Ein Polizist und Feuerwehrmänner arbeiten an einem Unfallort, an dem ein Polizeifahrzeug während eines Einsatzes mit einem weiteren Auto zusammenprallte (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)..
Bild: dpa

Kontakt zu Fahrer des Polizeiwagens - Ermittler planen neue Befragungen im Fall Fabien M.

Ein Polizeiauto prallt am Alexanderplatz gegen den Wagen der Berlinerin Fabien M., die 21-Jährige stirbt. Ein Jahr danach gibt es Hinweise darauf, dass der Polizist offenbar betrunken war. Die Eltern erheben schwere Vorwürfe - jetzt sollen Zeugen erneut befragt werden.

Der Fall der getöteten Fabien M. soll offenbar teilweise neu aufgerollt werden. Wie die "Berliner Morgenpost" [externer Link] berichtet, planen die Ermittler neue Befragungen.

So sollen alle Personen, die mit dem Fahrer des Polizeiwagens am Unfalltag Kontakt hatten, noch einmal vernommen werden. Man wolle wissen, "wie es wirklich war - mit allen Konsequenzen", zitiert die Zeitung Polizeikreise.

Die 21-jährige Frau aus Reinickendorf war im Januar 2018 auf der Grunerstraße in Mitte getötet worden, als ein Polizeiauto mit 93 Stundenkilometern in ihren Kleinwagen krachte. Die beiden Polizisten waren unterwegs zum Potsdamer Platz, von wo aus ein Raubüberfall gemeldet worden war - das stellte sich später als falscher Alarm heraus. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Fahrer des Polizeiautos alkoholisiert gewesen sein soll.

Eltern werfen Behörden Intransparenz vor

Die Eltern von Fabien M. warfen den Ermittlungsbehörden am Freitag unter anderem schleppende und einseitige Ermittlungen sowie fehlende Transparenz vor. Der Anwalt der Familie, Matthias Hardt, sagte dem rbb, der Beamte, der das Unfallauto fuhr, sei "objektiv nicht in der Lage" gewesen, das Fahrzeug zu führen. Er habe unter Alkohol gestanden, sei mit einer Geschwindigkeit von 136 Stundenkilometern aus dem Tunnel in der Grunerstraße gefahren und habe dann nicht richtig reagiert, sondern zu spät abgebremst. Das alles entspreche in keiner Weise den Dienstvorschriften, so Hardt. 

Die beiden Polizisten seien nach dem Unfall nicht vor Ort befragt, sondern gleich ins Krankenhaus gefahren worden. Es sei auch keine Beweisaufnahme am Unfallort erfolgt.

Anonyme Hinweise an die Staatsanwaltschaft

Eigentlich standen die Ermittlungen zu dem Fall bereits im vergangenen Herbst vor dem Abschluss. Dann aber habe die Nebenklagevertretung anonyme Hinweise bekommen, die an die Ermittlungsbehörde weitergegeben wurden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin, Silke Becker am Mittwoch rbb|24. Daraufhin beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Patientenakten, aus denen hervorgehe, dass der Fahrer zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Krankenhaus alkoholisiert war. Sein Alkoholwert soll bei etwa 1 Promille gelegen haben.

Gegen den Polizisten wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, wegen der neuen Hinweise nun außerdem wegen Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit am Steuer.

Der Anwalt der Familie kündigte am Freitag an, man werde gegen den Unfallfahrer vor dem Landgericht ein Verfahren unter anderem wegen Totschlags, Trunkenheit am Steuer und Unfallflucht anstreben. Er forderte, dass innerhalb der nächsten zwei Wochen Anklage gegen den Mann erhoben wird. Der Beamte ist krankgeschrieben und will sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Sendung: Abendschau, 10.02.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Endlich mal jemand mit Ahnung. Danke dafür. Ja, sie kam wohl von der rechten Fahrbahn. Würde auch erklären, warum das Einsatzfahrzeug ganz links fuhr. Die Ermittlungen zum neuen Veedacht der Trunkenfahrt werden wohl länger dauern.

  2. 17.

    Das ist originär keine Handlungsvorgabe, das entspricht der StVO. Einsatzfahrzeuge haben Sonderwegerechte, aber keine Vorfahrt. Andere Fahrzeuge haben dem Einsatzfahrzeug mit Sondersignal freie Fahrt zu gewähren, indem sie auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten. Deshalb sind Fahrer von Einsatzfahrzeugen bei Einfahrten in Kreuzung bei roter Ampel oder Stoppschild auch tatsächlich als Unfallverursacher haftbar, wenn es zur Kollision kommt. Sie dürfen ihre freie Fahrt nicht erzwingen.
    Im Fall der jungen Frau passierte der Unfall aber nicht an einer Kreuzung sondern auf freier Strecke, weil die junge Frau nach bisherigem Wissensstand von rechts kommend in die freie Spur gefahren ist, um auf dem Mittelstreifen einzuparken. Deshalb ist der Polizeiwagen ja in die Fahrerseite gekracht. Die Schuldfrage dürfte juristisch nicht leicht zu klären sein, denn es ist unklar, ob und ggf. wie viel eine Alkoholisierung daran Anteil hat, heißt ob der Unfall ohne Alkoholeinfluss vermeidbar/verminderbar war.

