Die Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf (Quelle: imago/Jürgen Ritter)
Bild: imago/Jürgen Ritter

Berliner Schülerin soll gemobbt worden sein - Ursache für den Tod der Elfjährigen ist weiter unklar

Nach dem Tod einer Elfjährigen in Berlin dauern die Ermittlungen weiter an. Auch die Todesursache ist laut Staatsanwaltschaft weiter unklar. Bildungssenatorin Scheeres forderte im rbb eine noch höhere Sensibilität für das Thema Mobbing.

Nach dem Tod einer elfjährigen Schülerin im Bezirk Reinickendorf sind die Hintergründe weiter unklar. Die Ermittlungen liegen inzwischen bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Wie eine Sprecherin rbb|24 am Montagmittag sagte, wird es noch einige Tage dauern, bis neue Erkenntnisse vorliegen. Auch die angekündigte Obduktion des Leichnams habe noch nicht stattgefunden.

Der Tod der Elfjährigen war am Samstag bekannt geworden. Medienberichten zufolge soll sie vor einigen Tagen einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Möglicherweise war das Mädchen durch Mobbing an ihrer Schule in Bedrängnis geraten.

Bildungssenatorin fordert höhere Sensibilität

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wies am Montag den Vorwurf zurück, sie tue zu wenig gegen Mobbing an den Schulen. Sie nehme das Thema Mobbing "sehr sehr ernst", sagte Scheeres am Montag dem rbb: "Nicht ohne Grund habe ich in Berlin eine Anti-Diskriminierungsbeauftragte, die bei mir angesiedelt ist, auf den Weg gebracht. Und die Stelle wollen wir auch ausbauen."

Das sei wichtig, damit Eltern die Möglichkeit hätten, sich auch anonym an die Bildungsverwaltung zu wenden, wenn sie in der Schule nicht weiterkommen. Außerdem sei die Schulpsychologie ausgeweitet worden, betonte Scheeres: "Es gibt Beratungszentren in allen Bezirken. Hier arbeiten auch auch spezialisierte Psychologen, die sich alleine mit diesen Themen auseinandersetzen und auch die Schulen beraten."

Die Bildungssenatorin forderte eine erhöhte Sensibilität für das Thema Mobbing an Schulen. Wenn Kinder Sorgen ansprechen würden, müsse sofort gefragt werden, was dahinter steckt.

Schulleiterin weist Mobbing-Gerüchte zurück

Daniela Walter, die Leiterin der Hausotter-Grundschule, hatte dem rbb am Samstag gesagt, dass es im vergangenen Jahr in der Klasse des Mädchens Vorfälle gegeben habe. Eltern seien auf sie zugekommen und man habe sich dann mit Schulsozialarbeitern und der Klassenlehrerin zusammengesetzt.

"Wir haben dann mit den Mädchen darüber gesprochen und Zielvereinbarungen getroffen", so die Schulleiterin. Am Ende des Jahres hätte ein Teil der Mädchen die Schule verlassen. Seit dem laufenden Schuljahr sei Ruhe eingekehrt. "Es gibt natürlich Gekabbel, aber nicht Mobbing, wo über längere Zeit ein Kind wirklich unter Druck gesetzt und malträtiert wird", sagte Walter. 

Landeselternausschuss sieht Eltern in der Pflicht

Der Berliner Landeselternausschuss sieht beim Vorgehen gegen Mobbing unter Schülern nicht nur die Schulen in der Pflicht. "Hier sind auch die Eltern gefragt", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Norman Heise, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Wenn sich ein Kind zurückziehe, nicht zur Schule wolle oder plötzlich schlechte Noten habe, seien das Alarmzeichen, auf die Eltern reagieren müssten.

Eine große Rolle spielt laut Heise Cyber-Mobbing. Auch hier seien die Eltern in der Pflicht. "Es kann nicht sein, dass sie ihren Kindern ein Smartphone schenken und den Rest dann der Schule überlassen." Dabei sei wichtig, dass Eltern die Gefahren auch kennen, die ihren Kindern im Internet drohen.

