Blick auf eine stehende Bahn U2 am Bahnhof Zoo. Wegen Bauarbeiten sind die Linien U2 und U3 für mehrere Wochen unterbrochen. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
dpa/Jörg Carstensen
Video: rbb|24 | Tobias Goltz | 04.01.2019 | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Wochenlange Bauarbeiten an der U2, U3 und U7 in Berlin - Chaos bleibt aus am ersten Tag der U-Bahn-Sperrungen

Trotz Sperrungen ist der U-Bahnverkehr in Berlin am Freitagmorgen ohne Probleme angelaufen. Die U2, U3 und U7 fahren wegen Bauarbeiten nur auf Teilen ihrer Strecke. Weil es für U2 und U3 keinen Ersatzverkehr gibt, war eine Überlastung der U1 befürchtet worden.

Teile der U-Bahn-Linien U2 und U3 sind seit Freitag für mehrere Wochen außer Betrieb. Grund sind laut den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) Bauarbeiten an den Weichen am U-Bahnhof Wittenbergplatz.

Weil es keinen Ersatzverkehr gibt, war befürchtet worden, dass die teilweise parallel zur U2 und U3 verlaufende U1 überfüllt sein würde. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe mitteilten, fuhren die Züge der U1 aber in voller Länge und pünktlich im Vier-Minuten-Takt. Viele Fahrgäste waren schon vorab über die Sperrungen informiert und nutzten Umfahrungen. Fahrgäste, die von der Sperrung überrascht wurden, versorgten Schilder und BVG-Mitarbeiter mit Informationen - und am Bahnhof Zoo sogar mit Kuchen. 

Die U-Bahn-Sperrungen im Überblick:

Bauphase 1: Sperrungen vom 4. Januar bis 24. Februar

  • U2 Gleisdreieck – Zoologischer Garten
  • U3 Warschauer Straße – Spichernstraße  
  • U7 Grenzallee – Britz Süd

Bauphase 2: Sperrungen vom 25. Februar bis 3. März

  • U1 Uhlandstraße – Gleisdreieck
  • U3 Warschauer Straße – Spichernstraße
  • U7 Grenzallee – Britz Süd

Bauphase 3: Sperrungen vom 10. März bis 6. Juni

  • U1 Uhlandstraße – Gleisdreieck

Keine Ersatzbusse für die U3

In der ersten Phase der Arbeiten (4. Januar bis 24. Februar) fährt die U2 nicht zwischen Zoo und Gleisdreieck. Die U3 verkehrt nicht zwischen Spichern- und Warschauer Straße. Ersatzbusse sind in dieser Zeit nicht im Einsatz.

Die Fahrgäste sollen die Baustelle mit anderen U-Bahn-Linien umfahren, empfiehlt die BVG. Sie kämen so schneller voran als mit Bussen. Die BVG verweist auf die U-Bahn-Linie U1, die zwischen Gleisdreieck und Kurfürstendamm teils parallel zur U2- und zur U3-Strecke verläuft. Die U-Bahnhöfe Bülowstraße und Augsburger Straße werden jedoch nicht bedient.

Umfahrung der U_Bahnlinien U2 und U3 vom 04.01.2019 - 24.02.2019 (Quelle: rbb|24)
| Bild: rbb|24

An der Entscheidung, keine Ersatzbusse einzusetzen, hatte es heftige Kritik gegeben. BVG-Bauchef Michael Kutscher hatte Mitte Dezember im rbb gesagt, ein Schienenersatzverkehr sei schwierig zu realisieren - wegen zu starken Verkehrsaufkommens und "auch wegen der Sperrungen, die in der City West an der Stelle sowieso immer sind". 

Doch auch mit der vorgeschlagenen Umfahrung verlängert sich die Fahrtzeit zum Teil erheblich: Auf der Strecke zwischen den U2-Bahnhöfen Ruhleben und Pankow sind jetzt bis zu drei Umstiege nötig, genauso viele zwischen den U3-Bahnhöfen Krumme Lanke und Warschauer Straße.

Wer am U-Bahnhof Spichernstraße von der U3 auf die U9 wechseln will, muss zudem einen längeren Fußweg in Kauf nehmen. Hier wird bis 2020 ein neuer Aufzug eingebaut.

Ab Ende Februar auch U1 betroffen

Die BVG hatte die Arbeiten mit der großen Belastung des Weichensystems am Wittenbergplatz begründet. Die Weichen seien das Herzstück des Kleinprofil-Netzes, über das in der Hauptverkehrszeit pro Richtung und Stunde rund 40 Züge den Abschnitt passierten.