  3. 16.

    Ich sehe nicht nur die Möglichkeit eines "Oder", sondern auch die eines "Und". Neben den belegbaren Dingen, die es bis jetzt gibt.

  4. 15.

    Einer seriösen Stadtzeitung entnahm ich heute, dass eine Handlungsvorgabe darin bestehe, dass Einsatzfahrzeuge auf Kreuzungen bis auf Schritt-Tempo herunterbremsen sollen. Dies eben deshalb, weil in unübersichtlichen Lagen einer Millionenstadt nicht jeder Mensch sofort mitbekommen KANN, von wo aus das Martinshorn ertönt und das Blaulicht leuchtet. Bei sehr übersichtlichen Lagen kann natürlich davon abgesehen werden.

    Zweitgenanntes ist hier nicht der Fall. Da hat einfach einer, komme, was da wolle, "auf die Tube gedrückt".
    Blaulicht und Martinshorn setzen nicht die physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft, die darin bestehen, dass Reaktionszeit + Bremsweg den Anhalteweg ausmachen. Und Blaulicht und Martinshorn setzen auch nciht die Irrtumsmöglichkeit von Menschen außer Kraft.

  5. 14.

    Sie unterstellen ziemlich viel... Warten Sie die Ergebnisse der Ermittlungen ab bevor Sie hier dem Beifahrer und der Polizei als Ganzes etwas anhängen. Üble Nachrede ist strafbar.

  6. 13.

    Sehr geehrter Herr Krüger, gestatten Sie mir bitte Ihren Kommentar um die unantastbare Würde von Fabien M. und die Verletzungen ihrer Grundrechte des Lebens sowie der Gesundheit zu erweitern. Der deutsche Staat besaß bzw. besitzt keine Rechtfertigung, dass Beamte der Exekutive wie "gesengte Säue" durch die Stadt rasen, ihren Tod verursachen und sich erst nach erheblichen Protesten zur korrekten Amtsermittlung veranlasst sahen. Hier zeigt sich die klare Trennung von Spreu und Weizen bei involvierten Staatsbediensteten einschließlich deren Haltung zum Grundgesetz wie auch in der Empathie der Kommentator*innen des Artikels. Ohne Schutzbereiche sind Grundrechte nur leere Worte!

  7. 12.

    Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Unter diesen Umständen unbeschreiblich.
    Wieso der mitfahrende Kollege diesen Polizisten nicht am fahren gehindert hat, weiß ich nicht. Mit der Vertuschung eines Alkoholproblems hilft er jedenfalls keinem, auch seinem Kollwgen nicht.
    Ich fahre tagtäglich mit dem Auto durch Berlin und finde es oft schwierig, schnellstmöglichst zu sehen / zu hören, von wo denn der Einsatzwagen mit Sirene kommt. Dann richtig und schnell zu reagieren mit all den anderen Verkehrsteilnehmern ringsum, ist schwierig genug. Unter Alkoholeinfluss je nach Promille fast nicht möglich. Wie man nun gesehen hat und dann mit dem Tempo.
    Das Schwigen der Kollegen/ Kolleginnen ist falsch verstandene Kolligialität, egal ob in Uniform oder nicht.

  8. 11.

    Eine Flasche kann genausogut in der in der Schreibtischschublade stehen oder in der Jacke stecken. Falls der Promillewert hier stimmt, muss der Unfallsfahrer im Dienst "nachgetrunken" haben, denn sonst wäre er vor Dienstantritt mit einem "krankenhausreifen" Promillewert herumgelaufen. Alkohol wird ja über die Zeit abgebaut. Also wenn sagen wir mal 30 min Weg zur Dienststelle, Unfall viell. 2 h nach Dienstantritt - wären dann vor Dienst schon 1,35 Promille gewesen usw.

  9. 10.

    Mein eben veröffentlichter Beitrag bezog sich auf folgenden Passus von Julius:

    " ...weil er dann selbst in den Bereich der Strafvereitelung käme und sich demnach nicht selbst belasten muss oder müsste."

  10. 9.

    Vor Dienstantritt Alkoholkontrolle, das einzige und richtige Mittel um Schwarze Scharfe auszuschließen, dient auch der allgemeinen Sicherheit.

  11. 8.

