Symbolbild: Notarztwagen der Berliner Feuerwehr (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Audio: Inforadio | 04.02.2019 | Elisabeth Mattner | Bild: dpa

Berlin-Kreuzberg - Feuerwehrleute bei Einsatz angegriffen

Bei der Versorgung eines Patienten in Berlin-Kreuzberg sind ein Notarzt und zwei Feuerwehrleute angegriffen und verletzt worden. Die Feuerwehr war am Sonntagnachmittag zu einem medizinischen Notfall in eine Wohnung gerufen worden, sagte ein Sprecher rbb|24.

Rettungskräfte mussten sich im Fahrzeug einschließen

Die Einsatzkräfte seien von Angehörigen des Patienten, dem 44 Jahre alten Vater und dem 18 Jahre alten Bruder, angegriffen und verbal bedrängt worden. Die Beiden hätten nicht verstanden, dass die Einsatzkräfte sich bereits in der Wohnung um den Patienten kümmern wollten, bevor sie ihn ins Krankenhaus brachten.

Die Rettungskräfte seien auf die Straße geflüchtet, wobei ihnen die Angreifer folgten. Auf der Straße schlugen die Angreifer auf die Sanitäter und den inzwischen hinzugekommenen Notarzt ein, so dass sich die drei Rettungskräfte in ihrem Fahrzeug verschanzten, bis die Polizei kam. Erst danach konnten die Feuerwehrleute ihren Einsatz fortsetzen. Ein Feuerwehrbeamter erlitt leichte Verletzungen.

Der Patient sei durch die Verzögerung nicht gefährdet worden, sagte der Sprecher. "Wir sind dazu da den Menschen zu helfen und werden dann angegriffen. Das ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar", sagte er. Gegen die Angreifer sei Anzeige wegen Tätlichen Angriffs erstattet worden.

Pfefferspray gegen randalierende Rotlicht-Sünder

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es nach Angaben der Polizei in der Nacht zu Montag in Mitte. Dabei griffen drei Männer Zivilpolizisten an, die auf der Karl-Liebknecht-Straße unterwegs waren. Die Männer überquerten die Straße bei Rot, so dass die Polizisten scharf bremsen mussten. Als sie sich als Beamte zu erkennen gaben, trat einer der Männer gegen das Einsatzfahrzeug und versuchte, einen der Polizisten zu schlagen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und nahmen zwei der Männer fest. Der dritte konnte fliehen. Vier Beamte wurden leicht verletzt, konnten ihren Dienst aber fortsetzen.

Strafen verschärft - trotzdem mehr Attacken

Angriffe auf Rettungskräfte passieren in Berlin und Brandenburg immer wieder. Im November 2017 hatte ein 23-Jähriger Rettungskräfte, die zur Reanimation eines Kindes eilten, beschimpft. Außerdem hatte er den Seitenspiegel des Rettungswagens beschädigt. Er war zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro verurteilt worden.  

In Berlin-Wittenau hatten zwei betrunkene Männer Rettungssanitäter angegriffen, so dass diese die Polizei rufen mussten. Auch die Polizisten waren von den zwei Betrunkenen angegriffen worden. Anfang Januar 2018 hatte ein Betrunkener Sanitäter mit Böllern angegriffen.

In Brandenburg hat sich die Zahl der Attacken auf Rettungskräfte und Feuerwehrleute in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt.

Hilfsorganisationen beklagen mangelnden Respekt

Der Deutsche Bundestag hatte 2017 die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte verschärft [externer Link]. Unter anderem wurde ein neuer Straftatbestand des "Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte" geschaffen. Dafür wurde ein Strafrahmen von drei Monaten bis fünf Jahren festgelegt.

Die Hilfsorganisationen beklagen, dass viele Menschen kaum mehr Respekt gegenüber den uniformierten Einsatzkräften haben. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) forderte kürzlich, derartige Übergriffe müssten "gesellschaftlich geächtet" werden.

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Wie könnte man das strafrechtlich einsortieren, wenn jemand einen Notarzt an der Rettung hindern will? Ich hoffe, die StA ist da mal mutig.

  2. 9.

    Ich habe auch noch ‘ne Theorie: Wie die Eltern so die Kinder! Oder:„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Oder umgekehrt: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

  3. 8.

    "Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) forderte kürzlich, derartige Übergriffe müssten 'gesellschaftlich geächtet' werden."

    Das ist eigentlich selbstverständlich. Und sicher ist es auch so, dass die Mehrheit der Gesellschaft diese Übergriffe tatsächlich ächtet ... nur interessiert das die Täter überhaupt nicht, solange sie nicht wirklich spürbar bestraft werden.

    Es ist im Interesse des gesellschaftlichen Zusammenhaltes in unserer Stadt, dass der Trend, Rettungskräfte anzugreifen, jetzt durch eine effektive Justiz eingedämmt wird.

    Gut wäre auch, wenn der rbb an so einem Fall dranbleibt und berichtet ob und wie die Justiz in so einem Fall geurteilt hat.

  4. 7.