In der zweiten Phase der Erneuerungsarbeiten (25. Februar bis 3. März) muss dann auch die U1 teilweise pausieren: von Uhlandstraße bis Gleisdreieck. Die U3 fährt auch in dieser Phase nicht von Spichern- bis Warschauer Straße. 

In einer dritten Bauphase (10. März bis zum 6. Juni 2019) wird zudem noch der Tunnel am Bahnhof Wittenbergplatz saniert. Die U1 bleibt unterbrochen. U2 und U3 fahren in dieser Zeit wie gewohnt. Die Arbeiten finden laut BVG ausschließlich in den Abend- und Nachtstunden statt, um die Auswirkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. 

U7 für zwei Monate unterbrochen

Eine Möglichkeit, die Baustelle am Wittenbergplatz zu umfahren, ist die U7. Allerdings ist auch sie seit Freitag für zwei Monate auf dem südlichen Teil ihrer Strecke wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt: zwischen den Bahnhöfen Grenzallee und Britz-Süd.

Grund für die Unterbrechung ist, dass zwischen den Bahnhöfen Blaschkoallee und Parchimer Allee mit Schadstoffen belastete Faserplatten entfernt werden. Für die U7 gibt es einen Bus-Ersatzverkehr. Die BVG verteilte in den vergangenen Tagen Flyer an Fahrgäste auf den betroffenen U-Bahnhöfen.

U7 Ersatzverkehr mit Bussen vom 04.01.2018 - 03.03.2019. (Quelle: rbb|24)

Auch bei der S-Bahn gibt es parallel Einschränkungen

Bei der Berliner S-Bahn stehen im Januar Reparaturarbeiten im Nord-Süd-Tunnel an. Deshalb fahren an den kommenden beiden Wochenenden keine Züge zwischen Yorckstraße und Gesundbrunnen. Betroffen sind die Linien S1, S2, S25 und S26. Als Ersatz fahren Busse. Außerdem empfiehlt die S-Bahn zur Umfahrung die Ringbahnlinien oder die U-Bahn. Die Sperrungen beginnen jeweils am Freitagabend um 22 Uhr und dauern bis Montagmorgen um 1.30 Uhr.

Ab Ende 2019 weitere Großprojekte

Weitere Bauprojekte hat die BVG bereits angekündigt: So soll im Herbst 2019 an der südlichen U6 für rund vier Monate gearbeitet werden. 2020 folgt dann die Sanierung mehrerer Bauwerke an der U1 und im Jahr 2021 die Sanierung des 60 Jahre alten Bahndamms der nördlichen U6. Diese Maßnahmen seien "notwendig, damit wir in der wachsenden Stadt von morgen noch leistungsfähiger als heute sind", sagte BVG-Bauchef Michael Kutscher. 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

19 Kommentare

  1. 18.

    Nicht nur so Dahinschreiben, sondern versuchen Sie es doch mal schwarz zu fahren. Werden Sie erwischt, müssen Sie lediglich ein Bußgeld in kurzer Zeit entrichten, nicht mehr und nicht weniger. Tun Sie es nicht, wird’s richtig teuer.

  2. 17.

    Und ich bedanke mich für mein BVG Abo. Kommt wesentlich preisgünstiger und streßfreier als solch Einzeltickets. Aber vermutlich sind Sie ein Autofahrer?

  3. 16.

    Eine echt „ coole“ Antwort. Danke. Sehe ich genauso. Und @ Luise: auch Ihren Beitrag (1)stimme ich zu. Nicht boß Ziegen meckern;-)

  4. 15.

    U 7 ist mit Entfernung von Faserplatten etwa Asbest gemeint?

  5. 13.

    Voll wird erst ab nächsten Montag nach den Schulferien, wenn der Berufsverkehr wieder regulär anläuft.

    Leute Leute, Ihr habt Probleme: Was wollt Ihr? Einen halbwegs funktionierenden ÖPNV in Berlin (inkl. Baustellen, Sperrungen und Wartungsarbeiten) oder irgendwann gar keinen ÖPNV, weil alles kaputt ist???

    Ja, es ist lästig aber NOTWENDIG, Augen zu und durch...Alles wird gut !!!

  6. 12.

    Wundert mich nicht, sind ja schließlich noch Ferien... schauen wir mal was kommenden Montag passieren wird.

  7. 11.

    wenn die BVG den Auftrag an eine chinesische Firma vergeben hätte, hätten die den Wechsel der aus sieben Weichen bestehenden Gleisverbindung am Wittenbergplatz (lt. InfoRadio-Nachrichten vom 04.01. 6:00) wahrscheinlich mit eigenem Personal in der nächtlichen Betriebsruhe durchgeführt.

  8. 9.

    Mir ist nicht ganz klar, wie beim rbb gerechnet wird. Nach meiner Rechnung ist eine Sperrung der U7 von 2 Monaten keine vierwöchige Sperrung??!!
    Oder habe ich da was falsch verstanden?