    Ihre Worte: "... nur die Ausführung unter Alkohol und unangepasster Geschwindigkeit wäre rechtswidrig gewesen." - NUR der Tod von Fabien M., des geliebten Menschen, die Zerstörung des Familienglücks, die seelischen Schmerzen und ...?

  12. 7.

    Das ist juristisch korrekt und menschlich außerordentlich schwer verstehbar. Genau dieses Prinzip lässt viele Menschen am Rechtsstaat buchstäblich verzweifeln, geht es doch nicht nur um eine Packung Süßigkeiten, gestohlen im Supermarkt, sondern um Menschenleben.

    Ein halber Berufsstand ist derweil darauf aus, Paragraphen bis zu jenem Punkt zu dehnen, der Paragraphen wirklich zu Gummiparagraphen werden lässt. Was fehlt, ist so etwas "Altbackenes" wie Anstand und Glaubwürdigkeit, jenseits juristischer Handhabung. Ohne Derartiges sind alle geschriebenen Rechte buchstäblich "in den Wind geschrieben".

  13. 6.

    Soso. Der Anwalt will wegen Unfallflucht ermitteln lassen, obwohl der fragliche Polizist mittels Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert wurde und er sich nicht selbst belasten muss wie jeder andere auch. Wo liegt da die Unfallflucht verborgen?
    Und auch der Totschlag lässt sich kaum ins Feld führen. Die Einsatzfahrt war offensichtlich rechtmäßig, nur die Ausführung unter Alkohol und unangepasster Geschwindigkeit wäre rechtswidrig gewesen. Ob der Unfall auch ohne Alkoholeinwirkung so passiert wäre, wäre zu klären. Nicht jedes Verkehrsunfallopfer wird zum Opfer eines Totschlages. Aber der Anwalt muss halt Wind machen, sonst geht Aufmerksamkeit verloren.

    Daher greifen auch die neuen Befragungen ins Leere. Wer damals wusste oder geahnt hat, dass Alkohol im Spiel sein könnte, wird das jetzt nicht ausplaudern, weil er dann selbst in den Bereich der Strafvereitelung käme und sich demnach nicht selbst belasten muss oder müsste.

  14. 5.

    Ich bitte Sie, den Unterton oder den Zwischenton zu beachten. Das ist vielleicht nicht mehr Usus in der heutigen Zeit. Ich schrieb: "... neigen". Dieses Wort gibt eine Tendenz, aber keine Tatsache an. Insofern braucht da auch nichts belegt werden.

    Wer offen ist und um sich schaut und auch Distanz zur eigenen Berufsgruppe hat, was ich jedem nur wünschen kann, wird das nicht als befremdlich empfinden, sondern als gut gemeinten Hinweis.

  15. 4.

    Nachdem, was sich hier scheinbar abgespielt hat, ist es doch völlig egal, wie Sie diesen Kommentar nennen. Eine junge Frau wurde totgefahren. Der Fahrer ist viel zu schnell (auch mit Sirene und Blaulicht nicht erlaubt) gefahren. Wie es aussieht, war er dabei total besoffen. Und keiner seiner Kollegen hat auch nur versucht auch in seine Richtung zu ermitteln und keiner seiner Kollegen hat den besoffenen Fahrer vorher am Fahren gehindert... Da fällt mir nur zu ein, dass Gesetzesverstöße und Verbrechen von einer großen Gruppe innerhalb der Polizei vertuscht werden sollten. Ich hoffe sehr, dass jetzt alles restlos aufgeklärt wird!

  16. 3.

    "Tendenziell neigen alle Uniformträger in einem gewissem Maße zur Kameraderie, d. h. zum (Zu-)Decken selbst grober Verfehlungen". Bitte mal diese Unterstellung belegen. Danke. Ansonsten nehme ich das mal als Bashing.

  17. 2.

    Hoffentlich werden die Befragten keine erinnerungslücken haben?

  18. 1.

    Ich sehe in den letzten Jahren eine recht fatale Tendenz: War es vorher teilweise Usus, Polizisten alles Mögliche, auch alles Unmögliche zuzutrauen und ergoss sich so mancher im Feindbild DER Polizei, so habe ich in letzter Zeit den Eindruck, dass im Zuge der Verunsicherungs-Debatte "Lebensrettern" ein Unfehlbarkeitszeugnis ausgestellt werden soll.

    So kurzsichtig das eine war, so kurzsichtig ist das andere.

    Tendenziell neigen alle Uniformträger in einem gewissem Maße zur Kameraderie, d. h. zum (Zu-)Decken selbst grober Verfehlungen. Das muss offenbar immer in Rechnung gestellt werden. Polizei, Feuerwehr und weitere Rettungsdienste sind nicht glaubwürdiger als andere, bloß weil sie hohen Einsatz zeigen, ggf. Leben zu retten. Das eine ist unabhängig vom anderen und sollte auch nicht "verrechnet" werden.

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