15.02.2019, Brandenburg, Treuenbrietzen: Große Flächen des im Sommer 2018 abgebrannten Waldes nahe der Bundesstraße 102 sind bereits gerodet (Luftaufnahme mit einer Drohne) (Quelle: dpa / Patrick Pleul).
Video: rbb24 | 25.02.2019 | Bild: ZB

Stadt und Hochschule Eberswalde starten "Clever Forst" - Abgebrannter Wald bei Treuenbrietzen wird zu Freilandlabor

Der Waldbrand bei Treuenbrietzen war Brandenburgs größter seit Jahrzehnten: Um Feuer wie im Sommer 2018 zu verhindern, nutzen Wissenschaftler aus Eberswalde die abgebrannten Wälder nun als Experimentierfläche - sie forschen am Wald der Zukunft.

Mehr als zwei Tage lang loderten die Flammen: Dörfer wurden evakuiert, Straßen gesperrt - dann hatten die Feuerwehrleute den Waldbrand bei Treuenbrietzen unter Kontrolle. 400 Hektar Forst wurden Ende August 2018 zerstört. Den Rauch roch man selbst im 80 Kilometer entfernten Berlin. Es war Brandenburgs größter Waldbrand seit 36 Jahren.

Diese Katastrophe könnte nun doch noch etwas Positives hervorbringen: Forscher der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) werden einen Teil der aschgrauen, verkohlten Fläche als Freilandlabor nutzen. Unterstützt von der Gemeinde im Kreis Potsdam-Mittelmark sollen ihre Erkenntnisse helfen, derartig verheerende Waldbrände zu verhindern. Für ihren Waldumbau wollen die Wissenschaftler moderne ökologische Konzepte, internationale Erfahrungen und neueste Messdaten berücksichtigen.

Experimente für bessere Durchmischung der Wälder

Das Hauptproblem der Brandenburger Wälder ist ihre mangelnde Durchmischung: 70 Prozent der Bäume sind Kiefern und die geraten - besonders in trockenen Sommern wie dem vergangenen - leicht in Flammen. Kiefernforste wie bei Treuenbrietzen bilden so gut wie kein Grundwasser. Bei Hitze erwärmen sie sich besonders schnell. "Es ist eine Konsequenz dieser Monokulturen, dass sich das Feuer so leicht ausbreiten konnte. Wir wollen gemeinsam mit Stadt und Förster andere Wege gehen", sagte der HNEE-Professor Pierre Ibisch am Montag rbb|24.

Auf etwa 28 Hektar erproben die Forscher unter dem Titel "Clever Forst" eine "schlauere" Bewirtschaftung. Statt der Kiefernwälder sollen dort Laub- und Mischwälder gepflanzt werden. "Wir wollen auch wissen: Wie kann man den Wald verbessern, wenn man mehr Biomasse auf den Flächen belässt? Wie hilft sich das Ökosystem selbst, wenn man es lässt? Dazu planen wir mehrere Experimente", sagte Ibisch. Dabei gehe es zum Beispiel darum, wie auf dem Boden gelassenes Totholz besser Feuchtigkeit speichern könne. Das sei besonders im Hinblick auf den Klimawandel relevant.

Der Waldbrand bei Treuenbrietzen

Vertrag über zehn Jahre

"Wir müssen den Wald darauf einstellen, dass es in Zukunft solche extrem heißen, trockenen Phasen häufiger geben wird - und das in größeren Dimensionen", sagte Ibisch. Seit mehreren Jahren beobachte die Hochschule ein steigendes öffentliches Interesse an waldökologischen Fragen.

Für vorerst zehn Jahre ist die Betreuung des "Clever Forst" geplant, am Dienstag wollen HNEE und Stadtverwaltung den Vertrag unterschreiben. Finanzieren werde die Hochschule das Projekt zu Beginn selbst, allein aber könne man die Forschung nicht bezahlen, sagte Ibisch rbb|24. Deshalb wolle die HNEE so schnell wie möglich Fördermittel beantragen.  

Warum genau der Wald im Sommer Feuer gefangen hat, ist bis heute nicht geklärt. Der anfängliche Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung bestätigte sich nicht, die Staatsanwaltschaft Potsdam stellte ein Verfahren gegen unbekannt ein. In der Regel kann sich der Wald aus Sicht der Fachleute auch nach einem verheerenden Brand wie bei Treuenbrietzen wieder erholen. Je nach Schwere kann das aber Jahrzehnte dauern. Die Aufforstung nach Waldbränden kostet laut einer Berechnung des Umweltministeriums zwischen 5.000 und 8.000 Euro pro Hektar.

Sendung: rbb|24, 25.02.19, 13 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Wozu steckt man jetzt Millionen in Forschung an Etwas, was seit Jahrzehnten bekannt ist? Private Waldbesitzer haben schon vor zwanzig Jahren mit dem Waldumbau begonnen, während die Landesregierung mit ihrer sogenannten Forstreform beschäftigt war, sprich vornehmlich dort Personal einzusparen, wo die Arbeit am Objekt geleistet wird. Will man jetzt nochmal zwanzig Jahre mit "Forschung" verplempern?

  2. 5.

    Sie wollen uns unserere Märkische Heide und den märkischen Sand und die wunderbaren, warmen, trockenen Kiefernwälder mit irgendwelchen gruseligen, sumpfigen Mückenbrutstätten zuwuchern lassen! Skandal!
    Ne aber ohne Witz, jeder liebt das, wo er aufgewachsen ist. Ich komme auch nicht in den Odenwald und fange an, mich dafür einzusetzen, dass er mit Dattelpalmen aufgeforstet wird. Natur ist letztendlich alles, ob Sahara, Mars, Taiga, Regenwald oder Plantage, nur der Mensch gibt dem einen subjektiven Wert. "Richtiger Wald" ist also von Person zu Person verschieden definiert.

  3. 4.

    Toller Kommentar , mir geht es genauso. Ich hoffe dass sich was in den Brandenburger Wäldern ändert. Danke auch an den RBB für die tollen Berichte.

  4. 3.

    Ich bin ganz bei Ihnen, abgesehen davon, dass es sich nicht um Fichten, sondern um Kiefern handelt.
    Ich wohne selbst am Rand eines riesigen Kiefernforstes, der Waldrand ist keine 100 m entfernt, und ich fürchte jeden Sommer ein ähnliches Szenario. Bisher ist glücklicherweise nichts passiert, aber Hitze, Trockenheit und Brände nehmen zu.

  5. 2.

    Wer immer wieder den (Brandenburger) Wald anzündet kann ich euch sagen. Die Auspuffrohre der Autos, die Schornsteine der (Kreuzfahrt)Schiffe, die Abgase der Flugzeuge, die Fabrikenschlote. Man kann die Emissionen zumindest verringern!

  6. 1.

    Diese Baumplantagen kann man nicht ernsthaft als Wald bezeichnen. Es gibt wohl kaum was Trostloseres als diese endlosen, düsteren Fichtenmonokulturen ohne Leben am Boden. Ein richtiger Wald ist wunderbar, voller Leben und ein erstklassiger Naherholungsraum. Und dafür muss es kein Urwald sein, auch ein bewirtschafteter Mischwald ist tausendmal besser als das, was wir hier haben. Ich komme ursprünglich aus dem Odenwald, mir fehlt mein Wald hier sehr. Vor allem im Frühling ist das Licht in einem hellen Buchenwald unvergleichlich.
    Ich bin sehr gespannt, was bei diesem Freilandexperiment herauskommt und hoffe, dass die Brandenburger Wälder irgendwann zu richtigen Wäldern werden.

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