Ein Feuerwehrmann steht nach einem Unfall an einem beschädigten Polizeiauto. Quelle: dpa/Maurizio Gambarini
Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Alkohol-Verdacht nach tödlichem Unfall - Grüne befragen Innensenator Geisel zum Fall Fabien M.

Ein Polizeiauto rast in einen Kleinwagen, die 21-Jährige Fabien M. kommt bei dem Unfall ums Leben. Ein Jahr später stellt sich heraus, dass der Polizist am Steuer möglicherweise betrunken war. Nun soll Berlins Innensenator offene Fragen im Fall Fabien M. beantworten. 

Im Fall der bei einem Unfall mit einem möglicherweise betrunkenen Polizisten getöteten Fabien M. wollen die Grünen Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am 18. Februar im Innenausschuss befragen.

Die Partei habe die einen Katalog mit acht offenen Fragen eingereicht, sagte Benedikt Lux, Innenexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, am Montag dem rbb. Neben der Innenverwaltung fordern die Grünen die Senatsverwaltungen Verkehr und Justiz zu Stellungnahmen auf.

Mit ihren Fragen fordern die Grünen unter anderem Auskunft über Temporegeln, die bei Eilfahrten der Polizei und Feuerwehr gelten. Der Innensenator soll erklären, wie schnell Einsatzkräfte insbesondere bei dichtem Verkehr fahren dürfen.

Warum wurde die Alkoholisierung nicht früher erkannt?

Die 21-jährige Fabien M. aus Reinickendorf war im Januar 2018 auf der Grunerstraße in Berlin-Mitte getötet worden, als ein Polizeiauto mit 93 Stundenkilometern in ihren Kleinwagen krachte. Die beiden Polizisten waren unterwegs zum Potsdamer Platz, von wo aus ein Raubüberfall gemeldet worden war - das stellte sich später als falscher Alarm heraus. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Fahrer des Polizeiautos, Hauptkommissar Peter G., alkoholisiert gewesen sein soll. Er hatte dem Ergebnis einer Blutabnahme in der Charité zufolge 1,1 Promille Alkohol im Blut.

Unklar ist bis heute, warum die mutmaßliche Alkoholisierung des verdächtigen Hauptkommissars nicht früher erkannt wurde. Da er erst später in der Charité vernommen wurde, ist ungewiss, ob er auch am Steuer des Polizeiwagens betrunken war. "Es darf nicht der Anschein erweckt werden, gegen Polizisten als Tatverdächtige werde nachlässig ermittelt und erst nach anonymen Hinweisen erforderliche Ermittlungsschritte eingeleitet", sagte Lux dem rbb. Zu Unklarheiten wie diese fordern die Grünen nun eine Stellungnahme. 

Ermittlungen dauerten ungewöhnlich lang

Eine andere Frage an den Innenausschuss ist, weshalb die Ermittlungen erst so spät abgeschlossen wurden und welche Schritte zur polizeiinternen Aufklärung und Kommunikation des Vorfalls unternommen wurden. Aufgrund der vielen offenen Fragen hatten die Eltern von Fabien M. den Ermittlungsbehörden in der vorigen Woche unter anderem schleppende und einseitige Ermittlungen sowie fehlende Transparenz vorgeworfen. "Die Angehörigen haben das Recht auf Aufklärung und Antworten auf all ihre Fragen", betonte Lux.

Der Anwalt der Familie, Matthias Hardt, sagte dem rbb, der Fahrer sei "objektiv nicht in der Lage" gewesen, das Fahrzeug zu führen. Er habe unter Alkoholeinfluss gestanden, sei mit einer Geschwindigkeit von 136 Stundenkilometern aus dem Tunnel in der Grunerstraße gefahren und habe dann zu spät abgebremst. Das alles entspreche in keiner Weise den Dienstvorschriften, so Hardt. 

Polizisten wurden sofort in die Klinik gefahren

Die beiden Polizisten seien nach dem Unfall nicht vor Ort befragt, sondern gleich ins Krankenhaus gefahren worden. Es sei auch keine Beweisaufnahme am Unfallort erfolgt.

