Bauarbeiter errichten am 05.02.2019 einen Lärmschutz an der Baustelle zur Wiederaufbau der Dresdner Bahn am Bahnübergang Wolziger Zeile (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 05.02.2019 | Georg Berger | Bild: dpa/Britta Pedersen

Schneller zum BER und nach Dresden - Bauarbeiten für Dresdner Bahn beginnen im Berliner Süden

Mehr als 20 Jahre stritten Deutsche Bahn und Anwohner über die Dresdner Bahn. Klagen wegen Lärmbelästigung blieben erfolglos. Am Dienstag hat der Bau der Trasse begonnen, die die Fahrzeit zum BER und nach Dresden verkürzen soll. Protest gab es auch wieder.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Streit haben am Dienstag in Berlin-Lichtenrade die Bauarbeiten für die Dresdner Bahn begonnen. Sie ist Teil der Fernstrecke Berlin - Dresden und soll den Verkehr zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und dem BER beschleunigen. Am Nachmittag sollte der letzte Teil einer Schallschutzwand aufgestellt werden, der die Anwohner vom Lärm der vorbeifahrenden Züge schützen soll.

An dem symbolischen Spatenstich nahmen der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, und das Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla, teil.

Deutsche Bahn stellt Pläne für oberirdische Trasse vor

Fahrzeiten zum BER und nach Dresden verkürzt

Auf der neuen 16 Kilometer langen Trasse sollen ab Ende 2025 Regional- und Fernzüge in Richtung Südosten fahren. Dazu sollen für rund 560 Millionen Euro zwischen den Bahnhöfen Berlin Südkreuz und Blankenfelde zwei weitere elektrifizierte Gleise erweitert und mit moderner Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet werden. Der denkmalgeschüzte S-Bahnhof Lichtenrade soll dafür abgerissen werden.

Mit der neuen Bahn soll sich die Fahrtzeit vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen BER auf 20 Minuten verkürzen, die Fahrzeit von Berlin nach Dresden auf anderthalb Stunden. Zur Zeit fahren auf der Trasse nur S-Bahnen. Zwischen Südkreuz und Blankenfelde werden nun zwei weitere Gleise gebaut. Die Bahnübergänge werden durch Brücken und Unterführungen ersetzt.

Anwohner protestierten jahrelang gegen drohende Lärmbelästigung

Seit 1952 fahren hier keine Fernzüge mehr. Die Dresdner Bahn beginnt südlich des Bahnhofs Berlin Südkreuz, wo die Strecke von der Anhalter Bahn abzweigt, kreuzt nach 8,7 Kilometern die Landesgrenze Berlin/Brandenburg und führt nach Blankenfelde in Richtung Dresden. Sie gehört damit zum europäischen Korridor Orient–östliches Mittelmeer, der die strategisch wichtigen Häfen der Nord- und Ostsee mit dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer verbindet.

Die Entscheidung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gekappte Dresdner Bahn wieder aufzubauen, fiel 1993. Der Streit zwischen der Deutschen Bahn und den Anwohnern über den oberirdischen Bau und die damit einhergende drohende Lärmbelästigung dauerte über 20 Jahre. Klagen der Anwohner gegen das Projekt blieben jedoch erfolglos.

Auch am Dienstag protestierten Anwohner an der Baustelle und hielten eine Mahnwache ab. So war beispielsweise auf den Transparenten zu lesen: "Ein schwarzer Tag für Lichtenrade" und "Keine Spaltung im Kiez".

 

Anwohnerproteste gegen die Bauarbeiten der Dresdener Bahn in Berlin-Lichtenrade (Quelle: rbb|24)Anwohner protestierten am Dienstag in Berlin-Lichtenrade gegen die Dresdner Bahn.

Sendung: Radioeins, 05.02.2019, 10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

22 Kommentare

  1. 22.

    Ich freue mich auf die Bahn!
    Und diese Leute in ihren Millionenvillen, die ohnehin nur das Auto nutzen, können hier groß reden. Ich freue mich, dass diese Leute mal ein bisschen aufgerüttelt werden. Und wenn die unbedingt einen Tunnel haben wollen, sollen sie den doch bezahlen.

  2. 21.

    Die Strecke mitsamt ihrer Trasse war schon vor dem Krieg Eisenbahntrasse, sie ist niemals entwidmet worden und jetzt wird sie wieder befahrene Eisenbahntrasse. So wie bei allen anderen aus dem Berliner Zentrum führenden Eisenbahnstrecken auch. Keine einzige dieser Strecken verläuft im Tunnel, wohl aber werden sie teilweise mit vermindeter Geschwindigkeit befahren.