    Bei uns wird eingesperrt, wer einer Straftat überfuhrt und rechtskräftig verurteilt wurde. Wem dieses ganze Demokratie- und Rechtsgedröns zu "langweilig" ist, der kann ja mal probeweise einen langen Urlaub in einem Land machen, das seinem Rechtsverständnis mehr entspricht. Ich habe gehört auf den Philippinen soll es nett sein, dort brüstet sich der Präsident damit, eigenhändig Leute zu erschießen, die er des Drogenhandels verdächtigt. Aber Vorsicht: Hanfshampoo und Mohnbrötchen besser zu Hause lassen, sonst hat man vor lauter Gerechtigkeit ganz schnell ein zusätzliches Loch im Kopf!

  5. 6.

    So sieht es halt aus, wenn das Zusammenleben täglich neu ausgehandelt wird.

  6. 5.

    Ich habe wohl gelesen und auch verstanden "Oh Nee" und danke für die Hinweise auf StGB, das kenne ich wohl auch und deren Paragraphen; langweilen Sie bitte nicht herum.
    Ihren Kommentar lege ich in die Rubrik: gelesen und nichts verstanden. Der Begriff ungestraft steht u. A. im Kontext zum letzten Satz, so Ihnen das Wort Kontext etwas sagt. Weiterhin ist mit ungestraft gemeint: weiter frei herumzulaufen, bis ein Gericht irgendwann als ein Urteil fällt, das den Tätern suggeriert, es könne mit einer Strafe im knappen vierstelligen Betrag, die noch nicht mal als Vorstrafe eingetragen wird, da weniger als 90 TS zu erwarten sind und damit so gut wie kein Umdenken stattfindet, da die Täter als Helden vor ihren Verwandten stünden, weil sie ja so gehandelt hätten und sie dadurch im Ansehen steigen KÖNNTEN. Das ist verbreitet unter solchen Leuten - übrigens, das Vorgenannte ist alles im Konjunktiv verfasst!
    Ich wünsche eine gute und erfolgreiche Woche.

  7. 4.

    Rettungskräfte angreifen geht überhaupt nicht.
    @rbb: Den Absatz mit den Polizeibeamten verstehe ich nicht.
    "[...]trat einer der Männer gegen das Einsatzfahrzeug und versuchte, einen der Polizisten zu schlagen." Dabei wurden vier Beamte verletzt, obwohl er es nur versucht hatte? Oder hatte er versucht nur einen zu schlagen und dabei aus Versehen vier verletzt? Naheliegend wäre, dass die Beamten selbst einiges von ihrem eigenen Pfefferspray abbekommen haben. Dann haben diese Verletzungen allerdings nichts mit den Randalierern zu tun, sondern mit der falschen Anwendung von Einsatzmitteln. Oder soll der Absatz dazu auffordern, gegen den Beamten zu ermittelt, der seine Kollegen fahrlässig verletzt hat?
    Geht leider alles nicht aus dem Text hervor...
    Es gibt ausreichend Vorfälle, wo Rettungskräfte angegriffen oder massiv behindert werden. (In Kreuzberg wird z.B. regelmäßig die Feuerwehrausfahrt zugeparkt) Da muss man einen Artikel nicht mit sowas aufbauschen.

  8. 3.

    Wer Einsatzkräfte angreift, muss meiner Meinung nach sofort für mehrere Tage in den Knast. Dafür müssen die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, und es muss dafür rund um die Uhr Bereitschaftsgerichte geben. Es kann und darf nicht sein, dass der Staat sich sowas bieten lässt.

  9. 2.

    Wenn einer so dumm ist dass er die medizinische Hilfe für ein Familienmitglied verhindert, dann bestraft er sich ja schon selbst. Dazu das neue Gesetz zum Angriff auf Beamte. Selbst mit den "ganz normalen" Gesetzen zu Körperverletzung, Nötigung, usf. wäre man diesen Zeitgenossen juristisch beigekommen. Was wollen Sie, "Neo", also noch? Warum behaupten Sie "ungestraft rumlaufen", wo doch das Gegenteil im Artikel steht? Haben sie den Artikel überhaupt gelesen? Oder essen Sie jeden Tag eine Schüssel Wahrheit zum Frühstück, die Ihnen erlaubt auf alles eine Antwort zu haben ohne zu lesen worum es überhaupt geht? Bin gespannt auf Ihre Erklärung, wie Sie zu solchen Falschbehauptungen kommen, oder auf Deutsch, Fake News!

  10. 1.

    Hart bestrafen diese Vollpfosten. Wie lange braucht die Politik eigentlich noch, um dem endlich zu begegnen? Geht's um die Diäten oder Feiertage, sind sie immer fix bei der Sache. Es kann und darf nicht sein, dass Hilfskräfte angegriffen werden und die dämlichen Pfeifenköppe weiter frei und ungestraft rumlaufen dürfen, während Hilfskräfte darauf hoffen müssen, den nächsten Einsatz unbeschadet zu überstehen? Was ist denn eine Geldstrafe gegen die psychischen Folgen dieser hirnlosen Taten für die Opfer?

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