Schüler-Vertretung fordert offene Debatte über Mobbing

Kritik kommt auch vom Landesausschuss der Berliner Schülerinnen und Schüler. Diese haben am Montag eine offene Debatte über Mobbing gefordert. Das ganze Klima an den Schulen müsse sich ändern, sagte die Vorsitzende des Ausschusses, Eileen Hager, der dpa. Viele Schülerinnen und Schüler trauten sich nicht, sich in Mobbing-Fällen an Lehrer und Sozialarbeiter zu wenden. Es sei bekannt, dass es auch schon an Grundschulen Mobbing gebe, sagte Hager. Die 18-Jährige forderte vor allem Eltern dazu auf, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Potsdamer Wissenschaftler warnt vor vorschnellen Erklärungen

Der Erziehungswissenschaftler Sebastian Wachs warnte davor, den mutmaßlichen Selbstmord der Grundschülerin allein auf mögliches Mobbing zurückzuführen. "Ein Selbstmord ist eine extreme Handlung - bei Erwachsenen und auch bei Kindern. Menschen begehen ihn nicht einfach so. Oft kommen verschiedene Faktoren zusammen, monokausale Erklärungen greifen zu kurz", sagte Wachs, der an der Uni Potsdam lehrt. Mobbing als einzige Ursache für einen Suizid sei selten. Oft kämen weitere Faktoren wie psychologische Auffälligkeiten und Vereinsamung hinzu.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, oder dies bei Angehörigen vermuten, suchen Sie bitte umgehend Hilfe. Bei der Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner, auch anonym. Telefonnummern der Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222 www.telefonseelsorge.de

Weitere Infos und Hilfsmöglichkeiten zum Thema Mobbing finden Sie auch unter schueler-gegen-mobbing.de 

Sendung: Abendschau, 04.02.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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30 Kommentare

  1. 30.

    Wenn Mobbing nach Ihren Worten so einfach zu erklären sei, müsste er auch leicht zu verhindern sein. Wie jedoch ein mMn willkürlich ausgesuchter Experte die Trauerarbeit (wir müssen) anordnete, https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/02/mobbing-hausottergrundschule-reinickendorf-psychologe-scheithauer-trainer-stahl.html der die geschilderten Fakten nicht erkennt, obwohl deutliche Klagen der Beteiligten veröffentlicht wurden, genauso versuchen Sie hier auf wundersame Weise "stolze Anti-Mobber" zu kreieren. Worin besteht Ihre Kompetenz, die vielschichtige und schmerzhafte Lebenssituation des gemobbten Schulkindes detailiert und mit allen Wechselwirkungen darzustellen?

  2. 29.

    @28: Was heisst denn all das konkret?? Warum so kompliziert? Mobbing ist ein uraltes und eigentlich relativ simples Gruppenphaenomen, das sogar bei Tieren auftritt: In fast jeder Gruppe wird aus nichtigen Anlaessen ein Individuum ausgewaehlt, auf das die anderen herabblicken. So wollen die aktuell hoeher stehenden Teile der Gruppe verhindern, selber ganz unten zu sein. Das ist aus meiner Sicht so ziemlich das einzige Interesse, das bei Mobbing besteht. Von "enorm zahlreichen bedeutsamen Fakten" und gar "Interessengruppen" kann m.E. keine Rede sein. Hilfe gegen Mobbing waere daher gar nicht so schwierig - sie erfordert nur eine halbwegs geschicktes Strategie, um JEDEN in der Gruppe zu einem stolzen Anti-Mobber zu machen. Das braucht viel Zeit und Aufmerksamkeit, die im Schulalltag leider oft fehlt. Die eigentlich recht einfache Frage ist daher nun, wieviel Zeit, Kraft und Geld wir uns das kosten lassen koennen und wollen.

  3. 28.

    Angenommen, Sie meinen als Problem "Mobbing an Schulen"; ist mit einem einzigen klaren Vorschlag die vielschichtig zusammenhängende Problemverflechtung nicht zu beseitigen und zu verhindern. Die Schüler*innen, Eltern, Lehrer*innen, Gremien, leitenden Amtspersonen und zuständigen Politiker*innen können für sich gesehen nicht den Durch- und Überblick erreichen, weil ihnen nicht die enorm zahlreichen, bedeutsamen Fakten jeder Interessengruppe zur Verfügung stehen. Ohne starkem Willen zur Korrektur schädigender Umstände im Schulbetrieb, wie ohne dem Bewusstsein und Sensibilität für die Position jedes involvierten Menschen, werden letztendlich die Grundrechte der lernenden Kinder nicht verwirklicht werden können.

  4. 27.

    De facto verstehe ich Ihren Beitrag leider nicht. Koennten Sie bitte evtl einen klaren Vorschlag bringen, wie Ihrer Meinung nach das Problem konkret angegangen werden soll?

  5. 25.