    Ich halte die Proteste der Marienfelder und LIchtenrader für einen Ausdruck der Zwiegespaltenheit: Jahrzehntelang wurde mehr oder minder "brav" die Einheit Berlins beschworen und die Ummauerung West-Berlins völlig zu recht gebrandmarkt, jetzt, wo die Stadt glücklicherweise vereint ist, sollen die Folgen darauf auch wieder nicht sein.

    Mein Eindruck: So manch einer hat völlig anders gehandelt im Vergleich zu dem, was er offiziell hoch hielt. Die Eisenbahn wurde gedanklich schlichtweg abgeschrieben, die Einheit Berlins damit auch. Klärt das mal für Euch ab.

  3. 20.

    Meine Meinung zum „Wutbürger“: Jemand „echauffiert sich“ oder „ärgert sich“. Mir fällt, mit Distanz zum Auslöser (Bahn macht nicht das, was die Ortsansässigen wollen), die „Wahrheit“ unserer Ausdrucksweise auf: ICH ärgere MICH, SIE freut SICH, JEMAND ärgert SICH. Darin liegt eine tiefe, praktisch nutzbare Wahrheit, glaub‘ ich. Und freu‘ mich gerade.

  4. 19.

    Also ich sehe hier nicht das Lichtenrade zerschnitten wird. Über die Bahngleise konnte man bisher auch nicht gehen, und die nette Dame aus dem Video sieht die Schallschutzmauer hinter ihrer Hecke eh nicht und wird sich im Gegenteil vielleicht sogar freuen das jetzt Ruhe im Garten herrscht.
    Der Verkehr wird jetzt ungestört durch die Unterführungen fließen können und wahrscheinlich sogar zu Luftverbesserung beitragen, wenn die wartenden Autos nicht mir laufenden Motoren am Bahndamm stehen und dort anfahren müssen.

  5. 18.

    Ich bin weder eingelullt noch empfinde ich die Berichterstattung tendenziös. Die Wut der Anwohner gegen Veränderungen ist verständlich. Aber dies hat nun 20 Jahre gedauert und wurde gerichtlich geklärt. Damit sollte auch mal Rechtsfrieden herrschen. Oder würden die Anwohner gerne die Kosten für den Tunnelbau tragen? Warum soll die Allgemeinheit etwas mitfinanzieren, damit einige wenige ihren Willen durchsetzen können? Ansonsten verweise ich mal auf den Beitrag Nr. 15 und geben zu Bedenken, dass die Gleisführung schon immer durch den Ortsteil ging. Mit Schranke. Sogar die entfällt künftig.

  6. 17.

    "Sie mögen faktisch mit allem Recht haben, was Sie berichten und Schreiben. Aber es geht hierbei doch um die Tendenz." -
    Es tut uns leid, aber den Vorwurf einer tendenziösen Berichterstattung können wir nicht verstehen. Der Artikel berichtet vom Baustart, den Zielen und Folgen des Projekts sowie den Anwohnerprotesten. Er gibt keine Meinung wieder - weder der Redaktion noch eines Redakteurs oder einer Redakteurin.

    Das Bauprojekt zu kritisieren, steht Ihnen natürlich frei. Im Videobeitrag oben von der Abendschau finden Sie auch u.a. eine Anwohnerin, die Ihre Meinung widerspiegelt. Darüberhinaus kommen relevante Stimmen aus Politik und Wirtschaft vor.

  7. 16.

    Ein Tunnel fuer S-und Fernbahn waere die ideale Lösung für Lichtenrade. Aber da werden lieber Milliarden fuer unsinnige Bahnprojekte verschleudert (sh.Stuttgart21). Ich moechte nicht hinter Schallschutzmauern leben!

  8. 15.

    Endlich (!!!) geht es los.

    Und ehrlich, ich verstehe das ganze Theater nicht. Es war schon seit dem 19 Jahrhundert eine Bahnstrecke, die Anwohner wurden nur durch die Teilung verwöhnt. Niemand hat gesagt, dass es nicht i-wann wieder Zugverkehr - über die S-Bahn hinaus - geben wird. Ergo, jeder Anwohner musste damit rechnen.

    Aber so ist das, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

    Wenn wir bei allem so rangehen würden, dann wären wir noch im späten Mittelalter!

  9. 14.

    Na toll, ganz viele neue Graffiti-Schmierwände, die das Ortsbild verschandeln.

  10. 13.

