Ein Mitarbeiter der Spurensicherung schaut auf Spuren in Berlin im Bezirk Wedding am 26.12.2015 (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Bild: dpa

BGH lässt Revision zu - Tödlicher Streit von Berliner Großfamilien wird neu aufgerollt

Nach einem blutigen Streit zweier Großfamilien vor drei Jahren in Berlin, bei dem ein Mann starb und drei weitere schwer verletzt wurden, müssen die Hauptangeklagten mit einer Verschärfung ihrer Haftstrafen rechnen. Die drei Männer waren wegen Totschlags sowie versuchten Totschlags verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen erfolgreich Revision eingelegt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hält es für möglich, dass die Taten aus niedrigen Beweggründen begangen wurden und damit als Mord zu werten sind, wie aus seinem am Dienstag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Der Prozess muss nun zum Teil neu aufgerollt werden.

"Besonders verachtenswerte Form der Selbstjustiz"

Die jahrzehntelang gut befreundeten Familien waren Ende 2015 in Streit geraten. Über Beleidigungen und Tätlichkeiten schaukelte sich der Konflikt hoch, bis ein Treffen zur Klärung in einem Café in Berlin-Wedding vereinbart wurde. Dort kam es am zweiten Weihnachtsfeiertag zur Eskalation: Ein Mann verblutete nach einem Messerstich in den Rücken und einem Bauchschuss, drei weitere Männer wurden lebensgefährlich verletzt.

2017 hatte das Landgericht Berlin drei damals 44, 43 und 23 Jahre alte Männer zu Haftstrafen von 13 Jahren, elf Jahren sowie sieben Jahren und sieben Monaten verurteilt - rechtsfehlerhaft, wie nun der fünfte Strafsenat des BGH in Leipzig entschied. Das Auslöschen von Menschenleben sei möglicherweise nicht als Reaktion auf die erlittene Schmach, sondern als "besonders verachtenswerte Form der Selbstjustiz" zu bewerten. Die Revisionen der Angeklagten und mehrerer Nebenkläger wurden verworfen.

Sendung: radioBerlin 88,8 | 08.01.2018 | 15 Uhr

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