    Schrecklich! Jetzt ist das Mädel wieder selber schuldig. Zitat Prof: sagte Wachs, der an der Uni Potsdam lehrt. Mobbing als einzige Ursache für einen Suizid sei selten. Oft kämen weitere Faktoren wie psychologische Auffälligkeiten und Vereinsamung hinzu. (Ende)
    Hier kann wieder einer Ursache und Wirkung nicht unterscheiden! Wohl lange nicht mehr (oder noch nie) ein Kind an einer deutschen/Berliner (Grund-)schule gehabt...
    Ja, Mobbing macht einsam, einsam macht seltsam (liegt es an mir, bin ich anders als die anderen, was mache ich falsch), und ja, man ist dadurch psychisch krank!
    Es gibt aber durchaus toughe RektorInnen, die organisiert und systematisch gegen Mobbing und andere Ausschreitungen vorgehen. Erfolgreich. Muss man halt wollen, und über Jahre die richtigen Lehrer einstellen/heranziehen. Das Format zum/zur RektorIn/LehrerIn hat halt auch nicht jeder. Auch Polizist sollte nicht jeder werden, beides kann schlimme, bisweilen tödliche Folgen haben... Traurig. Die armen Eltern.

  6. 24.

    Klare Antwort: Wer nicht hören will muss fühlen! - Wenn ich Sie richtig verstanden habe, besteht ein Autoritätsproblem in ungeahnter Dimension, dass noch dadurch verstärkt wird, dass dem Lehrerpersonal keine angemessenen Maßnahmen bei mangelhafter bzw. fehlender Schülerdisziplin zur Verfügung stehen. Nur mit netten, an die Einsicht appellierenden Worten werden Sie sicherlich keine ausreichenden Lernbedingungen aufrecht erhalten können. Und jede Wette, nach dem Einsatz von erzieherischen Maßnahmen werden die Eltern erscheinen um lauthals zu proklamieren, was für ein harmloser Junge doch grundlos drangsaliert wurde. Also ein optimales Umfeld für Mobbing!

  7. 23.

    Fragen Sie doch mal einen Pädagogen. Und grundsätzlich, reden hilft immer, zuhören noch besser. Nichtstun ist jedenfalls das schlimmste ....Lehrer und Eltern haben eine gemeinsame Verantwortung, weil sie direkt mit den Kindern interagieren. Mit Aufmerksamtkeit bekommen Lehrer und Eltern sehr viel mit... Die Lehrer in der Schule und die Eltern daheim. Wer soll es denn sonst machen?

  8. 22.

    A propos Rumschwafeln... - wissen Sie und andere, die hier die Moralkeule schwingen eigentlich, wie Mobbing funktioniert?? Hat irgend jemand von denen, die hier vorgeben genau zu wissen, wie dieser schreckliche Tod zu verhindern gewesen waere, schon mal eine Minute vor einer Schulklasse gestanden, in dem verzeifelten Versuch, wenigstens einen Teil des Lehrplans irgendwie rueberzubringen? Und was bedeutet fuer Sie im Fall von Mobbing denn "Handeln statt Schwafeln"? Die ganze Klasse versetzen? Verpruegeln? In die Ecke stellen? Welchen Handlungsansatz ohne intensives Reden schlagen Sie denn vor? Und bitte einen Handlungsansatz, der nicht im Anschluss zu noch mehr Druck auf das Opfer fuehrt. Ich bin SEHR gespannt auf Ihre konkreten Vorschlaege!

  9. 21.

    Wenn ich das Wort "Anti-Diskriminierungsbeauftragte" lese, dann ist mir klar, hier wird nur rumgeschwafelt und nicht gehandelt. Meiner Meinung nach gehört die Schuldirektorin entlassen, Beamtenstatus weggenommen, jeder Lehrer der weggeschaut hat dürfte nie mehr unterrichten. Weiterhin frage ich mich, wie sich ein Kind in diesem Alter selbst das Leben nimmt? Erschütternd, denn Tabletten werden es nicht gewesen sein, vor den Zug ist sie auch nicht gesprungen. Also was wird hier vertuscht? Mein Beileid ist bei den Eltern, meine Tränen gehören dem Mädchen.

  10. 20.

    Das ist genau der Punkt. Deswegen rede ich immer von Problemverwaltung a la: "Wir machen mal wieder eine Gesprächsrunde." (Heißt auf der realen Ebene, dass im Alltag Handlungen zum Schutz der Kinder immer wieder unterlassen werden, trotz eindeutiger Gesetzeslage.)