    Oha. Gut das ist jetzt Haarspalterei und für mich und die anderen wachen Leser die noch nicht ganz eingelullt sind von Ihrer Berichterstattung und derer anderer Sender offenbart sich mit Ihren Antworten gerade einiges. Sie mögen faktisch mit allem Recht haben, was Sie berichten und Schreiben. Aber es geht hierbei doch um die Tendenz. Ich habe das "Theater" hier über 20 Jahre lang als Anwohner miterlebt und kann und muß somit das ganze Projekt nur mehr als kritisieren. Würde es Ihnen gefallen wenn man Ihnen eine Mauer direkt vor die Nase setzt, einen historischen Bahnhof Ihres Kiezes abreisst und einen ganzen Dorfkern zerschneidet? Ich schreibe jetzt hierzu nix mehr, sonst würde ich die nettiquette nicht mehr einhalten können. Aber ich fühle gerade wie der Wutbürger in mir erwacht. Schade, aber das ich hier eig. selbstverständliches verteidigen muß macht mich traurig und wütend! Wenn Ihre Antworten die Meinung des RBB an sich widerspiegelt, dann bin ich zudem auch noch entsetzt!

  11. 12.

    "Es wäre gerade IHRE Aufgabe ... mal wirklich kritisch und aufklärerisch mindestens aber neutral und im Sinne der betroffenen über Dinge aufzuklären..." > Wir berichten vom Baustart eines Bauvorhabens. In dem Text findet sich auch der Protest einiger Anwohner wieder. "Im Sinne der Betroffenen" und gleichzeitig "neutral" zu berichten, wie von Ihnen gefordert, widerspricht sich.

    Unsere BER-Berichterstattung finden Sie gebündelt hier:
    https://www.rbb24.de/politik/Flughafen-BER/

  12. 11.

    Zunächst verbitte ich mir das Duzen, oder kennen Sie mich? Weiterhin bin ich nicht weit ab vom Geschehen. Und ja, es ist mein Ernst. Der Bahnanschluss sollte zur hoffentlich endlich irgendwann mal stattfindenden Flughafeneröffnung fertig sein. Das gehört zur Verkehrsplanung. Schlimm ist nur, dass alles so ewig dauert.

  13. 10.

    Bitte??? kommt diese Antwort jetzt wirklich von Euch lieber RBB??? Hat es sehr wohl. Es geht doch um die Symbolik dabei. wieder große Nachteile für den Bürger zu schaffen und ein repressives System zu integrieren. Es wäre gerade IHRE Aufgabe als Sender der von öffentlichen Geldern lebt mal wirklich kritisch und aufklärerisch mindestens aber neutral und im Sinne der betroffenen über Dinge aufzuklären die Bürger in Ihrem Lebensraum stark einschränken und somit auch mal anzufangen wesentlich kritischer über den Irrsinn des BER zu berichten der die Lichtenrader mit Lärm und Kerosinregen versorgen wird...wenn er denn mal fertig ist. Das wäre echter, ehrlicher und lupenreiner Journalismus! Ich kann die Kritiker der ö-r Sender immer besser verstehen. Das geht stark Richtung Staatsfernsehen/ Medien. Sorry. Aber ohne Flax. Merkt Ihr das irgendwie, das diese ganze Berichterstattung oft in eine ganz falsche politisch angepasste Mainstream Richtung geht? Ich bin am verzweifeln darüber!!!

  14. 9.

    Berliner ist das Dein Ernst??? Das kann wirklich nur jemand schreiben der weiiit ab vom Geschehen lebt!!!

  15. 7.

    Na dann ist der Bahnanschluss ja vlt doch noch mit den Flughafen zusammen fertig. :-)))) Wenigstens wird das mit der Bahn nun endlich mal gemacht

  16. 5.

    Heute (05.02.) hat sich in Lichtenrade ein Kabinettstück zynischster Politik, wie wir sie in diesen Tagen nur allzu oft erleben, abgespielt. Das sich die Bahn nach einem über 20 Jahre währenden Protest der Anwohner gegen eine Tunnellösung der Dresdner Bahn in Lichtenrade mit allen bekannten Nachteilen entscheidet ist an Bürgerentfremdung schon kaum zu übertreffen. Zum Auftakt der Arbeiten in einer Art Staatsakt im warmen Partyzelt für die oberen Herren (u.a. Herrn Pofalla) auf der einen und den wütenden und protestierenden betroffenen Anwohnern auf der anderen Seite dann aber noch ausgerechnet zum 30. Jahrestag der Hinrichtung des letzten "Republikflüchtlings" feierlich und demonstrativ ein übergroßes Schallschutzelement einzusetzen setzt dem ganzen noch die (Mauer)Krone auf. Wir sind aktuell an einem demokratischen Tiefstpunkt angelangt.

  17. 4.

    Paule das nennt man Zivilcourage, das es von den Bürgern solange verhindert werden konnte. So hätte es nie geplant werden dürfen, oder bist Du für eine Einmauerung mit allen Nachteilen für die Anwohner? 20 Jahre dafür sind also viel zu schnell wenn man so will...

  18. 3.

    20 Jahre Vorbereitung....das ging ja mal richtig fix.....

Das könnte Sie auch interessieren