  9. 8.

    Nichts dagegen zu sagen, wenn gebaut wird. Nur ist in Berlin wenn man damit anfängt kein Ende absehbar.
    Der U Bhf. Schloßstr. Linie 9. angefangen mit einer kaputten Rolltreppe die mindestens seit fünf Jahren nicht repariert wurde, mit dem Argument der BVG nach Anfrage wird dieser Bahnhof demnächst saniert.
    Mittlerweile wird er saniert. Der eine Zugang wurde unten im Bahnhof dicht gemacht, dort wo die Rolltreppe nicht funktioniert, zum Umstieg aufs andere Gleis. Alte Leute und Mütter mit Kinderwagen können doch gefälligst selber sehen wie sie dort hinkommen. Glanzleistung.
    Der Bahnhof wird gekrönt in der Mitteletage mit offenen herunter hängenden Stromkabeln. Zum anfassen und greifen nah.

  10. 7.

    Sehr schön. Dafür, dass das Angebot deutlich eingeschränkt, also weniger Leistung erbracht wird als vereinbart, erhalten die treuen Stammkunden dann doch sicher einen angemessenen Nachlass auf ihre Zahlungen für Januar und Februar?

    Oder darf ich in dieser Zeit einfach mal ohne Fahrschein unterwegs sein, ohne mich - nach Ansicht gewisser Zeitgenossen - eines der schwersten denkbaren Kapitalverbrechen schuldig zu machen?

    Ich weiß auch schon, was ich sagen würde, sollte ich fahrscheinlos in eine Kontrolle geraten: "Sie müssen sich darauf einstellen. Ich danke für Ihr Verständnis."

  11. 6.

    @Luise (Nr. 1): Genau so ist es! Meine Meinung: In Berlin kommt man nämlich immer überall hin, auch wenn es mal nicht die gewohnten Wege sind. Als ÖPNV-Nutzer (ischabegarkeinauto), weiß ich mir immer zu helfen und mich zu informieren.

    Und @Reiny (Nr. 3): Wer nicht ganz so internetafin ist - da gibt es in Bus, U- und Straßenbahn so kleine gelbe Körbchen. Da stecken die kleinen Heftchen "BVGplus" drin. Und im "NAVI 01/19", auf den Seiten 39 und 40 ist alles Wissenswerte zu den Sperrungen erklärt.
    Gute Fahrt!

  12. 5.

    Musste gerade laut lachen. Nein, das schreibt nicht die TITANIC.
    Bin ich froh, dass ich kein BVG-Abo habe.

  13. 4.

    Berlin is, wenn es an der Spichernstrasse ein Jahr dauern soll, einen Aufzug fuer einen Hoehenunterschied von 5 m einzubauen - der dann 20% der Zeit sowieso nicht fahren wird, weil die Technik wenig taugt. Berlin is, wenn am Friedrich-Wilhelm-Pl seit unzaehligen Monaten mehrere Zugaenge zu sind, aber ebenso lange NULL Fortgang der Arbeiten erkennbar ist.... So, wie auf hunderten anderer Baustellen in der Stadt: Egal ob Verkehrs- oder andere Projekte. Daran hat man sich mittlerweile schon so gewoehnt, dass man oft gar nicht mehr merkt, wie unfassbar lange an manchen Stellen schon "gebaut" wird. Jahre bis Jahzehnte! Ursachen? Eine sprichwoertlich lahme Verwaltung sowie Handwerker und Bauarbeiter, die offenbar nicht immer zu den allerkompetentesten gehoeren. Wer da nicht meckert, hat entweder keinen Job, zu dem er frueh um sieben antanzen muss, hat einen sehr guten Yogalehrer - oder er hat schlicht resigniert vor dem, was Berlin leider auch ist: ganz unsexy traege und selbstherrlich.

  14. 3.

    Danke für die Info nur, WARUM hat die BVG diese Meldung noch immer nicht auf Ihrer Internet Seite ? Denke zu Ostern steht es dann drin.

  15. 1.

    So ist es in Berlin: alle meckern.
    Sie meckern, wenn die Bahn nicht fährt, wenn die Gleise repariert werden, wenn der Ersatzbus im Stau stecken bleibt.
    Statt sich zu informieren, wie, wann und womit die Strecke umfahren werden kann, stehen sie am Freitag wieder da und meckern. Und am Abend bringt der RBB wieder eine Sondersendung. Und was werden wir da wieder sehen? Meckernde Berliner Bürger, die völlig überrascht über die seit Tagen angekündigten Bauarbeiten, meckern.
    Dit iss Bärlin.

Das könnte Sie auch interessieren