  11. 19.

    Kein Gerichtsmediziner wird Mobbing als Todesursache feststellen können, weil nur das verstorbene Kind wusste, welche unzumutbaren Belastungen aus Schmerzen, Sorgen, etc., in ihrer noch nicht ausgereiften Psyche abgeladen wurde. Noch deutlicher formuliert, hat jeder Einzelne mit aktiven Böswilligkeiten oder passivem Verdrängungsverhalten mMn zum unfreiwilligen Tod des Kindes beigetragen. Eine andere Erkenntnis lassen die veröffentlichten Fakten nicht zu.

  12. 18.

    ... und niemand betrachtet sich als direkt angesprochen, dem Opfer beizustehen und zu helfen.

  13. 16.

    Wenn Sie meinen, dass "Unisex-Toiletten nicht nur kostensparend" sind, sondern für Momentaufnahmen von Lebensplänen, hier Jungs, die sich in Mädchenkleidung ausprobieren, ein Gender-Bashing darstellen? Zum Fasching verkleidet sich jedes Kind, leitet sich davon das weitere Leben ab?
    Also reicht ein Hinweis in den Mädchen- und Jungstoiletten, dass eine Kabine eben die Unisex-Toilette ist. So ein Schild kostet im BauMarkt 2, 3 EUR und ist wirklich kostensparend.

  14. 15.

    Das hat dieselbe Bedeutung wie "bin bestürzt", also es wird kurzzeitig passiv geredet und nichts Konsequentes unternommen.

  15. 14.

    Wie gesagt, schon in meinem ueberschaubaren Bekanntenkreis gibt es zwei voneinander voellig unabhaegige Familien, in denen die Soehne u.a. einfach gern maedchen-typische Kleidung tragen wollten und keinen Bock hatten, sich einer von zwei Geschlechterrollen anzupassen. UNIsex-WCs ('uni' fuer universell = allgemein)koennen, anders als etwa die auch aus meiner Sicht absurden 'INTERsex'-WCs von Leuten aller Geschlechter genutzt werden. Sie sind also keine Neuerfindung des Rades, sondern schon heute in jeder Wohnung vorhanden.

  16. 13.

    @ Frank

    Das Sie Unisex-Toiletten für nicht diskriminierend handeln kann ich nicht nachvollziehen.

    Gerade für Kinder und Jugendliche ist es extrem wichtig wie alle anderen Gleichaltrigen zu sein und möchten eher, bis auf einige Aufnahmen, nicht auffallen. Wer will sich denn in einer eh schon schwierigen Phase auch noch öffentlich outen? Der einfachere Weg wäre nicht das Rad neu zu erfinden, sondern auch Toiletten für die Nutzung durch Mann und Frau anzubieten.

  17. 12.

    Kritik an Zustaenden an Berliner Schulen ist oft richtig. Allerdings ist Mobbing ein typisches Gruppenphaenomen, das weder mit ethnischen Anteilen noch Bauzustaenden zu tun hat - und das von oben nur begrenzt bekaempft werden kann, wie viele von uns aus der eigenen Schul- und Ausbildungszeit und auch vom Arbeitsplatz wissen duerften. Auch ich war in den 80ern und 90ern Opfer und Taeter. In meinem Kommentar #4 ist ein Beitrag des NDR verlinkt, in dem eine Journalistin berichtet, wie sie selbst 1994 in der "heilen" Norddeutschen Provinz im Alter von 12 Jahren Opfer von Mobbing durch ihre "Freundinnen" wurde. - Um also furchtbare Eskalationen solcher taeglich tausendfach passierender Faelle zu verhindern, ist ein besseres Bewusstsein Aller erforderlich. Lehrer und andere paedagogische Kraefte an Schulen sind zwar besonders gefordert, aber nur langfristige Konzepte koennen wirklich was veraendern - und das erfordert viel Zeit und damit auch Geld. Und Engagement von JEDEM einzelnen.

  18. 11.

    So hieß es in einem internen Bericht: „Die Hausotter-Grundschule befindet sich momentan in einer problematischen Situation. Die Lehrkräfte fühlen sich von der ZUNEHMENDEN VIELFALT ihrer Schülerinnen und Schüler überfordert, vom Schulleiter hingegen zu wenig unterstützt.“ Das schreibt der Tagesspiegel.

    Mehr braucht man nicht zu wissen. In Berlin darf man sowieso nicht offen über Bildung, Bildungsniveau und Bildungspolitik sprechen.

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