Eigentlich standen die Ermittlungen zu dem Fall bereits im vergangenen Herbst vor dem Abschluss. Dann aber habe die Nebenklagevertretung anonyme Hinweise bekommen, die an die Ermittlungsbehörde weitergegeben wurden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin, Silke Becker rbb|24. Daraufhin beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Patientenakten, aus denen hervorgehe, dass der Fahrer zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Krankenhaus alkoholisiert war.

Gegen den Hauptkommissar wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, wegen der neuen Hinweise nun außerdem wegen Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit am Steuer.

Sendung: Abendschau, 11.02.2019, 19.30 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Langsam nerven diese pauschalen Unterstellungen und Diffamierungen. Vlt. sollte hier jeder mal mit seiner Adresse posten, damit man ggf. wegen übler Nachrede ermitteln kann. Rechtsempfinden in allen Ehren, aber hier geht es um die Aufklärung eines Einzelfalles. Basta.

  2. 13.

    Nein Jens, der Fall "Teltow" ist nicht geklärt. Die sich völlig regelkonform verhaltenden Geschädigten sind nun tot. Wie Fabien M. Bedauerliche Einzelfälle? Jeder UNNÜTZE = vermeidbare Tod ist ein Tod zu viel. Ich jammere im Übrigen nicht über zu spät eintreffende Krankenwagen oder Polizeibeamte - wenn ich im Gegenzug dazu nicht von selbigen vorher totgefahren werde!

  3. 12.

    Ich schaue kein TV. Ich fahre morgens von Zdorf nach Nkölln und abends zurück. Zur Hauptverkehrszeit. Stunde später ist meist nix mehr los...

  4. 11.

    Sie meinen man solle das der Justiz überlassen, die es seit einem Jahr versäumt hat korrekt zu ermitteln?

    Außerdem kann ich nicht sehen wo Schan die Polizei als ganzes (vor-)verurteilt hat. Da hilft es auch nicht darauf hinzuweisen dass wie alle mal auf schnelle Hilfe angewiesen sein können. Ich kann auch keine unbelegte Behauptungen und Verallgemeinerungen entdecken.

    Die Trunkenfahrt, sollte sich der Verdacht bestätigen, ist schlimm genug. Alkoholismus ist eine Krankheit, die der Betroffene oft von sich weist. Hier steht aber der Verdacht im Raum dass Kollegen nicht korrekt ermittelt haben. Sollte sich der Verdacht bestätigen wäre das der eigentliche Skandal.

  5. 10.

    Leider verhält es sich meist genau anderes herum. Was sie zu "gesellschaftliche Unzulänglichkeiten" hochstilisieren wollen sind tatsächlich Einzelfälle.

    Ich möchte stark hoffen dass, sollte es sich bewahrheiten, betrunkene Polizisten alles Einzelfälle sind, was hier aber andauernd vergessen wird ist der eigentliche Skandal, dass sich vermutlich Kollegen falsch verhalten haben um den betroffenen Polizisten zu schützen. Das nennt man Korpsgeist. Diese falsche Solidarität muß thematisiert werden, da solche immer wiederkehrenden Vorkomnisse nicht akzeptabel sind und mit unserer Demokratie unvereinbar sind.

  6. 9.

    Vielleicht überlassen Sie es einfach mal der Justiz, den Sachverhalt korrekt zu würdigen, statt unbelegte Behauptungen und Verallgemeinerungen kundzutun? Wenn Sie mal Hilfe brauchen, werden Sie über jede Sekunde froh sein, die nicht bis zum Eintreffen der Rettungskräfte verstreicht. Da werden Sekunden zur gefühlten Ewigkeit. Einfach mal im Kopf behalten!
    Die Einsatzkräfte stehen immer im Zwiespalt, einerseits möglichst schnell vor Ort sein zu müssen, andererseits aber weder sich noch andere dabei übermäßig zu gefährden. Jede einzelne Blaulichtfahrt birgt ein enormes Risiko. Das gehen die Rettungskräfte gewiss nicht ein, um einen Adrenalinkick zu bekommen. Dass in diesem Fall Alkohol im Spiel gewesen sein könnte, ist schlimm genug, wird untersucht und -sofern es sich bestätigt- auch geahndet werden. Deshalb braucht man nicht eine ganze Berufsgruppe pauschal vorverurteilen, die nur all zu oft ihr eigenes Leben für uns Bürger aufs Spiel setzt, um zu helfen.

  7. 8.

