigkeitsmessgerät (Bild: imago)
Audio: Inforadio | 14.01.2019 | Holger Hansen | Bild: imago

Seit Gesetzverschärfung 2017 - In Berlin laufen mehr als 400 Strafverfahren gegen Raser

Immer wieder erwischt die Berliner Polizei Auto-Raser mit überhöhter Geschwindigkeit. Seit Oktober 2017 gibt es dafür härtere Strafen - und seitdem steigt die Zahl der Strafverfahren: Allein in diesem Jahr sind schon elf Fälle eingegangen.

Wegen illegaler Autorennen laufen seit der Strafverschärfung im Oktober 2017 in Berlin rund 420 Strafverfahren. Das teilte die Justizverwaltung dem rbb am Montag auf Anfrage mit. Allein im neuen Jahr sind schon elf neue Ermittlungsverfahren bei der Amtsanwaltschaft eingegangen.

Ermittelt wird sowohl gegen Teilnehmer an illegalen Wettrennen als auch gegen Alleinraser. Die Zahlen zeigten, dass die Berliner Strafverfolgungsbehörden entschieden gegen Raser vorgingen, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). In 25 Fällen gab es seitdem bereits rechtskräftige Verurteilungen.

Haftstrafen von bis zu zehn Jahren möglich

Mitte Oktober 2017 war der Paragraf 315 im Strafgesetzbuch neu geregelt worden. Danach können nun nicht erlaubte Kraftfahrzeugrennen mit mehrjährigen Freiheitsstrafen geahndet werden. Bisher gab es für diesen Stratatbestand lediglich ein Bußgeld von bis zu 400 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot.  

Eine fünfjährige Haftstrafe können diejenigen erwarten, die bei einem illegalen Rennen andere Menschen oder bedeutende Wertgegenstände gefährden. Wenn bei illegalen Straßenrennen Personen ums Leben kommen oder schwer verletzt werden, drohen den Rasern in Zukunft sogar Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Bislang wurden solche Unfälle in der Regel als fahrlässige Tötung mit einer möglichen Höchststrafe von fünf Jahren Haft eingestuft.

Darüber hinaus können die Fahrzeuge der Teilnehmer gleich vor Ort konfisziert und ein zwölfmonatiges Fahrverbot erteilt werden.

Mehrere Todesfälle nach Autorennen

Anlass für die Veränderung des Gesetzes waren mehrere Todesfälle nach illegalen Autorennen. In Berlin hatte vor allem ein Prozess für Aufsehen gesorgt: Zwei Männer hatten sich mitten in der Stadt ein Autorennen geliefert, bei dem ein Unbeteiligter zu Tode kam. Die beiden sogenannten "Ku'damm-Raser" wurden erstmals in einem solchen Fall wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Das Mord-Urteil gegen die mutmaßlichen Täter wurde allerdings vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Der Fall wird derzeit am Berliner Landgericht zum dritten Mal neu aufgerollt.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Im Grunde genommen sind die bezeichneten Rasern die Spitze des berühmt-berüchtigten Eisbergs. Charaktere, die sich nassforsch über sämtliche wohlformulierte Regeln hinwegsetzen, während es faktisch "Allgemeingut" geworden ist, forsch die Regeln beiseite zu lassen. MIt anderen Worten: sie als gegen sich gerichtet zu betrachten.

    Die bezeichneten Rasern glauben, sich eine Welt nach eigenem Gusto zu schaffen, während andere gemäß ihrer eigenen Spielregeln mitzuspielen hätten. Diejenigen, die etwas darunter bleiben, sind schon "in der Welt", sprechen sich aber das Vermögen zu, eigenmächtig zwischen sinnvollen und sinnlosen Regeln zu unterscheiden. Letztere sind immer die, die einem an der Fahrt "hindern".

    Ohne "Unterbau" wäre auch die Zahl der Raser kleiner. Wie genannt in der Schweiz und Österreich.
    Mit 55 statt mit 30 km/h durch die Wohnstraße? -> Einziehung des Tatwerkzeugs.

  2. 4.

    Hier hilft meines Erachtens nur:
    1. Auto beschlagnehmen
    2. Führerschein auf Lebenszeit weg
    3. Höchststrafe wie es das Gesetz vorschreibt
    Auch sollte die Polizei mal in der Kantstrasse blitzen, hier hält sich kein Mensch an die Geschwindigkeit.

  3. 3.

    Bei den Leasing finde ich die Reglung auch etwas merkwürdig. Das Auto wird dort nicht eingezogen, d.h. wenn ich rasen will, sollte man leasen.

  4. 2.

    Ich bin für das Schweizer Modell, Autos einziehen, auch bei leasing, private versteigern und gleich für die Gerichtskosten heranziehen. Autos werden beim Rasen als Waffe benutzt, also weg damit. Gute schweizer Rechtssprechung: Damit der "Beschuldigte durch die Beschlagnahme von weiterem krassem Fehlverhalten abgehalten werden könne. "

  5. 1.

    Hoffentlich bekommen alle eine gerechte Strafe.
    Meines Erachtens kann zu schnelles Fahren gerne deutlich höher, besonders finanziell und mit Fahrverboten bestraft werden. Gerne können auch noch mehr "Blitzer" aufgestellt werden. Und wer hier von "Abzocke durch den Staat" spricht, gibt es eine einfache Lösung: Einfach an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit halten und schon flattert kein Ticket ins Haus.
    Außerdem sollten die Gerichte personell aufgestockt werden und zwar in allen Bereichen. So können Strafen den Taten auf dem Fuße folgen.

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