    Wenn ich mich über gesellschaftliche Unzulänglichkeiten aufrege, höre ich immer etwas von "Bedauerlichen Einzelfällen".
    Jetzt gibt es mal einen Bedauerlichen Einzelfall und der Mann gehört vor Gericht und rechtsstaatlich bestraft, gegebenenfalls aus dem Dienst entfernt.
    Leider häuften sich in der letzten Zeit Meldungen über Missstände bei der Polizei. Die Masse der Polizisten versieht meiner Meinung nach korrekten Dienst für unser Land und genießt mein Vertrauen. Im Gegensatz zu einem Teil der Justiz und Politik.


  8. 7.

    Nur die Partei der Grünen besitzt parlamentarischen Klärungsbedarf. Ansonsten Kongruenz?

  9. 6.

    Sehr interessant... Wir sollen also froh sein, dass es überhaupt Polizisten gibt. Und wenn dann mal der ein oder andere Bürger durch Aktionen der Polizei, wie im hier vorliegenden Fall, zu Tode kommt, dann muss man sich ja nicht so anstellen... Das sind dann bedauerliche Einzelfälle und überhaupt übertrieben... Bei solchen Aussagen wird mir schlecht. JEDER, auch Polizisten, haben sich an Recht und Gesetz zu halten. Auch für schwierige und schlecht bezahlte Tätigkeiten gibt es da keine Ausnahme. Ansonsten: Einfach kündigen und was anderes suchen, wenn der Job nicht passt und NICHT saufen und Menschen totfahren.

  10. 5.

    Berlinern ihre Nachricht ist totaler Blödsinn. Sie sind sicherlich die erste die schreit wenn die Hilfe die sie anfordern nicht rechtzeitig kommt . In Teltow ist die Situation im übrigen geklärt und es war eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht jeder Polizist ist betrunken im Einsatz seien sie froh das den Job überhaupt noch jemand machen will .

  11. 4.

    Merkwürdig. Fahre die Strecken auch jeden Tag und habe solche Erlebnisse nicht. Vlt mal den TV abschalten und ins echte Leben gehen? Grüße aus Steglitz. Sie müssen wo anders wohnen...

  12. 3.

    Falls es interessiert und zulässig ist, hier der Link auf den BZ-Artikel:

    https://www.bz-berlin.de/berlin/umland/was-wird-hier-vertuscht-skandal-um-toedlichen-polizei-crash

    Und das sind nur zwei zufällige Fälle, die mir zufällig beim aufmerksamen Lesen ins Auge stachen... nur im Umkreis von 20 km. Wie viele gibt es noch??

  13. 2.

    Übrigens ist das gleiche in Teltow passiert - ein Ehepaar starb vor einem Jahr. Der Sohn kämpft noch um Aufklärung. Die Polizei wurde zu einer angeblichen SChlägerei im Bahnhof Teltow gerufen. Mit überhöhter Geschwindigkeit und sog. Sonderrechten ausgestattet semmelte man frühmorgens das Ehepaar einfach tot. Und auch hier wird keine Auskunft gegeben, auf die Sonderrechte verwiesen etc.
    Dabei weiss JEDER, dass die Polizei das Martinshorn erst einschaltet, wenn sie bereits auf einer Kreuzung sind. Normal brettern sie zum angeblichen Lärmschutz mit Blaulicht und Tiefflieger-Geschwindigkeit heran, mitten rein ins Getümmel, wenn du sie ERBLICKT hast, weisst du nicht, wohin du dich beamen sollst auf die Schnelle - toll. Jeden Morgen auf dem Hindenburgdamm (Polizeidienststelle Augusta, KH Benjamin F. ), und unter den Eichen Steglitz.
    Man gewinnt den Eindruck, dass gerne gerast wird. Dass das zum "Reiz" des Jobs gehört, solche Einsatzfahrten wie bei Cobra oder CSI.
    Einfach nur ätzend.

  14. 1.

    Ich überleg grad, ob es verfahrenstechnisch klug war, den anonymen Hinweis auf Alkohol vor Anklageerhebung zu veröffentlichen. Neue Erkenntnisse kann man auch in eine Verhandlung einbringen. So verzögert sich die Anklageerhebung durch die neue Ermittlungsarbeiten. Und angesichts der Lage, können diese langwierig sein.

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